HIV und Aids: Die neue Gedankenlosigkeit

Heute ist Welt-Aids-Tag. Die HIV-Infektionen steigen in Österreich, in ganz Europa und in Russland - zum Teil um mehr als zehn Prozent. Betroffen sind immer öfter auch Heterosexuelle. Das Bewusstsein für die Gefahr sinkt.

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Symbolbild – (c) AP (JENS MEYER)

Im Umgang mit der Bedrohung durch HIV/Aids greift eine neue Gedankenlosigkeit um sich: Zwar sinken weltweit die Neuinfektionen, doch ausgerechnet in Europa und Russland, wo die medizinische Versorgung und die Aufklärung vergleichsweise gut ist, steigen sie - teils um mehr als zehn Prozent. Auch in Österreich zeichnet sich eine Zunahme der HIV-Infektionen ab, teilte die Aids-Hilfe anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember mit.

Angesichts der Zahlen schlagen russische und europäische Gesundheitsorganisationen Alarm: In ganz Europa gab es 2010 insgesamt 27116 Neuinfektionen, teilte das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) mit - um vier Prozent mehr als 2009. Österreich übertrifft sogar diese Zahlen, warnt die Aids-Hilfe Wien: Die Zahlen der ersten neun Monate des Jahres 2011 deuten auf einen Anstieg von zehn Prozent bei den Neuinfektionen hin.

Russland: 250 Prozent mehr HIV-Infizierte

Noch dramatischer ist die Lage in Russland: Dort gab es in den ersten zehn Monaten 48.000 HIV-Neuinfektionen. Seit Anfang des Jahrtausends ist die Zahl der HIV-Infizierten um 250 Prozent gestiegen, auf derzeit 636.979. "Unsere Programme sind ineffektiv", sagte der Leiter des Föderalen Anti-Aids-Zentrums, Wadim Pokrowski. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Epidemie in dieser Region ihren Höhepunkt erreicht hat", sagte Gottfried Hiernschal, der HIV-Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Vor allem Drogenabhängige leiden seit Ende der 1990er Jahre an der steigenden Infektionsrate. In der Ukraine könnten bis zu 50 Prozent der Junkies infiziert sein, in Russland mehr als ein Drittel. Weil viele sich mit Prostitution durchschlagen, erhöhe dies das Infektionsrisiko in der Bevölkerung, hieß es. Die Zahl der Aids-Toten habe sich in der Region seit 2001 auf 90.000 weit mehr als verzehnfacht. Nur wenige würden behandelt.

"HIV bei Heterosexuellen gelandet"

Sorgen bereitet den Behörden das mangelnde Problembewusstsein: Das Wissen um HIV/Aids sei zwar in den Köpfen angekommen, aber noch nicht "in den Betten", sagt Dennis Beck von der Aids-Hilfe Wien. Die steigenden Infektionsraten dürften vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen sein: Einerseits ist - so Beck - "HIV in der heterosexuellen Bevölkerung gelandet", wo zur Verhütung weniger oft Kondome verwendet werden. Andererseits würde die Zahl der bisexuellen Männer steigen. "Da haben wir ein Problem."

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(Ag./Red.)

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