Lainzer Tunnel: In 22 Minuten nach St. Pölten

14.06.2012 | 17:07 |   (Die Presse)

Die Bauarbeiten im Lainzer Tunnel sind nach 13 Jahren abgeschlossen. Ab Dezember verläuft der Güter-, ab dem Jahr 2014 der Personenverkehr unterirdisch. Insgesamt kostet der Tunnel 1,3 Milliarden Euro.

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Wien/g. b. Ein Großprojekt der Wiener Baugeschichte geht dem Ende zu: Der Lainzer Tunnel, landläufig auch Wildschweintunnel genannt, weil er zu einem kleinen Teil unter dem Lainzer Tiergarten führt, ist nach 13 Jahren Bauzeit fertig. „Die Bauarbeiten sind jetzt abgeschlossen“, sagte ÖBB-Holding-Vorstand Franz Seiser am Donnerstag.
Ab 9. Dezember wird der Güterverkehr zwischen Bahnhof Meidling und Wiener Westeinfahrt unterirdisch geführt – 12,8 Kilometer lang. Und wenn 2014 der Hauptbahnhof  fertiggestellt sein soll, werden auch die Personenzüge mit bis zu 160 km/h unter Hietzing durch den Tunnel rasen.

Bis zur offiziellen Eröffnung im Dezember werden noch technische Feinarbeiten gemacht, Mess- und Testfahrten durchgeführt sowie Schulungen für Triebwagenführer; dazu kommen noch zwei Großübungen mit der Feuerwehr, um die Alarmpläne genauer abstimmen zu können.

Lainzer Tunnel: Fertigstellung nach 13 Jahren Bauzeit

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Das Projekt Lainzer Tunnel zeigt aber auch, wie zeitaufwendig ein infrastrukturelles Großprojekt sein kann, zumal in einem dicht besiedelten städtischen Gebiet. Schon Ende der Achtzigerjahre erhielten die ÖBB den ministeriellen Auftrag, eine Hochleistungsstrecke Wien–St. Pölten zu errichten, mit dem Lainzer Tunnel als wichtigem Teil in Wien. In den Neunzigerjahren begannen die Anrainerverfahren, dann das UVP-Verfahren. Parallel dazu liefen Proteste von Bürgerinitiativen, Anrainern und Bezirkspolitikern, die das Projekt verhindern wollten. Zweimal wurden Baubescheide aufgehoben, die mühsam repariert werden mussten.

Der Tunnel ist für eine Nutzungsdauer von 100 bis 150 Jahren ausgelegt, entsprechend auch die technischen Innovationen, die bei dem Projekt angewandt wurden, sagt Vorstand Seiser. Die Schienen laufen nicht auf einem herkömmlichen Gleiskörper, sonder auf Betonplatten. Zur Verhinderung von Schwingungen wurde ein spezielles Dämpfungssystem, das Masse-Feder-System, in die Gleiskörper eingebaut.

Insgesamt kostet der Tunnel 1,3 Mrd. Euro. Er verbindet die Westbahn mit der Südbahn und der Donauländebahn. Der Tunnel ist der letzte Teil der rund 60 Kilometer langen Neubau-Hochleistungsstrecke Wien–St. Pölten, die zur Hälfte in Tunneln – insgesamt acht – verläuft. Eine Fahrt nach Salzburg kann dann in 2 Stunden 22 Minuten absolviert werden, eine Fahrt nach St. Pölten in nur 22 Minuten.



Ein wesentlicher Kritikpunkt der Tunnelgegner war die Sicherheit. Ein neues mit den Wiener Einsatzkräften ausgearbeitetes Sicherheitskonzept sieht 28 Sicherheitsausstiege (zwischen 17 und 75 Meter tief) mit extrem brandhemmenden Türen, beidseitige Löschwasserleitungen und beleuchtete Handläufe auf den Fluchtwegen vor.

Am Samstag gibt es für alle Interessierten einen Tag der offenen Tür. Bei den Haltestellen Altmannsdorfer Straße, Lainzer Straße und Nikolai-Tor kann man ab 10 Uhr als Besucher einen Blick in den Tunnel werfen.
Infos: www.oebb.at/lainzertunnel

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14 Kommentare
Gast: Kaprun
17.06.2012 22:14
0

Im Ernstfall, eiwa bei Brand nach Unfall, über eine enge Stiege 75 m hoch um sein Leben rennen zu müssen, das schaffen nur Hochleistungssportler

Einröhrig ist mir diese Strecke viel zu riskant.
Fahre deswegen nurmehr mit dem Auto,
nie mehr wegen diesem lebensgefährlichen Streckenabschnitt mit der Westbahn. Möchte nicht im Feuerinferno verbrennen müssen.


Re: Im Ernstfall, eiwa bei Brand nach Unfall, über eine enge Stiege 75 m hoch um sein Leben rennen zu müssen, das schaffen nur Hochleistungssportler

das ist dann wohl ein paradebeispiel für survival of the fittest

Re: Im Ernstfall, eiwa bei Brand nach Unfall, über eine enge Stiege 75 m hoch um sein Leben rennen zu müssen, das schaffen nur Hochleistungssportler

Sie können ja mit dem Regio fahren. Da haben Sie viel Platz und können die Landschaft genießen.

Antworten Gast: Talbot
18.06.2012 08:10
1

Re: Im Ernstfall, eiwa bei Brand nach Unfall, über eine enge Stiege 75 m hoch um sein Leben rennen zu müssen, das schaffen nur Hochleistungssportler

"Die ÖBB verwiesen noch einmal auf die Sicherheitsstandards, darunter 28 Notausgänge und beidseitige Löschwasserleitungen." (Zitat, Bilderstrecke, Bild 11)

Ihnen ist schon klar, dass das Risiko ums Leben zu kommen pro gefahrenen Kilometer beim Autofahren um den Fakor 1000 größer ist als beim Bahnfahren?

Antworten Gast: Hugo Wiener
18.06.2012 07:57
0

Re: Im Ernstfall, eiwa bei Brand nach Unfall, über eine enge Stiege 75 m hoch um sein Leben rennen zu müssen, das schaffen nur Hochleistungssportler

Ob das Risiko geringer ist, wenn man mit dem Auto fährt, wage ich zu bezweifeln.

Angeblich sind in den USA mehr Leute durch Verkehrsunfälle infolge des Flugverbots (911) und der Flugangts gestorben als durch die schrecklichen Ereignisse direkt - aber dort warenes halt auf einem Schlag gleich bis zu 4.000 Personen, beim verkehr waren es immer nur ein oder zwei.

Gast: Milliardengrab
17.06.2012 01:44
0

Schneller in St. Pölten und ab dann mit vielen Störungen im Schneckentempo weiter

Die einröhrige Strecke ist dafür im Falle eines Unfalles mörderisch gefährlich. Fahre daher lieber per Pendler mit großem Zeitverlust nach St. Pölten und steige dann erst fluchend in den RailJet oder ICE zu, denn mein Leben ist mir lieber als dieser lächerliche Zeitgewinn.

weiss jemand ob dann ab 2014 die oberirdische verbindungsbahn "aufgelassen" wird?

oder wird die bestehen bleiben?

Re: weiss jemand ob dann ab 2014 die oberirdische verbindungsbahn "aufgelassen" wird?

Bleibt natürlich bestehen und wird in Zukunft vom Nahverkehr stärker genutzt werden.

Wie heißt es so schön ....

... das Beste am St. Pöltner Nachtleben ist die Bahnverbindung nach Wien.

Gast: suuper
14.06.2012 19:58
3

Bin beeindruckt!

Das ist eine Halbierung der Zeit!

Antworten Gast: Nur keine Illusionen!
16.06.2012 01:01
0

Re: Bin beeindruckt!

Das Betrifft nur RailJet und ICE, wer IC fährt, dann werden aus den 22 min wieder 32 Minuten, den das kostet der Bahnhof Tulln, Bremsen-Beschleunigen, Halt mit Ein- und Aussteigen. Endet alles beim Hauptbahnhof wie geplant dann kommt auch noch dazu, der Zeitverlust dadurch das die öffentliche Infrastruktur niemals mit dem mithalten kann, das Hütteldorf und Westbahnhof bittet (Verteilungsgrad 1. und 2. Ordnung), für die meisten wird das bestenfalls ein Milliardenloch ohne Mehrwert werden.

Auch das schlimmste Szenario ist sehr real, das das Gesamtprojekt bei der Tür-zur Tür Rechnung mehr Zeit kostet als die heutige Lösung!

Antworten Antworten Gast: gast54321
16.06.2012 12:01
3

Re: Re: Bin beeindruckt!

ah, ein "experte" spricht..

selten so viel schwachsinn gelesen wie in deinem posting.

1) verbindungsbahn wird für s-bahnverkehr frei
2) westbahnhof hat genausolange fusswege zur u3/u6 wie der hauptbahnhof zur u1/s-bahn
3) hauptbahnhof hat wesentlich mehr linien im hochleistungsnetz eingebunden als der westbahnhof (schon allein wegen der s-bahn-anbindung)
4) tür-zu-tür-zeiten sind ohnehin immer unterschiedlich je nachdem wo man hin will, pauschale behauptungen sind daher unsinnig
5) ohne lainzer tunnel wäre das projekt hauptbahnhof sinnlos gewesen. weil nur so eine durchbindung der TEN-/s-bahn-/regional-verbindungen möglich ist, herr "experte".

Antworten Antworten Antworten Gast: Nur keine Illusionen!
16.06.2012 14:43
0

Re: Re: Re: Bin beeindruckt!

Zu 1: Das wäre aber anders bei weitem billiger zu haben gewesne als die Version!
Zu 2: Es geht nicht um den Fußweg vom Bahnsteig zur U-Bahn, sondern wie sieht die Verteilung ohne Umsteigen, und mit einmal umsteigen, da schneidet der Westbahnhof schlicht und einfach besser ab, und zwar um fast den Faktor 1.7!
Zu 3: Welches Hochleistungsnetz, soll die Südbahn vielleicht ein Hochleistungsnetz sein, das ist der Witz des Jahrtausends, bis das so weit ist werden wir alle das Gras unten wachsen sehen, wenn so gebaut wird wie die Westbahn, dann frühestens 2070 bis 2090!
Zu 4: Die Tür zu Tür hat sehr wohl Sinn, weil es ganz einfach zur Gesamtstromanalyse gehört, wenn nicht noch ein Wunder geschieht und es so bleibt wie jetzt, bedeutet das für 80%-90% sehr wohl eine Verschlechterung und keine Verbesserung, Glücklich wer zum Rest gehört!

Und generell, der Hauptbahnhof so wie er gebaut wurde war er schon von Anfang an eine Fehlplanung, Wien hätte um 1 Milliarde mehr eine Bahnanbindung haben können die keine Wünsche offen gelassen hätte, die Chance wurde total verspielt!

Und sorry, ich hatte einen fahler, es sind beim IC nicht 10min sondern höchsten 5min Zeitersparnis, der IC fährt mit vMax 200 km/h, hingegen der RalJet und ICE mit vMax 230 km/h!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gast54321
18.06.2012 10:29
0

immer noch: 5, setzen

ich habe nicht von der südbahn gesprochen, sondern von der S-bahn. hier verteilen sich fahrgastströme vom HBF in ALLE himmelsrichtungen, und in alle teile wiens! dann gibts noch die U1 und einige straßenbahnlinien für den lokalverkehr.

für deine "verschlechterungen" hast du nur billige polemik, keine argumente zu bieten. eine verkürzung von 45 auf 22 minuten wien-st pölten kannst aber nicht mal du als verschlechterung verkaufen. abgesehen davon handelt der artikel vom lainzer tunnel und nicht vom hauptbahnhof. aber du bist halt ein typischer wiener: raunzen, sudern, meckern, und nach einiger zeit: naja, is eh net so schlecht! genauso wie du jetzt haben damals die wiener über die u-bahn geschimpft. ein wien ohne u-bahn? heute undenkbar.

also: suder ruhig weiter!

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