7 Milliarden Dollar nötig, um Hungerproblem zu lösen

Strategien zur Bewältigung des weltweiten Hungers gebe es genug, sagen Experten. In der Kritik steht die Kürzung von Hilfsgeldern.

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Symbolbild – (c) REUTERS (SUSANA VERA)

Zahlen, die die Dramatik der Hunger-Situation weltweit ausdrücken, gibt es genug. Geld, das das Problem lösen könnte, hingegen nicht. Alle 12 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger oder Unterernährung. Weltweit hungern 925 Millionen Menschen. Das ist die Ausgangslage, die die Caritas in einer Aussendung anlässlich des Kongresses „Zukunft ohne Hunger“ beschreibt.

Es brauche verhältnismäßig nicht einmal viel Geld, um das Problem zu lösen, sagt Thomas Stelzer, Generalsekretär der UNO für Politikkoordination und sozial-ökonomoische Fragen, im Interview mit dem ORF Radio Ö1. Sechs bis sieben Milliarden Dollar würden ausreichen. Die reichen Länder würden zu wenig zahlen. Entwicklungsorganisationen wüssten genau, was zu tun ist, so Stelzer: „Wir haben genug Strategien für alle möglichen Fälle.“

Hungerthema wurde zum Sicherheitsthema

Erst seit dem Jahr 2008 befasse sich die UNO intensiver mit der Thematik. Denn durch die großen Hungerkatastrophen ist das Hungerthema zum Sicherheitsthema geworden. Die UNO entwickelte damals ein Maßnahmenpapier namens „Comprehensive Framework for Action“. Würde man es umsetzen, wäre die Landwirschaft auf eine nachhaltige Entwicklung umgestellt und die weltweite Hungerkrise gelöst, meint Stelzer.

Beim Kongress „Zukunft ohne Hunger“ betonte Kristaline Georgieva, die zuständige EU-Kommissarin, dass für die Europäische Union der Kampf gegen den Hunger an vorderster Stelle stehe: "Allein letztes Jahr hat die Kommission eine halbe Milliarde Euro in die Nahrungsmittelhilfe investiert. Wir werden weiterhin alles unternehmen, um dort zu helfen, wo es am nötigsten ist.“

"Kürzungen nicht durchführen"

Auf nationaler Ebene sorgt, die Kürzung bei der Entwicklungshilfe für Kritik. So appellierten sowohl Kardinal Christoph Schönborn als auch Bundespräsident Heinz Fischer, die geplanten Kürzungen der Bundesregierung bei der internationalen Entwicklungshilfe sein zu lassen. "Hunger ist für uns ein allzu fernes Leid", sagte Schönborn in seiner Rede vor mehreren hundert Zuhörern in der Akademie der Wissenschaften. "Ich bitte, die geplanten Kürzungen nicht durchzuführen." Fischer erinnerte daran, dass auch die Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg hungern mussten und auf Hilfe von außerhalb angewiesen waren. "Das allein sollte schon Grund genug sein, um jetzt nicht wegzuschauen."

"Haben den Hunger satt"

"Wir alle hier haben den Hunger satt", meinte  Caritas-Präsident Franz Küberl. "Wir sind wütend darüber, dass so viele Menschen einen sinnlosen, vermeidbaren Tod sterben müssen. Deshalb hoffe ich, dass von hier ein starkes Signal ausgeht".

Oscar Kardinal Rodriguez, Präsident der Caritas Internationalis, warnte vor einer Eskalation in der Sahelzone: "Wir dürfen nicht warten, bis wir wieder hungernde Kinder im TV zu sehen bekommen". Es handle sich bereits um die dritte Krise in den vergangenen zehn Jahren - "und die heurige Ernte wird nicht ausreichend Nahrung produzieren, das steht jetzt schon fest". Armut sei ein "Skandal", so Rodriguez im Hinblick auf die Ausbeutung von Entwicklungsländern für die Befriedigung luxuriöser Bedürfnisse in den reichen Ländern.

Zukunft ohne Hunger

Der Kongress unter dem oben genannten Titel beschäftigt sich am 1. und 2. Juni in der Aula der Wissenschaften in Wien mit aktuellen Entwicklungen in den Themenbereichen „globaler Hunger“ und „nachhaltige Ernährungssicherung“. Für einige der Vorträge wurden Live-Streams eingerichtet.

(Red.)

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