Wien. Mehr Professionalität im Umgang mit den Kriminalitätsopfern, höhere Qualität und Quantität bei der Spurensicherung: Die Wiener Polizei hat mit 1.April die Tatort-Opfer-Teams („Topteams“) erweitert. Seit 1.Mai 2010 waren diese mobilen Zweierteams aus speziell ausgebildeten Tatortexperten versuchsweise in einigen Innenstadtbezirken sowie in der Donaustadt und in Floridsdorf unterwegs. Seit Sonntag rücken diese Teams nun in alle 23 Bezirke Wiens aus.
Die insgesamt 21 Teams, die Tag und Nacht abrufbereit sind, kommen in erster Linie bei Haus-, Wohnungs- und Geschäftseinbrüchen sowie bei Sachbeschädigungen zum Einsatz. Wie das funktioniert, erklärt Wolfgang Haupt aus dem Landeskriminalamt (LKA): „Das Opfer bemerkt einen Einbruch und ruft die Polizei. Über unsere Landesleitzentrale wird ein Topteam angefordert, das zum Tatort fährt.“ Von Sonntag bis gestern, Dienstag, wurden Topteams in ganz Wien zu knapp 130 Tatorten beordert.
141 Polizisten dafür ausgebildet
Bei dem Spurensicherer-Duo handelt es sich um ein „gemischtes“ Team. Ein Beamter kommt aus dem Landeskriminalamt und ist ein erfahrener Tatortexperte. Der zweite Beamte kommt aus einem Stadtpolizeikommando, hat aber spezielle Schulungen für Tatortarbeit absolviert. Jeder Polizist hat einen eigenen Tatortkoffer, jedes Duo ein eigenes Dienstfahrzeug.
Die Polizei erhofft sich dadurch unter anderem:
• Professionalisierung der Tatortarbeit: Die speziell ausgebildeten Ermittler sollen auch bei kleineren Delikten wie Sachbeschädigungen mehr und bessere Spuren sichern. „Das bringt höhere Aufklärung, aber auch die Verwertbarkeit der Spuren für das Gerichtsverfahren wird besser“, sagt Wiens Landespolizeikommandant, Karl Mahrer.
• Mobiler Einsatz: Die Tatortteams werden zentral gesteuert und sollen rasch zum Einsatzort kommen. Die Funkwagen sollen dadurch entlastet werden und weiter ihren Streifendienst versehen können.
• Weniger Arbeitsaufwand in den Polizeiinspektionen, die Ansprechpartner sind „vor Ort“ und bearbeiten den Fall weiter.
• Verbesserte Opferbetreuung.Gerade hier will die Wiener Polizei mehr Know-how investieren. Neben der Arbeit am Tatort sollen die Teams das Opfer über künftige Präventivmaßnahmen (besseres Schloss, Verstärkung der Tür, Sinnhaftigkeit einer Alarmanlage) informieren und den Kontakt mit dem Betroffenen über einige Zeit aufrechterhalten.
„Im ersten Schock nach dem Einbruch bleiben meist noch Fragen offen oder wichtige Hinweise werden vergessen. Deshalb halten wir Kontakt und informieren nach mindestens zwei Wochen auch über den aktuellen Ermittlungsstand in dem speziellen Fall“, sagt Mahrer.
Die Akzeptanz für die Topteams war nicht immer gegeben. Bei der Einführung im Frühjahr 2010 gab es vor allem Skepsis wegen der Dienstplanung, auch die „gemischten“ Teams stießen nicht überall auf Begeisterung. Das scheint nun aber ausgeräumt, wie „Presse“-Recherchen bei Personalvertretern ergaben. Ein Gewerkschafter: „Viele Kollegen wollten jetzt zu den Topteams, das Interesse war hoch.“
Derzeit können 141 Polizisten in den Teams eingesetzt werden. Die meisten von ihnen sind im Süden Wiens (sechs Teams) und im Westen der Stadt (fünf) unterwegs.
Tatort-Opfer-Teams sollen ab nun in ganz Wien zu Einbrüchen ausrücken. Durch eine qualifizierte Spurensicherung sollen die Aufklärung erhöht und die Opferbetreuung verbessert werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2012)
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