Unbehelmte Köpfe werden auf Österreichs Skipisten immer seltener. Das Institut für Sportwissenschaft der Uni Innsbruck hat erhoben, dass in der vergangenen Saison im Schnitt 70 Prozent der Skifahrer einen Helm trugen. „Heuer ist das noch gestiegen. Wir haben zwar noch keine genauen Daten, aber momentan tragen sicher acht von zehn Wintersportlern einen Helm“, berichtet Gerhard Ruedl. Sein Team erforscht die Auswirkungen von Skihelmen auf das Verletzungsrisiko sowie die Motivation, einen Helm zu tragen.
Tendenziell haben erfahrene Skifahrer eher einen Helm auf als Anfänger, jüngere eher als ältere, Einheimische öfter als Touristen. Die jüngste Studie verglich die Prozentsätze von helmtragenden Skifahrern in den Bundesländern mit und ohne Helmpflicht (für Kinder und Jugendliche). Der Auslöser dafür waren einige schwere Unfälle, auch mit Prominenten: allen voran der Skiunfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus im Jänner 2009, bei dem eine 41-jährige Slowakin ums Leben kam. Sie trug keinen Helm. Althaus – mit Helm – lag einige Tage im künstlichen Tiefschlaf. Seither herrscht in allen Bundesländern außer Tirol und Vorarlberg für unter 16-Jährige Helmpflicht auf den Pisten.
Im Durchschnitt gibt es keinen Unterschied zwischen den Regionen: Gut 92 Prozent der unter 16-Jährigen trugen im Winter '09/10 Skihelme, egal, in welchem Bundesland. Bei den über 16-Jährigen war die Helmquote in den Bundesländern mit Skihelmpflicht sogar etwas geringer als in Tirol und Vorarlberg (63 Prozent vs. 68 Prozent). Die Einführung der Helmpflicht zeigte dennoch Wirkung: Bei Jugendlichen stieg die Helmnutzung im Jahresvergleich um 16 Prozentpunkte, bei Erwachsenen um zwölf Prozent. „Eine Helmpflicht steigert die Helmnutzung dort, wo die Helmtragequote relativ gering ist“, so Ruedl. In Gegenden mit hoher Bereitschaft zum Skihelm bringt es weniger. Die Schweiz z. B. hat keine Helmpflicht, und trotzdem tragen 95 Prozent der Jugendlichen einen Helm.
„Derzeit ist man auf Österreichs Pisten richtig in, wenn man Helm trägt“, sagt Ruedl: „Ohne Helm outet man sich beinahe als Skitourist.“ Tatsächlich ist der Anteil an Nichtösterreichern unter den Nichthelmträgern sehr hoch. Das kommt vielleicht daher, dass Touristen meist ihre Skiausrüstung ausleihen: „Vielleicht fangen sie bei den Leihgebühren für den Helm zum Sparen an.“ Daher rät Ruedl den Skiverleihern, Helme im Preis zu inkludieren. Immerhin reduziert das Tragen eines Helms das Risiko für Kopfverletzungen um bis zu 60 Prozent. Und Kopfverletzungen sind die zweithäufigste Todesursache auf den Pisten – übertroffen nur von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Helm hat keine Nachteile. Dem Argument, dass man sich mit Skihelm sicherer fühlt und damit ein höheres Risiko eingeht, widerspricht Ruedl. „Dann müssten aufgrund der enorm gestiegenen Helmtragequote die Verletzungszahlen und Todesfälle weltweit ansteigen. Das Gegenteil ist der Fall.“ Die verbreitete Sorge, dass Helmträger eine schlechtere Sicht haben, teilt Ruedl nicht: „Studien haben gezeigt, dass das periphere Sehen durch den Skihelm nicht eingeschränkt ist.“ Allerdings könnte die Konstruktion der Skibrille das Sichtfeld einschränken. Darauf sollte man beim Kauf achten.
Auch das Gegenargument, dass man mit einem Helm weniger höre, gilt für Ruedl nicht: „Eine kroatische Studie zeigt, dass gewisse Frequenzen zwar gedämpft werden, aber nicht jene der menschlichen Stimme.“ Hilfe- oder Warnrufe können durch den Helm also gehört werden, das Material ist bei den Ohröffnungen gut durchlässig. „Aktuell forschen wir, ob Audio-Skihelme, die Lautsprecher und MP3-Player integriert haben, die Reaktionszeiten auf der Piste beeinträchtigen.“ Die Annahme ist, dass die Musik wichtige Umweltgeräusche wie Fahrtwind oder Warnrufe übertönt. Ergebnisse werden frühestens im Frühjahr vorliegen.
Die Mehrheit trägt Helm
04.02.2012 | 16:54 | von Veronika Schmidt (Die Presse)
Unbehelmte Köpfe werden auf Österreichs Skipisten immer seltener. Das Risiko für Kopfverletzungen sinkt bei Skifahrern durch einen Helm um bis zu 60 Prozent. Sichtfeld wird durch den Helm nicht eingeschränkt.
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2 Kommentare
Bei Motorradfahrern ist es erwiesen,
dass je besser die Ausrüstung ist, Helm, Lederkombi, umso schneller gefahren wird und der vermeintliche Sicherheitsgewinn im größeren Risiko aufgeht.Beim Schifahren ist es genauso.
Ich selbst, als jahrzehntelanger unfallfreier Biker merke an den Anderen und an mir selbst die unterschiedliche Fahrweise, ob man in der Sommerhitze mit Flatterhemd und Jethelm unterwegs ist, oder sonst mit Lederkombi und Vollvisierhelm.
Gerade beim Schifahren ist die genaue Wahrnehmung der Geräusche seitlich daherkratzender Snowboarder oder zischender Reserve-Hermann-Maiers oft eine Überlebensfrage.
Ich genieße die frische Luft und den Fahrtwind beim Schi- und Radfahren und konsequent ohne Helm.
Nur, so meine ich, wer will, der soll.
Vorschreiben lasse ich mir beim Freizeitsport allerdings nix.
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