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Chefagent Tschetscheniens ausgewiesen

03.02.2012 | 18:22 |  von Andreas Wetz (Die Presse)

Das Innenministerium hat den Anführer der berüchtigten Kadyrow-Brigaden des Landes verwiesen. Laut Verfassungsschutz sind noch rund 300 tschetschenische Agenten-Kollegen im Land

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Das Doppelleben des sechsfachen Vaters und Konventionsflüchtlings Wolfgang F. ist zu Ende. Anfang Februar verwies das Innenministerium den 45-Jährigen des Landes. Hinter der biederen Fassade des Mannes, der zur Tarnung einen typisch österreichischen Namen annahm, verbarg sich nämlich der Chefagent des autoritären Präsidenten Tschetscheniens, Ramsan Kadyrow, in Österreich. Ob er noch in Österreich als U-Boot lebt oder bereits das Land verlassen hat, ist nicht klar. Fix ist, dass er keinerlei Berechtigung mehr hat, sich hier aufzuhalten.

„Die Presse“ hat den Fall F. nun rekonstruiert. Er wirft die Frage auf, ob die Republik sowohl bei der Verleihung als auch bei der nachträglichen Aberkennung des Flüchtlingsstatus zu nachlässig vorging. Er zeigt, dass der Verfassungsschutz die Gefahr unterschätzte, die sich durch das Einsickern von als Asylwerber getarnten Agenten ergab. Und sein Ende ist nun ein später Wink mit dem Zaunpfahl für die im Land verbliebenen Helfer des berüchtigten Tschetschenen-Präsidenten, der seine Feinde sogar im Ausland mit aller Brutalität verfolgen lässt. Die stark vereinfacht formulierte Botschaft Österreichs an die Kadyrow-Sympathisanten lautet: Wer sich – freundlich gesagt – danebenbenimmt, muss gehen.

Das war nicht immer so. Im Frühling 2011 berichtete „Die Presse“, dass F., der eigentlich Suliman E. heißt, zweimal von Österreich nach Tschetschenien reiste (2009 und 2010). Schon das erste Mal hatte das Bundesasylamt versucht, F. den Flüchtlingsstatus abzuerkennen. Doch man scheiterte beim Höchstgericht. Der Beschuldigte behauptete, nur unter großer Gefahr seinen jüngsten Sohn besucht zu haben. Die Richter glaubten ihm. Im Zuge seiner zweiten Reise trat er mit Kadyrow auf, traf sich also genau mit jener Person, die ihm laut Asylantrag nach dem Leben trachtete. Ein Video davon ist bis heute auf YouTube abrufbar. Ein klarer Verstoß gegen die Asylauflagen.

 

Kampfname: „Karamasow“

Und die Behörde? Die tat zuerst nichts. Das verpflichtend einzuleitende Aberkennungsverfahren blieb (zunächst) aus. F. fühlte sich sicher, behauptete sogar, seine Reisen seien von Beamten des Staatsschutzes genehmigt worden. Wenn dieser Vorwurf stimmt, wäre das ein glatter Amtsmissbrauch. Futter für diese Annahme barg die Tatsache, dass das Innenministerium nicht sofort alles daran setzte, F. den Flüchtlingsstatus abzuerkennen. Der Grund für das Zögern war jedoch ein anderer. Erst nach und nach dämmerte es dem Verfassungsschutz nämlich, wen man da – neben den 20.000 „echten“ Flüchtlingen aus Tschetschenien – ins Land gelassen hatte. Heute befinden sich nach Erkenntnissen des Inlandsnachrichtendienstes etwa 300 Agenten Kadyrows im Land. Ihre Aufgabe: dessen Gegner so weit unter Druck zu setzen, dass sie nicht wagen, von den vermuteten Folterungen und Kriegsverbrechen zu erzählen. Wolfgang F., alias Suliman E., der den Kampfnamen „Karamasow“ trägt, war der Anführer der Agenten.

Als vor drei Jahren der in Wien lebende Ex-Weggefährte Kadyrows, Umar Israilow, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auspacken wollte, erschoss ihn ein Killerkommando in Floridsdorf auf offener Straße. Der Prozess gegen die Täter – tschetschenische Flüchtlinge – endete vergangenen Sommer mit (nicht rechtskräftigen) Schuldsprüchen für eine „politisch motivierte Tat“.

 

Hohes Risiko bei Asylaberkennung

Vor dem Hintergrund des Anschlags war es dem Innenministerium offenbar peinlich, einer brandgefährlichen und von einem fremden Staat gelenkten Kampftruppe Asyl gewährt zu haben. Es stellte sich die Frage: Wie wird man diese Gruppe wieder los? Das gescheiterte Verfahren von 2009 durfte sich auf keinen Fall wiederholen. Die Signalwirkung wäre fatal gewesen.

Aus diesem Grund zögerte man auch, als F. im Oktober 2010 erneut von einem Aufenthalt in Tschetschenien zurückkehrte. Die Befürchtung der Beamten von Staatsschutz und Bundesasylamt klingt in den Ohren von Menschenrechtlern zynisch, war angesichts der Gefährlichkeit der Personengruppe, um die es ging, jedoch nachvollziehbar: Selbst bei einer Ausweisung konnten F.s Anwälte wegen der langen Aufenthaltsdauer im Land und seiner Familie immer noch um dauerhaften humanitären Aufenthalt ansuchen.

Also versuchte man es anders, probierte, den Chefagenten Kadyrows im Zuge einer strafrechtlichen Verurteilung außer Landes zu bekommen. Das erschien vielen sicherer, als sich auf einen Stempel im Pass und ein Video auf YouTube zu verlassen. Anlass gaben angebliche Übergriffe und Drohungen F.s gegenüber anderen Flüchtlingen. Allein: Es stand Aussage gegen Aussage. F. stritt alles ab. Also blieb dem Innenressort letztlich nichts anderes übrig, als nach langen Überlegungen schließlich doch noch das mit allen Risken behaftete Aberkennungsverfahren zu führen.

Es funktionierte. Unter anderem auch deshalb, weil F. während dieses Verfahrens im September 2011 erneut seinen obersten Befehlshaber, Kadyrow, in Grosny besuchte. Nach „Presse“-Informationen verzichtete er danach sogar darauf, die Aberkennung des Flüchtlingsstatus beim Asylgerichtshof zu beeinspruchen.

 

300 Agenten in Warteposition

Die in Österreich verbliebenen Agenten Kadyrows dürften den Fall aufmerksam mitverfolgt haben und werden wohl – angesichts des Ausgangs des Verfahrens gegen F. – ihre bis zuletzt rege Reisetätigkeit in die Heimat einstellen und sich ruhig verhalten. Einfach des Landes verweisen kann Österreich sie nämlich nicht. Es ist nicht erlaubt, die beim Staatsschutz vorliegenden nachrichtendienstlichen Informationen über sie mit den Daten des Bundesasylamts abzugleichen.

Warum die Ausweisung von Kadyrows oberstem Handlanger aber mehrere Jahre dauerte? Ein Sprecher des Ministeriums begründet das so: „Wir beantragen die Aberkennung des Flüchtlingsstatus nie leichtfertig. Im Interesse der Rechtsstaatlichkeit braucht ein solches Verfahren seine Zeit.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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26 Kommentare
 
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Gast: Milan
10.02.2012 09:14
0 0

Gesichtet

Ich bin Tschetschene, Student an der Uni Graz und bin grad von Grosnj zurückgekommen da ich meine Familie besucht habe, im süden der Stadt habe diesen Typ gesehn. Ich schwöre, dass er er war ich kenne sein Gesicht! Er ist jetzt wieder da! In Grosny sucht mann nach ihm in Österreich will mann ihn nicht!! Wo ist dieser Verbrecher überhaupt noch sicher! Er hat nur gelogen und betrogen, Sowohl die einen wie die Anderen. Das ist die Meinung der Leute mit denen ich gesprochen habe.

Gast: Bruck/Mur
06.02.2012 13:38
0 0

Bruck/Mur

gutter Nachricht

Gast: GutenMorgen
06.02.2012 11:17
0 0

Guten Morgen

Guten Morgen, Österreich! :)
F. war sicher traumatisiert etc. ...

2 0

für solche und

für das sozialproletariat der ganzen welt ist österreich attraktiv, sonst für niemanden, leider!

Gast: justerix
05.02.2012 20:40
6 0

Im Falle dieses "Chefagenten" hat sich der

Datenschutz -wie er in Ö. verstanden wird -
wieder als "Täterschutz" herausgestellt

Gast: globetrotterneu
05.02.2012 19:38
2 0

zeit für gerechtigkeit

das ist das neue wien jeder wird jeder versorgt.

Gast: Kibietz
04.02.2012 17:06
0 10

laufen jetzt dem Bumsti alle Havara davon?


Gast: einzige Frage
04.02.2012 15:56
10 0

Andreas Wetz

Der Artikel ist penibel recherchiert, gut geschrieben und er deckt ein systematisches Problem unserer Politik auf.

Mein Wochenende ist gerettet. Nur weiter so!

Gast: Pips
04.02.2012 13:44
23 1

Es

darf sich keiner Illusionen hingeben, 80% der Ost"Flüchtlinge" sind Schwerkriminelle. Z.B. ALLE Russen die da am Putz hauen, tun das mit kriminellen Geld. Österreich ist ein Eldorado für internationale Verbrecher. Die können hierzulande tun und lassen was sie wollen. Allein schon die Ansage - "man weiß nicht ob der Typ sich illegal hier aufhält" ist lächerlich. Ausweisung heißt auf Deutsch - Abschieben! Einem Schwerverbrecher mündlich mitzuteilen - "sie sind ausgewiesen" läßt den müde lächeln. Das ist im kleinen - wie die Autodiebe an der Grenze "auf freiem Fuss" anzuzeigen. Die nutzen die "freien Füsse" zur Kehrtwende und holen sich eine anderes Auto. Ösistan, die Bananenrepublik Europas!

Antworten der graf
04.02.2012 16:58
15 1

Re: Es

Das ist nur so gekommen weil alle unsere Politiker keinerlei Rückgrat haben und sich mit niemanden anfeinden wollen, auch nicht mit Kriminellen der schlimmsten Sorte. Duckmaeusernsund Kuschen sind bei uns halt noch immer die grosse Tugenden.

Antworten Antworten Gast: Pips
04.02.2012 19:08
6 0

Re: Re: Es

Sie vergessen die Korruption! Da sind viele unserer Politiker sicher in der Premiumklasse etabliert.

Gast: ZarvonWien
04.02.2012 12:02
1 17

Kein Mensch ist illegal!


Antworten Arethas
04.02.2012 13:17
10 1

Re: Kein Mensch ist illegal!

Aber unter Umständen sein Aufenthaltsort.

Gast: jessasnacp
04.02.2012 11:40
18 0

unglaublich

es ist unglaublich wie das asylgesetz mißbraucht bzw. schamlos von verbrechern ausgenützt wird.eine härtere gangart wäre angebracht.

Gast: hudler
04.02.2012 11:18
4 0

nicht zu glauben,

denen haben sie Asyl gegeben,ein Stück aus dem
Tollhaus.Funktionieren die diversen Staatschutzdienste nur bei den Ankerkindern ?

Politicus1
04.02.2012 10:10
14 0

Danke, Herr Wetz!

Ihr recherchierter Artikel ist -zig mal wichtiger, als jedes der üblichen Blabas zum Thema Asyl in Österreich.

Gast: beschwerer
04.02.2012 09:59
13 0

österreich hat

mit gewalttätern offenbar wirklich ein problem: die können sich hier immer noch hinter der rechtsordnung verstecken.

Gast: Maus vom Mars
04.02.2012 09:38
11 0

Freunde schützen!

Die kommen sicher beim Purple Sheep unter. Frau Klaric, übernehmen Sie!

ADAXL
04.02.2012 07:39
1 0

Wo ist mein Posting von gestern?

Mein Posting war nicht netter, aber zu dieser Sache ist es schwer, etwas nettes zu posten.

Antworten statusquo
04.02.2012 08:51
6 0

Re: Wo ist mein Posting von gestern?

Mach dir nichts draus, ich hab heute schon 3 Postings wie das untere geschrieben und nur das ist erschienen.

statusquo
04.02.2012 06:22
23 1

Nicht blöde diese Tschetschenen!

Man sucht sich ein Land mit einer dümmlichen Einwanderungspolitik wo die Häupls regieren, kassiert dort die Sozialhilfe und kann nebenbei von da aus in aller Ruhe noch diverse Aktionen planen.

Antworten xandl43
05.02.2012 09:57
0 1

Re: Nicht blöde diese Tschetschenen!

und wer sitzt im innenministerium??

Gast: Ian
04.02.2012 00:42
0 0

Ein perverser Witz...

...wenn man bedenkt, dass gerade ein Fall publik wurde, wo ein behindertes Kind (offenbar bewiesen) abgeschoben wurde, weil die Behörden dies in Abrede stellten. In der Causa „Karamasow“, einem miesen Mordschergen (Umar Israilow ist da wohl stummer Zeuge - ein Ruhmesblatt für unsere Beamte vom LVT) gibt man sich aber ernsthaft so zimperlich?! Stinkt!!!

11 0

übertriebener Datenschutz

Das kanns doch nicht geben, dass Bundesbehörden wegen eines falschverstandenen und übertriebenen Datenschutzes legal gewonnnene Erkenntnisse nicht austauschen dürfen!

Antworten Gast: James Bond
04.02.2012 00:07
0 0

Re: übertriebener Datenschutz

Nun ja. Nachrichtendienstliches Wissen ist genaugenommen nichts wert. Zumindest juristisch nicht viel. Der artige Informationen beruhen oft auf Hörensagen. Stammen aus zwielichtigen Quellen. So läuft das Geschäft. (Offiziell) Verwertbar wären zB Vorstrafen.

Antworten hw007
03.02.2012 23:35
1 1

Re: übertriebener Datenschutz

sie Glauben das doch nicht ernsthaft?

 
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