Wiener Linien: 500.000 Euro unterschlagen

Ein Mitarbeiter ließ sich über Jahre Geld aus dem Marketingbudget auf ein eigenes Konto überweisen und unterlief dabei sämtliche Kontrollinstanzen. Wiener Linien wollen nun die internen Kontrollen neu aufstellen.

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(c) Clemens Fabry

Wien. Ein schwerer Fall von Unterschlagung bei den Wiener Linien: Über Jahre hinweg hat ein Mitarbeiter Geld in seine eigene Tasche wandern lassen, ohne dass es einer Kontrollinstanz aufgefallen wäre. Mehrere hunderttausend Euro – dem Vernehmen nach sollen es 500.000 gewesen sein – gingen dem Verkehrsunternehmen seit dem Jahr 2005 dadurch verloren.

Ins Rollen kam der Fall, nachdem die Bank des Mannes auffällige Transaktionen auf einem seiner Konten entdeckte – und wegen des Verdachts der Geldwäsche Meldung erstattete. Am 4. Mai wurde er schließlich in Untersuchungshaft genommen. Der Vorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung. Gegenüber den für den Fall zuständigen Beamten des Landeskriminalamts Niederösterreich zeigte sich der Mann geständig. Er habe finanzielle Schwierigkeiten gehabt – und als er nach der ersten Unterschlagung merkte, wie leicht es gehe, habe er eben immer wieder zugegriffen.

Die Vorgehensweise war dabei über all die Jahre gleich. Er beauftragte direkt die Buchhaltung, Beträge auf ein von ihm eingerichtetes Konto zu überweisen – eine Aufgabe, die er als zuständiger Bearbeiter der Marketingabteilung auch regulär immer wieder durchführte. Die nötige Unterschrift des Abteilungsleiters fälschte er. Als Verwendungszweck dürfte er unverbindliche Sponsoringtätigkeiten angeführt haben – bei den Wiener Linien ist man noch mit der Aufarbeitung des kompletten Falls beschäftigt.

Doch wie kann es sein, dass ein derart systematischer Betrug über Jahre hinweg unentdeckt bleibt, dass keine Kontrollinstanz die Überweisungen prüfte? „Er war verfügungsberechtigt und es war sein Zuständigkeitsgebiet“, sagt Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries. Und die Beträge der einzelnen Überweisungen seien nie so hoch gewesen, dass sie im Budget besonders aufgefallen wären – bei einem Marketingbudget von rund vier Millionen Euro pro Jahr würden ein paar tausend Euro nicht automatisch ins Auge stechen. Noch dazu, wenn sie einem bestimmten Verwendungszweck zugeordnet seien. Dass für Sponsoringtätigkeiten oder andere Marketingmaßnahmen keinerlei Protokolle von Veranstaltungen oder Belegexemplare von Broschüren oder ähnlichem Material verlangt wurden, machte sich der Mitarbeiter dabei ebenfalls zunutze.

Als erste Konsequenz des Vorfalls wollen die Wiener Linien nun die internen Kontrollmechanismen analysieren und klären, ob sich der Fall durch strengere Bestimmungen hätte verhindern lassen. „Wir überlegen auch, stärker auf ein Vieraugenprinzip zu setzen“, sagt Sprecher Gries.

Interne Kontrolle wird verstärkt

Auf diese Weise soll es für Einzelpersonen schwieriger werden, unbemerkt nicht erlaubte Buchungen zu tätigen. Hundertprozentige Sicherheit gegen kriminelle Energie werde aber auch das nicht bieten können. Daneben tritt – allerdings unabhängig vom konkreten Fall – heute, Freitag, eine eigene Compliance-Stabstelle ihren Dienst an, die die Einhaltung von Verhaltensregeln im Unternehmen überprüfen soll.

Und natürlich werde man versuchen, das veruntreute Geld wieder zurückzubekommen. „Wir schließen uns dem Strafverfahren als Privatbeteiligte an“, so Gries. Ob man das Geld allerdings je wieder sehen wird, ist fraglich. Denn in den Befragungen hat der Beschuldigte angegeben, dass er das Geld „verlebt“ habe.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wann der noch immer in U-Haft sitzende Beschuldigte vor den Richter treten muss, ist noch offen. Offen ist auch, was nach einer allfälligen Verurteilung mit dem Mann passieren wird. Sollte er eine Strafe von mehr als sechs Monaten unbedingter oder einem Jahr bedingter Haft bekommen, wäre der pragmatisierte Beamte seinen Job bei den Wiener Linien los. Fällt das Strafmaß geringer aus, wird er sich einem Disziplinarverfahren stellen müssen – auch hier kann als letzte Konsequenz die Entlassung stehen.

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