Mit Alfred Dorfer »unter sich«

05.05.2012 | 18:07 |  von Duygu Özkan (Die Presse)

Der Kabarettist, Schauspieler und Buchautor Alfred Dorfer ist nur wenige Monate im Jahr in Wien. Dann ist er meist im Café Drechsler anzutreffen. Oder im Stiegenhaus.

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Kann schon sein, dass man hier „unter sich“ bleibt. Soll heißen, alleine im Kino mit dem Old-School-Charme und den Schwarz-Weiß-Plakaten, die einen Stummfilm ankündigen. „Das älteste Kino der Welt“ verkündet noch ein anderes Plakat am Eingang der „Breitenseer Lichtspiele“ in Wien Penzing. Und davor steht Alfred Dorfer, seines Zeichens Kabarettist, Schauspieler, Kolumnist und seit Kurzem, nein, eigentlich: schon wieder, Buchautor. „Donnerstalk“– wie seine Kult gewordene Fernsehshow– heißt auch die Neuerscheinung (Czernin Verlag), in der die Glossen Dorfers, veröffentlichtauf denÖsterreich-Seiten der „Zeit“,gebündelt nachzulesen sind.

Aber zurück zu den Lichtspielen. Ja, Dorfer war hier schon einmal „unter sich“, bei einem seiner gelegentlichen Besuche in diesem nicht uncharmanten Haus.

Dass die Breitenseer Lichtspiele in regelmäßigen Abständen um ihre Existenz kämpfen müssen, ist schon lange bekannt in der Stadt. Ein Schicksal, das die Lichtspiele mit anderen gediegenen Wiener Kinos teilen, und Dorfer sagt auch, warum: „Digitalisierung.“ Zumindest er darf sich einen treuen Kunden nennen – und ist dadurch bei der Betreiberin des Kinos gleichermaßen bekannt wie beliebt.

Von Penzing führt der Stadtspaziergang zur Batthyánystiege im Herzstück des imperialen Wiens, nämlich in der Hofburg. Die Stiege sei ein „heiliger Ort“, sagt Dorfer, denn es ist der Eingang zum Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft. In den Neunzehnhundertachtzigerjahren hat der Kabarettist hier studiert, 2005 hat er sein Studium wieder aufgenommen. Seither, sagt Dorfer, habe sich wahnsinnig viel verändert, aber die Stiege sei immer gleich geblieben. Wie so viele der Themen, über die Dorfer in seinen Glossen aus den Jahren 2006 bis 2011 gegrübelt hat.

Die stockende Bundesheerreform zum Beispiel oder die quasi nicht vorhandene politische Rücktrittskultur in Österreich – oder auch über gewisse Politiker und/oder Ex-Politiker, die nach wie vor die Titelseiten der Medien dominierten, weil zwei, drei ihrer Errungenschaften womöglich nicht rechtens waren. In erster Linie aber, meint Dorfer, sei „Donnerstalk“ ein archivarisches Werk. Viele Dinge würden sich eben wiederholen und daher sei ein Artikel von letzter Woche per se nicht „Müll“.

Melange im Stehen. Die nächsten zwei Stopps jedenfalls führen in den Dunstkreis des Naschmarktes, eine Gegend, die Dorfer ob der gemütlichen Cafés sehr schätzt.

Zuerst aber in die Parfümerie: In der Nähe der U-Bahn-Station Pilgramgasse befindet sich die Drogerie von Poldi Tesar (Schönbrunner Straße/Ecke Strobachgasse). Wobei Drogerie eigentlich eine Untertreibung ist, denn hier gibt es von Kerzen bis zu Kleiderbügeln und (auf den ersten Blick undefinierbaren) Bürsten alles.

Besser gesagt: Gab es. Tesar ist vor Kurzem in Pension gegangen, so bleibt die Drogerie, die in der näheren Umgebung durchaus Kultstatus genossen hat, geschlossen.

Lange offen hat zumindest das Café Drechsler an der Linken Wienzeile. Eine Melange wird bestellt, an der Bar, und im Stehen getrunken. Zum Frühstück ist es zwar zu spät – obwohl das hier prinzipiell durchgehend serviert wird – aber das Essen sei „hervorragend“, wie Dorfer sagt. Das Café sei sein verlängertes Wohn- und Arbeitszimmer, zumindest in den paar Monaten im Jahr, die er tatsächlich in Wien verbringt.

Bleibt also noch ein wenig Zeit für zwei wesentliche Fragen: Lieber schreiben oder auftreten? „In Personalunion“, so Dorfer, „das eine schließt das andere nicht aus.“ Lieber Theater oder Film? Das Theater bleibe eine Herzensangelegenheit, sagt der Kabarettist, der im Drechsler freilich auch gleich erkannt wird und schnell noch ein paar Hände schüttelt, bevor er dann seines Weges geht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2012)

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18 Kommentare
Gast: Herzlichen Dank für die Veröffentlichung...
09.05.2012 07:54
0

Es müsste natürlich Seelenheil heißen...


Gast: homer raisfeldt: Obskuranten unseres politischen Sellen(un)heils
08.05.2012 02:01
0

Dé jà – vu - Erlebnis Wiederholungstäter


Und dazu gibt es nur einen einzigen Kommentar?
Armes Östereich!!!
Aber bitte, vielleicht sind seine verbalen Kabarettbilder die er giftspritzig lauwarm den Skandalträchtig-nationalen Sumpfisten (stelzig bieder auswendig gelernt) um die Ohren haut, tatsächlich nur extra dafür ausgedacht, dem Österreicher eine Beruhigungspille besonderer Schläfrigkeit zu verpassen?!? Mundus vult decipi: Die Welt will betrogen sein. Was dem Dorfer natürlich bewusst ist. Ihm fehlt jede Schärfe im Ton. Sein blutleeres Vortrags Blabla, eiferndes Grimassenschneiden im Duktus des genialen Fernbleibens einer tatsächlich griffig-exaltierten Zurechtweisung des legimitierten BÖSEN. Deshalb: Erbärmlich, ärmlich, därmlich… Pardon-ist leider so. Als wären alle von der hohlen Subventionshand ausgehungert, so spindeldürr-nackert agieren die, die mit ihren impulsiven Ekstasen uns einmal zu einem befreienden Lachen(Bühnenbretterverdorben) verführen sollten. Bleibt mir nur mehr Erich Kästner: Nie sollt ihr so tief sinken, um aus dem Kakao, durch dem man euch zieht, auch noch zu trinken. Amen!
Die Kritik ist nicht so ernst gemeint-sie soll nur Ansporn sein.


Gast: isaak der erschröckliche schlomei
08.05.2012 01:57
1

Das Elend der Welt: Aufbruch ins Nichts / unpoetisch-mechanisch runtergeleiert

Ich kenne Dorfers Kommentare nur aus der
Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Und die reißen mich nicht wirklich vom Sessel. Um es vorsichtig zu formulieren: Der österr. Spitzenkomiker ist auch nur müd-fader Abklatsch aus dem Reich Bösherziger Schmonzetten. Die Stegreifbühne hat bei den mehr oder weniger wienerischen Kabarettisten komplett ausgedient. Sie schreien nicht mehr!, sie brüllen nicht mehr!, sie lärmen nicht mehr!, sie krakeelen nicht mehr! Beinah gnadenlos-humorlos wird das scheintote Kabarett-Schneewittchen von den Zuschuss abhängigen Vortragsdilettanten (Subventionslakaien) auf der Witz-u. schmählos-austriakischen Schleimspur ausgepowerter Zwergerlintelligenz wachgeküsst. Wie herrlich sarkastisch waren sie einmal der Farkas, Waldbrunn, Bronner, der zwielichtige Qualtinger u. ein paar andere!!! Scharfzüngige Vortragskünstler ohne Mitleid mit den Verursachern von Lüge, Heuchelei und vorsätzlicher Volksverdummung. Wo ist das fluchende Kabarett, dass diesen Abschaum ANGST macht?

Gast: M. Wolf
06.05.2012 17:30
6

gelegentliche Besuche

Wer braucht diese Werbeinschaltung?
Und wer braucht einen Dorfer ?
Er soll weiter in BRD über Österreicher lästern.

Antworten Gast: UKW
06.05.2012 19:07
2

Re: gelegentliche Besuche

Wie wahr, wie wahr. Immer wenn ein "rotgrüner" Buntspecht ein neues Pseudoprogramm promoten will, ruft er irgendwelche Journalisten an, die eine Story brauchen, und er bekommt eine gratis Werbung. So wie zuletzt diese drei "Staatskünstler", die wochenlang aus allen Medien gegrinst hatten.

Antworten Antworten Gast: blaa
25.05.2012 19:14
0

Re: Re: gelegentliche Besuche

jaja immer die roten? oder immer diese grünen? können sie sie überhaupt auseinanderhalten?

wer hat uns verratten die spö

am 6. Mai Volkspartei

am 6. Mai Volkspartei

am 6. Mai Volkspartei

das war ein Parteislogen (wal - Kampf)
und die öVP unter Mock gewann mehr als 40 %
40% ( nicht der Schnaps) gibts nicht mehr!

am 6. Mai Volkspartei
abernicht die sotsialdemokRATTEN !

Antworten Gast: L.W.
07.05.2012 09:35
0

???

Vielleicht doch lieber etwas weniger Wein und mehr gv ?

Re: wer hat uns verratten die spö

Was genau wollen Sie uns sagen?

Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.


14

Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

Er war auch sehr linientreu während der Sanktionen gegen Österreich.

Re: Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

"Linientreu" inwiefern?

Re: Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

Na und? Wünschen Sie sich wirklich linientreue Kabarettisten?

Antworten Antworten Gast: ichnicht
05.05.2012 23:55
3

Re: Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

Und? Hamma was gespürt? Ich nicht.

Re: Re: Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

Dann hatten Sie in dieser Zeit wohl nicht viel mit dem Ausland zu tun.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: mate
25.05.2012 19:17
0

Re: Re: Re: Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

Ich wohnte, zufälligerweise, zu der Zeit in England. Drei Mal im Jahr, bis 2003, kam ich zurück. Auch von den Leuten dort war nichts über Österreich zu hören. Interessiert hat es sie auch nicht, was dort passierte.

Re: Re: Re: Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

Sie offensichtlich auch nicht.

Antworten Gast: fugazi
05.05.2012 21:21
2

Re: Immernoch einer der Besten Kabarettisten in Österreich. Gut, dass wir ihn haben.

cappucino melange bis indien... ein herzliches dankeschön!

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