Neues Lokal in Wien: Kaffee mit Kuchen und Katze

Seit Freitag hat Österreich sein erstes „Katzenkaffeehaus“ in Wiens Innenstadt. Die fünf Cafékatzen machen sogar international Schlagzeilen.

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(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Natürlich muss man sich auf allerlei billige Wortspiele einstellen. Von wegen Katerfrühstück, heiße Miezen und so weiter. Ebenso auf halblustige Fragen. Ob man seine eigene Katze mitbringen könne (nein)? Ob Hunde erlaubt seien (auch nicht)? Ob man hier nun also Katzen essen könne? (Also bitte!)

Alexander Thür wird mit diesen Schmähs gerechnet haben. Wer wie er jahrelang an einem so skurril klingenden Projekt wie einem „Katzenkaffeehaus“ feilt, ist derartige Kommentare gewöhnt. Seit gestern, Freitag, ist seine Idee als „Café Neko“ Realität und Wiens Kaffeehauslandschaft um das erste Lokal erweitert, in dem fünf Katzen leben, die von den Gästen gestreichelt werden können.

Die vierbeinigen Café-Bewohner machen gleich am Tag eins neugierig: Kurz nach dem Aufsperren ist das Café vis-à-vis vom Stadtheurigen Gigerl schon gut besucht. Sie habe gehört, hier gebe es echte Katzen, sagt die erste Kundin, eine ältere Frau. Das Interesse beruht auf Gegenseitigkeit: Eine zierliche schwarze Katze nähert sich neugierig der Besucherin. Hüpft neben ihr auf die Sitzbank, setzt sich auf die Handtasche. Wer hierher kommt, sollte mit dem einen oder anderen Katzenhaar kein Problem haben. Und deutlich formulieren, was er möchte. Denn die Dame bekommt später nicht die georderten Kekse in Katzenform (für Menschen), sondern Katzenkekse (für Tiere). Ein Missverständnis, wie ihr nach dem ersten Biss klar wird.

Ein kleiner Fehler am Eröffnungstag, generell werde im eher nüchtern, dafür katzengerecht eingerichteten Café (Kratzbaum!) viel Wert auf Hygiene gelegt, sagt Thür. So werden Speisen (Kuchen, Kekse, Eis) und Getränke mit Deckel serviert, damit sie für die Katzen nicht erreichbar sind.

Zudem dürfen die Tiere die Küche nicht betreten. Die Sesselbezüge sind aus Leder und nicht aus Stoff, da dieser den Katzengeruch annehmen würde. Kurz: Die Auflagen sind streng, der Behördenaufwand für einen Lokalbetrieb mit Katzen war jedenfalls ein aufwendiger. „Es waren“, sagt Thür, „drei Jahre Arbeit.“ Dann hatte Thür Kaffeehaus-Innung und Marktamt überzeugt, ebenso das Wiener Tierschutzhaus, das die fünf Katzen ausgewählt hat.

Denn nicht alle Katzen seien für die Interaktion mit vielen Menschen geeignet. Die Tiere können sich jederzeit zurückziehen: Auf Klettersteige in luftiger Höhe oder in einen „Ruheraum“, in den sie durch eine Katzentür gelangen. Die Katzen scheinen am ersten Tag jedenfalls keinerlei Scheu zu haben. Oder wie es Thür formuliert: „Sie sind absolut kundenfreundlich.“

Also fast immer. Denn, wie der Speisekarte (!) zu entnehmen ist, weiß Sonja, die schwarze Katzendame, „genau, was sie nicht möchte. In diesem Fall beißt sie“. Ein paar Zeilen weiter wird man beruhigt: „Sollten Sie gekratzt werden, haben wir Pflaster und Desinfektionsmittel verfügbar.“

Die Idee für das „Café Neko“ stammt aus Japan. Da dort in vielen Wohnungen Haustiere verboten sind, gebe es zahlreiche Lokale, die das Katzenstreichelbedürfnis stillen. Dass das Konzept aber im Rest der Welt außergewöhnlich ist, zeigt das Medieninteresse. Der amerikanische Sender Fox News hat dem Wiener Café am Freitag eine Geschichte auf seiner Website gewidmet. Und die US-Web-Zeitung „Newsday“ fragt ihre Leser: „Would you like a cat with your coffee?“ Also: Möchten Sie eine Katze zu ihrem Kaffee? Wie gesagt: Mit billigen Wortspielen war zu rechnen.

Service

Das „Café Neko“ (neko = japan. für „Katze“), in dem fünf Katzen leben, hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Adresse: 1., Blumenstockg. 5. Tel.: 01/ 512 14 66, www.cafeneko.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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