Register soll Gewalt an Kindern früher entlarven

Behandelt ein Arzt ein verletztes Kind, bei dem der Verdacht auf familiäre Gewalt besteht, soll er künftig seine Beobachtungen in einem Register vermerken, das auch für Kollegen zugänglich istBehandelt ein Arzt ein verletztes Kind, bei dem der Verdacht auf familiäre Gewalt besteht, soll er künftig seine Beobachtungen in einem Register vermerken, das auch für Kollegen zugänglich ist..

Register soll Gewalt Kindern
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Wien/Apa/Maki. Die Idee könnte Kinder schützen, ist aber noch sehr vage: Behandelt ein Arzt ein verletztes Kind, bei dem der Verdacht auf familiäre Gewalt besteht, soll er künftig seine Beobachtungen in einem Register vermerken, das auch für Kollegen zugänglich ist. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, von der dieser Vorstoß kommt, will damit „Spitalstourismus“ bekämpfen: Eltern, die Kinder schlagen und ins Spital bringen, wechseln dieses oft, um nicht aufzufallen.

Wer die Daten verwalten wird, soll erst diskutiert werden – so wie die Frage, ob gesetzliche Änderungen bei der ärztlichen Schweigepflicht nötig sind. „Gespräche mit dem Gesundheitsministerium laufen“, so Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Ministeriums. Gründe für Maßnahmen gibt es genug: Die Zahl der Wegweisungen und Betretungsverbote steigt seit 2009 kontinuierlich an.

Mit der Gewalt an Kindern in der Vergangenheit beschäftigt sich der Kinderpsychiater Ernst Berger und bringt durch Interviews mit Betroffenen Details ans Licht, die auf massive Gewaltanwendung hindeuten.

 

Gewalt in Heimen bis 1990er

100 Interviews hat Berger in Kooperation mit dem Opferschutzverein Weißer Ring geführt, 25 Gesprächspartner lebten zwischen 1975 und 1990 in Kinderheimen. Sie beklagen „fast systematischen Sadismus, bei welchem Kinder Situationen ausgesetzt worden sind, die man als öffentliche Beschämung bezeichnen muss“, so Berger. 40 der 100 Betroffenen sprachen über sexuellen Missbrauch durch Erzieher, andere Bewohner oder Nonnen. Eine Heimreform in den 1970er-Jahren habe kaum Wirkung – auch die Vorwürfe gegen ein Heim am Wilhelminenberg betreffen die 1970er-Jahre.

Beschwerden von jenen, die jetzt in Einrichtungen der Stadt leben, betreut ab März ein Ombudsmann: der Sozialpädagoge Peter Sarto bei der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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