Zum 50-Jahr-Jubiläum des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) am Freitag schlägt die Belegschaft Alarm: "Wenn man noch weiter den Rotstift ansetzt, ist der Konsumentenschutz in Österreich gefährdet", warnten die VKI-Betriebsrätinnen Ulrike Docekal und Julia Jungwirth. Die Wirtschaftskammer indes droht damit, ihre Mitgliedschaft zu kündigen.
Seit fünf Jahrzehnten testen die Verbraucherschützer Produkte von Frankfurtern bis hin zu Kaffeemaschinen und beraten Konsumenten. Das Geld dafür kommt zu einem Gutteil vom Verkauf der Zeitschrift "Konsument", der Rest stammt aus Mitgliedsbeiträgen. Diese wurden aber seit 20 Jahren nicht mehr valorisiert. Die Folge: Der VKI muss seine Kosten reduzieren und kann freiwerdende Stellen nicht mehr nachbesetzen.
Wirtschaftskammer droht mit Ausstieg
Seit 2001 seien die Mitgliedsbeiträge von Arbeiterkammer (AK), Wirtschaftskammer (WKÖ), Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Landwirtschaftskammer (LWK) real um 42 Prozent geschrumpft, nominell habe das Minus 28 Prozent betragen. "Während die Kosten unaufhörlich steigen, sind die Beiträge der Mitgliedsorganisationen gleich geblieben", warnen auch die VKI-Geschäftsführer Franz Floss und Josef Kubitschek im Jänner-"Konsument". Bisher habe es der VKI aber immer wieder geschafft, das Loch durch neue Aufträge zu schließen, sagte Floss.
Der WKÖ, nach der AK die zweitgrößte Beitragszahlerin, gehen die VKI-internen Anstrengungen aber nicht weit genug. Man schließe nicht aus, mit Ende 2012 die Mitgliedschaft zu kündigen, so WKÖ-Sprecher Rupert Haberson. Wenn dem VKI Geld fehlt, solle er entweder nach Einsparungsmöglichkeiten suchen oder sich eine Alternative überlegen. Von der WKÖ jedenfalls "gibt es sicher keinen höheren Beitrag", stellte Haberson klar.
Weniger Abos für "Konsument"
Daneben hat der VKI noch mit rückläufigen Abo-Zahlen zu kämpfen. Pro Jahr gehen diese laut Geschäftsführung um zwei Prozent zurück, momentan steht man bei 58.000 Printabonnements und 9000 zahlenden Onlinenutzern. Als Grund für den Rückgang machen die VKI-Chefs das Internet aus: Im Web würden Inhalte meist gratis erwartet. Dies mit der Hereinnahme Inseraten zu kompensieren, kommt für den VKI nicht infrage, würde dies doch die Unabhängigkeit gefährden. Laut Statuten darf der VKI keine Gelder von einzelnen Firmen annehmen und im "Konsument" keine Anzeigen schalten.
Im Jahr 2010 hatten sich die Einnahmen des VKI laut Tätigkeitsbericht auf 10,3 Millionen Euro belaufen. Davon kamen 4,4 Mio. Euro von den VKI-eigenen Publikationen, Aufträge an die VKI-Rechtsabteilung spülten etwa 1,5 Mio. Euro in die Kasse.
Demgegenüber standen 2010 Kosten von 10,2 Mio. Euro. Das Problem: "Die Zahl der Mitarbeiter - 80 Vollzeitäquivalente und einige freie Mitarbeiter - bleibt gleich, das Arbeitspensum steigt", nicht zuletzt durch die zahlreichen Klagen, die der VKI im Gefolge der Finanzkrise für geprellte Anleger führt, so Docekal und Jungwirth. Allein gegen den Strukturvertrieb AWD hat der VKI fünf Sammelklagen für 2500 Verbraucher mit einem Streitwert von 40 Mio. Euro eingebracht.
Teure Produkttests
Die vom VKI durchgeführten Tests sind mitunter sehr teuer, sagten die Betriebsräte Docekal und Jungwirth. Oft würden Produkte in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Konsumentenschutzorganisationen geprüft. "Es ist wichtig, dass der VKI hier mitmacht, denn Kosmetika oder Lebensmittel haben in Österreich oft eine eigene Zusammensetzung, die würden sonst nicht getestet."
In Zukunft werde "die Aufrechterhaltung der Tätigkeit mit der bestehenden Finanzierung nur schwer möglich sein", sagt Geschäftsführer Floss. Eine geeignete Maßnahme wäre, den VKI wie die deutsche Stiftung Warentest in eine Stiftung umzuwandeln, die als solche fixe Beträge von der öffentlichen Hand bekommt. Das lehnt aber der zuständige Sozialminister Rudolf Hundstorfer ab.
(APA)
Wiener Radtaxi Mit der Fahrrad-Kutsche durch Wien
Gefährdete Wörter Wenn der ''Afterarzt'' den ''Autofahrergruß'' zeigt
Stadttempel Zu Besuch in der Wiener Hauptsynagoge
''Eingefroren'' Fünf Minuten Stillstand für zwei Tage Spaß
Sonnenfinsternis ''Feuerring'' auf beiden Seiten des Pazifiks