Adamovich: Widersprüche im Fall Kampusch

19.10.2011 | 18:28 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Widersprüchliche Angaben von Natascha Kampusch im Fokus von Ludwig Adamovich: Anhand des Entführungsfalles geißelt der ehemalige Höchstrichter Ministerkabinette als "Grundprobleme der Ministerialverwaltung".

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Wien. „Das Auftauchen von Natascha Kampusch hat eine Medienkampagne sondergleichen ausgelöst und eine weltweite Welle des Mitleids mit 3096 Tagen grässlicher Gefangenschaft in der Gewalt eines psychopathischen Täters.“ So dramatisch formuliert Ludwig Adamovich, früher Präsident des Verfassungsgerichtshofs und Leiter der anlässlich des Entführungsfalls „Kampusch“ eingerichteten Evaluierungskommission, in seinem am Mittwochabend vorgestellten Buch, „Erinnerungen eines Nonkonformisten“.

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Seinen eigenen Worten stellt Adamovich jene Erklärung („Offener Brief“) von Natascha Kampusch entgegen, die diese im August 2006, kurz nach ihrer Flucht, öffentlich verlesen ließ. Darin stufte sie den Entführer Wolfgang Priklopil so ein: „Ich war gleich stark, aber – symbolisch gesprochen – er hat mich auf Händen getragen und mit den Füßen getreten.“ Dass Adamovich nach wie vor an der offiziellen Darstellung des Entführungsfalles seine Zweifel haben dürfte, ergibt sich etwa aus seiner Gegenüberstellung des zitierten „Offenen Briefs“ mit Passagen des im September 2010 erschienenen Kampusch-Buches. In diesem Bestseller wiederum („3096 Tage“) schreibe das Opfer von „massiven Misshandlungen“ – in dem vorher publizierten „Offenen Brief“ finde sich davon aber „kein Wort“.

Auch stellt Adamovich konkrete Buchauszüge dem „Brief“ gegenüber. So schreibe Kampusch im Buch anlässlich ihres 18.Geburtstags in Gefangenschaft: „Ich würde bei erster Gelegenheit fliehen. Und einer von uns beiden würde das nicht überleben.“ In ihrem „Offenen Brief“ vom August 2006 heißt es mit Blick auf den Entführer: „In meinen Augen wäre sein Tod nicht nötig gewesen.“

Auch seine erstinstanzliche Verurteilung wegen übler Nachrede in Zusammenhang mit Kommentaren zur Rolle der Mutter von Natascha Kampusch beschreibt der 79-jährige Spitzenjurist. Dieses Urteil sei für ihn „eine Katastrophe“ gewesen. Erst der in letzter Instanz erfolgte Freispruch habe die eigentliche Problematik beleuchtet: Demnach sei – laut Urteilsbegründung – die „frühzeitige Abschottung des Entführungsopfers“ dem Bedürfnis nach „restloser und endgültiger Aufklärung der Causa“ entgegengestanden.

 

Richtige „Farbe“ als Qualifikation

Schwere Geschütze fährt Adamovich (sein Buch handelt nicht nur vom Fall Kampusch, auch der Ortstafelstreit mit Jörg Haider oder zum Beispiel die Sanktionen der 14 EU-Staaten gegen Österreich werden erörtert) auch gegen die Kabinette von Ministern auf. Schon beim Versuch, Ermittlungspannen im Fall Kampusch aufzuzeigen (Streit zwischen Ex-Bundeskriminalamtsleiter Herwig Haidinger und dem Kabinett von VP-Innenministerin Liese Prokop), hätten sich rechtsstaatliche Mängel gezeigt.

Unklar sei gewesen, ob „Weisungen“ der Kabinette (Stabsstellen an der Spitze der Ministerien) überhaupt als echte Weisungen der Ressortspitze zu qualifizieren seien. Die Probleme reichen laut Adamovich bis in die Gegenwart – und weit über den Fall Kampusch hinaus: Die Kabinette seien „eines der vielen Grundprobleme der heutigen Ministerialverwaltung.“

Weiter: „Meistens bestehen sie aus sehr jungen Mitarbeitern (Mitarbeiterinnen), deren hauptsächliche Qualifikation im politischen Naheverhältnis zum Ressortchef besteht.“ Und: „Nun mögen diese Kabinette ein notwendiges Übel sein, solange eine erträgliche Kooperation mit der hierarchischen Ministerialorganisation besteht. Das ist aber nur allzu oft nicht der Fall.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2011)

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15 Kommentare

In Österreich

steht die Politik über der Justiz und das ist für einen demokratischen Rechtsstaat eine Schande. Es darf nicht sein, dass die Justiz politisch beeinflusst werden kann. Die Justiz muss absolut unabhängig sein, da sie sonst ihre Glaubwürdigkeit verliert und dafür gibt es in unserem Land leider genug Beispiele. Da werden Staatsanwälte und Richter "inthronisiert", denen man eindeutig ein Naheverhältnis zu irgend einer politischen Partei nachsagen kann und der Bürger wundert sich dann, wie es kommen kann, dass Fälle wie dieser hier noch immer nicht geklärt sind. Das kostet nicht nur enorme Summen an Steuergeld, das man wesentlich dringender für anderes brauchen würde. Nein, das kostet auch Ansehen und Vetrauen in einen Staat, der sich (hönisch) parlamentarische Demokratie nennt. So lange man sich mit derlei Fakten herumschlagen muss, so lange wird sich in diesem Staat nichts ändern. Willkommen in Absurdistan.

Und er reitet wieder

der Don Quakschotte der österl Kämmerlierlichkeit.
Schon klar, dass ihn SEIN schlechtes Gewissen antreibt -- zumal ER es war, der die österl Verfassung und Gerchtsbarkeit masstgeblich RUINIERT hat.

Ministerialbürokratie

Kann ich aus eingener Erfahrung nur bestätigen: Junge Juristerln die Gott spielen.

Gast: Garst
20.10.2011 07:57
0

Ich lese erst wieder einen Artikel über Tascherl

Wenn die Überschrift lautet: Kampusch wird von ein paar knallharten amerikanischen Profilern unter Eid einvernommen.

Adamovich der Nonkonformist?

Wie ist er den Präsident des VfGh geworden? Ah jah - Gewaltentrennung und so ...

Interessant, dass der Herr Adamovic immer noch den Gekränkten spielt

und er immer wieder versucht, die Frau Kampusch als Schuldige vor seinen Vorhang zu zerren!
Überhaupt: Was würde das an den Ereignissen ändern? Nichts!

So ein "Spitzenjurist" hat natürlich immer seine Goldwaage dabei...

Und mit Frauen dürfte er sich auch nicht gerade gut auskennen...die sind ja alle berühmt berüchtigt für die tollsten Widersprüche...

Verendet jetzt der Fall still und leise oder gibts doch noch ein Ergebnis?

Gast: geoopster Heike
19.10.2011 19:52
30

und weiter?

Das Ministerkabinett Platter hat auch SEINE Kasperlkommission zur Vertuschung des Polizei-Skandals im Fall Kampusch erfunden. Und zur Sicherheit haben diese BMI-Krätzen gleich einen der Ihren mit hinein in die "unabhängige" weisungsfreie Polizeifehler-Evaluierungskommission installiert, der das Vehikel in die richtige Richtung lenken sollte.

Adamovich war ein Komplize von denen, möglicherweise auch nur ihr gutgläubiges Opfer – in jedem Fall aber williges Werkzeug.

Bis heute ...
:-)

Re: und weiter?

Wie Sie sicherlich wissen aber immer wieder verschweigen, handelt es beim Fall Kampusch weniger um einen Polizeiskandal, sondern um einen Staatsanwälteskandal. Staatsanwälte, welche aufschlußreiche Ermittlungsergebnisse der Polizei wahrscheinlich wissentlich und absichtsvoll unter den Tisch fallen ließen.

Warum machen Sie die Argumentationslinien, welche in Richtung Kinderschänder weisen, immer wieder lächerlich? Sie wissen wahrscheinlich um deren Brisanz und versuchen mit dumm-dreisten Behauptungen davon abzulenken.

Antworten Antworten Gast: geoopster Heike
20.10.2011 11:12
27

nix weiter

wahrscheinlich vielleicht-möglicherweise-denkbar – mehr ist vom freigesprochene Rufmörder bis jetzt noch NIE gekommen.

Wer den seligen Priklopil sooo auffällig wertschätzt wie Adamovich es getan hat, macht sich selber zum Mittäter von Kinderschändern – von ALLEN Kinderschändern ....
Das hätte sich der wichtige Schwätzer früher überlegen müssen.

Können Sie mir folgen, geistig?
.

Re: nix weiter

Gut, statt sich selbst zu befriedigen, sollten Sie den Beitrag, den Sie kommentieren, wenigstens lesen bzw. zu verstehen versuchen.
Ich versuch es noch einmal:

Warum schlagen Sie sich auf die Seite derer, welche starke Hinweise darauf, dass Priklopil kein Einzeltäter war, einfach negieren?
Wen wollen Sie schützen und warum?
Aus keinen seiner Wortmeldungen geht hervor, dass Adamovich Priklopil "wertschätzt". Sie lügen, Herr oder Frau Heike.
Allerdings kann man eine gewisse Wertschätzung von Frau K. für Priklopil aus vielen Äußerungen und auch Verhaltensweisen sehr wohl ableiten.

Wenn Sie für eine saubere Justiz kämpfen wollen, dann greifen Sie statt Adamovich doch Pleischl an. Verzichten Sie aber auch bei ihm auf Ihre primitive Dreckschleuderei.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: geoopster Heike
23.10.2011 16:51
24

Hinweise auf und Indizien

für einen Vollklescher der zwei wichtigen Höchstrichter haben sich so STARK verdichtet, dass sogar die Buchrepräsentation vom wichtigen Adamovich ein medialer Flop wurde. Interessiert kein Schwein.

Der Gesichtsverlust, den die zwei Wichtelmännchen dem Opfer öffentlich so sehr gewünscht haben, hat sie endlich selbst getroffen.

muahaha

Re: Hinweise auf und Indizien

Ehrlich, Sie sind nicht bei Trost.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: geoopster Heike
24.10.2011 21:59
23

von der Bedeutung

der zwei wichtigen Höchstrichter wird für die Nachwelt als einziges übrigbleiben, dass sie beide bis ans Ende ihrer Tage das Verbrechensopfer Natascha Kampusch gejagt haben - konsequent und beharrlich. Nur über Kampusch werden sie definiert werden.

Das ist nämlich schon jetzt die Realität in der öffentlichen Wahrnehmung

Ludwig Adamovich junior
http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Adamovich_junior

Ein Viertel eigenes Leben und "Wirken"
DREI Viertel KAMPUSCH

:-)

suum cuique
Jeder kriegt, was er verdient.

Antworten Gast: severino
19.10.2011 20:32
1

Re: und weiter?

wenn es so ist,

dann bitte Gerichte einschalten .....

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