Unfallbilanz: Mehr tote Radfahrer

Österreichs Straßen werden sicherer: Im Straßenverkehr sind im Jahr 2011 österreichweit 42 Radfahrer gestorben – eine Zunahme von 31 Prozent. Allerdings gab es so wenig getötete Verkehrsteilnehmer wie nie zuvor.

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(c) EPA (Stephen Shaver)

Wien. Österreichs Straßen werden sicherer: Im vergangenen Jahr starben laut Statistik Austria 523 Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr – ein Minus von 5,3 Prozent gegenüber 2010. 45.025 Personen (-1,8 Prozent gegenüber 2010) wurden bei Unfällen verletzt. Dabei handelt es sich, wie am Donnerstag bei der Präsentation der Zahlen erklärt wurde, um die beste Unfallstatistik seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1950er-Jahren.

Allerdings gibt es in der Statistik auch Schattenseiten: Im abgelaufenen Jahr gab es mehr verletzte und getötete Radfahrer. 2011 starben 42 Radler auf den heimischen Straßen, 2010 waren es insgesamt 32. Das ist eine Zunahme von 31 Prozent. Angeführt wird diese Bilanz von Oberösterreich mit zwölf toten Radfahrern, gefolgt von Niederösterreich (8) und Salzburg (7). In Wien gab es 2011 lediglich ein Todesopfer.

Wo liegen die Ursachen dafür? Sowohl Klaus Robatsch, Experte beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), als auch Wiens Radverkehrsbeauftragter Martin Blum (siehe Interview unten) meinen, das sei auch auf die zunehmende Zahl der Radfahrer zurückzuführen. Zudem, so Robatsch, würden Unfälle, an denen Senioren beteiligt seien, öfter tödlich enden als jene mit jüngeren Radfahrern.

KfV will Handyverbot

Eine Sprecherin des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erklärte der „Presse“: „Seit 2007 hat der Radverkehr um mehr als ein Drittel zugenommen, gleichzeitig ist aber die Zahl der tödlichen Unfälle pro Milliarde geradelter Kilometer um 18 Prozent gesunken.“

Laut ÖAMTC passierten 60 Prozent aller tödlichen Fahrradunfälle durch eigenes Fehlverhalten. Der Autofahrerklub mahnte daher am Donnerstag auch eine „vorsichtige Fahrweise“ und ein „gegenseitiges Verständnis aller Verkehrsteilnehmer“ ein. KfV-Experte Robatsch erklärte, die Hälfte aller Radunfälle ereigne sich an Kreuzungen. Er forderte bessere Verkehrsplanungen an diesen neuralgischen Stellen.

Von den 42 getöteten Radlern waren 20 zwischen 70 und 79 alt, weitere drei älter als 80 Jahre. In der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen gab es hingegen keine Toten. Bei zehn der 42 Getöteten handelte es sich um Frauen.

„Um die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen, müsste die Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 Promille gesenkt sowie ein Handyverbot am Rad erwirkt werden“, forderte der KfV. Speziell die Senkung der Promillegrenze für Radfahrer ist schon seit Jahren ein strittiges Diskussionsthema.
Ein weiterer negativer Aspekt der aktuellen Statistik: Es gab mehr tödlich verunglückte Kinder im Straßenverkehr. Insgesamt kamen im Vorjahr 13 Kinder (2010 waren es zehn) ums Leben, die meisten davon waren Insassen in einem Pkw.

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Im Jahr 2011 wurden aber auch um 14 Prozent mehr Motorradfahrer bei Unfällen verletzt als im Vorjahr. Hauptgrund für diesen drastischen Anstieg ist für das KfV „die neue Risikogruppe der 45- bis 60-jährigen Wiedereinsteiger“. Generell war an jedem zehnten Verkehrsunfall 2011 mit Personenschaden ein Motorrad beteiligt.

Mehr Tote durch Alkoholunfälle

Zwar ist die Zahl der Alkoholunfälle und der dabei Verletzten im abgelaufenen Jahr gesunken (um 0,7 beziehungsweise 1,0 Prozent). Allerdings starben mehr Verkehrsteilnehmer durch Alkoholunfälle als im Jahr 2010 (plus 18 Tote).

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