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Tirol: Tiermedizin für "sexuell übererregte" Heimkinder

08.02.2012 | 10:24 |   (DiePresse.com)

Auch an der Innsbrucker Kinderpsychiatrie soll es Experimente mit Heimkindern gegeben haben, berichtet ein Historiker. Die Kinder sollen mit Tiermedizin und Röntgenstrahlen behandelt worden sein.

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Nach den Vorwürfen, dass in der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie Kinder absichtlich mit Malaria infiziert worden sind, hat ein Historiker aufgedeckt, dass auch auf der Innsbrucker Kinderpsychiatrie Versuche an Heimkindern gemacht worden sind. Die Kinder seien bis Ende der 1970er Jahre mit Tiermedizin oder Röntgenstrahlen behandelt worden, berichtet das Ö1 Morgenjournal.

"Sexuell übererregt"

Der Historiker Horst Schreiber war Initiator und Mitglied der Heim-Untersuchungskommission in Tirol. Seine Vorwürfe richten sich in erster Linie gegen die bereits verstorbene Psychiaterin Maria Nowak-Vogel, bis 1987 Leiterin der Innsbrucker Kinderpsychiatrie: Sie soll bis Ende der 1970er Jahre selbst Kindern unter zehn Jahren Epiphysan gespritzt haben mit der Behauptung, die Mädchen würden "onanieren" oder seien "sexuell übererregt". Das Mittel wurde in der Tiermedizin ursprünglich zur Vermeidung von Brunftverhalten bei Kühen getestet und sei als gesundheitsschädlich bekannt. Historiker Schreiber sagt, das Mittel Epiphysan sei seines Wissens nur unter Nowak-Vogl angewandt worden, "weil sie einen Kreuzzug führte gegen die Onanie und gegen sexuelle Übererregtheit".

Ein anderes, fünf Jahre altes Kind sei wegen seines "Jähzorns" mit Röntgenstrahlen behandelt worden, wie Nowak-Vogl laut Schreiber selbst notiert habe - eine Behandlung, die noch aus der NS-Zeit stammt.

Heimkinder als Hauptbetroffene

Betroffen von den Experimenten waren laut Schreiber vor allem Heimkinder. Die Psychiaterin sei mit ihren Gutachten und Diagnosen eine "Schlüsselfigur" gewesen, um Kinder im Heimen unterzubringen. "Sie äußert auch sehr oft die Frage, ob diese Kinder jemals vollwertige Menschen werden können." Die Psychiaterin habe auch den erzieherischen Umgang mit Heimkindern in Tirol geprägt: etwa Bestrafungen und brutales Bloßstellen von Bettnässern gegenüber anderen Kindern.

(Red.)

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56 Kommentare
 
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Gast: ohne namen
08.02.2012 19:26
0 0

Soldaten

Ich erinnere mich an früher wo auch vermutet wurde dass heimlich mit irgendwelchen Mitteln die sexullen Bedürfnisse von Soldaten reduziert wurden. ???? Solche Soldaten sind dann "braver" im Dienst.

Gast: Vogel Strauss
08.02.2012 18:50
0 0

Historiker?

Ich finds interessant, dass das ausgerechnet ein Historiker 'aufdeckt' ...

Gast: Furunkel
08.02.2012 18:18
1 0

Sie möge in der Hölle schmorren

und weil es erst vor kurzen Thema war : weiß jemand welche Orden diese ehrenswerte Person bekommen hatte ?
(Es gilt wie immer die Unschuldsvermutung)
Wahnsinn, und sowas im vermeindlich zivilsiertesten Land der Welt, ich schäme mich schon im Ausland sagen zu müssen ein Österreicher zu sein.
Kinder und Jugendliche hatten und haben keine Lobby, werden aber lernen Gedenktafeln abzuschrauben, nicht mehr an die hohlen Phrasen der Politiker zu glauben und Bomben zu bauen.

Antworten Gast: WFP
09.02.2012 08:51
0 0

Re: Sie möge in der Hölle schmorren

In keinem anderen Land ist es besser. Man vertuscht vielleicht etwas gekonnter!

Antworten Gast: Hischtor
08.02.2012 18:52
0 0

Es handelt sich um das Großkreuz des päpstlichen Silvesterordens

das ist die höchste Auszeichnung der Kirche für Laien.

Gast: ROTER OKTOBER
08.02.2012 16:32
0 1

Und jetzt sag' mir noch einer, dass die Tiroler nicht ganz hinten wären!

Die lustigen Traditionsstutzenträgerschützenkompanien.

1 0

Re: Und jetzt sag' mir noch einer, dass die Tiroler nicht ganz hinten wären!

Wer diese Geschichten nur durch eine rote Brille anschaut, soll sich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, BSA sagt alles.

Antworten Antworten Gast: Vater3
08.02.2012 18:54
1 0

Die Farbe der Brille

ist hier egal. Hier geht es um Verbrechen an Kindern, und die werden von allen Ideologien (außer der außerhalb des Verfassungsbogens) (der die Täterin nicht unoffensichtlich zeitlebens angehörte) geächtet.

Gast: sid
08.02.2012 16:13
2 0

Was soll man da denken?

Ich versuche gerne zu glauben, dass alles im Leben und auf der Erde einen Sinn ergibt. Manchmal früher manchmal später. Ich bin da sicher nicht der einzige. Aber für solche Meldungen... ich weiss nicht, da reicht mein Verstand nicht aus. Da steh ich an...mir bleibt nur Fassungslosigkeit.

Dass es manche Poster übers Herz bringen zu solchen "Perversitäten" polemische, sarkasstische Kommentare zu schreiben, das allerdings tut mir nur für die Verfasser leid. Ich hoff ihr seid jung genug um das im Leben wieder hinzubiegen.

Antworten Gast: JJJonas
08.02.2012 16:31
1 0

Re: Was soll man da denken?

mir geht es genauso.
ich kann sowas geistig nicht erfassen.. wie kann man als erwachsener und studierter kindern soetwas antun?

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Gewalt gegen einen anderen Menschen angewandt, aber solche Typen würde ich für Hostel IV vorschlagen.

Gast: Lebon
08.02.2012 14:54
0 0

@artigiano

danke für den link - mehr als irritierend (vor allem das Interview mit einer Betroffenen gegen Ende ...)

artigiano
08.02.2012 13:57
1 0

in diesem beitrag aus dem jahr 1980 kommt die dame zu wort.

http://youtu.be/WKPWExyzhhk

Antworten Gast: Geinharm
08.02.2012 18:56
0 0

Da war der ORF

noch mutig und ein Vorbild.

Antworten Gast: Peter Manger
08.02.2012 14:40
2 0

Man sieht

schon vor 32 Jahren, war das ein Riesenskandal. Und bis heute hat niemand den Opfern gegenüber auch nur eine einzige Geste des Bedauerns geäußert ...

Antworten Antworten fefe
08.02.2012 15:29
3 0

Re: Man sieht

Das wird offenbar alles immer erst mit einer Verzögerung von einigen Jahrzehnten bedauert. Idealerweise wenn alle schon tot sind.

Wer weiß, was jetzt gerade alles abläuft worum wir uns dann in 30 Jahren kümmern werden.

Ösistan hat eine lange Tradition der Menschenfeindlichkeit hinter sich

und +/- 30% hängen dem immer noch nach.

Antworten starshaper
08.02.2012 16:16
2 1

ich liebe Österreich

und lasse mir das von Ungustln wie dir nicht vermiesen.

Antworten Gast: Dr. Ran.
08.02.2012 15:57
2 1

Re: Ösistan hat eine lange Tradition der Menschenfeindlichkeit hinter sich

da hast du einfach nur recht !

ganz egal wieviele groteske mitmenschen hier minus-stricherl verteilen, und sich und ihre unfähigkeit zu denken so nur bloßstellen ...

1 0

Re: Re: Ösistan hat eine lange Tradition der Menschenfeindlichkeit hinter sich

Und anderswo ists nicht viel besser, sh. "Lobotomie" bei google.

DaveHB
08.02.2012 12:10
5 10

Stichworte

Dazu fallen mir 2 Stichworte ein: Kirche & Land

Antworten starshaper
08.02.2012 16:17
1 0

Re: Stichworte

leider die falschen Stichworte.
Richtig wäre: Wissenschaft, Psychiatrie.

Antworten Gast: ooo mannn
08.02.2012 14:38
0 0


Antworten Gast: kelchfünf
08.02.2012 12:33
14 2

Re: Stichworte

dabei muss es doch grade bei dem artikel auffallen: nicht die Kirche und auch kein Pfarrer, sondern staatlich und eine Frau! ja darf es denn sowas geben?

Antworten Antworten Gast: Echte Frau
08.02.2012 17:24
1 0

Aus ihrem Lebenslauf:

"langjährige Lehrtätigkeit an der Akademie für Sozialarbeit der Caritas der Diözese Innsbruck"

"Für Ihre Gutachtertätigkeit an den kirchlichen Ehegerichten, vor allem am Erzbischöflichen Metropolitangericht Salzburg und am Bischöflichen Diözesangericht Innsbruck wurde Nowak-Vogl 1987 mit dem Großkreuz des päpstlichen Silvesterordens ausgezeichnet."

Quelle: "Wissenschafterinnen in und aus Österreich: Leben - Werk - Wirken" von Ilse Erika Korotin

Antworten Antworten DaveHB
08.02.2012 14:50
2 4

Re: Re: Stichworte

Also dass "onanieren" oder "sexuelle Übererregung" (was sich für mich ohnehin wie ein Begriff anhört welcher der Kiche entstammt) "Behandelt" werden müssen, kann ich sehr schwer mit staatlichen Idealen verbinden.

Wobei da in Tirol ja nicht sehr viel dazwischen liegt wie mein vorposter ebenfalls erwähnt hat.

Antworten Antworten Antworten fefe
09.02.2012 03:12
0 0

Re: Re: Re: Stichworte

Das hat nichts mit Idealen oder Ideologie zu tun. Das Problem besteht überall, wo Leute mehr als ein paar Monate lang quasi kaserniert sind. Die tun dann im Extremfall den ganzen Tag nichts anderes und einer steckt den anderen damit an. So ist der Mensch. Das gibt es also in Gefängnissen, in Heimen, Internaten, beim Militär, ist aber ein Tabuthema.

Wie man das Problem aber gelöst hatte ist absolut inakzeptabel. Sehr "praktisch", dass die schon tot ist und es offenbar schon lang bekannt war. Unfassbar.

 
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