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Illegale Zweitwohnungen: Salzburg droht mit Versteigerung

21.03.2012 | 18:22 |  CLAUDIA LAGLER (Die Presse)

Wer in Salzburgs Gemeinden eine nicht legale Ferienwohnung hat, muss künftig mit strengeren Sanktionen rechnen. Das Land arbeitet derzeit an einer Novelle zum Grundverkehrsgesetz.

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Salzburg. Die Villa am See, das Haus in den Bergen, die Wohnung im Wintersportort: Wer solch attraktive Immobilien nicht dauerhaft bewohnt, sondern illegal als Ferienwohnung nutzt, der muss künftig im Bundesland Salzburg mit strengen Sanktionen rechnen. Das Land arbeitet derzeit an einer Novelle zum Grundverkehrsgesetz, um illegalen Zweitwohnungen den Kampf anzusagen.

Legale Ferienwohnungen in eigens von der Raumordnung dafür deklarierten Zweitwohngebieten der Gemeinden sind davon nicht betroffen. Dass ein reicher Ortsfremder einen Baugrund oder eine Wohnung in schöner Lage erwirbt und sich ein inoffizielles Feriendomizil einrichtet, ohne dass die Gemeinde dagegen etwas unternehmen kann, wird es zumindest nach dem Willen des ressortzuständigen Landesrats Sepp Eisl (VP) in Hinkunft nicht mehr geben. Im schlimmsten Fall soll die illegale Zweitwohnung sogar zwangsversteigert werden können.

Der Hintergrund für die Verschärfung: In vielen touristisch interessanten Salzburger Gemeinden ist Baugrund ohnehin eine rare Sache. Wegen der seit Jahren stark ansteigenden zusätzlichen Nachfrage nach Grund, Häusern und Wohnungen von Menschen, die eigentlich nur an einer Feriennutzung Interesse haben, sind die Preise massiv gestiegen.

„Wir wollen die Preise wieder auf ein Niveau bringen, das sich auch einheimische Familien leisten können“, sagte Alois Gadenstätter (VP), Bürgermeister von Maria Alm, zur „Presse“. Mit immerhin 146 Hektar Zweitwohnsitzgrundstücken gehört die Pinzgauer Gemeinde zu den Orten mit den meisten legalen Ferienwohnungen im Bundesland. Doch seit ein paar Jahren bemerkt auch Maria Alm, dass in ganz normalen Mehrparteienhäusern oder bei Einzelobjekten verstärkt ortsfremde Käufer auftreten, die nicht vorhaben, einen dauerhaften Wohnsitz zu begründen. Dass es sich um eine Feriennutzung handelt, bemerkt die Gemeinde erst, wenn die meiste Zeit die Rollläden zu sind, kein Wasser verbraucht wird und kein Müll zu entsorgen ist.

Genau auf solche Anzeichen will man künftig mit Anzeigen reagieren können. Ein Käufer muss künftig beim Notar erklären, dass er in der jeweiligen Immobilie seinen Hauptwohnsitz errichten wird. Tut er das später dann doch nicht, kann die Gemeinde einschreiten und gemeinsam mit Bezirkshauptmannschaft und Land gegen die illegale Zweitwohnung vorgehen. Dass das zwar theoretisch gut klingt, in der Praxis aber ein jahrelanger Kampf durch viele Instanzen sein wird, ist auch Eisl klar. „Wir gehen davon aus, dass die neuen Möglichkeiten eine abschreckende Wirkung haben. Bisher hatten die Gemeinden kaum eine Handhabe“, sagte Franz Wieser, Pressesprecher von Eisl im Gespräch mit der „Presse“. Wenn ein Käufer beurkunde, dass er einen Hauptwohnsitz errichten wird, habe das eine andere Verbindlichkeit. Dass die Niederlassungsfreiheit der EU möglichen Sanktionen sehr enge Grenzen setzt, sei klar.

Gadenstätter will jedenfalls illegalen Zweitwohnungen nicht länger tatenlos zusehen und im Notfall Anzeige erstatten. Auch legalen Zweitwohnbesitzern droht in vielen Salzburger Gemeinden demnächst Ungemach: Viele Kommunen nützen die Möglichkeit, in Ferienwohngebieten einen Zuschlag auf die besondere Ortstaxe einzuheben, um die Gäste an den Infrastrukturkosten angemessener zu beteiligen. Ein Plus von 30 Prozent dürfen die Maria Almer Zweitwohnbesitzer auf ihrer Vorschreibung für das kommende Jahr erwarten. Maria Alm hat bei 2000 Hauptwohnsitzen immerhin 2100 Nebenwohnsitze. Noch krasser ist es in Saalbach-Hinterglemm: Da kommen auf 2900 Hauptwohnsitze knapp 5000 Zweitwohnsitze. Auch Wald-Königsleiten oder St. Gilgen gelten als Zweitwohnsitzhochburgen mit allen Vor- und Nachteilen nur temporärer Ortsbewohner. Was die Zahl der illegalen Zweitwohnsitze im Bundesland betrifft, gibt es nur Schätzungen: Es könnten immerhin rund 8000 Wohnungen oder Häuser sein.

Auf einen Blick

In vielen Salzburger Gemeinden mit starkem Tourismus sind die Preise für Baugrund hoch – eine Folge davon, dass sich viele Fremde Zweitwohnsitze bauen, diese aber nur als Ferienhaus nutzen. Strafbestimmungen für diese Praxis sollen Abhilfe schaffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2012)

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48 Kommentare
 
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Gast: daseppmitdeschiefenzähnd
22.03.2012 08:55
5 0

die Fremden sollen in der Fremde bleiben, bei uns ist aber dahoam!

Do wohnen wollens eh nur in der schenen Zeit, wauns schiarch ist, oiso so 11 Monat im Joahr, do sans woanders, wos schena ist!
Sauerei! Österreich den Österreichern! Und das Geld der Fremden auch den Österreichern! Eh kloar!
Und jetzad geh' i wieda jodeln!

"Illegale Zweitwohnungen"

Ein herrlicher Ausdruck des real existierenden Kommunismus in Österreich.

Antworten Gast: Ierbär
22.03.2012 09:38
6 0

Re: "Illegale Zweitwohnungen"

das ist Kommunismus pur!!!!

..und das im einem sogenannten Rechtsstaat!!!

Die Politik hätte schon vor Jahren VOR den Verkäufen von Grundstücken darauf schauen müssen. ABER jeder Bürgermeister war vorher geil auf das viele Geld, meist ausländischer, Immobilienkäufer.


13 0

Re: "Illegale Zweitwohnungen"

Besser kann man es kaum sagen. Da fordert ein Vertreter einer ehemals bürgerlichen, wirtschaftsnahen Partei allen Ernstes die "Zwangsversteigerung illegaler Zeitwohnungen"!

Ob sich die ÖVP in raren luziden Momenten - so es solche überhaupt noch gibt - bewusst ist, dass sie von der SPÖ mittlerweile nahezu ununterscheidbar ist?

PS: Gut das keiner weiß, das ich ein illegales Zweitauto habe :-)

Re: Re: "Illegale Zweitwohnungen"

Sind Sie auch mehrfach vorbestrafter Wildparker? ;-)))

Re: Re: Re: "Illegale Zweitwohnungen"

Nicht nur das, ich bin auch illegaler Zweitbuchbesitzerundzuendeleser, das wird der Pröll Erwin (der hat ja bekanntlich vorschriftsmäßig nur ein Buch, den "Schatz im Silbersee", zu Ende gelesen hat) gar nicht gern sehen. Eine Enteignung scheint vorprogrammiert...

Gast: Na ja...
22.03.2012 07:48
3 0

Aber das Geld der Leute hat man schon genommen?

Es war anno 2006, als wir mit dem Rad die Salzach entlang gefahren sind.

In unserem Quartier hat dann die Wirtin erzählt, daß gar mancher Ort NUR MEHR auf reiche Zuwanderer setzt und die Einheimischen dort gar nicht mehr gerne gesehen werden.

(Gilt besonders für Tourismuszentren).

Geld regiert die Welt, und die örtlichen Politiker haben mit steigenden Grundstückspreisen noch nie ein Problem gehabt!

Warum also jetzt die Wende? Kann es gar sein, daß die Jungen regelrecht aus Salzburg/ Land flüchten?!

neuer Job

Müllbesorger und Wasserverbraucher:
Illegaler Zweitwohnbesitzer sucht jemanden, der seinen Müll bei ihm abladet und sich täglich einmal in seiner Dusche duscht. Bezahlung gut!

0 0

Re: neuer Job

einfach einen wasserhahn leicht aufgedreht lassen...

Antworten Gast: Na und?
22.03.2012 09:15
3 0

Ach was!

Das kommt eh alles nicht.

Der Politiker, der das durchsetzt, stirbt unter ungeklärten Umständen...

4 0

Re: neuer Job

jemand der sich eine zweitwohnung als feriendomizil leistet, kann sich auch so einen wasserverbraucher leisten! klasse idee.

Na super. In fundamentale Rechte wie zB Eigentum, Niederlasssung etc eingreifen wollen ist ja schon dreist genug.


Dazu noch Zwangsassimilation, wahrscheinlich muß man die Kinder auch noch in die Schihauptschule im Ort schicken. Als nächstes stehen wahrscheinlich verpflichtender Kirchenbesuch und Verbot der Hochsprache auf dem Programm...

Re: Na super. In fundamentale Rechte wie zB Eigentum, Niederlasssung etc eingreifen wollen ist ja schon dreist genug.

Sie haben wirklich keine Ahnung. Es geht darum, dass auch Normalbürger Haus und Grund erwerben können und nicht zwischen 600 bis 800 Euro für einen Baugrund hinblättern müssen.

Re: Re: Na super. In fundamentale Rechte wie zB Eigentum, Niederlasssung etc eingreifen wollen ist ja schon dreist genug.

Ihre Ahnung ist auch sehr einseitig.

Es gibt auch Normalbürger, die Grund verkaufen wollen. Oder Normalbürger, die teuer gekauft haben und noch am Kredit zahlen. Auch die "braven" mit Hauptwohnsitz werden geschädigt, weil die Preise fallen - wo ist der Investitionsschutz?

Und ein Zweitwohnsitz ist auch nichts anormales oder gar perverses.

Die Realität sieht so aus: Umwidmungsgewinne müssen jetzt versteuert werden. Damit fällt den Politikern und Beamten eine Schmiergeldquelle weg, weil der Finanzminister schon zuerst zugreift. Und schwupp entdecken schon die ersten ihre soziale Ader...

Re: Re: Na super. In fundamentale Rechte wie zB Eigentum, Niederlasssung etc eingreifen wollen ist ja schon dreist genug.

600 bis 800 Euro für einen Baugrund kann man sich allemal leisten. Ich habe das Dreißigfache bezahlt.

Gast: leidtragederstaatsbürger
22.03.2012 00:00
5 0

typisch politik

Die ,Problematik' der massiven Zunahme der sogenannten Zweitwohnsitze im Hauptwohnsitzgebiet ist ja schon länger bekannt, war aber bis heute noch nie so ein Thema für die Politik und wurde jahrelang geduldet. Hat doch die Wirtschaft und auch so manche Gemeinde stark davon profitiert. Auch sind der Politik die eingeschränkten Möglichkeiten dagegen anzuwirken, bekannt. Jetzt aber, wo die Massen aufschreien, ist die Politik halt wieder einmal gezwungen zu handeln.

Doch leider wird diese Entwicklung von uns zu akzeptieren sein. Die Politik weiß das auch.
Maßnahmen wie Sie jetzt angekündigt werden, bestätigen nur die aktuelle politische Lage.
Viel populistisches Blabla, aber sonst nichts dahinter.

Langfristig wird sich somit an der aktuellen Entwicklung nichts verändern. Nach den aktuellen Vorschlägen der Politik wäre ja jeder ,einheimische EU Bürger', der wegen seines Berufes hauptsächlich auswärts verweilen muss gezwungen, sein Eigentum in seinem Heimatort zu verkaufen.

Erwerbsfreiheut

was ist mit erwerbsfreiheit?

wenn das praxis wird, sind das massivste eingriffe in grundrechte.

Re: Erwerbsfreiheut

Bei der "Erwerbsfreiheit" gehts aber darum dass man jedem nicht verbotenen Gelderwerb nachgehen darf...

Allerdings seh ich da auch ein Problem mit dem Schutz des Eigentums... Besonders was die Schnapsidee mit der Zwangsversteigerung betrifft...

Da ist dem guten Landmann wohl der Enzian ein bisschen zu Kopf gestiegen... Typisch ÖVP solche Ideen zu kommunizieren...

Re: Re: Erwerbsfreiheut

sie haben recht mit der erwerbsfreiheit.

mein gedankengang ging eben auf erwerben von eigentum, nicht dem erwerb des einkommens.

danke.

nur wenn das schule machen sollte, was wäre dann in z.b. wien mit den freien ferien - und anlagewohnungen z.b.?
in gesamt österreich?
burgenland?
europa?
darf ich dann keinen feriensitz in südfrankreich, sizilien oder sonstwo haben?

daher ist diese idee sowas von absurd, welche mal wieder von einem dummen politiker kommt.

dahin gingen meine gedanken.


Gast: b754
21.03.2012 20:03
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in der stadt gibt es gefühlt mehr zweitwohnungen als hauptwohnsitze

und es wird weiter gebaut mit preisen um die 10000€ pro m² und das werden großteils wieder nur zweitwohnungen für reiche ausländer

Gast: brunello1961
21.03.2012 20:00
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EU-Recht

Da sollte sich Hr. Eisl aber die EU-Freiheiten ein bissl besser anschauen. Eine Immobilie kaufen wird auch in Zukunft jeder EUinländer können - ob das Hr. Eisl passt oder nicht. Da steht nämlich die Kapitalverkehrsfreiheit davor.
Und auch zukünftig wird leerstehen lassen nicht verboten sein :-).

Antworten Gast: Dr.N.N.
22.03.2012 08:51
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Wenn wir schon vom EU-Recht reden, sollten wir es auch kennen.

Es ist den Mitgliedstaaten explizit erlaubt, Immobilien den vorort dauerhaft Ansässigen vorzubehalten. Was sie nicht dürfen, ist EU-Bürger gegenüber Österreichern zu diskriminieren.

Bitte um nähere Ausführung ...

... wonach es "explizit erlaubt(sei), Immobilien den vorort dauerhaft Ansässigen vorzubehalten" v.a. im Lichte der österreichischen Verfassung.

 
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