Frühe Hitze: Wenn es im Frühling Sommer wird

Am Donaukanal herrscht bereits Hochbetrieb, auch im MQ herrscht Sommerzeit, die Eisbranche expandiert. Wie sich Wien mit dem frühen Sommer arrangiert – und wer davon überrascht wird.

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(c) Clemens Fabry

Temperaturen über 30 Grad – und ein verlängerbares Wochenende: Genau die richtige Kombination, um eine Stadt aus der kollektiven Frühjahrsmüdigkeit zu reißen. Seit gestern sorgen heiße Saharawinde in Österreich für Rekordtemperaturen (siehe Artikel unten). „Die Presse“ hat sich umgesehen, ob Wien für den frühen Sommer gerüstet ist.


Die naheliegendste Frage: Kann man schon baden gehen? Zumindest in den städtischen Freibädern Fehlanzeige. Denn selbst wenn in größter Hitze Massen Badewilliger vor den Toren warten – die MA 44 hat für die Eröffnung den 2.Mai festgelegt, und dabei bleibt es, Hitze hin, Hitze her.

Dass es ein wenig flexibler ginge, zeigt etwa die Therme Wien (an der die Stadt übrigens Anteile hält)– der Außenbereich der Anlage ist an dem heißen Wochenende bereits geöffnet, auch im (privaten) Schönbrunner Freibad kann man bereits seine Längen ziehen.

Wer nicht die Atmosphäre eines Freibades braucht, kann es sich an den Badeplätzen entlang der Neuen oder Alten Donau gemütlich machen. Letzterer ist übrigens ein eben erschienenes Buch (Judith Duller-Mayrhofer: „Die Alte Donau – Auf Sommerfrische in der Stadt“, Metroverlag) gewidmet.


Ärgerlich für die Wiener Stadtregierung: Sie hatte angekündigt, dass mit Sommerbeginn die Donauinsel mit kostenlosem WLAN ausgestattet sein würde. Dass die Sommersaison schon im Mai starten würde, konnte dabei ja keiner ahnen. So werden sich internetaffine Griller, Sportler und andere Erholungssuchende noch bis Ende Juni gedulden müssen, bis sich der Traum vom kabellosen Netz im Naherholungsgebiet erfüllt.
Der Donaukanal schaltet pünktlich zum hochsommerlichen Wochenende auf Vollbetrieb: Die meisten Lokale der Sand-und-Liegestuhl-Fraktion sind schon geöffnet. Eben ist auch der Tel Aviv Beach samt Sandstrand in sein drittes Jahr gestartet. Auch die Terrasse der Summerstage weiter flussaufwärts ist schon geöffnet. Hier setzt man ebenfalls auf Sand, wenn auch für sportlichere Zwecke – zum Beachvolleyball. In der Sonne sitzen kann man auch an Bord des Badeschiffs zwischen Schwedenplatz und Urania. Minus: Der Pool bleibt bis Mitte Mai geschlossen.

Auf Sand-und-Strand-Gefühl (und viel Kulinarik) setzt auch die „Sand in the City“-Sandkiste am Heumarkt, die bereits geöffnet hat.

Auch am Stadtrand Wiens melden sich gerade noch rechtzeitig zum Wochenende – am 1.Mai – die „100Tage Sommer“ in Brunn am Gebirge zurück. Der Naturteich wird mit künstlichen Spielereien aufgewertet: etwa einem Trampolin mitten im Wasser und Tauchlehrern, die die Unterwasserwelt erklären. Und ja, auch hier gibt es Sand en masse.
„Es kommt darauf an, wie gut sie wächst.“ Ob Irene Preißler, Pressesprecherin des Museumsquartiers, wirklich von einer Sandkiste spricht? Sie tut es: Mit dem „Kagome“, einem Zelt aus Weidenästen, eröffnet Mitte Mai eine „lebendige Sandkiste“ im Fürstenhof des MQ. Das vage Datum ergibt sich aus der Natürlichkeit des Baustoffs: Eröffnet wird der Sandspielplatz erst, wenn das nach einer japanischen Flechttechnik benannte Bauwerk genug gewachsen ist. Davor lädt das MQ am 3.Mai zum Start seines Sommerprogramms, dabei regiert das Mitmachfieber: Wer an Grillstationen beim Fest Fleisch wenden will, kann sich auf Facebook einem Gewinnspiel stellen, beim Fest selbst gibt es ein Live-„Casting“: Der Sieger darf als Vorgeschmack auf den „Summer of Fashion“ bei der Modenschau mitmachen.


In Wiens Schanigärten steht kein Achterl fix auf dem Tisch: Eine Entscheidung, wann die Gebühren neu geregelt werden, steht noch aus. Künftig soll die Abgabe von der Lage abhängen: Je zentraler, desto teurer – ob kleine City-Gassen genauso teuer werden wie der Graben, wird noch verhandelt. Warum das so lange dauert? Juristische Details, meint Wilhelm Turecek, Gastro-Obmann der Wirtschaftskammer: „Kein Verantwortlicher spricht ein Machtwort.“ Einigung? Nächste Saison.

Lange Schlangen sind Werbung hoch drei – das beweist der neue Eiswagen des Grand Hotels am Ring seit gestern, Freitag: Die Wartenden vor dem „Eisgreissler“, einem Bio-Eisgeschäft in der Rotenturmstraße, motivierten Siegfried Pucher, Gastrochef des Hotels, zur Kooperation. Seit gestern gibt es daher etwa auch Ziegenkäse-Eis am Ring. Und während die Firma Zanoni mit ihrem Zweitladen in der Rotenturmstraße auf der Frozen-Yoghurt-Welle schwimmt, rollt diese an Silvio Molin-Pradel auf dem Schwedenplatz vorbei. Joghurteis habe man schon – hier kommt aber Pikantes in die Tüte, scharfes Topfeneis mit Marille etwa. Auf mehr Frozen Yoghurt muss man noch warten: Die Betreiber des „Ablaufdatums“ wollen innerhalb des Gürtels ein Take-away eröffnen. Der Name (Jokuh) steht, das Konzept ebenso – so soll die Joghurtbasis mit frischen Saucen (z.B. Erdbeere mit Zitronengras) kombiniert werden. Ein Lokal soll demnächst gefunden sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2012)

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