26.05.2012 00:45 | Meine Presse Merkliste 0

Konsumentenschützer zum Jubiläum in Geldnot

10.02.2012 | 15:05 |   (DiePresse.com)

Der VKI wird 50 Jahre alt - die Mitarbeiter sehen die Zukunft aber in Gefahr: Die Arbeit nehme zu, die finanzielle Absicherung sei ungewiss. Die Wirtschaftskammer droht, ihren Mitgliedsbeitrag zu streichen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Zum 50-Jahr-Jubiläum des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) am Freitag schlägt die Belegschaft Alarm: "Wenn man noch weiter den Rotstift ansetzt, ist der Konsumentenschutz in Österreich gefährdet", warnten die VKI-Betriebsrätinnen Ulrike Docekal und Julia Jungwirth. Die Wirtschaftskammer indes droht damit, ihre Mitgliedschaft zu kündigen.

Seit fünf Jahrzehnten testen die Verbraucherschützer Produkte von Frankfurtern bis hin zu Kaffeemaschinen und beraten Konsumenten. Das Geld dafür kommt zu einem Gutteil vom Verkauf der Zeitschrift "Konsument", der Rest stammt aus Mitgliedsbeiträgen. Diese wurden aber seit 20 Jahren nicht mehr valorisiert. Die Folge: Der VKI muss seine Kosten reduzieren und kann freiwerdende Stellen nicht mehr nachbesetzen.

Wirtschaftskammer droht mit Ausstieg

Seit 2001 seien die Mitgliedsbeiträge von Arbeiterkammer (AK), Wirtschaftskammer (WKÖ), Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Landwirtschaftskammer (LWK) real um 42 Prozent geschrumpft, nominell habe das Minus 28 Prozent betragen. "Während die Kosten unaufhörlich steigen, sind die Beiträge der Mitgliedsorganisationen gleich geblieben", warnen auch die VKI-Geschäftsführer Franz Floss und Josef Kubitschek im Jänner-"Konsument". Bisher habe es der VKI aber immer wieder geschafft, das Loch durch neue Aufträge zu schließen, sagte Floss.

Der WKÖ, nach der AK die zweitgrößte Beitragszahlerin, gehen die VKI-internen Anstrengungen aber nicht weit genug. Man schließe nicht aus, mit Ende 2012 die Mitgliedschaft zu kündigen, so WKÖ-Sprecher Rupert Haberson. Wenn dem VKI Geld fehlt, solle er entweder nach Einsparungsmöglichkeiten suchen oder sich eine Alternative überlegen. Von der WKÖ jedenfalls "gibt es sicher keinen höheren Beitrag", stellte Haberson klar.

Weniger Abos für "Konsument"

Daneben hat der VKI noch mit rückläufigen Abo-Zahlen zu kämpfen. Pro Jahr gehen diese laut Geschäftsführung um zwei Prozent zurück, momentan steht man bei 58.000 Printabonnements und 9000 zahlenden Onlinenutzern. Als Grund für den Rückgang machen die VKI-Chefs das Internet aus: Im Web würden Inhalte meist gratis erwartet. Dies mit der Hereinnahme Inseraten zu kompensieren, kommt für den VKI nicht infrage, würde dies doch die Unabhängigkeit gefährden. Laut Statuten darf der VKI keine Gelder von einzelnen Firmen annehmen und im "Konsument" keine Anzeigen schalten.

Im Jahr 2010 hatten sich die Einnahmen des VKI laut Tätigkeitsbericht auf 10,3 Millionen Euro belaufen. Davon kamen 4,4 Mio. Euro von den VKI-eigenen Publikationen, Aufträge an die VKI-Rechtsabteilung spülten etwa 1,5 Mio. Euro in die Kasse.

Demgegenüber standen 2010 Kosten von 10,2 Mio. Euro. Das Problem: "Die Zahl der Mitarbeiter - 80 Vollzeitäquivalente und einige freie Mitarbeiter - bleibt gleich, das Arbeitspensum steigt", nicht zuletzt durch die zahlreichen Klagen, die der VKI im Gefolge der Finanzkrise für geprellte Anleger führt, so Docekal und Jungwirth. Allein gegen den Strukturvertrieb AWD hat der VKI fünf Sammelklagen für 2500 Verbraucher mit einem Streitwert von 40 Mio. Euro eingebracht.

Teure Produkttests

Die vom VKI durchgeführten Tests sind mitunter sehr teuer, sagten die Betriebsräte Docekal und Jungwirth. Oft würden Produkte in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Konsumentenschutzorganisationen geprüft. "Es ist wichtig, dass der VKI hier mitmacht, denn Kosmetika oder Lebensmittel haben in Österreich oft eine eigene Zusammensetzung, die würden sonst nicht getestet."

In Zukunft werde "die Aufrechterhaltung der Tätigkeit mit der bestehenden Finanzierung nur schwer möglich sein", sagt Geschäftsführer Floss. Eine geeignete Maßnahme wäre, den VKI wie die deutsche Stiftung Warentest in eine Stiftung umzuwandeln, die als solche fixe Beträge von der öffentlichen Hand bekommt. Das lehnt aber der zuständige Sozialminister Rudolf Hundstorfer ab.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

17 Kommentare
Gast: kein_gast
10.02.2012 13:11
1 0

Betriebsrätinnen, soso

Wer sich als Verein den Luxus einer permanent mit Gewerkschaftsparteipolitikangelegenheiten beschäftigten Truppe leistet, sollte nicht klagen, wenn das Geld knapp wird ... Dass die Arbeitsbedingungen dort so schlecht sind, dass so eine Truppe eine Existenzberechtigung hat, mag ich irgendwie nicht glauben.

Antworten Gast: Frau Erna
10.02.2012 13:53
0 1

Re: Betriebsrätinnen, soso

Nur so nebenbei und den machoiden Rülpser ignorierend: Schon mal was vom Arbeitsverfassungsgesetz gehört??

Luzius
10.02.2012 12:58
0 1

Die Wirtschaftskammer droht, ihren Mitgliedsbeitrag zu streichen.

wen wundert das denn ?

Bekanntlich will man ja auch seitens der ÄÜ genmanipulierte Nahrung samt Biosprit fächendeckend, also auch bei uns einführen, weswegen man natürlich einer Schutzeinrichtung als Druckmittel die Förderungen streicht !

In welchem Auftrag die wohl handeln ?!

Gast: international_
10.02.2012 12:52
1 0

freie konsumenten entscheiden

wenn den konsumenten die tests in der vki-zeitung wichtig sind, dass sollen sie die abos auch kaufen und den verein so finanzieren.

nichts zahlen wollen, aber andere zum zahlen auffordern ist der falsche weg - oder wollen wir wie beim orf auch eine vki-zwangsabgabe?


Antworten Gast: ido
10.02.2012 13:17
0 1

Re: freie konsumenten entscheiden

Der VKI gestaltet das Konsumentrecht maßgeblich mit, und führt Musterprozesse von denen JEDER profitiert. Die Meisten wissen nichts davon, und die Meisten zahlen nichts dafür; es ist etwas kurzsichtig zu sagen "Die Tests lese ich nicht, also brauch ichs nicht", aber manchmal merkt man erst, das etwas fehlt wenn es weg ist...

PS: Parallelen zum ORF kann man hier nur herbeidichten, mehr nicht

Antworten Antworten wmaurer
10.02.2012 14:58
0 0

Re: der größte Teil des Budgets kommt aus AK Zwangsbeiträgen


von wegen, "die Meisten zahlen nichts dafür."

von wegen, "keine Parallelen zum ORF"


Hondapeter
10.02.2012 10:55
1 1

VKI - ABO

ES SIND INTERESSANTE BEITRAG - DAS ABO IST MIR JEDOCH FÜR 10 x HINEINSCHAUEN IM JAHR ZU TEUER !

Gast: Argesauge
10.02.2012 10:36
4 1

skandal

einer der letzten bationen gegen die uebermacht der markenindustrie die mit ihrer milliarden werbemaschienerie den konsumenten ind hirn kriecht !

nein - keiner kann sich dagegen wehren !

DAHER

benoetigen genaue diese vereine viel geld - anstatt autokonzerne denen man ein kleines auftragsloch bezahlt hat !!!

doch in oesistan regiert die

POLITMAFIA

Gast: Kammerrat
10.02.2012 10:28
2 1

"Bei uns arbeiten großteils Idealisten."


und Ideologen!

Besser wären unabhängige, ideologiefreie Fachleute.

Noch besser wäre es, den gesamten Verein aufzulösen.

Wozu haben wir ein Konsumenschutzministerium und unzählige sauteure Kontrollbehörden.

Antworten Gast: kein idealist, sondern arbeiter
10.02.2012 13:52
1 0

Re: "Bei uns arbeiten großteils Idealisten."

v.a. überbezahlte ideologen, im letzten heft hat man noch damit geprahlt, daß 5,5 mio für 80 mitarbeiter gut investiertes geld sind. das durchschnittsgehalt hätt ich auch gern für das verkosten von joghurt, wein und sekt und schifahren am gletscher!

Antworten Politicus1
10.02.2012 13:35
1 0

Re: "Bei uns arbeiten großteils Idealisten."

Ideologen stimmt leider - Linksologen...

Antworten Gast: ido
10.02.2012 13:21
0 0

Re: "Bei uns arbeiten großteils Idealisten."

"Konsumentenschutzministerium"

Aha...

Mir fällts gerade nicht ein, wer ist denn unser Konsumentenschutzminister?

Antworten Antworten wmaurer
10.02.2012 14:54
0 0

Re: www.bmask.at


wmaurer
10.02.2012 10:18
0 0

nicht drohen, tun


liebe WKO

Antworten Gast: Weg damit
10.02.2012 11:40
2 1

Re: nicht drohen, tun

Der tolle VKI, der abmahnt und dabei sehr oft das Maß verliert. Weg damit, da auch andere Verbände abmahnen und klagen können. Testberichte gibt es ohnehin genug!!!

Antworten Antworten Gast: Frau Erna
10.02.2012 13:49
0 0

Re: Re: nicht drohen, tun

Welcher Verband darf denn zum Beispiel abmahnen und klagen??

Und von welchem anderen Verband haben wir denn zuletzt gehört, dass er abgemahnt/geklagt hätte??

Antworten Antworten Antworten Gast: herr bert
10.02.2012 14:20
0 0

Re: Re: Re: nicht drohen, tun

der pensionistenverband darf zb klagen, warum er's nicht macht, müssen sie ihn schon selbst fragen.