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Shared Space: Platz ohne Ampeln und Verkehrsschilder

11.10.2011 | 18:29 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

In Graz gibt es den ersten „Shared Space“-Platz in einer Landeshauptstadt. Sämtliche Verkehrszeichen wurden abmontiert, die Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt unterwegs.

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Graz. Die ersten Fahr- und Gehversuche über den neu gestalteten Sonnenfelsplatz in Graz liefen zögerlich ab: Ein Pkw nähert sich mit Schrittgeschwindigkeit von links, ein Taxi kommt aus einer rechten Seitengasse, bleibt stehen. Mittendrin ein Radfahrer, der quer über die Kreuzung fährt, und am Rand stehen Fußgänger, die die spürbare Unsicherheit der mobilen Verkehrsteilnehmer mit Spannung verfolgen. Gibt's gleich am Eröffnungstag den ersten Crash?

Seit gestern, Dienstag, ist der erste „Shared Space“-Platz in Graz – der zweite in Österreich nach Gleinstätten in der Südsteiermark (Bezirk Leibnitz) – für den Verkehr freigegeben. Bei dem aus Holland stammenden Verkehrskonzept wird auf Ampeln, Schilder und Zebrastreifen verzichtet. „Überreglementierung und Verkehrszeichen raus, Eigenverantwortung und gegenseitige Rücksichtnahme rein“, fasst der Grazer Stadtbaudirektor Bertram Werle das Credo der neuen Freiheit zusammen.

Im Platzbereich, wo aus fünf Richtungen Straßen einmünden, gilt nur die Straßenverkehrsordnung (Rechtsvorrang). Motorisierte Verkehrsteilnehmer sind verpflichtet, ihre Geschwindigkeit den örtlichen Verhältnissen anzupassen – was sie aufgrund der ungewohnt ungeregelten Verkehrssituation auch tatsächlich machen. Fußgänger wiederum haben nicht wie auf einem Schutzweg automatisch Vorrang, dürfen auch nicht „überraschend die Fahrbahn betreten und müssen in angemessener Eile“ (StVO) die Straße überqueren. Mehr Regeln gibt es nicht.

Nicht alle sind damit glücklich. „Da sag ich meinen Enkerln, dass sie nur bei einem Zebrastreifen über die Straße gehen dürfen – und dann das“, ärgert sich ein Passant. Die für Verkehrsagenden zuständige Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) sieht „Shared Space“ dennoch als Beitrag zur Verkehrssicherheit: „Die Verkehrsteilnehmer kommen durch die angeglichene Geschwindigkeit auf Augenhöhe.“ Internationale Beispiele würden kein Ansteigen der Unfallzahlen zeigen.

Auch in Gleinstätten zieht man nach einem Jahr eine positive Zwischenbilanz. Nach „Gewöhnungseffekten“ (Bürgermeister Gottfried Schober) hat sich die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der stark befahrenen Ortsdurchfahrt von 50 auf 42km/h gesenkt. Zudem ist es zu einer wirtschaftlichen Aufwertung gekommen: Ein neues Lebensmittelgeschäft hat sich direkt im Ort angesiedelt. Auch in holländischen Städten würden rund um „Shared Space“-Plätze Geschäfte Umsatzsteigerungen aufweisen.

Auf entsprechende städtebauliche Impulse hofft man auch rund um den Grazer Sonnenfelsplatz. „Wir wollen nicht den Verkehr beschleunigen, sondern einen attraktiven Lebensraum schaffen“, sagt Rücker. Die unmittelbare Nähe zum Campus der Karl-Franzens-Universität biete ausreichend Potenzial. Schon jetzt haben zu Spitzenzeiten pro Stunde 1300 Autos, 1700 Radfahrer und mehr als 3400 Fußgänger den bisher als Kreisverkehr geführten Platz vor der Uni-Mensa passiert.

750.000 Euro wurden in die Neugestaltung der 4000 Quadratmeter großen Fläche investiert. Die die Aufenthaltsräume am Rand von der Fahrbahnfläche optisch trennenden Einfärbungen des Asphalts fielen zwar weniger intensiv aus als angekündigt, dafür werden noch vor dem Winter 40Sitzgelegenheiten rund um den Platz postiert. Auch acht neue Bäume sollen gepflanzt und ein Blindenleitsystem installiert werden.

 

Shared-Space-Pläne in Österreich

Und das soll erst der Anfang sein. In Graz hat man bereits weitere Plätze, beispielsweise beim Metahofpark in der Nähe des Hauptbahnhofs, als „Shared Space“-würdig im Auge. In Feldkirchen im Süden der steirischen Landeshauptstadt wird bereits an einem „Shared Space“-Abschnitt gebaut. In Velden soll im Herbst kommenden Jahres ein großräumiges „Shared Space“-Projekt umgesetzt werden. Kosten: 1,6 Millionen Euro. Zwei kleinere Projekte sind in Villach in Planung, auch in Oberösterreich gibt es interessierte Gemeinden. Ebenfalls in Diskussion ist eine Einführung in der Maxglaner-Hauptstraße in Salzburg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2011)

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116 Kommentare
 
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Gast: b p
13.10.2011 15:11
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ökologische bilanz?


was ich anmerken möchte ist, dass drei wunderschöne große bäume vor dem laborgebäude geopfert wurden um den "gemeinschaftlich genutzten raum" einzurichten...

Re: ökologische bilanz?

Antwort der Grünen: "Das wächst ja nach." - So betrachtet, kann man ja auch die ganzen Regenwälder umschneiden: "Das wächst ja nach."

Gast: herbst
13.10.2011 03:50
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ein schöner Schildbürgerstreich

Besonders ältere, gebrechlichere Personen werden durch das scheinbare Chaos noch mehr gestresst.
Denkt irgend jemand auch mal an Leute, die nicht so jung, fit, dynamisch sind?

Schilda und Grüne - das passt zusammen wie Topf und Deckel.

Gast: Q-Tip
13.10.2011 00:18
7 0

Shared Outerspace

Wieder eine Großtat unserer Grüninnnen, ab mit Ihnen ins shared Outerspace! Baba!

6 0

.

die Grazer Stadtwache wird das Übermaß an Freiheit und Eigenverantwortung schon wieder kompensieren, wenn sie mal wieder im Stadtpark auf der Lauer liegen und 30 EUR-Strafen an Radfahrer verteilen!
Dort funktioniert laut Verwaltungsbeschluss nämlich Shared Space nicht mal zwischen Radfahrern und Fussgehern.

9 0

Unterhaltung pur

Ich war heute das dritte mal auf den Sonnenfelsplatz und muss sagen, es ist echt amüsant sich einfach am Straßenrand zu stellen und dem Verkehrschaos zuzusehen.
Also ich fand den Kreisverkehr völlig in Ordnung...
Finde es eher schade dass man 750 000 € für etwas ausgibt was eigentlich nicht nötig gewesen wäre.
Interessant ist es auch wenn es mal zu einem Unfall kommen sollte. Ich kann mir vorstellen, dass man praktisch immer eine Teilschuld zugesprochen bekommt egal ob man wirklich was dafür kann.

Gast: Zwergkiefer
12.10.2011 16:51
7 0

Und die Umwelt?

Hat sich darüber jemand Gedanken gemacht, was das für die Umwelt bedeutet, wenn motorisierte Fahrzeuge, einschliesslich einspuriger, im.Schrittempo dahinschleichen denn mehr ist unter solchen Gegebenheiten nicht drinnen, anstatt nach den klaren Regelungen des St.Vo. zügig zu fahren. Die Benzinfirmen wird es jedenfalls freuen.

Parken

Weiß jemand, wie das mit dem Parken von Autos geregelt ist? Darf man sich dort "überall" hinstellen, wo man niemanden behindert?

Antworten Gast: Zermürbter
12.10.2011 20:01
3 0

Re: Parken

Da Alle zur gleichen Zeit überall sein dürfen, behindern sich Alle gegenseitig permanent.

Das Modell dazu

haben die sich vermutlich in Neu-Delhi abgeschaut.

Gast: moneymaker
12.10.2011 14:52
10 0

Überflüssig

Ich kenne den Platz, die Kreisverkehrlösung war gut, es ist kaum zu nennenswerten Behinderungen gekommen. Meiner Meinung nach bestand auch kein Sanierungsbedarf o.ä.
Also wenn es schon so ein teures Experiment sein muß warum nicht an Plätzen wo auch Bedarf herrscht? zb überdurchschnittliche viele Unfälle, renovierungsbedürftige Straßen etc
Stattdessen werden Jahrzehnte alte Bäume gefällt um dann später wieder neue zu pflanzen.
Wie wäre es mit einer Fußbodenheizung soll ja auch die Sicherheit erhöhen (kein Blitzeis, Schnee...) anscheinend ist ja genug Geld da

Re: Überflüssig

Fußbodenheizung ist eine gute Idee. Gibt es übrigens schon in Frohnleiten. Dort gibt es einen Abgang vom Hauptplatz, der beheizt ist.
Also, alles nochmal aufgraben und Heizung verlegen! :-)

Um sich einen Fußbodenheizung leisten zu können,

darf man allerdings keine hochverschuldete "Kulturhauptstadt" sein, sondern sollte wenigstens seinen Müll gewinnbringend verkaufen können.

Shared Space


Ginge es auch Deutsch??

Antworten Gast: Stefan Haslinger
12.10.2011 19:03
0 0

Re: Shared Space

Klar: Schärt Spaeis.

Antworten Antworten Gast: Gast/weiblich
12.10.2011 21:19
0 0

Re: Re: Shared Space

Das war Spitze
:-))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))

der Sonnenfelsplatz - unendliche Weiten...


Re: Shared Space

Wo liegt das Problem? Englisch ist eine Weltsprache und lernt man schon in der Volksschule.

Re: Re: Shared Space

Deutsch dürfte hier die Amtssprache sein!

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keine Regeln - keine Strafen

keine Verkehrsschilder und keine Bodenmakierungen.... somit auch keine blaue-Zone! wäre ja eine tolle Park-Möglichkeit oder gibts doch mehr Regeln?

Antworten Gast: blaue zone
12.10.2011 16:14
0 0

Re: keine Regeln - keine Strafen

ist eine zone in graz, und zonen müssen nur am anfang und ende beschildert werden, also kein gratis dauerparken!

Gast: briony
12.10.2011 13:39
1 5

Großartige Idee

Wie kann das Gebot zu mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr nur als Negativ empfunden werden?

Ich finde das neue Konzept großartig, bei einem so hohen Verkehrsaufkommen (einschließlich Fußgänger und Radfahrer) führen Ampelregelungen und auch ein Kreisverkehr, wie er früher dort war, nur zu unnötigen Verkehrsbehinderungen.

Man kann ähnliches ja auch bei Baustellen beobachten, abgesehen natürlich von der Beeinträchtigung durch die Baustelle an sich, ist der Verkehr ohne Ampeln etc. fließender und die Rücksichtnahme auf Fußgänger um ein vielfaches höher.

Die Idee ist nicht schlecht

Ich finde die Idee gar nicht so schlecht. Gibt es Zebrastreifen und Gebotstafeln beharrt man auf sein Recht und glaubt sich in Sicherheit, was aber erfahrungsgemäß nicht so ist. Gibt es das alles nicht mehr, muß jeder aufpassen, ob man noch sicher unterwegs ist, muß man auf andere Verkehrsteilnehmer achten und so sorgt jeder für mehr Sicherheit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es weniger Unfälle geben wird.

Oje - da seh ich schwarz!

Für sowas ist der durchschnittliche Österreicher einfach zu undiszipliniert.

Man sieht es, wenn man mit den Öffis fährt oder auf einem Gehsteig geht oder sich wo anstellen muss. Alle stehen oder gehen irgendwo mitten im Weg herum, keiner hält sich an Regeln wie rechts halten etc.

Das kann also nur in einem großen Sauhaufen mit Verletzten enden.

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in einem Jahr ist dieser Versuch Geschichte

da es mehr Verkehrsopfer geben wird, welche dann die Stadt gefällig zu verantworten hat !

Wie soll man nun Kindern die Strassenverkehrsregel lernen, wenn es gar keine mehr gibt ?

Bescheuerte Idee, von WEN eigentlich angezettelt ?!

Antworten Gast: BraS
12.10.2011 14:42
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Re: in einem Jahr ist dieser Versuch Geschichte

lesens doch auch den Artikel, bevors sudern.

In Gleinstätten hat man schon 1 Jahr Erfahrung damit - und sie ist positiv.

Es gibt auch nicht keine Regeln, sondern keine Sonderregeln und Bevorrechtigungen.

 
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