Kaffee aus dem Vespacar: Wiens erstes Espressomobil

01.03.2012 | 18:28 |  CHRISTINE IMLINGER (Die Presse)

Erst Hamburg, Amsterdam, nun Wien: Seit Kurzem steht das erste Espressomobil Wiens in der Spittelau. Bald wächst die Flotte. In den Bundesländern könnte er eines Tages mit Franchisepartnern arbeiten.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Seitenklappe auf, Espressomaschine an. Heckklappe auf, Tischchen aufstellen, ein Glas Cantuccini drauf, Preisschild aufhängen, Musik an. Es dauert keine fünf Minuten, schon hat Felix Veres eine komplette Kaffeebar aufgestellt. Seit Anfang Jänner fährt der angehende Barista mit der umgebauten Piaggio Ape, auch Vespacar genannt, durch Wien, meistens steht er in der Spittelau, nahe dem Eingang zur U4.

Nur in den besonders winterlichen Wochen, da blieb Wiens erstes Espressomobil in der Garage. Vor gut einem Jahr, erzählt Peter Lindmoser, der Betreiber der Kaffeebar, hat er so ein Gefährt zum ersten Mal in Hamburg gesehen. In Berlin oder Amsterdam sind bereits ähnliche Dreiräder unterwegs. „Mir hat das sofort gefallen, und ich erfinde halt gern Firmen“, sagt Lindmoser, dessen Brotberuf es ist, mit seiner Firma „Fresh Water“ Quellwasser aus seiner Heimat Mariazell in Wasserspendern zu verkaufen.

 

30.000 Euro und endlose Tüftelei

Seine Entscheidung, ein Espressomobil anzuschaffen, fiel schnell. Damit begann das große Tüfteln. Eine Piaggio Ape, die „Schwester“ der Vespa, war rasch bestellt, die Espressomaschine hat Lindmoser eigens mit einer spanischen Firma entwickelt, schließlich muss sie acht Stunden laufen. Dafür sorgt – auch eine Sonderanfertigung – eine Batterie. Kühlschrank, Wassertank, der Aufbau im Retro-Design – ebenso liebevolle Kleinarbeit. In Summe hat die Espressobar netto 30.000 Euro gekostet. Zugelassen ist sie als Moped, stehen bleiben und verkaufen darf der fahrende Barista überall, wo es der Grundstückseigentümer erlaubt oder auf Plätzen in Marktgebieten. Der Espresso kostet 1,90. Beliebter ist aber der Cappuccino um 2,40 Euro.

„Meine Erfahrung zeigt, dass es drei, vier Jahre dauert, bis das Ding läuft.“ Der 43-Jährige muss es wissen, schließlich hat der gelernte Installateur schon mehrere Firmen gegründet. Zuerst mit Eingangsmatten, dann mit einem Reinigungstrupp, dann die Wasserspender. Das Espressomobil, sagt er, sei vorerst ein Hobby. Aber schon Anfang April werden die nächsten beiden Ape geliefert, sie sollen in der Innenstadt stehen. Für ein paar hundert Euro am Tag kann man die Espressobars künftig für Veranstaltungen buchen. „Es wäre schön, wenn jedes Jahr so drei, vier Wagerln dazukommen.“

 

Nachwuchs für die Flotte

In den Bundesländern könnte er eines Tages mit Franchisepartnern arbeiten. Das ist Zukunftsmusik, Geld bringen würden die Vespacars erst in ein paar Jahren, erwartet Lindmoser. „Aber dann haben wir eine Nische besetzt.“ Kaffee im Pappbecher, wie in den USA, aber Kaffee wie in Italien. Kein Filter- oder Kapselgebräu, sondern Espresso aus einer Siebträgermaschine, gebrüht vom Barista.

Die Wiener sind noch ein wenig reserviert. Beim ersten Ausflug der Ape zum Rochusmarkt bleiben sie stehen, schauen, fotografieren. Kaffeetrinken im Vorbeigehen, das ist vielen noch fremd.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

3 Kommentare
Gast: mario
08.03.2012 10:07
0

Coole

Idee. Nicht unterkriegen lassen. Die Neider sind schnell am Plan. Viel Erfolg.

Ja

Neue Arbeitsplätze braucht das Land.
Fragt sich nur wer seinen Cafe gerne auf der Straße trinkt !
Aber umgekehrt wenn man sieht was da alles in den Öffis Lebensmittel in ungustiöser Art und Weise in sich hineinstopfft ,ist alles möglich.

Gast: Wünsch ihm gute Geschäfte!
04.03.2012 03:57
0

Owa: Also, i bin bestimmt ka Schluchtenbergiga Hinterwäldla-nur, wer braucht den dreiradligen „Schmarrn“ wirklich?


Wetter

  • Aktuelle Werte von
    00:00
    Wien
    18°
    Steiermark
    15°
    Oberösterreich
    15°
    Tirol
    14°
    Salzburg
    13°
    Burgenland
    18°
    Kärnten
    15°
    Vorarlberg
    15°
    Niederösterreich
    14°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden