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Schanigärten: Der längere Weg zur Bewilligung

15.06.2012 | 18:43 |  von Mirjam Marits (Die Presse)

Bisher war es für Gastronomen einfacher, einen Gastgarten genehmigt zu bekommen. Künftig haben die Anrainer mehr Mitspracherecht und können diesen einfacher verhindern.

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Wien. Für viele heimische Wirte wird die Freiluftsaison 2013, so viel lässt sich jetzt schon sagen, kein Sommer wie damals. Denn zur Sorge, ob das Wetter überhaupt gastgartentauglich wird, stellt sich im kommenden Jahr für viele die Frage, ob der eigene Schanigarten überhaupt genehmigt wird.

Denn mit Ende November 2012 läuft eine Sonderregelung im Betriebsanlagenrecht aus, dank der es für österreichische Gastronomen bisher sehr einfach war, eine Bewilligung für einen Schanigarten zu bekommen, sofern dieser nicht mehr als 75 Sitzplätze umfasst.

Nach Klagen eines von Gastgartenbesuchern geplagten Anrainers hat sich der Verfassungsgerichtshof als höchste Instanz mit der Causa beschäftigt und diese Ausnahmeregelung als verfassungswidrig gekippt, unter anderem, weil er den Gleichheitsgrundsatz verletzt sieht: Denn während kleinere Gastgärten unabhängig von ihrer Lage und möglichen beeinträchtigen Anrainern bisher quasi automatisch genehmigt wurden, mussten Schanigärten mit mehr als 75 Plätzen eine aufwendige Betriebsanlagengenehmigung vorweisen.

Ab 1. Dezember – und damit für den Sommer 2013 – sind alle Gastgärten, unabhängig von ihrer Größe, betriebsanlagenpflichtig. „Leider,“ sagt Willy Turecek, Obmann der Wiener Gastronomen. „Damit wird es für die Wirte auf alle Fälle komplizierter, einen Gastgarten genehmigt zu bekommen.“ Nicht nur, weil dies künftig mehr bürokratischen Aufwand bedeutet. Sondern vor allem, weil Anrainer im Verfahren künftig Parteistellung haben und ihre Einwände gegen einen geplanten Gastgarten bei der zuständigen Behörde (in Wien sind das die Magistratischen Bezirksämter) einbringen können.

 

„Dann wird es lustig“

Und dass sich viele Bewohner von umliegenden Gastgärten sehr oft gestört fühlen, ist keine große Überraschung. „Das Risiko, dass Anrainer von ihrer Parteienstellung Gebrauch machen, ist natürlich gegeben“, sagt Berndt Querfeld, Obmann der Wiener Kaffeesieder. Das könnten Nachbarn sein, die Lärm fürchten, Hausbesitzer, die behaupten, dass ihre Immobilie durch den angrenzenden Gastgarten an Wert verliere. Querfeld fürchtet daher, dass künftig „Gastgärten gar nicht oder nur so eingeschränkt genehmigt werden, dass sie keinen Sinn haben“ – also etwa kleiner dimensioniert oder mit beschränkten Öffnungszeiten. Bisher sind alle Gastgärten von 9 bis 23 Uhr genehmigt, in Innenhöfen bis 22 Uhr.

Gastronomen-Obmann Turecek „hofft zwar nicht“, dass die Zahl der Schanigärten in Wien – derzeit haben 1800 bis 2000 Lokale einen Gastgarten – durch die neue Regelung abnimmt, ausschließen kann er es aber auch nicht. Turecek verschickt dieser Tage daher einen Brief an Wiener Lokalbetreiber, in dem er empfiehlt, einen Gastgarten noch schnell in diesem Sommer zu beantragen, bevor die „sehr angenehme“ Ausnahmeregelung mit Ende November ausläuft.

Denn für alle jene, die vor 1.Dezember einen Gastgarten bewilligt bekommen haben, ändert sich vorerst nichts. Viele alteingesessene Betriebe haben eine unbefristete Genehmigung. Andere jüngere Lokale haben nur einen auf wenige Jahre befristeten Gastgarten, ihnen steht nach Ablauf der Frist die aufwendige neue Betriebsanlagengenehmigung bevor.

Wie auch jenen Wirten, die ihren Gastgarten verändern (umbauen, vergrößern) wollen oder einen neuen Gastgarten beantragen. Bei jedem Antrag müssen, wie Turecek schreibt, „die Behörden wieder überprüfen, ob die zu erwartende Lärmbelästigung als unzumutbare Belästigung für die Anrainer relevant sein könnte“.

Der Gastgarten zählt zudem künftig – anders als bisher – zur Betriebsanlage. Somit werde, sagt Querfeld, bei einem Antrag auf einen Gastgarten die gesamte Betriebsanlage, also auch das Lokal selbst, überprüft. „Und dann wird es lustig.“ Denn ein alteingesessenes Café etwa, das seine Betriebsanlage vor Jahrzehnten genehmigt bekommen hat, müsste dann sein Lokal auf den Stand von 2013 bringen, sprich: technisch (Belüftungsanlage etc.) und räumlich (getrennte WC-Anlagen für Männer und Frauen) aufrüsten. Das sei für viele Betriebe unleistbar. Einige könnten auf einen Gastgarten verzichten.

Querfeld sieht vor allem Cafés durch die Neuregelung gefährdet: „Ohne angemessen großen Schanigarten ist es wirtschaftlich schwierig, ein Café zu führen“, sagt er. „Die Menschen wollen im Sommer einfach immer draußen sitzen.“

Auf einen Blick

Neue Regelung: Mit November läuft eine Sonderregelung im Betriebsanlagenrecht aus, dank der Gastgärten bisher relativ problemlos genehmigt wurden, sofern sie max. 75 Sitzplätze aufweisen, bis max. 23 Uhr geöffnet haben und lautes Sprechen und Singen durch Hinweistafeln untersagt wird.

Ab 1. Dezember fallen nun alle Gastgärten in die Betriebsanlage. Die Genehmigung wird dadurch mühsamer. So haben Anrainer dann Parteistellung und können etwa mit dem Argument der Lärmbelästigung Gastgärten verhindern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)

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24 Kommentare
Gast: Michael1962
18.06.2012 18:31
0 0

Wer das richtige Parteibuch hat,

lässt seinen Schanigarten das ganze Jahr stehen. Dann braucht er nicht jedes Jahr eine neue Bewilligung.

Gast: lokaleOhneWC
16.06.2012 14:34
2 0

welches Lokal hat keine getrennten WC Anlagen?

sowas gibts noch? *staun*

2 2

das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

und lässt weiteres Ungemach befürchten !

Ich kenne 2 Gastronomen, welchen die Sperrstunde aus Willkühr (plus fehlenden Parteibuchs) ! von früher 2 Uhr wie überall gültig, auf 22 Uhr vorgeschrieben wurde; allein weil sich dabei in beiden Fällen, eine einzige Partei (Anrainer) dagegen einbrachte und man rate welch pol. Partei die angehören ?!

Steuern und Abgaben bleiben allerdings ebenso hoch, auch wenn natürlich weniger Umsatz gemacht werden kann !?

Dafür dürfen Schrebergärtler dank seltsamer Ausnahmebestimmungen (Verein oder Klub) tun und lassen was sie wollen.

Antworten Gast: Mike Koner
17.06.2012 00:45
0 1

Schanigarten nur Am Graben

Der Schanigarten wurde am Graben erfunden und nur dort - oder gleichwertige Plätze in den Bundesländern - gehört er hin! Alle anderen Standorte sollten verboten werden, da sie zwangsweise die Anrainer belästigen.


Re: das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

haben sie schon mal in der Nähe eines schanigartens gewohnt? wenn es in der Nacht heiß ist, die Fenster schließen muss, weil sonst an Schlaf nicht zu denken wäre? Ruhebedürfnis ist dem Vergnügen vorzuziehen!!!

Re: Re: das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

wieso nur funktioniert das in Italien, Spanien u.a. Südländern??
Fahren´S nie fort, oder gehn`S im Urlaub auch um 2130 Uhr schlafen?
Oder sind Ihnen die Anrainer am Urlaubsort schlichtweg wurscht??

Re: Re: Re: das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

das sollte nicht verglichen werden, wie ich finde! verschiedene lebensrythmen! dort beginnt der Tag später, die Menschen halten großteils Siesta und gehen später schlafen! zu Mitternacht ist dann meistens auch dort "Schluss"....

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: es lebe der zentralfriedhof uns sein probeliegen
16.06.2012 19:47
1 2

Re: Re: Re: Re: das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

die südländer haben einfach mehr lebensfreude und da darf es ruhige auch abends ein bisserl laut sein....

ich würde mir oropax in die ohrwaschel geben, bevor ich einen schanigarten je verteufeln würde.


Re: Re: Re: Re: Re: das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

tja des funktioniert nur, wenn man keine kleinen Kinder hat! meiner Meinung nach, ist das ruhebedürfnis dem Vergnügen vorzuziehen! bis 23 Uhr kann ja draußen gesessen werden, danach sollte Schluss sein... reicht das nicht?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

Gott sei Dank werden in den Südländern die Kinder schon erwachsen geboren.....

oh Mann

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gehschanistödiesesslausse
16.06.2012 22:30
1 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: das Schikanieren hat im rot-grünen Wien bereits Saison

normalerweise schlafen gesunde kinder tief und fest. denen san schanigeräusche egal :-)


also der vorletzte Absatz

gibt mir schon zu denken, bedeutet dies etwa, dass nur, die nicht den heutigen Vorschriften entsprechenden Lokale gewinnbringend sind? Also wenn die "meisten" Gastronomen sich keine Adaptierungen ihrer Lokale leisten können, dann kann doch wohl kaum von erfolgreicher Geschäftsführung gesprochen werden....

Antworten Gast: mir auch
16.06.2012 13:35
2 0

Re: also der vorletzte Absatz

mir gibt das auch zu denken
soll das jetzt heißen das sich die lokale gegen ordentliche belüftungen jahrelang quergelegt haben man in verrauchten buden sitzen musste weil ja alles schon vorher genehmigt war ?

vielleicht verbessert sich dadurch ja endlich mal der nichtraucherschutz

Verfassungsgerichtshof

ah ja?
beim Schanigarten wird der Verfassungsgerichtshof tätig?

Ex FM Pröll hat mit dem Zeitpunkt der Budgeterstellung gegen die Verfassung verstoßen und des ist wurscht??

Die Souveränität Österreichs geht mit der Unterzeichnung des ESM-Vertrags flöten, das kratzt keinen Juristen/Richter vom Verfassungsgerichtshof ???

fesch, es reicht wirklich!

Amtsschimmel

Na fein! bis jetzt mussten als Planer
Genehmigung bei der Magistratsabteilung MA 37/ MA 19/MA 28/ MA 46 und jetzt noch eine Betriebsanlagengeneigung eingeholt werden! Super: vielleicht schaffen wir es noch, dass irgendwann jeder Angestellte einen Beamten mitfinanziert. ist das die "neue Verwaltungsreform"?

Gast: Tom Stock
16.06.2012 09:21
3 1

Gebrauchsabgabe erhöhen

Es sollte die Gebrauchsabgabe für den Schanigarten auf das ortsübliche (neu-) Mietniveau erhöht werden.

Die fast schon an Kommunismus erinnernde Verteilung der öffentlichen Verkehrs- und Aufenthaltsflächen an private zu lächerlichen Preisen gehört abgeschafft. Es muss endlich das marktwirtschaftliche Prinzip auch hier greifen und ortsübliche Preise gezahlt werden. Beim heutigen System bereichern sich die Wirte auf Kosten der Allgemeinheit.

Das würde den Schanigarten Wildwuchs ebenfalls eindämmen

Gast: Mike Koner
16.06.2012 09:14
2 3

Blödsinn - gilt schon heute

Die Behauptung jetzt geht die Genehmigung noch nach alten Gesetz ist ein Blödsinn. Jeder kann entsprechend dem Vorgehen welches bis zum VfgH geführt hat einen Schanigarten schon HEUTE verhindern und im Zuge dessen gleich eine Überprüfung der gesamten Betriebsanlage einläuten.

Insbesondere die Problemlokale würden nach heutigem Stand die Anlagengenehmigung verlieren!

Nicht das ich was gegen Schanigärten hätte, aber die heutigen Auswüchse sind eine Schande. Ich mag schon gar nicht mehr durch die Kärnterstrasse mit den teilweisen grauslichen Schanigärten gehen. Wien verkommt immer mehr zu einer drittklassigen Stadt seit Leute wie Stenzl am Werk sind und aus der Innenstadt eine (Koma-)Sauf und Fressmeile machen.

Antworten Gast: Argesauge
16.06.2012 11:55
2 0

Re: Blödsinn - gilt schon heute


Irrtum

gerade diese "grauslichen" schanigärten haben dank Wiener freunderlschaft UNBEFRISTETE Genehmigungen - und die trifft's nicht, die brauchen gar nicht mehr ansuchen!

es trifft all jene vorallem kleinen die in den letzten Jahren Jahr für Jahr neu ansuchen mussten!!!

im übrigen sind mir schanigärten lieber als die stinkerautos der innenstadtbewohner - in der Regel gstopfte die durch Flugreise, Autofahrten luxuriôsen Lebensstil unsre Umwelt zerstören!

und noch dazu in der Minderheit sind !!!

wenn die dann von der Geldgier ihrer Anwälte getrieben jeden kleinen wirten niederklagen - dann ist alles gut oder? Hauptsache der Herr Anwalt verdient - gell Herr z.?




Antworten Antworten Gast: Mike Koner
17.06.2012 00:41
0 1

Re: Re: Blödsinn - gilt schon heute

Wer daran glaubt irgendeine unbefristete Genehmigung kann nicht aufgehoben werden lebt im Traumland oder ist Kampfposter der Wirtschaftskammer...

Wenn ein Gastgarten/Lokal Probleme macht und eine betroffene Partei ernsthafte Beschwerden und den ausreichenden Willen (und das Kleingeld für die Instanzen hat) dreht der jeden Schanigarten/Gewerbebetrieb zu (oder überschwemmt ihn mit Auflagen)

4 0

bedeutet...

das aus für die Schanigärten.

10 6

find ich gut!

der Schanigarten an sich ist ja was tolles! aber es wird halt wie so oft übertrieben: sie nehmen zu viel Platz ein, sodass ein Kinderwagen nicht vorbei kann, Parkplätze werden reduziert. richtig schlimm wird's, wenn man in der Nähe wohnen muss! in den seltensten fällen wird die Sperrstunde eingehalten. die Leute sitzen und lachen bis ein zwei Uhr nachts! würde wirklich die Sperrstunde von 23 Uhr eingehalten werden, würde genügend Platz gelassen werden um ordentlich passieren zu können, würde vieles anders aussehen! ich kann die Aufregung auch nicht nachvollziehen, es gibt genügend Plätze in Wien wie zb den donaukanal etc. wo man eine sommerzweigstelle einrichten könnte und die Anrainer nicht nerven müsste! das vergnügen ist dem Ruhebedürfnis hinten anzustehen!

Gast: globetrotterneu
15.06.2012 20:28
8 0

zeit für gerechtigkeit

du brauchhst freude bei der spö das ist alles.

Wien braucht Waehlerstimmen, aber keine Steuereinnahmen!

SPÖ-Politik eben!

Antworten Gast: argesauge
16.06.2012 00:51
4 0

Re: Wien braucht Waehlerstimmen, aber keine Steuereinnahmen!

das Geld kassiert die rote Mafia - drum gibt's auch keine hohen Abgaben und haufenweise beamtenwillkür sowie passende Gesetze an denen nur noch anwälte verdienen - die oberschmarotzer und profiteure der überregulierung

da wird ein Aufwand getrieben wegen ein paar Sesseln und Tischen auf dem Gehsteig - unglaublich!!!

aber wenn die Autos den Schlaf rauben kümmerte keinen - lachhaft das ganze und eine Ungleichbehandlung - Willkür eben!

das nennt sich dann Rechtsstaat tatsächlich sind es gekaufte Gesetze einer Lobby