Nehmen wir einmal an, es geht im Dezember 2012 – richtig, das wäre dieses Jahr – wirklich die Welt unter, wie es Unheilspropheten auf (eher wackeliger) Basis des Maya-Kalenders vorhersagen. Da wäre es doch nett, noch einmal das meiste aus Wien herausgeholt zu haben. In diesem Sinne: Zehn Dinge, die Sie in Wien heuer nicht verpassen sollten.
1. Genüsslich: Die besten Kaffeezapfer der Welt
Wien, Welthauptstadt der Kaffeekultur – wer könnte das bezweifeln? Eine Tatsache, der nun auch die internationale Espresso- und Coffeeshop-Szene Rechnung trägt – und die Barista-Weltmeisterschaft 2012 im Juni in der Messe Wien abhält. In deren Rahmen messen sich Espressozapfer in Disziplinen wie der Kenntnis unterschiedlicher Kaffeesorten, der Kaffeeröstung, der Bedienung und Wartung von Espressomaschinen, dem Aufschäumen von Milch – und der „Latte Art“, bei der sie mit Milchschaum vergängliche Gemälde auf den Kaffee zaubern. Hohe Kunst.
2. Teuer: Darf es ein bisschen mehr sein?
Wer das Leben in Wien genießen will, muss ab heute mehr Geld dafür in die Hand nehmen: Es steigen unter anderem die Kosten für Wasser (um ein Drittel) und Müll (um sechs Prozent), die Gebühren für Hunde (von 43 auf 72 Euro im Jahr) und das Kurzparken (ein Euro statt 60Cent für die halbe Stunde). Parksünden sollte man sich aber trotzdem sehr genau überlegen – denn ein Strafzettel schlägt sich forthin mit 35 statt 21Euro zu Buche, einmal Abschleppen mit 242Euro – bisher waren es 192. Und clever wäre es auch, Einzelfahrscheine für die Wiener Linien zu horten: Deren Preis steigt mit 1.Mai nämlich von 1,70 auf zwei Euro. Billiger werden dafür Jahreskarten: Statt 449 Euro kosten sie nur mehr 365Euro.
3. Öffentlich mobil: Zurück zum großen Bahnhof
Markieren Sie sich schon jetzt den 9. Dezember (ja, auch für die Maya steht die Welt da noch). Da wird nämlich ein kleines Stück österreichischer Verkehrsgeschichte geschrieben. Nicht nur, dass der erste Teilbereich des Wiener Hauptbahnhofes in Betrieb geht und damit der erste Schritt zum ambitioniertesten Infrastrukturprojekt der Stadt gemacht wird. An diesem Tag wird auch die neue Westbahnstrecke am Tullnerfeld eröffnet – wodurch Bahnreisende von Westen künftig eine Viertelstunde schneller in Wien sind.
4 Auto mobil: Die Tangente wird wieder ganz
Aufatmen dürfen heuer auch Autopendler: Schon bald – planmäßig mit Ende Februar – wird die Sanierung der meistbefahrenen Straße Österreichs, der Südosttangente (A23) abgeschlossen sein. Wer die – dann wieder dreispurige – Hansson-Kurve aufs Neue befährt, kann wohl trotzdem gleich auch eine andere Errungenschaft dieses Jahres ausprobieren: Die Rettungsgasse im Stau. Denn der Bau der Lobau-Autobahn, die die Tangente entlasten soll, liegt weiterhin auf Eis.
5 Aktiv sportlich:
Schwimmen gehen
Eine Ausrede für Sportmuffel fällt heuer weg: Die Renovierung des Stadthallenbades ist – vier Monate verspätet zwar, aber immerhin – abgeschlossen. Um 17Millionen Euro hat Wien dem 70er-Jahre-Bau einen neuen Eingangsbereich, Wellnessanlagen und modernere Bädertechnik spendiert. Und den besonderen Bonus, seine Längen neben trainierenden Profischwimmern ziehen zu können, gibt es weiterhin.
6. Passiv sportlich: Ganz ruhig public viewen
Erinnern Sie sich noch an 2008? Damals war die Fußballwelt – oder zumindest der Fußballkontinent – in Österreich zu Gast, als hierzulande (gemeinsam mit der Schweiz) die Europameisterschaft veranstaltet wurde – Ringsperre und überdimensionale Fanzonen inklusive. Heuer passiert das wieder – allerdings in Polen und der Ukraine. Konsequenterweise bleibt uns nicht nur die Teilnahme Österreichs an den Wettkämpfen erspart, sondern auch die Mega-Fanzonen. Wien bleiben aber zahlreiche kleine, feine Public-Viewing-Zonen wie die der Strandbar Herrmann, in denen es sich dann – gespielt wird von 8.Juni bis 1.Juli – fein jubeln lässt.
7. Künstlerisch: Klimt und Schnitzler über alles
Kein Vorbeikommen gibt es auch an den künstlerischen Jahresregenten – vor 150Jahren wurden sowohl der Maler Gustav Klimt als auch der Schriftsteller Arthur Schnitzler geboren. Beiden sind im Jubiläumsjahr zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Aufführungen gewidmet – der Fokus liegt dabei eindeutig auf Klimt (mehr dazu auf Seite 43), aber mit Aufführungen von „Das weite Land“ (Josefstadt, Burgtheater) und der „Traumnovelle“ (Josefstadt) bietet sich ausreichend Gelegenheit, sich auch mit Schnitzler zu beschäftigen, der die unter- und unbewussten Ängste und Ströme der bürgerlichen Stadt zur Jahrhundertwende einzufangen wusste wie kein Zweiter. Nicht die schlechtesten Themen für diese Zeit.
8. Sky-linkisch: Fliegen Sie hochmodern weg!
Streng genommen liegt er ja in Niederösterreich – aber streng nimmt es mit dem neuen Skylink-Terminal auf dem Flughafen Wien-Schwechat ohnehin niemand mehr. Mit knapp unter 800 Millionen Euro haben sich seine Kosten gegenüber der Planung fast verdoppelt – und vier Jahre zu spät fertig wird er auch. Der Eröffnungstermin Juni 2012 dürfte nun aber halten – der Flughafen, der zu je einem Fünftel der Stadt Wien und dem Land Niederösterreich gehört, plant einstweilen schon das nächste Großprojekt: Im März wird wohl der Bau einer dritten Piste genehmigt.
9. Vielfältig: Einkaufen im Ethnosupermarkt
Ganz ehrlich: Wenn Sie auf der Suche nach exotischen Zutaten sind, können Sie die städtischen Märkte getrost vergessen – dort bekommt man mittlerweile an den meisten Ständen dieselbe Auswahl an Wasabi oder kandierten Früchten. Wer wirklich Exotisches zubereiten will, pilgert dagegen in einen „Ethnosupermarkt“: Eines jener Geschäfte, die ursprünglich als Spezialläden für Migrantengruppen entstanden sind – sich aber zunehmend (etwa mit deutscher Beschriftung) auch an Mainstream-Kundschaft richten.
10. Rechtliches: Wurst wiegen und klare Taxiluft
Auch die viel gescholtenen Wiener Landesgesetze haben heuer zwei Schmankerln bereit, die die Lebensqualität ein wenig steigern – wenn man nicht gerade Taxifahrer oder Supermarktbetreiber ist: Ab heute ist das Rauchen in Wiener Taxis ausnahmslos verboten – für Fahrgast und Fahrer. Und: In der Wurstabteilung im Supermarkt darf das Packpapier nicht mehr mitgewogen werden. Sage da noch einer, die Stadt tue nichts für ihre Bürger.