Seit zehn Tagen müssen Autofahrer auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen die Rettungsgasse bilden. Manche Fahrzeuglenker haben noch so ihre Probleme damit und irren zwischen den Fahrspuren umher, andere wiederum nutzen den freien Streifen, um sich unerlaubt vorzuschummeln. Die Einsatzkräfte ziehen nach wenigen Tagen eine durchwegs positive Bilanz, auch wenn es noch "nicht 100-prozentig funktioniert". Probleme bereiten vorwiegend mehrspurige Fahrbahnen.
Auf mehrspurigen Fahrbahnen "kommt es leider noch zu vielen Missverständnissen, sodass es für uns Feuerwehren oft noch immer schwer ist, an den Einsatzort zu gelangen", hieß es vonseiten des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes am Mittwoch. Die Helfer berichten von Fällen, wo Lenker umdrehen und in der gebildeten Rettungsgasse versuchen, bis zur nächsten Ausfahrt retour zu fahren. Dies ist vor kurzem auf der Stockerauer Schnellstraße (S5) passiert, dort ist dem Einsatzfahrzeug ein solcher Autolenker entgegen gekommen.
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Eine andere Erfahrung sei, dass die Rettungsgasse zum Teil gebildet, dann aber von undisziplinierten Lenkern verstellt wird und somit die Einsatzfahrzeuge stecken bleiben. "Wir wissen, dass am Beginn der Einführung in den Köpfen der Lenker natürlich noch Umdenken angesagt ist, daher müssen wir auch Geduld haben und die Gewöhnungsphase abwarten", so der Bundesfeuerwehrverband. Gut funktioniere die Rettungsgasse auch aus Sicht der Feuerwehren auf zweispurigen Fahrbahnen.
Orientierungsprobleme auf mehrspurigen Straßen
Auch die Erfahrungen der Polizei zeigen, dass die Bildung der Rettungsgasse ganz gut im zweispurigen Bereich funktioniert. Auf drei- oder vierspurigen Fahrbahnen haben Autofahrer "teilweise Orientierungsprobleme". "Dort funktioniert es nicht immer, wenn Fahrer auf drei Spuren nach rechts ausweichen müssen. Sobald nämlich einer nicht mitmacht, funktioniert es nicht", sagte Otmar Bruckner vom Verkehrsdienst im Innenministerium. Ausländische Lenker würden vereinzelt aufgrund von Verständnisproblemen durch die gebildete Gasse fahren.
Von ähnlichen Erfahrungen berichten auch die Einsatzfahrer von ÖAMTC und Arbö. Unsicherheiten gebe es, wann die Rettungsgasse zu bilden sei, und auf mehrspurigen Fahrbahnen funktioniere die Bildung der Rettungsgasse noch nicht so gut. ÖAMTC-Chefjurist Andreas Achrainer appellierte neuerlich in Richtung Exekutive, nicht zu strafen und vorerst auf Aufklärung zu setzen.
"Keine Massenanzeigen in Anfangsphase"
Die Intention der Polizei in der Einführungsphase sei, nicht mit voller Härte zu strafen, hieß es aus dem Innenministerium. Die Regelung ist neu, Aufklärung und Bewusstseinsbildung stünden zunächst im Vordergrund. "Wir müssen zwischen Ernstfall und Prävention unterscheiden", meinte Bruckner. Bei einem Unfall hat die Versorgung der Beteiligten und die Absicherung der Unfallstelle Priorität. Da werde kaum ein Beamter am Pannenstreifen stehen und Strafzettel verteilen, sagte Bruckner. Wird allerdings ein Einsatzfahrzeug bei der Zufahrt behindert, wird gestraft. "Aber es wird keine Massenanzeigen in der Anfangsphase geben."
Die bisherige Erfahrung mit der Rettungsgasse zeige aber eine "deutliche Verbesserung für uns", betonte Bruckner. Es habe ja bisher schon gegolten, dass Fahrzeuglenker Einsatzfahrzeugen Platz machen müssen. Mit der Rettungsgasse gibt es nun eine Spezialbestimmung dazu, wie das zu funktionieren hat. "Bisher war es ein Kampf Meter um Meter, dieser Kampf wird nun erleichtert und es wird immer schneller gehen, bis wir zur Unfallstelle gelangen."
Autofahrer bei Unfall auf A3 "vorbildlich"
Rotkreuz-Mitarbeiter berichten von positiven Erfahrungen aus Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Tirol. "Erst gestern hat die Bildung der Rettungsgasse auf der A3 im Burgenland vorbildlich funktioniert und die Rotkreuz-Helfer sowie andere Einsatzkräfte konnten rasch zur Unfallstelle gelangen", sagte Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes. Das Rote Kreuz informiere die Bevölkerung in Erste-Hilfe-Kursen, über die Rotkreuz-Homepage sowie Social Media-Kanäle über die richtige Bildung der Rettungsgasse.
Ein wichtiger Appell der Helfer: Die Rettungsgasse muss auch nach dem Passieren des ersten und nachfolgender Einsatzfahrzeuge erhalten bleiben und darf erst aufgelöst werden, wenn der Verkehr wieder fließt.
(APA)
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