Gold-Mord: Polizist als Verdächtiger festgenommen

Der 51-Jährige wollte bei der Einvernahme fliehen und auf einen Polizisten schießen. Er war 25 Jahre unauffällig als Polizist tätig und hat unter anderem eine Spezialausbildung zum Entschärfen von Sprengmitteln.

Pressekonferenz zum Gold-Mord in Tirol.
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Pressekonferenz zum Gold-Mord in Tirol.
(c) APA/ROBERT PARIGGER (ROBERT PARIGGER)

Innsbruck/Wien/Apa. Ein 51-jähriger Polizist soll den Mord an einer Tiroler Bankerin verübt haben. Das teilten Ermittler am Dienstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck mit. Der Verdächtige war 25 Jahre unauffällig als Polizist tätig und hat unter anderem eine Spezialausbildung zum Entschärfen von Sprengmitteln. Die 49-jährige Frau ist einem „kaltblütigen Verbrechen“ zum Opfer gefallen, sagte die Leiterin der Staatsanwaltschaft, Brigitte Loderbauer. Noch nicht sicher ist, ob der mutmaßliche Täter allein gehandelt hat.

Vor der Einvernahme des Mannes hatten sich dramatische Szenen abgespielt. Im Landespolizeikommando Tirol war es zu einem Gerangel gekommen, ein Polizist verlor seine Dienstwaffe. Der Verdächtige schnappte sich die Glock und versuchte abzudrücken. Dabei hat sich kein Schuss gelöst. Daher wird auch wegen Mordversuchs ermittelt. Der 51-Jährige konnte im Zuge der Tumulte über den Innenhof bis auf die Straße flüchten. Dort wurde er wieder festgenommen. Das Verbrechen soll laut Christoph Hundertpfund, Leiter der Ermittlungen, von langer Hand minutiös geplant worden sein. Auf die Spur des Mannes ist man durch Funde im Pkw des Opfers gekommen.

Noch viele offene Fragen

Hundertpfund sprach von einem „sehr diffizilen Mordfall“. Bei der Hausdurchsuchung beim Tatverdächtigen sei man auf „pyrotechnische“ Funde gestoßen. „Heute wurde noch der Schrebergarten des Täters untersucht. Dort wurde ein Gefäß mit unbekanntem Inhalt sichergestellt“, so der Kriminologe. Der Verdächtige habe gestanden, dass er ein Wertkartenhandy gekauft und verwendet hat. „Er hat auch zugegeben, dass er vor Kurzem Chloroform gekauft hat.“ Ein Tatgeständnis gibt es nicht. Für die Tat habe er zwar das Wertkartenhandy benutzt, der SMS-Verkehr habe aber keinen Hinweis auf das Goldgeschäft geliefert.

Das Opfer hatte vor der Tat acht Kilogramm Gold im Wert von mehr als 330.000 Euro aus der Bank getragen. Davon fehlt jede Spur. Neben der Frage, wo die Goldbarren geblieben sind, ist auch die Frage offen, wer von ihren Arbeitskollegen davon gewusst hat, dass die Bankangestellte das Gold einfach aus der Bank mitnahm.

Die Polizei hat im Pkw der Frau Fingerabdrücke, Brandbeschleuniger, ein Feuerzeug und eine Stoffwindel – möglicherweise für die Anwendung von Chloroform – gefunden. Als Todesursache wurde eine Kohlenmonoxidvergiftung festgestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2012)

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