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Unter Burschen: Im Walzertakt nach rechts

28.01.2012 | 19:03 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Medien waren zum WKR-Ball nicht geladen. "Die Presse" hat sich trotzdem umgesehen. Eine Ballkritik.

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Die Besonderheit eines Burschenschafterballs zeigt sich auch in der Diskothek. Ungefähr 200 Männer stehen in der Hofburg, im sogenannten „Studentenbeisl“, in Grüppchen zusammen und unterhalten sich. Mit Damen flirten, neue Mädchen kennenlernen? Eher nicht. Denn die vergleichsweise wenigen Frauen auf dem Ball sind meist in Begleitung unterwegs. Egal. Es geht den Ballbesuchern vermutlich sowieso nur um das eine: neue Verbindungsmitglieder kennenzulernen und sich unter gleich Gesinnten über Politik und Lebenseinstellung auszutauschen – mitten in der Öffentlichkeit.

Der Wiener Korporationsball 2012. Das ist auf den ersten Blick eine Ansammlung von sehr jungen oder eher alten Herren, die in schwarzen Anzügen und bunten Käppchen („Deckeln“) in den Sälen der Wiener Hofburg plaudern.

Wunden als Statussymbol. Auffallend sind die vielen Deutschen unter den Besuchern und die vielen Schmisse im Gesicht. Fast jeder Zweite hat eine lange Narbe. Einige davon sind mehrere Millimeter tief. Andere Besucher wiederum haben erst vor Kurzem ihre Mensur gefochten. Stolz präsentieren sie ihre frisch genähten Wunden – zum Teil zehn Zentimeter lange Schnitte, die mit durchsichtigen Pflastern abgedeckt sind. Wunden als Statussymbol. Wunden als Zeichen, dazuzugehören.

Und das ist, was in dieser Nacht zählt. Gemeinsam gegen die anderen. Schon zu Beginn des Abends hat jeder Besucher eine Geschichte über seine abenteuerliche Fahrt in die Hofburg parat. Ein Besucher lässt sich im Zehnminutentakt Neuigkeiten zu den Straßenblockaden der Demonstranten vor dem Tor schicken. Ein anderer erzählt stolz, wie er den Protestierenden vom Taxi aus mit Champagner zugeprostet hat.

Als einen Angriff auf die Meinungsfreiheit bezeichnet FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei seiner Eröffnungsrede die Ausschreitungen. Das Publikum – offiziell 3000 Menschen, gefühlt gerade einmal 2000 – klatscht begeistert. Unter ihnen hochrangige ausländische Gäste aus dem rechten Lager: Marine Le Pen, Chefin des französischen Front National, Kent Ekeroth von den „Schwedendemokraten“ sowie Philip Claeys vom belgischen Vlaams Belang treffen hier zusammen. Von den heimischen Politikern sind der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf anwesend, der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer (FPÖ) und natürlich FPÖ-Klubchef Johann Gudenus sowie dessen Vater John. Mutig zeigte sich der Nationalratsabgeordnete Elmar Podgorschek, er kam in grauer Militäruniform, auch wenn Verteidigungsminister Norbert Darabos das im Voraus verboten hatte.

Aber es ist nun einmal die Optik, die diesen Abend bestimmt. Männer, die keine Verbindungsfarben tragen, werden höflich, aber bestimmt aus zufällig entstandenen Gesprächen ausgeschlossen. „Du bist keiner von uns“, scheinen die Gesichter zu sagen. Das gilt nicht für Frauen. Sie werden zuvorkommend behandelt, stößt einer versehentlich bei einer Dame an, wird sich der Rempler entschuldigen. Keine Ausnahmen.

Trotzdem ist die Feindlichkeit gegenüber anders Gesinnten sichtbar. Die Ballbesucher nehmen sich kein Blatt vor den Mund: „Dieser schwule Aktivist heute, der ist so ein Weichei“, sagt ein bärtiger Mann. Die „linken Demonstranten“, die „Hetzer“ sind auch noch zu später Stunde immer wieder Gespräch des Abends.

„In Österreich ist einfach vieles möglich, was in Deutschland nicht geht“, wird ein Ballbesucher aus Deutschland später sagen. Als „Rechter“ könne er sich nämlich in Österreich politisch engagieren. „Die FPÖ ist in dieser Hinsicht ein absolutes politisches Vorbild“, sagt er. Jetzt überlegt er, nach Österreich auszuwandern. Dabei hält er sich selbst für moderat. Gegen gut integrierte Ausländer habe er nichts. Nur die, die nicht deutsch sprechen und keine Arbeit haben, gehören sofort abgeschoben. Auch wenn es Kinder sind? Auch wenn es Kinder sind! „Die werden ja irgendwann erwachsen.“ Dann fragt er höflich, ob er noch ein Getränk spendieren kann.

Nein. Es ist spät geworden. Um drei Uhr in der Früh verlassen die meisten Gäste das Haus. Beim Ausgang steht noch immer ein Polizist in Uniform und bewacht die Tür. Eine Frau fragt: „Ist es sicher?“ Der Mann nickt. Die Besonderheit eines Burschenschafterballs ist auch am Ende noch bemerkbar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2012)

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304 Kommentare
 
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Gast: osman.ülülü
31.01.2012 16:48
1 0

extremismus

die demo war völlig ok.aber bitte warum demonstriert niemand auch gegen diese faschisten:
http://kurier.at/nachrichten/wien/4483091-deutscher-islamist-auf-wien-besuch.php

Kegele
30.01.2012 19:08
3 3

+ -

..man braucht nur die + und die - anzuschauen und man weiß was ungefähr im Text steht.

Genau so blind wie diese Partei-Vasallen posten, genau so blind folgen sie ihrem Blindgänger.


Antworten Gast: Kegelbahn
30.01.2012 19:52
2 2

Re: + -

Das Folgen anderer Blindgänger hat jedenfalls keinen "Erfolg" gebracht - außer Sie sehen die aktuelle Lage:

1. Schulenberg
2. Unreformierte Altstrukturen
3. Migrationsprobleme

als Erfolg. Da muss man, in meinen Augen, aber schon ziemlich blind (oder ziemlich verbohrt) sein.


Antworten Gast: Monday
30.01.2012 19:54
3 2

Re: Rücktritt jetzt!!!

Das Papierl kannst in den kleinsten Raum Deiner Sozialwohnung mitnehmen.

Gast: Messias Brian
30.01.2012 14:26
2 5

Das Leben des...

Wirft den Purschen auf den Poden!

hihihi

Gast: Kein Fan dieser Aktion
30.01.2012 12:59
8 4

Scheinheilig und verlogen!!!

Die Demonstranten schimpfen die Burschenschafter Schweine und verhalten sich selbst wie solche.

Genau das gefällt mir nicht an der Sache!

7 10

Österreich braucht diese Typen wie die Cholera!

Hat der Strache eigentlich studiert, oder trägt er das Kapperl HC? Das Windei!

Antworten nantathren
31.01.2012 17:01
0 0

Wenn man sich denn auskennen täte

Geschätzter Karl, er braucht nicht zu studieren, um seine Kopfbedeckung zu tragen. Strache ist Mitglied einer Pennälerschaft (aka Schülerverbindung). Wenn Sie allerdings Burschenschaften nur vom Pauschalurteil (vom Namen) her kennen ...

Gast: Biofenster
30.01.2012 12:00
6 11

Der Ball schadete Österreichsansehen

Wenn 2000 Rechstradikale in der Hofburg, ausgerechnet am Holocaustgedenktag, fröhlich feiern können, ist das eine Schande. Ausgerechnet an dem Tag des Gedenkens feiern die Sympatisanten der des Verbrecherregiems, das die Juden ermorden versuchte.

Antworten nantathren
31.01.2012 17:10
0 0

Ball und Gedenktag

Der Termin für den WKR-Ball ist seit Jahrzehnten der gleiche (letzter Freitag im Jänner). Den internationalen Gedenktag gibt es seit 2005 (!!).

Antworten nantathren
31.01.2012 17:04
0 0

Nur eine kleine Anmerkung

Der WKR-Ball findet seit Jahrzehnten in der Nacht vom letzten Freitag auf den letzten Samstag im Jänner statt.
Den "Tag des Gedenkens" als internationalen Feiertag gibt es erst (!!) seit 2005.
Im Übrigen: wenn Bälle an "blutigen" Tagen nicht stattfinden dürften, dann gäbe es derartige Veranstaltungen überhaupt nicht.

8 4

Re: Der Ball schadete Österreichsansehen

Vor allem die schwachsinnige linke Activitas schadet(e) Österreichs Ansehen.
Bis zum heurigen Termin ist dieser Gedenktag in Österreich weder gewürdigt noch gefeiert noch bekannt gewesen. Nun fällt zufällig dieser Termin mit dem Termin dieses Balls zusammen und wird von den honorigsten Leuten als Vehikel mißbraucht, um gegen diesen Ball bzw. dessen Besucher zu wettern.
Das Andenken an die Opfer hat ehrenhaftere Motive und Aktionen verdient als die linxlinken Demos und Randale.

Wie spannend!

Ich wäre gerne auf diesem Balle gewesen, auch oder gerade weil ich kein Burschenschafter bin!

Danke für die Eindrücke!

Gast: trololol
30.01.2012 09:23
4 14

unnötiger artikel, unnötige ballgesellschaft

am besten den ball nächstes jahr nach hintertupfingen in einen kuhstall verlegen, dann gibt es weder demos noch seltsame presseartikel!

außerdem passt vorgeschlagenes ambiente besser zur geisteshaltung der wannabe-altgermanen.

Antworten Hypolit
31.01.2012 08:51
2 1

Re: unnötiger artikel, unnötige ballgesellschaft

Protest !!! Was können die Rindviecher in Hintertupfingen dafür, daß sie mit treudeutschen Rindviechern verglichen werden ???
Zweitgenannte sind ja bekannt dafür, daß sie sich gegenseitig die Visage zerschneiden und nennen das auch noch männlich. Keinem normalen, auch arischen, Rindviechern würde so etwas einfallen.

Antworten Antworten Hypolit
31.01.2012 11:15
0 1

Re: Re: unnötiger artikel, unnötige ballgesellschaft

Soll natürlich "keinen normalen" heißen

Antworten fireone
31.01.2012 07:18
2 0

Re: unnötiger artikel, unnötige ballgesellschaft

Selbst an der, von ihnen vorgeschlagenen Lokalität finden sich mit Sicherheit Gründe um dagegen zu protestieren.

persil 4.0
30.01.2012 09:21
17 5

Ist ja wirklich unglaublich!


Da werden die Ballbesucher bespuckt, bedroht, geschlagen, beworfen und offenbar sogar mit einem Sprengsatz bedroht und sind auch noch misstrauisch gegenüber Leuten, die sie noch nie gesehen haben.

Da hätte sich die Journalistin wirklich mehr erwarten können.............

Ein Neuanfang, wie 1848 kann diesem Land wirklich nicht schaden, wenn man sich die Lage heute ansieht!


18 4

investigativer Journalismus at it's best.

eine Redakeurin als Kellnerin in eine geschlossene Gesellschaft einzuschleußen, die dort Privatpersonen (!) bespitzelt und deren höchst privaten Gespräche mitlauscht/mitprotokolliert um sie dann zusammen mit höchst subjektiven Eindrücken als "Insiderbericht" zu veröffentlichen. Selbstverständlich ohne Beweis auf Richtigkeit der Zitate oder sonstiger Behauptungen, es gilt die wie immer die Unschuldsvermutung nicht.

Nein, das ist alles auf keinen Fall Maturazeitungsniveau: Pulitzer-Preis verdächtig ist dieser Schachzug, investigativ und ausgesprochen clever.

btw "basics": diese schwarzen Anzüge heißen "Smokings" auch "black tie" genannt, urarg oder?

0 0

Re: investigativer Journalismus at it's best.

Also Bälle sind meines Wissens nach öffentliche Veranstaltungen und keine geschlossenen...

Hedge
30.01.2012 08:25
15 4

Als unter Bruno Kreisky

gleich vier ehemalige NSDAP-Mitglieder mit Ministerämtern betraut wurden, habe ich kein Kapuzenmännchen auf dem Heldenplatz erblickt.

Antworten Gast: Brunok
30.01.2012 10:24
8 1

Re: Als unter Bruno Kreisky

Der Bruno war noch Sozialdemokrat vom alten Schlag. Die Demonstranten sind Anhänger des Sozialismus (OHNE Demokrat)

Antworten Antworten nantathren
31.01.2012 17:08
0 0

Bruno Kreisky

Der gute alte Kreisky war ein lupenreiner Sozialist. Die Bezeichnung "Sozialdemokrat" ist späteren Datums ... das wäre dem guten alten Bruno auch zu ausgebleicht gewesen.

onkel tom
30.01.2012 08:24
5 2

Worin besteht eigentlich...

der Unterschied zwischen Burschenschafter und Genossen?

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Re: Worin besteht eigentlich...

der akademische Anspruch

 
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