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Fall Kampusch: "Freispruch" für die Justiz

24.11.2011 | 12:57 |  von MANFRED SEEH (DiePresse.com)

Fünf in den Fall Kampusch eingebundene Staatsanwälte waren mit Amtsmissbrauchs-Vorwürfen konfrontiert. Die Justiz verteidigt die „Ein-Täter-These“.

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[WIEN] Fast zehn Monate lang war eine Innsbrucker Staatsanwältin freigestellt, um nur an diesem einen Fall zu arbeiten. Mehr als tausend Arbeitsstunden wendete sie auf. Auch ein (unabhängiger) Ermittlungsrichter wurde für diverse Einvernahmen zugezogen. Letztlich kam das Ergebnis der Ermittlungen aber keineswegs überraschend: Das Strafverfahren gegen fünf, teils hochrangige Staatsanwälte, die für die Aufklärung der Entführung von Natascha Kampusch zuständig waren, wurde eingestellt.

Der Vorwurf des Amtsmissbrauchs lasse sich durch nichts untermauern, hieß es am Donnerstag seitens des Justizressorts. Ebendort erhielten die Anklagevertreter, darunter der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Werner Pleischl und der Chef der Staatsanwaltschaft Graz, Thomas Mühlbacher, am Donnerstag volle Rückendeckung: Das Vorgehen der fünf ursprünglich Beschuldigten sei absolut „sachgerecht und juristisch korrekt“ gewesen, erklärte Sektionschef Christian Pilnacek. Die Innsbrucker Ermittlungen (das Verfahren war von Wien nach Innsbruck delegiert worden, um eine etwaige Befangenheit der Wiener Staatsanwälte-Kollegen hintanzuhalten) und die folgenden Prüfungen der übergeordneten Instanzen würden in Summe die „bis dato umfangreichste justizinterne Prüfung behaupteten Fehlverhaltens eigener Organe“ ergeben. Große Worte, die in einem adäquat prunkvollen Rahmen verkündet wurden: im altehrwürdigen Großen Festsaal des im Palais Trautson beheimateten Justizministeriums.

Pilnacek war freilich nicht alleine gekommen: Auch die Leiterin der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Brigitte Loderbauer sowie der Behördenleiter der Oberstaatsanwaltschaft Innsbruck, Kurt Spitzer, hatten auf Geheiß des Ministeriums den Weg nach Wien eingeschlagen – und am Podium Platz genommen. Allein Justizministerin Beatrix Karl (VP) verzichtete auf eine Teilnahme an der groß angelegten Pressekonferenz, ließ aber im Anschluss daran per Aussendung wissen, dass die Sache noch dem Rechtsschutzbeauftragten des Justizministeriums, dem pensionierten Generalprokurator, Gottfried Strasser, vorgelegt werde. Dieser könnte theoretisch die Einstellung des Innsbrucker „Staatsanwälte-Verfahrens“ beanstanden und bei Gericht einen sogenannten Fortführungsantrag einbringen.

„Der Forderung nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss steht Justizministerin Karl aus Gründen des Opferschutzes skeptisch gegenüber“, hieß es weiter. „Sollte sich das Parlament dazu entschließen, diese Causa nochmals zu prüfen, so biete ich an, alle uns vorliegenden Unterlagen an den ständigen Unterausschuss des Innenausschusses zu übermitteln. Dieser ist geheim, wodurch auch der Opferschutz (...) gewahrt werden kann“.

Zumindest vorerst scheint der Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofes, Johann Rzeszut, als „Verlierer“ übrig zu bleiben: Er hatte durch sein umfassendes Dossier an das Parlament auf die „Unterlassung wesentlicher Ermittlungsschritte“ im Fall Kampusch aufmerksam gemacht, so die Ermittlungen gegen die Staatsanwälte ins Rollen gebracht – und erst jüngst in einem großen Interview für die „Presse am Sonntag“ die offiziell vertretene „Ein-Täter-These“ sogar „ausgeschlossen“.

„Kein Funken Ermittlungsansatz“

Im Namen des Justizressort hieß es nun, Rzeszut habe in seiner Darstellung „einzelne Beweisergebnisse hervorgehoben, andere außer Acht gelassen und so eine Theorie entwickelt, die der eingehenden, umfassenden und objektiven Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft Innsbruck nicht Stand hielt.“ Pilnacek ergänzte: Rzeszut habe Gelegenheit gehabt „in 48 Stunden Vernehmung“ in Innsbruck seine Sichtweise darzulegen. An der Ein-Täter-These sei letztlich nicht zu rütteln gewesen. Und: „Es ist nicht der Funken eines Ermittlungsansatzes mehr vorhanden.“

Die Tatsache, dass eine Zeugin den Zugriff auf Natascha Kampusch beobachtet und wiederholt von zwei Tätern gesprochen hatte, wird offiziell nun so erklärt: „Eine Vermischung von Realität und Fantasie“ könne „nicht ausgeschlossen werden“. Indessen sagte Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident Ludwig Adamovich (er leitete die Kampusch-Evaluierungskommission) als Zaungast der Pressekonferenz: „Für mich ist der Fall nicht restlos aufgeklärt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25. November 2011)

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82 Kommentare
 
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So diese Angelegenheit nur ein kleines Mosaik in der Justitz ist,

ist die Justiz nur ein kleines Mosaik in diesem Politik-/Beamtensauhaufen der sich Österreich nennt :-(

Verfall der Justiz

Ich habe vor 15 Jahren die Mahnwachen vor dem Brüsseler Justizpalast für die von Dutroux getöteten Mädchen An und Eefje miterlebt. An einer solchen Mahnwache vor unserem Justizpalast würde ich mich sofort beteiligen. Sie ist überfällig!

Gast: geoopster Heike
25.11.2011 11:02
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Zeugenaussagen können stimmen, teilweise zutreffen oder ganz falsch sein,

sagt ein echter Experte, nämlich der deutsche Profiler (= Fallanalytiker) Axel Petermann. Ein berühmtes Beispiel ist der Fall einer Frau, die am 27. Dezember getötet und deren Leiche am 2. Januar entdeckt wurde. Zahlreiche Menschen behaupteten aber, mit ihr Silvester gefeiert zu haben. Diese Frau lebte in einer Wohnsiedlung, wo jeder jeden kennt, ein Irrtum schien ausgeschlossen. Ein anderes Beispiel sind die zwei 2011 ermordeten Kinder in D, die noch am Samstag von Zeugen winkend gesehen wurden, obwohl das Mädchen schon seit Montag mausetot hinterm Gebüsch lag.
http://www.nachrichten.de/wissen/Interview-mit-Fallanalytiker-Axel-Petermann-Ich-lese-nicht-die-ganze-Akte-aid_1477423862834735576.html

Wilde Spekulationen, "Hinweise" und "Indizien" auf Hinweise sind keine BEweise, sondern heiße Luft.
Bedenklich, dass derangierte Persönlichkeiten von deratiger geistiger Verfasstheit wie Adamovich und Rzeszut in Österreich Höchstrichter werden können.

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Nur Kampusch

Es liegt allein an Kampusch, zu sagen: Es waren ein, zwei.....Täter. Dann wäre Klarheit da. Warum tut sie es nicht ? Sie ist ja sonst auch nicht so öffentlichkeitsscheu

Wäre ja nicht Österreich,

würden Sich die Staatsdiener nicht Ihre Verbrechen gegenseitig decken.
Wenn man sich die Geschichte dieser Kaste ansieht, dann bemerkt man, dass Sie jedem Regime, und war es auch noch so unmenschlich, die Treue gehalten haben und immer unbeschadet den Wechsel überstanden haben.

"Es gibt keinen CODE RED."




Gast: peteranton
25.11.2011 07:54
9 0

Was soll dabei

herauskommen, wenn Staatsanwälte gegen Staatsanwälte ermitteln? Hier sollte man den Corpsgeist berücksichtigen.

Gast: Justizbeobachter
25.11.2011 07:18
4 0

Man wird sich ja nicht selbst die Augen auskratzen....

Da gaebe es dann kein Bunga Bunga mit den Buberln und Maederln (manchmal) mehr!

Gast: mow
25.11.2011 00:23
5 1

wieder nichts gefunden

Wie so oft wieder nichts gefunden(bei den grossen Buergern).Eine Kraehe hackt der anderen kein Auge aus.Warum hat man kein unabhaengiges Gericht entscheiden lassen ? Wie immer bleiben wichtige Fragen unbeantwortet.Oesterreich ist ein schwaches (politisches)Land geworden.

...Der Vorwurf des Amtsmissbrauchs lasse sich durch nichts untermauern, hieß es am Donnerstag seitens des Justizressorts...Zumindest vorerst scheint der Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofes, Johann Rzeszut, als „Verlierer" übrig zu bleiben....

Eine wirklich verwirrende Geschichte.

Es stellt sich zunehmend die Frage, wer die Staatsanwaltschaft prüft und wie dies geschieht.

Gibt es etwa Einstellungen des Verfahrens ohne Ermittlungen?
Gibt es etwa Anklageerhebungen ohne hinreichende Ermittlungen?
Was passiert, wenn die Bestimmungen der Strafprozessordnung nicht eingehalten werden?
Keine Sorge: Der Rechnungshof die Staatsanwaltschaften geprüft.

» http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin... 0_03_3.pdf

http://so-for-humanity.com2000.at


Antworten Gast: m0nk
25.11.2011 07:58
2 3

Re: ...Der Vorwurf des Amtsmissbrauchs lasse sich durch nichts untermauern, hieß es am Donnerstag seitens des Justizressorts...Zumindest vorerst scheint der Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofes, Johann Rzeszut, als „Verlierer" übrig zu bleiben....

Das Rz-Dossier war nicht an die StA, sondern an das Parlament gerichtet, so nach dem Motto: Schaut Euch mal das BMJ näher an. Das weisungsgebundene judizielle Zwischenspiel hat die parlament. Überprüfung nicht verhindert. Ganz im Gegenteil sind die Parlamentarierer jetzt noch hellhöriger geworden.

Gast: Ludwigs Ton
24.11.2011 21:46
9 5

wenn die Justiz nichts zu verbergen hätte, könnte sie doch ganz einfach den Herren Adamovich und Rzeszut die offenen Ermittlungen übertragen,

dann würde man sehen,
1) ob es weitere Täter gibt und
2) ob amtsmissbräuchlich nicht vollständig ermittelt wurde
Außerdem würde was dabei herauskommt wohl auch von der großen Mehrheit der jetzt zweifelnden Österreicher anerkannt werden, denn nur den Herren von der Staatsanwaltschaft glaubt derzeit niemand nichts

Herr Seeh, übernehmen Sie!

Restlos geklärt ist die Sache noch immer nicht!

Die Einstellung der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft hat einen mehr als schalen Beigeschmack!

Wesentlich eleganter wäre es gewesen, ein ordentliches Gerichtsverfahren abzuwickeln und mit einem Freispruch (ev. mangels Beweisen) abzuschließen!!!

Gast: Großinquisitor
24.11.2011 21:13
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2 angesehene pensionierte Oberste Richter setzen nicht aus Jux und Tollerei ihren Ruf aufs Spiel !!!

NK gelang ausgerechnet an ihrem 18.Geburtstag mit Erreichen der Großjährigkeit die Flucht!

Das folgende Zusammentreffen von Mutter und Tochter verlief äußerst merkwürdig! Normalerweise würde man erwarten, daß sie sich schluchzend in die Arme fallen!!!

Wurde diesen Auffälligkeiten jemals Beachtung geschenkt!

Die "Selbstmorde" des Täters und des offensichtlich fündig gewordenen Kriminalbeamten wurden auch nur äußerst nachlässig untersucht!

Auch Fragen über Fragen und wie immer keine Antworten.

5 0

Re: 2 angesehene pensionierte Oberste Richter setzen nicht aus Jux und Tollerei ihren Ruf aufs Spiel !!!

Ja, es scheint mir so zu sein, als ob Priklopil zuletzt zumindest etwas gut machen wollte. Dafür hat er sie frei gelassen zu einem Zeitpunkt zu dem sie sicher nicht mehr zu ihrer Mutter zurückmuss und mit ihr einen Plan gemacht, was genau sie erzählen soll und die "Flucht" geplant. Dass sie noch lebt dürfte daran liegen, dass irgendwo die wahre Geschichte hinterlegt ist.

sta und medien

erinnern mich hier an einen uralt komik -film mit Jerry Lewis : " der trottel der kompanie "
--- ein einfältiger rekrut hatte in einem manöver auftrag einen panzer getarnt , den nachher niemand, nicht einmal er selber zu finden in der lage war .... an sich köstlich ...

Herr Pilnacek irrt gewaltig!

Im Verfahren in Innsbruck wurde nur ermittelt, ob fünf höchstrangige Staatsanwälte Amtsmissbrauch begangen haben.
NICHT erhoben wurde in der causa Kampusch selbst.
Insbesondere wurden keine neuen Ermittlungen durchgeführt, ob es außer dem Herrn Priklopil weitere Täter oder Mitwisser gab.

Daher hat Innsbruck keinerlei endgültigen Beweise gebracht, dass es nur einen (selbstgetöteten) Täter gab...

Da muß ein extrem hohes Tier verwicklt sein,

anders ist die Vertuschung nicht möglich.

Man könnte schon meinen wir leben in einem System, ähnlich der ehemaligen DDR.

beschämend

Das war heut' mal wirklich ein Anlass zum Fremdschämen.

Ansonsten ... - ich bin nur noch sprachlos.
Mein Vertrauen in die Justiz ist komplett dahin!

SO was würde in einem

Rechtsstaat nicht durchgehen, aber bei uns ...

Trallllallallalaallla ....

Gast: FRAGEN darf man noch
24.11.2011 19:40
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zahlreiche Vermutungen, dass da ein/mehrere sehr hohe Personen involviert sind ...

... haben Substanz !

Geht es vor allem um den Milizoffizier B. ?

der von Manfred Seeh als "unter dem Nicknamen Be-Kind-Slow in Internet-Sex-Foren auftretend" beschrieben wurde !

Kontakte bis zur ex-Justizministerin sind für diesen "Be-Kind-Slow" ja im Manfred Seeh Blog von Teilnehmern dargestellt worden ?

Geht es vielleicht nur mehr um diesen Herrn insbesondere, um diesen "anständigen, hochrangigen Militär" ?

Herr Seeh, wieso haben sie nie mehr über diesen "Be-Kind-Slow" geschrieben ?

Gast: Geheimrat
24.11.2011 19:24
11 1

Die zur Wahrheit wandern, wandern alleine......


Gast: Nemesis
24.11.2011 19:01
24 1

Diese Justiz ist eine Schande für die Republik.

Und diese Republik ist eine Schande für ihre Bürger.
Veränderung ist angesagt - dringendst.

Re: Diese Justiz ist eine Schande für die Republik.

Wie war das 1928 ?*)

*) Mein Vater wurde erschossen, nur weil er zuschauen gekommen ist, wie es aus dem Justizpalast herausraucht.....

**) Man kann massive Steinbauten nicht von aussen anzünden.

***) Also muss es doch ein Richterstrolch gwen sein!

Gast: timeo
24.11.2011 18:16
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Verfahre Kampusch

Ich vermute, dass da ein/mehrere sehr hohe Personen involviert sind.

Der/die Justizminister kann ein Verfahren beenden, wenn die Staatssicherheit gefährdet ist.

Das ist meiner Meinung nach auch in diesem Verfahren gegeben und die Fr. Justizminister hat davon Gebrauch gemacht.

Antworten Gast: Hunter
24.11.2011 19:02
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Re: Verfahre Kampusch

In so einem Fall müssen die Bürger eingreifen -1848

 
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