HIV und Aids: Die neue Gedankenlosigkeit

01.12.2011 | 07:52 |   (DiePresse.com)

Heute ist Welt-Aids-Tag. Die HIV-Infektionen steigen in Österreich, in ganz Europa und in Russland - zum Teil um mehr als zehn Prozent. Betroffen sind immer öfter auch Heterosexuelle. Das Bewusstsein für die Gefahr sinkt.

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Im Umgang mit der Bedrohung durch HIV/Aids greift eine neue Gedankenlosigkeit um sich: Zwar sinken weltweit die Neuinfektionen, doch ausgerechnet in Europa und Russland, wo die medizinische Versorgung und die Aufklärung vergleichsweise gut ist, steigen sie - teils um mehr als zehn Prozent. Auch in Österreich zeichnet sich eine Zunahme der HIV-Infektionen ab, teilte die Aids-Hilfe anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember mit.

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Angesichts der Zahlen schlagen russische und europäische Gesundheitsorganisationen Alarm: In ganz Europa gab es 2010 insgesamt 27116 Neuinfektionen, teilte das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) mit - um vier Prozent mehr als 2009. Österreich übertrifft sogar diese Zahlen, warnt die Aids-Hilfe Wien: Die Zahlen der ersten neun Monate des Jahres 2011 deuten auf einen Anstieg von zehn Prozent bei den Neuinfektionen hin.

Russland: 250 Prozent mehr HIV-Infizierte

Noch dramatischer ist die Lage in Russland: Dort gab es in den ersten zehn Monaten 48.000 HIV-Neuinfektionen. Seit Anfang des Jahrtausends ist die Zahl der HIV-Infizierten um 250 Prozent gestiegen, auf derzeit 636.979. "Unsere Programme sind ineffektiv", sagte der Leiter des Föderalen Anti-Aids-Zentrums, Wadim Pokrowski. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Epidemie in dieser Region ihren Höhepunkt erreicht hat", sagte Gottfried Hiernschal, der HIV-Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Vor allem Drogenabhängige leiden seit Ende der 1990er Jahre an der steigenden Infektionsrate. In der Ukraine könnten bis zu 50 Prozent der Junkies infiziert sein, in Russland mehr als ein Drittel. Weil viele sich mit Prostitution durchschlagen, erhöhe dies das Infektionsrisiko in der Bevölkerung, hieß es. Die Zahl der Aids-Toten habe sich in der Region seit 2001 auf 90.000 weit mehr als verzehnfacht. Nur wenige würden behandelt.

"HIV bei Heterosexuellen gelandet"

Sorgen bereitet den Behörden das mangelnde Problembewusstsein: Das Wissen um HIV/Aids sei zwar in den Köpfen angekommen, aber noch nicht "in den Betten", sagt Dennis Beck von der Aids-Hilfe Wien. Die steigenden Infektionsraten dürften vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen sein: Einerseits ist - so Beck - "HIV in der heterosexuellen Bevölkerung gelandet", wo zur Verhütung weniger oft Kondome verwendet werden. Andererseits würde die Zahl der bisexuellen Männer steigen. "Da haben wir ein Problem."

Aids: Weltweit 34 Millionen Menschen infiziert

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(Ag./Red.)

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8 Kommentare
Gast: vergilius
01.12.2011 16:11
4

wem treue und verantwortung

nichts bedeuten, der muss sich halt schon fragen lassen; und wenn jemand die einzige verantwortungsvolle handlung beim ausleben sexueller gelüste darin sieht, dass ein kondom verwendet wird, dann wundert man sich nur mehr. die altn konservativen werte waren vielleicht doch nicht die schlechtesten.

Gast: Felix7792
01.12.2011 15:49
0

Gedankenlosigkeit

Jedes Jahr die gleiche Meldung: Aus Gedanken- und Arglosigkeit steigen die HIV Ansteckungen an, die Menschen nehmen die Krankheit scheinbar nicht ernst genug. In Wahrheit vergeht kaum ein Tag wo nicht irgendwo in den Medien AIDS Warnungen ausgesprochen werden.

2011 gabs lin Österreich laut http://bmg.gv.at genau 4 Todesfälle durch AIDS und 398 Ansteckungen mit dem HIV Virus. Die Zahlen sind seit ca. 15 Jahren ziemlich stabil. Das in Österreich ein signifikanter Anstieg zu bemerken ist, kann man den Zahlen des Ministeriums nicht entnehmen.

Wie sehr muss man sich fürchten?

Gast: wienermädl
01.12.2011 14:18
7

saturday night fever auf ATV

man muss nur den Fernseher einschalten und dann wird alles klar. und das sind keine Homosexuellen sondern die österreichische Jugend. Unabhängig ob aus dem Gemeindebau oder besserem Haus. Wird ja auch allen von der Medienwelt eingeimpft. Sex sells. Egal ob in der Werbung oder vor zehn Jahren als das mit Sex in the City ins Rollen kam. Überall wird geschn***. Kann mich nur nicht erinnern, dass da irgendwann einmal von Verhütung gesprochen wurde. Und das Problem ist, dass man seine Kinder nicht abschirmen kann. Heute machen sie sich mit 13 Sorgen, dass sie noch Jungfrau und damit uncool sind. Eigentlich sollten sie in dem Alter noch in Mickey mouse T-shirts herumlaufen und die Kindheit genießen...

männliche Homosexuelle

männliche Homosexuelle
sind die meisten Neuerkrankten, berichtet heute der ORF. Ob das politisch korrekt ist?

naja wenn heute einer mit einer neuen

ohne gummi ins bett geht ist er ein selbstmörder oder debil

Gast: k.u.k Feldmarschall
30.11.2011 17:52
2

Wieder einmal nur eine Propaganda, so wie bei der Grippe!

Das es mehr Infizierte gibt ist ja klar, weil die jetzt nicht mehr daran sterben und zum Beispiel Kinder kriegen.
Klar, dass die mehr werden, so wie es auch immer mehr Autos gibt, weil die nicht schon in der Ausfahrt vom Autohaus kaputt werden.

Antworten Gast: Bildungsexpertin
01.12.2011 11:15
2

Es geht in dem Artikel ausdrücklich um die Zahl der Neuinfektionen.

Lesen bildet.


in europa und russland

greift ja auch die davos- und McWordl-kultur um sich. jeder glaubt ein juppy zu sein, und regelt sein privatleben wie seine arbeit nach preis/gegenleitstungsverhältnis und anzahl der "abschüsse". da macht sowohl die weibliche als auch die männliche bevölkerung fest mit.

und die deutschen und österreicher, die ihr bedürfnis nach sozialer nähe im ostblock oder bei unkontrillierten "damen" (weils puff zu teuer ist) ausleben sind auch nicht zu unterschätzen bei der verbreitung.

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