Wiener Linien: 500.000 Euro unterschlagen

31.05.2012 | 16:54 |  Von ERICH KOCINA (Die Presse)

Ein Mitarbeiter ließ sich über Jahre Geld aus dem Marketingbudget auf ein eigenes Konto überweisen und unterlief dabei sämtliche Kontrollinstanzen. Wiener Linien wollen nun die internen Kontrollen neu aufstellen.

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Wien. Ein schwerer Fall von Unterschlagung bei den Wiener Linien: Über Jahre hinweg hat ein Mitarbeiter Geld in seine eigene Tasche wandern lassen, ohne dass es einer Kontrollinstanz aufgefallen wäre. Mehrere hunderttausend Euro – dem Vernehmen nach sollen es 500.000 gewesen sein – gingen dem Verkehrsunternehmen seit dem Jahr 2005 dadurch verloren.

Ins Rollen kam der Fall, nachdem die Bank des Mannes auffällige Transaktionen auf einem seiner Konten entdeckte – und wegen des Verdachts der Geldwäsche Meldung erstattete. Am 4. Mai wurde er schließlich in Untersuchungshaft genommen. Der Vorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung. Gegenüber den für den Fall zuständigen Beamten des Landeskriminalamts Niederösterreich zeigte sich der Mann geständig. Er habe finanzielle Schwierigkeiten gehabt – und als er nach der ersten Unterschlagung merkte, wie leicht es gehe, habe er eben immer wieder zugegriffen.

Die Vorgehensweise war dabei über all die Jahre gleich. Er beauftragte direkt die Buchhaltung, Beträge auf ein von ihm eingerichtetes Konto zu überweisen – eine Aufgabe, die er als zuständiger Bearbeiter der Marketingabteilung auch regulär immer wieder durchführte. Die nötige Unterschrift des Abteilungsleiters fälschte er. Als Verwendungszweck dürfte er unverbindliche Sponsoringtätigkeiten angeführt haben – bei den Wiener Linien ist man noch mit der Aufarbeitung des kompletten Falls beschäftigt.

Doch wie kann es sein, dass ein derart systematischer Betrug über Jahre hinweg unentdeckt bleibt, dass keine Kontrollinstanz die Überweisungen prüfte? „Er war verfügungsberechtigt und es war sein Zuständigkeitsgebiet“, sagt Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries. Und die Beträge der einzelnen Überweisungen seien nie so hoch gewesen, dass sie im Budget besonders aufgefallen wären – bei einem Marketingbudget von rund vier Millionen Euro pro Jahr würden ein paar tausend Euro nicht automatisch ins Auge stechen. Noch dazu, wenn sie einem bestimmten Verwendungszweck zugeordnet seien. Dass für Sponsoringtätigkeiten oder andere Marketingmaßnahmen keinerlei Protokolle von Veranstaltungen oder Belegexemplare von Broschüren oder ähnlichem Material verlangt wurden, machte sich der Mitarbeiter dabei ebenfalls zunutze.

Als erste Konsequenz des Vorfalls wollen die Wiener Linien nun die internen Kontrollmechanismen analysieren und klären, ob sich der Fall durch strengere Bestimmungen hätte verhindern lassen. „Wir überlegen auch, stärker auf ein Vieraugenprinzip zu setzen“, sagt Sprecher Gries.

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Interne Kontrolle wird verstärkt

Auf diese Weise soll es für Einzelpersonen schwieriger werden, unbemerkt nicht erlaubte Buchungen zu tätigen. Hundertprozentige Sicherheit gegen kriminelle Energie werde aber auch das nicht bieten können. Daneben tritt – allerdings unabhängig vom konkreten Fall – heute, Freitag, eine eigene Compliance-Stabstelle ihren Dienst an, die die Einhaltung von Verhaltensregeln im Unternehmen überprüfen soll.

Und natürlich werde man versuchen, das veruntreute Geld wieder zurückzubekommen. „Wir schließen uns dem Strafverfahren als Privatbeteiligte an“, so Gries. Ob man das Geld allerdings je wieder sehen wird, ist fraglich. Denn in den Befragungen hat der Beschuldigte angegeben, dass er das Geld „verlebt“ habe.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wann der noch immer in U-Haft sitzende Beschuldigte vor den Richter treten muss, ist noch offen. Offen ist auch, was nach einer allfälligen Verurteilung mit dem Mann passieren wird. Sollte er eine Strafe von mehr als sechs Monaten unbedingter oder einem Jahr bedingter Haft bekommen, wäre der pragmatisierte Beamte seinen Job bei den Wiener Linien los. Fällt das Strafmaß geringer aus, wird er sich einem Disziplinarverfahren stellen müssen – auch hier kann als letzte Konsequenz die Entlassung stehen.

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70 Kommentare
 
12
Gast: Jurist-Jimmy
12.06.2012 16:10
0

Wortwahl

Liebe Standart-Journalisten!

Bitte versucht euch präziser auszudrücken. Der Begriff "Unterschlagung" trifft hier in keiner Hinsicht zu!

Ich bitte euch, dies in Zukunft zu verbessern!

Liebe Grüße

Ja ja, die Wiener Mafia....

Wo rot drinsteckt wird immer in die eigen Tasche gewirtschaftet...

Antworten Gast: vor dem arlberg
02.06.2012 18:40
0

Re: Ja ja, die Wiener Mafia....

Hier mit Kommentaren über die Wiener herzuziehen, ist nicht seriös. So etwas kann es in jeder Gemeinde, jedem Bundesland und jeder Firma geben. Ich als Vorarlberger kann deshalb nicht nachvollziehen, weshalb sich so viele Gemeinden im Ländle gegen eine regelmässige Kontrolle durch den Landesrechnungshof oder meinetwegen auch fallweise durch den Bundes-RH sträuben. In jeder gut geführten Privatfirma gibt es jährliche Revisionen. Und da eine Gemeinde durch Steuern finanziert wird, hätten die Steuerzahler schon ein Anrecht auf eine regelmässige Kontrolle.

Gast: pravda
01.06.2012 23:12
2

Die Vorgesetzten haben zunächst gedacht, dass das nur die üblichen Provisionen und Parteispenden sind

Ist ihnen dann aber verdächtig vorgekommen, dass der Mensdorf-Pouilly nie dabei war.

Gast: Milchmädchen4711
01.06.2012 19:32
1

Schwarzkappler Rechnung

Einzelfahrschein: 2,20 Euro
Strafe für Schwarzfahren: 100 Euro entspricht 45,45 Einzelfahrscheine.
Die Unterschlagung von 500.000,- entspricht 227272 Einzelfahrscheine daher ist eine Strafe 10.329.512 Euro gerecht, oder?

Wie intensiv die Kontrolle ist ...

... hängt in Wien nur vom Parteibuch des jeweiligen Beamten ab. Das ist doch nichts Neues.

Re: Wie intensiv die Kontrolle ist ...

Du erinnerst mich an eine Arbeitskollegen in Rio de Janeiro bei der Bayer do Brasil. In unserer Mittagspause fragten ich jeden Österreicher warum dieser nach Brasilien kam. Einer davon sagte laut und deutlich um alle es zu hören er ist ausgewandert weil er das

"Falsche Parteibuch hatte"

Schon in den 60iger Jahren musste man das richtige Parteibuch haben um weiter zu kommen.
.

Ueberlegen...Vieraugenprinzip

Cento punti, Burschen! Diese geniale Idee sollte doch mit einer Fruehpension wegen burnout belohnt werden

Ein Mitarbeiter ließ sich über Jahre Geld aus dem Marketingbudget auf ein eigenes Konto überweisen und unterlief dabei sämtliche Kontrollinstanzen. Wiener Linien wollen nun die internen Kontrollen neu aufstellen.

glaubt wirklich jemand, dass solche Summen von einem allein abgezweigt werden konnten ?

UND, warum will man wohl nur "die interne Kontrolle neu" aufstellen ? Ein Schelm, der sich dabei was denkt ;-)

Ausserdem sei mal zu hinterfragen, in welchem der vielen städtischen Bereiche nicht derarte Dinge laufend geschehen ?!

Warum wohl darf der RH nur schwach "prüfen", bei Erkennen von Malversationen (wie zB bei Skylink, Akh....) aber keinerlei Strafverfahren einleiten ..... !?

Re: Ein Mitarbeiter ließ sich über Jahre Geld aus dem Marketingbudget auf ein eigenes Konto überweisen und unterlief dabei sämtliche Kontrollinstanzen. Wiener Linien wollen nun die internen Kontrollen neu aufstellen.

Wenn in Österreich die Korruption zum Himmel stinken würde,hätte dieses Land keinerlei motorisierten Verkehr !
Wegen Sauerstoffmangel !!!!

Gast: kritika
01.06.2012 12:46
4

aber hauptsache ...

... unbescholtene fahrgäste werden auf schritt und tritt mit kameras überwacht und verfolgt und somit zu verbrechern gemacht.

anstatt die unnötige und teure videoüberwachung in den öffis auszuweiten (wie und wer hier wohl lobbyiert wurde????), sollten die einrichtungen wie ubahnen, busse und strassenbahnen technisch sicher sein.

schliesslich hat das kontrollamt kritisiert, dass die neuen strassenbahnen mehr in der werkstatt stehen als dass sie fahren;

Re: aber hauptsache ...

was glauben sie würde das alles ohne Überwachung kosten, bei diesen Vandalen, Dieben, Rauschgifthändler, Bettlern und Schlägern welche die Öffis benutzen.

Antworten Antworten Gast: fragerin
04.06.2012 10:55
0

Re: Re: aber hauptsache ...

und? laufen die kameras den dealern, bettlern etc. nach? es reicht, die kameras mit einem post-it zu überkleben - damit wird die kamera wirkungslos; wenn jedoch schaffner mitfahren würden, hätten wir mehr arbeitsplätze und diese könnten unmittelbar einGREIFEN!

man darf gespannt darauf warten, bis die ersten überwachungsvideos im netz zu sehen sein werden oder spanner (wie eben in frankfurt) kopien ziehen. anhand der wiener linien und der fernwärme sieht man ja, WELCHES personal hier eingesetzt wird.

Re: Re: aber hauptsache ...

Weniger als die Kameras.
Jährlich 100.000€ Schaden durch Vandalismus, jährlich Kosten von 200.000€ für Videoüberwachung...
Diese Zahlen wurden vor einiger Zeit mal veröffentlicht.

Wie wirtschaftet ein Staatsbetrieb

Wenn Unterschlagungen von 6000€ pro Monat erst nach " 7 JAHREN " auffallen .
Da ist der Hund im System begraben wie überall wo die Stadt Wien die Pfoten drinnen hat.

Re: Wie wirtschaftet ein Staatsbetrieb

auf jeden Fall sehr freundschaftlich, denn der Beschuldigte war sicher nicht Einzeltäter !

Wie jeder der jemanden in dem Betrieb kennt weiss, wie dort Krankenstände schon vorgeplant werden .... egal, was die in SUmme/JAhr dem Steuerzahler kosten.


Re: Re: Wie wirtschaftet ein Staatsbetrieb

Ja leider ist es so ,bei den pragmatisierten der Polizei (Bekannter) wird sogar im Kalender zu Jahresbeginn vorgeplant wann der nächste Krankenstand sein soll.
Ist aber auch kein Einzelfall.

Bei den Vorbildern in der Regierung

Kein Wunder das er es auch versucht.
Pech ist halt ,er hat sicher kein gutes Netzwerk wie Faymann ect.

fast 6000 pro Monat

na bumm.
und schlecht verdienen tut man bei den Wr. Linien ja auch nicht, ......

Interssieren würd mich ob er immer das selbe Projekt angegeben hat oder ob er kreativer war und sich mehrere Projekte hat buchen lassen.

Vor der Vergabe von Sponsering prüft man normalerweise die Anfrage und den Backround, es sollte daher auch irgendwo Anschreiben mit der Bitte um Sponsering geben und dann den Bericht mit der Beurteilung.
Wenn der Herr das durchgezogen hat ohne dass es das gegeben hat, dann sollte sein Vorgesetzter auch gleich seinen Schreibtisch räumen.

Gast: L.W.
01.06.2012 11:54
6

... würden ein paar tausend Euro nicht automatisch ins Auge stechen.

Wie bitte ?

500.000 in 7 Jahren sind üeber 70.000 jährlich, also monatlich > 5.800 €.

Und das "fällt nicht ins Auge" ?

Das muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen. So eine Aussage kann man sich nur erlauben, wenn man in einer der vielen geschützten Bereiche in Wien tätig ist.

Ok, 70k pro Jahr sind zwar "nur" 1,75% des Gesamtbudgets, aber dass das niemandem "ins Auge fällt" grenzt an Absicht.

2013 wird hoffentlich jemandem dieses ganze Pfründesystem aufs Auge fallen...

Gast: Hudriwudri
01.06.2012 11:36
7

Der liest Zeitung

... und denkt sich, erfolgreiche Menschen machen das halt so.

Gast: M. Wolf
01.06.2012 11:25
7

Die Staatsanwaltschaft Wien hat bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Gegen wen bitte?
Gegen das System SPOe etwa?

Ein Vorbild

der Genosse!

Marketingbudget von rund vier Millionen Euro pro Jahr

im geförderten Staatsbetrieb!?!

Gast: Pips
01.06.2012 10:10
1

Er

ist mit Sicherheit ein verdienter Genosse. Da kommt erstens ein Genosse-RichterIn bei der Verhandlung zum Einsatz. Dann wird er wahrscheinlich nur Einer von einigen dort sein. Blöd, wenn das System wegen einem zusammenbrechen würde. Vorsorglich sagt man gleich- " man könne die Sicherheit des System nicht garantieren". Na also - man führt es weiter. Sonst hätten ja einige dort massive Geldprobleme. Wer kann den von einem Bettelgehalt der Gemeinde Wien schon leben?

Gast: Tagesteller 7.50
01.06.2012 10:08
11

Wen wundert das? Bei den Vorbildern in der Stadt.


Auch der kleine Mann will auf genau so großem Fuß leben, wie seine großen Vorbilder in der Stadt.

 
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