Energiespar-Stromzähler werden Pflicht

30.05.2012 | 18:07 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Wienstrom sieht „keinen wirtschaftlichen Nutzen für den Endkunden“. In der Hauptstadt würde die Installation von 1,5 Mio. Messgeräten über 300 Mio. Euro kosten.

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Wien. Manchmal passieren die großen Veränderungen still und unscheinbar im Verborgenen. Und genau so eine Veränderung wird sich in den nächsten Jahren in Millionen Kellerabteilen abspielen.

Bis 2019, so will es das Wirtschaftsministerium, müssen 95 Prozent aller Stromzähler gegen kleine und miteinander vernetzte Messcomputer, sogenannte Smart Meter, getauscht sein. Damit, so die Begründung, käme eine neue Technologie zum Stromsparen flächendeckend zum Einsatz.

Nun stellt sich heraus: Der Zweck, mit dem der Bevölkerung die Entwicklung schmackhaft gemacht wird, könnte sich in Luft auflösen. „Für die Endkunden bleibt wahrscheinlich kein wirtschaftlicher Nutzen übrig“, sagt Reinhard Brehmer, Geschäftsführer der Wien Energie Stromnetz. Der größte Netzbetreiber der Republik hat das Projekt anhand von Beispielen aus den USA auf die Einführung von Smart Metern in Wien hochgerechnet. Ergebnis: In der Hauptstadt würde die Installation von 1,5Mio. Messgeräten demnach über 300Mio. Euro kosten. Pro Haushalt sind das in etwa 200 Euro, mehr als doppelt so viel wie die 80 Euro, von denen die E-Control des Wirtschaftsministeriums ausgeht. Bei einem angenommenen (und vielen als zu hoch kritisierten) Stromsparpotenzial von drei Prozent würden sich die Geräte bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4500Kilowattstunden erst nach zehn Jahren rechnen. Ein Zeitraum, der weit über der Lebenserwartung derartiger Geräte liegt.

 

„Das sind doch Märchen“

Dabei bezweifelt Wien Energie selbst das vom Bund behauptete Sparpotenzial. „Das sind doch Märchen“, kommentiert Brehmer das oftmals bemühte Beispiel, dass die Geräte Waschmaschinen so steuern könnten, dass sie nur billigen Nachtstrom nutzen. „Waschmaschinen sind doch insgesamt keine großen Verbraucher.“

Trotzdem sei es in Brehmers Augen falsch, die Technologie der Smart Meter, die online und live Stromverbrauchsdaten liefert, prinzipiell abzulehnen. Denn nur so sei es technisch möglich, die Einspeisung kleiner, dezentraler und meistens alternativer Energieträger wie Fotovoltaik oder Windkraft zu steuern. Brehmer: „Auch wenn der Endkunde auf den ersten Blick wenig davon hat, gesamtheitlich gesehen ist Smart Metering eine epochale Technologie.“

Eine Technologie, über die die Verbraucher gerne besser informiert würden. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung von IFZ (Interuniversitaeres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur) der Universität Klagenfurt und der E-Commerce Monitoring GmbH. Die größten Sorgen betreffen Kosten und Nutzung der Stromverbrauchsdaten, die drei Jahre lang aufbewahrt werden sollen und mithilfe computergestützter Analyse Rückschlüsse auf das Nutzungsverhalten zulassen.

„Ein solcher Datenschatz wird zwangsläufig Begehrlichkeiten von Behörden und Unternehmen wecken“, warnt schon heute Georg Markus Kainz von der Bürgerrechtsorganisation „Quintessenz“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2012)

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50 Kommentare
 
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Gast: grübelgrübel
31.05.2012 12:19
2

SmartBürgervertreter statt KorruptParteisoldaten

Tauschen wir die Politiker aus, bevor sie uns ausgetauscht haben.

Der SmartMeter ist eine dreiste Attacke des Spitzel- und Überwachungsstaates.

Diese Smartmeter konsumieren doch selbst auch Strom

Das mag zwar keine große Menge sein, doch wenn in jedem Haushalt so ein Kasterl hängen soll, dann kommt gesamt doch einiges zusammen. Ich erinnere mich jedenfalls noch an die Kampagne gegen das Standby bei Fernsehern, wo behgauptet wurde, dass wir alleine nur 1-2 große Flusskraftwerke bräuchten um die Standby-Funktion der Fernseher zu versorgen (woraufhin ja bei Neugeräten der Standby-Modus stromsparender gemacht wurde). Ich schätze einmal, dass diese Smartmeter auch nicht weniger Strom verbrauchen werden, wie ein TV-Standby. Wo soll da also eine Ersparnis sein? Ganz im Gegenteil.
Da hat wohl wieder eine Lobby ihre Interessen unseren dummen Politikern unter dem Öko-Tarnmantel untergejubelt und die Leute sollen zahlen. Eine Sauerei sondergleichen.

Re: Diese Smartmeter konsumieren doch selbst auch Strom

Und nicht zu vergessen den Stromverbrauch für die Datenübertragung und die Serverfarmen, welche die Unmengen an Daten aufbereiten, verwalten und (für 3 Jahre) speichern...

Gast: Epochale Technologie!
31.05.2012 11:27
0

Gewaltig...

Erstens, welche Firmen produzieren diese und legen eine Garantiererklärung bei, bei Gott und Teufel, ich würde mich angesichts der IT-Unsicherheit auf eine derartige Garantie nicht einlassen, btw. so hoch versichern das die Geräte einen Preis haben den sich keiner mehr leisten kann!

Die Technologie ist ebenso epochale wie das Glühbirnenverbot, für die es bis heute gegen die lautenden Erklärungen keinen gleichwertigen Ersatz gibt, vollkommen epochale ist jedoch das in Summe das Verbot mehr Energie verbraucht als die alten Lampen, von der Umweltbelastung gar nicht zu sprechen!

Und nicht alles was neue ist, ist gut, oder gar besser, diese epochale Technologie ist es definitiv nicht!

(Mein Protest begann schon zu einem Zeitpunkt an dem dieses Gerät noch zu verhindern gewesen wäre, jetzt zu sagen man sei vor den Kopf gestoßen worden stimmt nicht, die Probleme wurden eben nicht ernst genommen, und jetzt wo sie erkannt werden, ist es zu spät, wer schweigt stimmt zu!)

War bei den Postkästen dasselbe

Jedem Haushalt wurden 50€ für die Installation der neuen Postkästen abgeknöpft, obwohl die laut EU nur eine Empfehlung und keine Verpflichtung waren. Gefragt wurde man ja nicht!
Unsere Politiker würden sich in ihrem vorauseilenden Gehorsam am liebsten selbst überholen.
Wird Zeit, daß die ausgetauscht werden!

Re: War bei den Postkästen dasselbe

Sollten Sie Sich das nicht mit Ihrer Hausverwaltung ausmachen statt mit den Politikern?

Gast: Der Steuerzahler
31.05.2012 10:45
0

Selbstverständlich hat der SmartMeter Vorteile

(was wohl auch die F&E Abteilung der WienEnergie bestätigt)

Nehme an, die Erbsenzähler in der Administration wollen mit dieser Argumentationsschiene zusätzliche Förderungen fürs Deployment.

0

Re: Selbstverständlich hat der SmartMeter Vorteile

Und welche Vorteile für den Konsumenten wären das?

Gast: cghz
31.05.2012 09:39
4

Scheint nur wieder eine neue Methode zu sein uns noch mehr zu überwachen.

Hoffe ich erlebe die Zeit noch, wenn alle Überwachungsmaßnahmen rückgängig gemacht und die Verbrecher, die sie eingeführt haben, dafür sitzen.

Gast: Hans im Glück
31.05.2012 09:14
2

Super, dann weiss jeder Ganove ob jemand da ist...

Alles im Internet verfügbar.

Danke.

Über die tolle Sicherheit muss man ja nicht diskutieren oder?

Antworten Gast: Der Steuerzahler
31.05.2012 10:51
0

Re: Super, dann weiss jeder Ganove ob jemand da ist...

Das erkennt der Ganove noch viel leichter, wenn Licht an ist.

Antworten Antworten Gast: Hans im Glück
31.05.2012 22:51
0

Re: Re: Super, dann weiss jeder Ganove ob jemand da ist...

Für das Licht gibt es eine Zeitschaltuhr.

Sollte der Ganove eine Monatsübersicht haben und dabei einen Rückgang im Stromverbrauch entdecken, dann hilft die Zeitschaltuhr nicht mehr.

das ist richtig

der nutzen dieser angeblichen wunderdinger ist für den stromabnehmer gleich null!!!!!

in vielen studien wurde deutlich und klar erwiesen, dass der angebliche einspareffekt gleich null ist.

die dinger sind auch nicht in der lage irgendwas zu steuern!!!!!

erwünscht wird die einführung dieser neuen zähler von der zählerindustrie die sich daran krumm verdient.

durch intensives lobying in der eu, wurde den ahnungslosen politikern eingeredet, das wir das unbedingt brauchen!!!!

was damit allerdings möglich ist und das wünschen sich natürlich die energie-verkäufer, ist die einführung von zeitabhängigen tarifen.

mit diesen zählern können sie praktisch jederzeit den tarif wechseln, des weiteren ergibt sich durch viertelstundenwerte eine weitere überwachungsmöglichkeit der bevölkerung.

das die zähler für die einführung und steuerung von kleinkraftwerken benötigt werden ist ebenfalls ein märchen!!!!!

es soll wieder einmal beim kleinen stromkunden abkassiert werden!


Gast: sid
31.05.2012 08:41
4

es ist zum Haareraufen!!

Stromverbrauchsfacebook oder was? Was stimmt mit den Alten nicht?! Da gehts, wie unten schon richtig erwähnt, um die Provisionen! Kein Geld für irgendwas, aber 300 Mio's für Stromzähler, die, wenn man dem Artikel Glauben schenkt, keine 10 Jahre halten!?

Da wird wieder eine Hand voll Typen reich, und Millionen zahlen dafür

....aber egal, wenn man sich in der EU umsieht. Die Kuh melken, bis sie tot ist (und noch ein wenig länger)

Ein Smart Meter hat eine Lebensdauer von weit unter 10 Jahren?

Was ist denn das für ein Unsinn?

Und ansonsten sollte Herr Brehmer mal bei seinen Parteikollegen von Siemens nachfragen, warum wir Smart Meter brauchen. ;)

Re: Ein Smart Meter hat eine Lebensdauer von weit unter 10 Jahren?

natürlich siemens ist dafür der richtige ansprechpartner, ist doch siemens europaweit einer der größten erzeuger von smart-metern......

Gast: Bärenfalle...
31.05.2012 06:37
2

Vorsicht, explodierende Stromrechnungen

Etliche meiner Kunden die die Dinger bereits haben liegen wegen nicht nachvollziehbarer hoher Stromrechnungen bereits im Streit mit dem Netzbetreiber.


Das ist der gleiche Schwachsinn

Wie diese von der EU vorgeschriebenen Sicherheitstüren in Aufzugen.
Unser alter Lift, Baujahr 1970, war in 41 Jahren gerade 3 mal defekt und es hat sich auch kein einziges Kind, trotz fehlender Sicherheitstür verletzt. Der neue, April 2011, eingebaute Aufzug ist(keine Übertreibung) jede Woche mindestens einen Tag ausser Betrieb und wenn er dann einmal fährt, dann in einem Zeitlupentempo, daß man zu Fuß genauso schnell ist.

Re: Das ist der gleiche Schwachsinn

Wollen Sie sowas andeuten wie "Sicherheitstüren in Aufzügen sind eine nicht ausgereifte Technologie, die 'die EU' entwickelt hat"?

Re: Re: Das ist der gleiche Schwachsinn

Nein, nur, daß man wegen einer unnötigen Eu Verordnung einen funktionierenden Lift gegen ein Klumpert getauscht hat.

Re: Re: Re: Das ist der gleiche Schwachsinn

Trösten SIe Sich, mir geht's mit unserem Lift genauso. Der wurd aber schon vor 10 Jahren renoviert (Bj. 1960). Seither steht er dauernd.

Verbindung mit der EU konnte ich bis jetzt keine entdecken.

Gast: tigerhai
31.05.2012 01:39
3

nur über meine leiche

kommt mir so ein smartmesser ins haus.

„Auch wenn der Endkunde auf den ersten Blick wenig davon hat, gesamtheitlich gesehen ist Smart Metering eine epochale Technologie.“

der schlüsselsatz.

wer ihn ignoriert, muss sich den vorwurf der fortschrittsverweigerung gefallen lassen!

Re: „Auch wenn der Endkunde auf den ersten Blick wenig davon hat, gesamtheitlich gesehen ist Smart Metering eine epochale Technologie.“

ein smartmeter erspart das vorort ablesen.des weiteren wird es dadurch möglich den kundenverbrauch aus der ferne ein- und auszuschalten.

des weiteren wird dadurch die viertelstündige erfassung der verbrauchswerte ermöglicht.

die kosten jedoch sind riesig wie sie oben lesen können, der nutzen fraglich!

allein die rundherum benötigte it-infrastruktur kostet im laufenden betrieb mehr als das jetztige ablesen....

aber spielt doch alles keine rolle, hauptsache wir verdienen und die unnötigen zahlen!

Gast: Chefsache
30.05.2012 23:04
0

Uns reicht es!

Irgendwie wird der Link nicht zugelassen...: mietervereinigung (Österreich) (Schrägstrich)
2. Teil: default.aspx?id
zu guter letzt (ist gleich) 559

Gast: Wertvolle Kraft
30.05.2012 22:51
3


 
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