Wien/Jl/Cim. Ein Pensionist stürzte im Zillertal mit seinem Auto in einen Bach, in Vorarlberg musste der Arlbergpass für Stunden wegen Lawinengefahr gesperrt werden – Lech und Zürs waren nicht erreichbar. Auch in Salzburg kam es am Mittwoch zu einigen Unfällen.
Nachdem der Schnee lange Wochen auf sich warten ließ, fällt er im Westen nun in Massen: Von Dienstag auf Mittwoch ist am Arlberg mehr ein halber Meter Neuschnee dazugekommen. „Ab Donnerstag wird es in den Bergregionen wärmer, aber bis dahin kommt noch einiges dazu“, sagt Meteorologe Thomas Knabl von Ubimet.
Auf über 1000 Metern könnte in Vorarlberg und im Tiroler Oberland abermals ein halber Meter Schnee fallen. Die Lawinengefahr steigt. Am Arlberg bestand schon am Mittwoch große Lawinengefahr (Stufe vier). Auch auf 600 bis 1000 Metern werde noch erheblich Schnee fallen, so die Prognose.
Keine weiße Weihnacht in Wien
Aber die Wetterlage ist zweigeteilt. Während der Schnee pünktlich zum heutigen astronomischen Winterbeginn in den Bergen fällt, sollte man sich östlich von Linz lieber nicht auf weiße Weihnachten einstellen. „Im Süden und Osten spürt man in den nächsten Tagen nichts vom Winter“, sagt Knabl. Unterhalb von 600 Metern wird auch am Samstag kein Schnee fallen. In den Bergen, aber auch im Mühl- oder Waldviertel, sei die Wahrscheinlichkeit für Schnee am Heiligen Abend hingegen hoch.
Aber wirklich perfekte weiße Weihnachten, bei denen am 24. Schnee fällt und auch am 25. noch liegen bleibt, sind selten. Eine Auswertung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigt, dass das in den vergangenen 20 Jahren in den meisten Orten nur zwei bis sechs Mal der Fall war. In Orten ab 700 Meter Seehöhe steigt die Wahrscheinlichkeit auf 70Prozent. Klarerweise gilt: Je höher die Lage, desto größer die Chance auf eine Schneedecke über Weihnachten. Am Brenner (1450 Meter) war in den vergangenen 20 Jahren jedes Weihnachten weiß. Am seltensten kann man im Flachland von Niederösterreich, in Wien und im Burgenland am Heiligen Abend und am Christtag durch eine Schneelandschaft spazieren. Eisenstadt etwa war in 20 Jahren nur zwei Mal zu Weihnachten schneebedeckt.
Heuer wird es nicht so sein. Ab Freitag wird das Wetter östlich von Salzburg unbeständig, eine Kaltfront von Nordwest wird oberhalb von 500 bis 700 Metern vermutlich Schnee bringen. „Im Wiener Raum wird das Wetter unbeständig, am Heiligen Abend kommen kräftiger Wind und Temperaturen von sechs bis acht Grad“, so Knabl.
Der sonnigste Frühling bisher
In den heimischen Bergen wird 2011 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen 1851 sein. Die Temperaturen, die in den acht hochalpinen Gipfel-Wetterstationen heuer gemessen wurden, werden im Schnitt um 1,6 Grad höher sein als im Schnitt des 20.Jahrhunderts und auch um 0,3 Grad wärmer als das bisherige Spitzenjahr 1994. Das geht aus den Aufzeichnungen der ZAMG hervor.
Der Jahresschnitt für 2011 kann heute schon auf 0,1 Grad genau berechnet werden. Am Gipfel des Sonnblicks (3106 Meter) in den Hohen Tauern wurden heuer im Schnitt minus 3,7 Grad gemessen. „Das ist ein typischer Ausreißer nach oben, aber auch der langjährige Trend geht nach oben“, erklärt Reinhard Böhm von der Abteilung für Klimaforschung der ZAMG. Diesen Wärmerekord gab es nur in den Bergen. Aber auch im Tiefland zählt 2011 zu den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen im Tiefland, 1767. In Wien wurden heuer im Schnitt elf Grad plus gemessen. Die wärmsten Jahre in Wien waren bisher 2000 und 2007 mit je 11,7 Grad.
Die Temperaturen in den Bergen sind nicht die einzigen Wetterrekorde, die heuer aufgestellt wurden: Der November war der absolut trockenste, der in Österreich je registriert wurde. Außerdem gab es den sonnigsten Herbst im Gebirge und das sonnigste Frühjahr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2011)
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