Mutbürger: Rückzug der Gründerin Anneliese Rohrer

12.06.2012 | 17:36 |  Von Eva Winroither (Die Presse)

Anneliese Rohrer sieht ihre Aufgabe in der Mutbürger-Bewegung als erledigt. Nach einem Jahr wird noch viel geredet – und wenig gemeinsam geschafft. Rohrer wird in Zukunft als Moderatorin zur Verfügung stehen.

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Wien. Wenigstens haben sie alle Spaß. Das Burg Kino ist voller Menschen, der Großteil sichtlich über fünfzig Jahre alt, sie reden aufgeregt miteinander, gestikulieren, stellen sich vor und fühlen sich – es ist nicht zu übersehen – wirklich, wirklich wichtig.

Am Montagabend fand das Jahrestreffen von Anneliese Rohrers Mutbürger-Stammtisch statt. Eine Bewegung, die die frühere langjährige Ressortchefin und heutige Kolumnistin der „Presse“ vor einem Jahr ins Leben gerufen hat, und die seither versucht, den Frust ihrer Teilnehmer in eine schlagkräftige Bürgerbewegung zu verwandeln. Freilich, ganz perfekt ist das noch nicht gelungen.
Es habe zu Beginn ein Missverständnis gegeben, sagt Rohrer in ihrer Bilanzrede. Die Leute seien zu ihr gekommen, um bei ihrer Bewegung mitzumachen. „Aber ich habe immer gesagt: Sie missverstehen da etwas. Ich mach' gar nichts. Sie machen.“

Und das haben viele der etwa 80 Personen im Raum – nach teilweise sehr mühsamen Sitzungen – dann auch getan. Neue Initiativen wurden gegründet, bereits bestehende gefördert. Etwa die Aktion 21, eine Plattform für Bürgerinitiativen, eine Onlinepartei, die mit einem Onlinetool die direkte Demokratie fördern will, oder Vertreter der Initiative „Mein OE“. Und hier zeigt sich das Problem, auf das Rohrer in teils ironischen, teils scharfen Kommentaren immer wieder hinweist: Alle wollen gemeinsam etwas tun, aber niemand tut etwas tatsächlich. Dafür ist die Bühne voll von Selbstdarstellern, die viel über direkte Demokratie, die Schlagkraft des Volkes und die Korruption der Politiker zu sagen wissen. Sehr viel. Jeder für sich. Niemand gemeinsam. Lieber werden ähnliche Projekte präsentiert. „Ich versteh nicht, warum die Leute nicht alle bei uns mitmachen“, sagt Herta Wessely von der Aktion 21 nach der Veranstaltung. „Ich kann mich bei den anderen nicht wiederfinden“, erklärt ein Mann, warum er eine eigene Partei gegründet hat (die sich übrigens für mehr direkte Demokratie einsetzt). Auch wenn er überzeugt ist, dass alle an einem Strang ziehen müssen. Kurz davor hat er noch als Zuseher die Projekte kritisiert und ein wenig an Politiker im Nationalrat erinnert, die einander gegenseitig verbal attackieren.

„Ich bin überflüssig geworden“

„Vernetzen Sie sich“, ist dann auch der Aufruf Rohrers. Was es brauche, sei mehr Aktionismus. Ein Flashmob vor dem Parlament zum Beispiel, nicht neue Parteien. „Es muss ja nicht immer das Rad neu erfunden werden“, sagt sie nach der Veranstaltung.

Trotzdem sieht sie ihre Aufgabe als getan. „Ich bin überflüssig geworden, und das ist gut so.“ Wer weiter Mutbürger sein will, der könne das bei den zahlreichen Initiativen, unter ihnen etwa die Mutbürger Wien, Niederösterreich und (sehr erfolgreich) Kärnten, tun. Rohrer wird in Zukunft als Moderatorin zur Verfügung stehen.

„Mal sehen, ob sie sich vernetzen“, sagt sie zum Abschluss. Die Chance besteht. Auch nach Ende der Veranstaltung sind noch viele da. Sie gestikulieren und präsentieren sich. Sie wollen etwas ändern. Immerhin, zumindest beim Reden darüber ist der Enthusiasmus groß.

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22 Kommentare
Gast: Leserin
20.06.2012 17:09
0

„Jeder beschwert sich über das Wetter, aber keiner tut was dagegen”

„Jeder beschwert sich über das Wetter, aber keiner tut was dagegen”

Fr. Dr. Rohrer hat zumindest den Ball ins Rollen gebracht. Sie sitzen nur vorm PC und schreiben von der Qualität her relativ schlechte Kommentare. Anstatt das Schlechte in den Bemühungen anderer zu suchen könnten Sie das Positive in Ihren eigenen Taten suchen (falls Sie schon mal etwas für das Gemeinwohl getan haben) - nur da wäre die Liste wohl ziemlich kurz, stimmts?

Schauen Sie bitte das nächste Mal einfach Fußball.

Gast: chefredaktion
13.06.2012 20:53
2

man sagt es ungern

aber Frau Rohrers Aktion war auch nur ein Schas im Wind, da ist ja noch der Briefmarkensammelklub Euratsfeld größer. Und dennoch hat die Presse diesen Kraut-und-Rüben-Stammtisch so gepusht. Musste ja so kommen.

Gast: Allemal
13.06.2012 17:58
0

Alles gut und recht!!!

Aber es geht im Moment um das Überleben von Europa in dem derzeitigen Wohlstand und Frieden. Da hilft nicht mehr Demokratie. Die Politiker sollen endlich handeln. Es gibt viel an sinnlosen Ausgaben und Sozialleistungen etc. einzusparen. Alles müssen etwas kürzer treten um einen angemessenen Wohlstand zu sichern. Das sieht aber eigentlich fast niemand ein. Nicht einmal die Griechen haben gecheckt was es geschlagen hat. Und so wird es eben zum totalen Crash kommen, das wir in Europa in dieser Form seit dem Weltkriege nicht mehr kennen. Es ist nicht wie in der restlichen Welt, wo Hunger, soziale Ungerechtigkeit an der Tagesordnung ist. Dann kann jeder schreien 40 Jahre sind genug. Aber ich sehe keine Umdenken. Es soll ja wieder auf Pump das Wachstum gefördert werden.

Die Vernetzung ist im Gange

Frau Rohrer war sichtlich enttäuscht, dass die von ihr bevorzugte Establishment-Gruppe MeinOE nicht erfolgreicher ist. Aber wen wundert das, außer Fr. Rohrer?

Wirklich interessante Gruppen waren:
www.mehr-demokratie.at
www.nfoe.at
http://oesterreich-neu.at
www.opoe.at
www.gdb.or.at
www.oespricht.at

Was klar herausgekommen ist: der Vernetzungsprozess ist voll im Gange. Und das Thema Direkte Demokratie scheint sich als gemeinsamer Nenner durchzusetzen.

Gast: Ulrich Lintl
13.06.2012 15:07
1

Wichtige Ergänzungen

Nachdem ich in dem Artikel ohne Namen unvollständig zitiert worden bin, gehören hier noch einige wichtige Ergänzungen gemacht:
Ich bin Mitbegründer der Partei Österreich NEU (http://oesterreich-neu.at). Als Initiator der Plattform Direkte Demokratie bei den Wien-Wahlen 2010 weiß ich auch genau, wie positive Kooperationen aufgezogen gehören. GEMEINSAME und GLEICHBERECHTIGTE Kooperationen funktionieren auch. Wenn jedoch einzelne Parteien oder Initiativen alle anderen vor den eigenen Karren spannen wollen, dann geht es nicht.
Und ich bin davon überzeugt, dass ALLE Kleingruppen nur mit gemeinsamen Projekten etwas erreichen können.
Weitere, richtig interessante Initiativen, die sich am Mutbürger-Treffen präsentiert haben, z.B. Mehr-Demokratie, NFÖ, EU-Austrittspartei oder Online-Partei sind im Artikel übrigens ebenfalls nicht erwähnt worden.

Statt Quatschen Taten

Rohrers Aufruf zum Flashmob oder ähnlichem sollte Folge geleistet werden.
Wenn ich als Einzelner nicht mit meiner Regierung zufrieden bin, dann vernetzte ich mich und gehe gemeinsam zu Behörden so lange bis rich Recht bekomme, bzw. Parteiengehör oder Akteneinsicht, die ja beim Jugendamt grundsätzlich verweigert wird, ausser man tanzt mit Journalisten an. Gemeinsam sind wir stark, das wahr wohl die Idee der Mutbürger, ehem. Wutbürger.

Die Österreicher

Sind doch Raunzer und keine Macher wie z.B. die Ungarn,Polen ect.
Der Österreicher verdient genau die Parasiten die er seit Jahrzehnten wählt.

Schade!

Es hätte schon etwas werden können, aber die Aufgabe dieser Versammlungen zeigt auch, dass direkte Demokratie zwar von vielen gefordert wird, aber dann ist es doch zu mühsam selbst tätig zu werden.
Das Gleiche ist über die Initiative Mein OE zu sagen.
Die Effen können populistisch ruhig weiter "direkte Demokratie" fordern und ihre verqueren, hauptsächlich xenophoben Ideen unters Volk bringen, nur "das Volk" wird nicht mitspielen.
Wenn sich der Ruf nach direkter Demokratie auf das Parkpickerl in Wiener Außenbezirken erschöpft, 60.000 Unterschriften in kurzer Zeit dafür gesammelt werden können und für die Initiative Mein OE nicht einmal 10.000 zusammenkommen, dann ist wohl klar, dass Österreich noch nicht reif ist für direkte Demokratie.

Direkte Demokratie ist ewtas anderes, als Sie glauben!

Direkte Demokratie ist etwas, was gerade von MeinOE NICHT WIRKLICH repräsentiert wird. Sie verlangen z.B. für zwingende Volksabstimmungen ein höheres Quorum als sogar FPÖ und Grüne!

Nur Mut, Fr. Winroither: berichten Sie doch ruhig einmal über diejenigen Gruppen, die wirklich Direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild wollen, und auch wissen, was das ist. z.b. mehr-demokratie, nfö, österreich-neu, eu-austrittspartei...

Antworten Gast: edwige
13.06.2012 03:48
4

Re: Schade!

.....nur das "Volk" wird nicht mitspielen.......
Sicher wird das Volk nicht bei jemandem "mitspielen", der "Volk" unter Apostroph stellt!

Gast: networker
13.06.2012 00:05
0

Wer hat sich mit wem vernetzt?

Hat sich in dem einen Jahr irgendwer vernetzt?
Die aktion21 will sogar aus dem E-mail-Verteiler genommen werden.
PS: Das Foto bei Artikel ist defintiv ein falsches. Rohrer hat etwas anders angezogen gehabt.
PPS: Im Kino lief dannach der Streifen: Der Diktator. Das war das unrühmliche Kontrastprogramm.

Gast: Martin_S
12.06.2012 23:37
7

Ich bin überflüssig geworden

Falsch, Frau Rohrer! Sie SIND überflüssig. Eigentlich schon seit Jahren. Und Ihre "Bewegung" ist ein Furz im Wind... Tja, Weiberhass alleine führt nie zum Ziel (siehe Heide Schmidt, deren Programm war ja auch nur "Hass" und wo ist die jetzt???)

Das Grundproblem ist.....

.... eine Zivilgesellschaft kam durch die allzu vielen Funktionäre nie wirklich ins laufen. Wir haben die Sozialpartnerschaft "doppelt gemobbelt": Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung versus ÖGB und AK, dazu noch LK und andere kleinere Kammern. Was in der Nachkriegszeit als Klammer und für die Austragung der sozialen Konflikte ohne allzu viele Auseinandersetzungen auf der Straße das Land vorwärts gebracht hat, wirkt heute als Stagnation. Manche Zivilgesellschafter werden auch durch die Politik mittels großzügiger Förderungen von diversen Istitutionen "eingekauft", d.h. das kritische Potential wird durch Beschäftigung mit Weltproblemen von den nächstliegenden Erfordernissen abgelenkt. Um das Nächstliegende "kümmern" sich dann leider Extremisten.

Gast: Altemanze
12.06.2012 23:02
0

na ja...vor paar Wochen in HL, 1 Einladung, über 100 Leute da,

aber Fr. Rohrer (war angesagt) dann nicht da, dafür paar -von ??? dafür eingesetzte- männl. Vorredner, die mit Publikumsansagen prompt wieder via Lehrertaktik (keine Übertreibung!) umsprangen...Titel war aber was mit MUT und bisserl Ungehorsam üben...*g*

Na ja.

Wurde dann auch viel fotografiert, aber kaum wo was darüber medial gebracht.

Jaja.

Diagnose

Es scheint logisch,dass ein Volk von Egomanen nicht im Stand ist egoübergreifend zu agieren.Daran sieht man,dass Solidarität im 21.Jhdt. nicht funktioniert da es nur mehr Individuen aber keinen gemeinsamen Nenner mehr gibt.Die etablierten Parteien werden sich freuen.Und die Reichen erst recht.

Die Rohrer geht in Rente

Ich hab sie bei den Fernsehdiskussionen als verbitterte und verbissene Schwarz-Blau Gegnerin erlebt.

Angesichts dessen, was uns Schwarz-Blau ...

... beschert hat, kann man ihr das nur hoch anrechnen.

Re: Angesichts dessen, was uns Schwarz-Blau ...

Unter Schwarz-Blau hatten wir kein Mega-Budgetdefizit.

Abgsehn davon, dass das kolportierte Nulldefizit ...

... auch nicht gehalten hat, kann die Situation von Hochkonjunktur schlecht mit jener der Wirtschaftskrise verglichen werden.

Nein, ich mein eher, den Punkt, dass mit Schwarz-Blau Gestalten und Haltungen an die Oberfläche gespült worden sind, die uns besser erspart geblieben wären.

Gast: b754
12.06.2012 21:06
0

wer sowas in der systempresse macht dem ist nicht zu helfen

die schwarzen sind ein garant dafür dass sich nichts ändern wird denn die blockieren ohnehin alles was eine änderung bewirken würde also die presse ist sich das ganz falsche medium

Antworten Gast: Martin_s
12.06.2012 23:38
3

Re: wer sowas in der systempresse macht dem ist nicht zu helfen

Vorschlag: Werden's Stammkolumnist in der PRAWDA!

Gast: UKW
12.06.2012 20:53
6

Niemand wird merken, wenn dieser Kraut und Rübenstammtisch von seiner Gründerin verlassen wird

Ein typischer "Rohrerkrepierer" war das. Dem einen drückte der Schuh, dem anderen waren die Steuern zu hoch, der dritte ärgert sich über zuwenige Parkplätze, der vierte möchte selbst ins Parlament gewählt werden - alles Mutbürger ohne Gemeinsamkeiten. Einfach peinlich.

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