Die Presse: Herr Stadtrat, beginnen wir mit den für Sie unangenehmen Dingen: Das Stadthallenbad ist noch immer nicht offen. Schlafen Sie deswegen schlecht?
Christian Oxonitsch: Überhaupt nicht. Es zeigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wir übernehmen ein Bad nur dann, wenn es in Ordnung ist. Dem ist nicht so.
Die Frage ist, ob Sie dieses Sanierungsdebakel verhindern hätten können. Die Stadt wurde in Baubesprechungen über Mängel informiert.
Die Stadt hat an keinen Baubesprechungen teilgenommen. Ich hätte vor Weihnachten auch etwas anderes zu tun gehabt (als das Stadthallenbad als fast fertig zu präsentieren, Anm.), wenn es nicht die Zusicherung von Projektleitung und örtlicher Bauaufsicht gegeben hätte, dass das Bad zeitgerecht eröffnet werden kann.
Nun findet eine gerichtliche Beweissicherung statt. Wann wird es die ersten Ergebnisse geben?
Das müssen Sie die Sachverständigen fragen.
Es hat geheißen, sie haben acht Wochen Zeit. Die sind vorbei.
Der Zeitraum wurde ausgeweitet, weil die Sachverständigen jetzt auch andere Dinge überprüfen, die damals noch nicht Gegenstand der Untersuchung waren. Ausgeweitet wurde im Bereich der Fliesenarbeiten und der Statik.
Was wird die Sanierung kosten?
17 Millionen plus 20 Prozent. Die Frage ist, wer für die Mängel haften wird. Da ich davon ausgehe, dass die Stadthalle kein undichtes Becken beauftragt hat, wird vermutlich ein Baumangel vorliegen, der von den Firmen zu beheben ist.
Einen Eröffnungstermin werden Sie mir wohl nicht nennen?
Es ist unseriös, etwas zu sagen, solange man keine Ursachen kennt.
Das heißt, wenn es noch ein Jahr dauert, dann dauert es noch ein Jahr.
Und wenn es zwei Jahre undicht ist, dann wird es zwei Jahre lange nicht aufgesperrt.
Die geplante Reform der Musikausbildung ist weniger problematisch für Sie. „Die Presse“ hat schon 1996 über den Musikschulenmangel berichtet. Warum ist nichts früher passiert?
Weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Nicht zuletzt wegen des starken Ausbaus der Ganztagesschulen. Wir wollen raus aus Musikschulen und rein in Schulen. Daher hab ich die Diskussion um die wenigen Musikschulplätze nicht nachvollziehen können.
Ich helfe Ihnen: In Wien gibt es 17 Musikschulen mit einer Kapazität von 8346 Plätzen, in Niederösterreich sind es 134 Schulen mit 54.000 Plätzen.
Diese 17 städtischen Musik- und Singschulen unterrichten an rund 140 Standorten in Wien. Die Platzzahlen sind schwer vergleichbar, weil Musikschulen in Wien eine Altersbeschränkung von 25 Jahren haben. Die Musikausbildung besteht nicht nur aus den städtischen Angeboten. Wir wissen, dass Musikunterricht zur Hälfte im privaten Bereich vollzogen wird. Deswegen denken wir jetzt über ein ganzheitliches Konzept nach.
Sie erreichen mit Ihrer Reform aber keine Gymnasiasten. Die Schulen unterstehen dem Bund. Das sind aber mehr als fünfzig Prozent der Schüler.
Die Schüler der AHS nehmen die Musikschulen ja schon in Anspruch, die anderen aber nicht.
Aber es sind diese Schüler, die keinen Musikschulplatz bekommen.
Es ist durchaus meine sozialdemokratische Zielsetzung, mich zu fragen, wie schaffe ich es, dass Kinder, die nicht die AHS besuchen, in den musikalischen Bereich hineingehen? Außerdem haben wir nur bei Klavier und Gitarre Wartelisten. Die sind überschaubar, mit Wartezeiten von bis zu einem Jahr.
Wie soll denn der Musikunterricht in den Schulen konkret aussehen?
Musikschullehrerer sollen zusätzlich zu den Musiklehrern neue Akzente im Unterricht setzen, oder es gibt Angebote in der Nachmittagsbetreuung – auf freiwilliger Basis.
Und wenn ein Kind Klavier lernen will?
Tut es sich in der Schule schwer. Dafür gibt es private Anbieter.
Christian Oxonitsch ist Stadtrat für Bildung, Jugend und Sport. Er ist damit für die Finanzierung der Stadthallenbadsanierung zuständig. Im Mai präsentierte er Pläne für eine Reform der Musikschulausbildung in Wien. [Fabry]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)
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