Wien. Ein Gips am Bein, Krücken, eine hohe Rechnung – diese Souvenirs wird manch ein Wiener aus den Semesterferien im Westen mitbringen. Tausende Wintersportler müssen jedes Jahr mit einem Helikopter ins Spital gebracht werden. Die Arbeiterkammer Niederösterreich hat nun die Kosten einer Hubschrauberbergung in 23 Skigebieten erhoben. Im Schnitt kostet ein Flug mit dem Notarzthubschrauber bis zu 4000 Euro. In Bad Kleinkirchheim kostet eine Rettung bis zu 5000 Euro, in Kitzbühel schlägt eine Flugminute mit 80 Euro zu Buche, dazu kommen weitere Gebühren. Aber auch ohne Helikopter kann eine Bergung von der Piste bis zu 1000 Euro kosten, sagt AK-Experte Josef Fraunbaum.
Derzeit müssen die Bergretter öfter ausrücken als gewöhnlich. „Durch Wind und Kälte kommt es öfter zu Erfrierungen“, sagt Franz Lindenberg, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes, und spricht von „erheblich mehr“ Einsätzen. Angesichts des Trends zu diesen Sportarten steigt auch die Zahl der Rettungen von Tourengehern oder Skifahrern abseits der Pisten. Zuletzt waren es 260 solcher Einsätze im Jahr.
Weil die Krankenversicherungen für Rettungseinsätze bei Sportunfällen nicht aufkommen, bezahlt ein Unfallopfer 38 Euro pro Stunde und Retter, sofern das nicht eine Extraversicherung abdeckt.
Retter „gegen Kriminalisierung“
Im Schnitt kostet eine Rettungsaktion auf dem Berg den Verunglückten 2000 bis 4000 Euro, mitunter auch bis zu 40.000 Euro – wenn etwa hunderte Helfer tagelang suchen und Helikopter im Einsatz sind. Zwei Wiener Tourengehern, die am Wochenende auf der steirischen Schneealpe einen dramatischen Rettungseinsatz ausgelöst haben, bei dem auch Bergretter verletzt wurden, drohen Anzeigen wegen fahrlässiger Gemeingefährdung. Lindenberg spricht sich aber gegen eine Kriminalisierung der Sportler aus: „Wir fordern keine Strafen.“ Gibt es Verletzte oder Tote, müsse die Staatsanwaltschaft aber prüfen, ob Anklage erhoben wird. An andere Fälle, bei denen die Geretteten angezeigt wurden, kann er sich nicht erinnern.
Dass Retter verletzt werden, komme äußerst selten vor, sagt Lindenberg. Auch jüngst auf der Schneealpe wurden die Vermissten gefunden, knapp bevor die nächtliche Aktion abgebrochen worden wäre. Immer wieder komme es vor, dass sich auch erfahrene Berggeher keine Gedanken machten und davon ausgingen, dass sie im Notfall ohnehin gerettet würden, sagt Johann Püreschitz von der Alpinpolizei. Bergretter Lindenberg appelliert dringend, Touren gut zu planen und rät zu äußerster Vorsicht. Er selbst habe wegen der Kälte am Wochenende eine geplante Tour wieder abgesagt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)
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