Missbrauch: 40 beschuldigte Priester noch im Amt?

Die "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" kritisiert zwei Jahre nach dem Einsatz der "Klasnic-Kommission" die mangelnde Aufarbeitung der Kirche.

THEMENBILD: MISSBRAUCH IN DER KIRCHE
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(c) APA/GEORG HOCHMUTH (Georg Hochmuth)

Erneut gibt es Kritik an der mangelnden Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Österreichs römisch-katholischer Kirche. Zwei Jahre nachdem Kardinal Christoph Schönborn die Opferschutzanwaltschaft eingesetzt hat, seien rund 40 beschuldigte Priester im Amt. Das kritisiert Sepp Rothwangl von der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" am Montag. Die Plattform schlägt der Kirche vor, Klagen auch zivilrechtlich prüfen zu lassen, da hier andere Verjährungsfristen gelten würden.

Nicht nur die Opferschutzanwaltschaft, der die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic vorsitzt, wurde vor zwei Jahren gegründet. Auch die "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" startete damals ihre Tätigkeit und kritisiert seitdem, dass die "Klasnic-Kommission" von der Kirche zu abhängig sei.

Wenig habe sich seitdem geändert, bemängelt Rothwangl, der laut eigener Aussage selbst Missbrauchsopfer ist. So würden Priester geschützt: "Ich sehe in der Vertuschung der Fälle einen Bestandteil der Tat." Die Namen jener rund 40 missbrauchsverdächtigen Geistlichen, die derzeit immer noch im Amt seien, kenne man. Eine Veröffentlichung behalte sich die Plattform vor.

Grüne fordern staatliche Stelle

Politische Unterstützung erhält die Plattform durch den grünen Justizsprecher Albert Steinhauser, der weiterhin eine staatliche Anlaufstelle für Missbrauchsopfer fordert. Dass die Volksanwaltschaft die Fälle künftig weiterleiten soll, sei nicht ganz das, was man sich von einer solchen Kommission erwarte. Auch wenn es das "gute Recht" der Kirche gewesen sei, die Opferschutzanwaltschaft ins Leben zu rufen, so könne diese ein staatliches Gremium nicht ersetzen.

Zudem habe sich die Klasnic-Kommission für Erwachsene Missbrauchsopfer für unzuständig erklärt, für Ablehnungen gebe es keine Begründung und auch in der Prävention sei seitdem nichts passiert, so Steinhausers weitere Kritikpunkte.

Besseres Modell in Bayern?

Für den Psychologen Holger Eich reicht ein Blick über die Grenze, um bessere Modelle für den Umgang mit Missbrauch zu entdecken. So habe der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die vollständigen Archivzugang bekommen habe und die Ergebnisse unzensiert veröffentlichte.

Eich sieht zudem auch eine staatliche Verantwortung für Missbrauchsfälle, die sich in katholischen Internaten ereignet haben. Die Kritik an der Klasnic-Kommission teilt er, gesteht aber zu: "Sie hat eine Aufgabe, um die ich sie nicht beneide."

(APA)

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