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Regenbogenparade: Schwulenparty statt Protest

16.06.2012 | 17:54 |  von Duygu Özkan (Die Presse)

Zum 17. Mal ging am Samstag die Regenbogenparade über den Ring. Was als Protest begann, ist nun zu einer großen Party geworden. Ist der Kampf um Homosexuellen-Gleichberechtigung gewonnen?

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Im großen Bierzelt auf dem Rathausplatz fehlt ein bisschen die Schunkelmusik, damit das Stammtischambiente vollständig ist. Die Bierbänke sind gut gefüllt, die Gläser auch, die Gäste an einem Tisch können sich kaum mehr halten vor Lachen. Am Nebentisch wird auch gelacht, wenn auch etwas vornehmer. Es sind zwei Transvestiten, die ihre aufwendig frisierten Köpfe zusammengesteckt haben und plaudern; beide sind silbrig geschminkt, glänzend angezogen und insgesamt wirken sie wie ein Kontrastprogramm zum Bierzelt.

Die Regenbogenparade am gestrigen Samstag war voller Kontraste. Alt, jung, schrill, dezent, Samba und Techno – bereits zum 17. Mal haben homosexuelle und Transgender-Personen sowie ihre Freunde eine große, wenn auch familiäre Party veranstaltet. Richtig ausgefallen waren die wenigsten, bunt aber die meisten. „Ich mag endlich tanzen“, sagt eine Frau in Rosa, die den Beginn der Parade um 15 Uhr offenbar kaum erwarten kann. Ein paar Meter weiter, vor dem Burgtheater, tanzen die meisten schon, wenn auch nur für die Fotografen. Ein junger Mann in schwarzem Tüllrock, einer Fliege und sonst nichts, gibt ein dankbares Fotomotiv ab. Er scheint für knapp 30 Grad am besten ausgerüstet zu sein.

Keine Exoten mehr. Was vor 17 Jahren als Protestveranstaltung begann, als schrille Kundgebung mit dem Ziel, von den gesellschaftlichen Randbezirken in die Mitte zu rücken und sichtbar zu werden, ist heute in erster Linie eine ausgelassene Party mit lauter Musik. Lesben und Schwule sind im Wien des Jahres 2012 keine Exoten mehr, die ihr Leben als Schattendasein fristen – auch nicht im restlichen Österreich. Als etwa Anfang vergangenen Jahres angekündigt wurde, dass in der ORF-Show „Dancing Stars“ zwei Männer miteinander tanzen werden (Alfons Haider, Vadim Garbuzov), ging ein Pro-forma-Aufschrei durch das Land, nur kurze Zeit später blieb allenfalls noch ein Flüstern zurück. Und erst kürzlich hat ein Pfarrgemeinderat im niederösterreichischen Stützenhofen kurz die Gemüter erregt, als bekannt wurde, dass er homosexuell ist und in einer eingetragenen Partnerschaft lebt. Kardinal Christoph Schönborn hat den Pfarrgemeinderat nach anfänglichem Veto dann in seinem Amt „bestätigt“.

Regenbogenparade: Buntes Treiben am Ring

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„Es hat sich unglaublich viel verändert“, fasst der Bundesrat und Sprecher der „Grünen Andersrum“, Marco Schreuder, die vergangenen zwei, drei Jahrzehnte zusammen. Heute wolle die Community mit der Parade ihre Erfolge feiern, zeigen, dass man stolz auf sich sein könne. Dabei scheint besonders bei den Grünen ein Coming-out nie schwierig gewesen zu sein. So bekennen sich, um zwei Namen zu nennen, die Europaabgeordnete Ulrike Lunacek und Wiener Gemeinderätin Jennifer Kickert offen zu ihrer Homosexualität.

Auch die SPÖ ist kein passiver Beobachter mehr (auch wenn es an Politikern mangelt, die sich geoutet haben). „Geschlechtsidentitäten sind vielfältig“, heißt es in einer Aussendung der (für Antidiskriminierung zuständigen) SP-Stadträtin Sandra Frauenberger anlässlich der Regenbogenparade. Heuer wurde das „Pride Village“ erstmals auf dem Rathausplatz veranstaltet; insgesamt fand diese fünftägige Info-Kampagne zum zweiten Mal statt.

Und selbst in der Volkspartei gebe es Bewegung, sagt der Psychotherapeut Johannes Wahala, der die Beratungsstelle „Courage“ für gleichgeschlechtliche Lebensweisen leitet. Immer mehr Politiker würden ihm hinter vorgehaltener Hand erzählen, dass sich ihre Partei öffnen müsse. Öffentlich und ernsthaft werden derzeit auch die Fragen diskutiert, ob Adoptionen und künstliche Befruchtungen für homosexuelle Paare zugelassen werden dürfen und sollen. Zumindest seit 2010 können sich Lesben und Schwule „verpartnern“ lassen. Bis Ende 2011 sind 1138 Paare eine eingetragene Partnerschaft eingegangen, davon waren 709 männlich.

Dabei impliziert bereits die viel zitierte Bezeichnung „Homo-Ehe“, dass es sich hierbei um keine vollständige Gleichstellung zur konventionellen Ehe handelt. Statt eines „Familiennamens“ haben homosexuelle Paare einen „Nachnamen“. Die Verpartnerung findet nicht auf dem Standesamt, sondern in der Bezirkshauptmannschaft bzw. im Magistrat statt. Daher ist die Homo-Ehe für die Betroffenen ein wunder Punkt. „Im rechtlichen Bereich gibt es noch viel zu fordern“, sagt Christian Högl, Obmann der Homosexuelleninitiative Wien (Hosi).

Die zweite große Baustelle sehen viele Betroffene bei der Bekämpfung von Homophobie. „Wir hören ja immer noch Äußerungen vom rechten Rand und von religiösen Fundamentalisten“, sagt Schreuder. Und in den Schulen werde „schwul“ als Schimpfwort benutzt. Veranstaltungen wie die Parade seien daher durchaus auch weiterhin als Protest zu verstehen. Oder wie Wahala sagt: „Wir sind bei Weitem noch nicht in einer Gesellschaft, die sich der Vielfalt der geschlechtlichen Identitäten geöffnet hat.“

Stolz der Community. Aber – und da sind sich die meisten einig – man befindet sich auf dem richtigen Weg. In Wien werden Demonstranten und Teilnehmern der Parade keine Steine und Schimpfwörter nachgeworfen, im Gegensatz zur „Rainbow Pride“ im nahen Bratislava. Die prekäre Situation der homosexuellen und Transgender-Personen in Osteuropa wird daher von den Wienern verstärkt ins Visier genommen: Ihre Stadt soll als Musterbeispiel etabliert werden, einerseits für den Stolz der Community, andererseits für den offenen Umgang der Gesellschaft mit Homosexualität.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2012)

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15 Kommentare
Gast: Jacqi
22.06.2012 18:03
0 1

Nicht nur Schwule auf der Regenbogenparade.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Vielen Dank für Ihre ausführliche Berichterstattung über die Regenbogenparade. Dennoch möchte ich einen großen Kritikpunkt anbringen: die Überschrift. Auf der Regenbogenparade waren zwar sehr viele Schwule, aber auch Lesben und Transgender-Personen. Ich finde, dass alle Gruppen es verdient haben, im Titel erwähnt zu werden. Bezeichnungen wie Queer-Community wären passender, da er alle "Gruppen" miteinschließt. Außerdem ging es bei der Parade sehr wohl um Protest bzw. Sichtbarsein , denn Schwule, Leseb und Transgender-Personen werden immer noch diskriminiert, wenn auch anders als vor einigen Jahren.
Mit freundlichen Grüßen, Jacqi.

Wien

Ist Anders ;D

Gast: globetrotterneu
17.06.2012 21:30
3 0

Ist mir egal

Ist ja niemand gezwungen teilzunehmen.

Soll jeder tun, wie er will ...

Gast: Beno
17.06.2012 18:36
26 16

es wird Zeit

ausdrücklich hetero-parties zu veranstallten

16 1

Re: es wird Zeit

Hetero Parties gibt es an jeder Ecke

Wenn Sie einen Bedarf sehen warum veranstalten Sie denn keine?

Antworten Gast: bekennender Hetero
18.06.2012 00:21
18 3

Re: es wird Zeit

Es tut mir leid, wenn Sie auf keine Partys eingeladen werden. Hab mir die Parade überigens live angeschaut und mir hat´s auch gefallen.

Re: es wird Zeit

Wer hindert Sie daran?

17 7

Wo bleibt die Solidarität mit jenen, die in vielen Teilen

der Erde genau deswegen unter die Räder kommen?

Antworten Gast: habe mir die Parade angesehen
17.06.2012 18:41
28 5

Re: Wo bleibt die Solidarität mit jenen, die in vielen Teilen

Ich war auf der Parade und es sehr wohl auch Solidarität mit Ländern gegeben, in denen die Lebensbedingungen der Menschen schlechter sind. So hat es Plakate und Info etwa zur Situation in der Türkei gegeben und ich denke solche Länder sollte sich niemand zum Vorbild nehmen…

17 1

Diese Freiheit gibt es nicht in allen Ländern -

das ist vielleicht noch nicht allen bekannt.

Sehr guter, differenzierter Artikel!

Danke!

76 82

Worauf sind die Teilnehmer


bei der Homo-Parade wirklich so stolz?

auf die erkämpften rechte.

haben sie sonst noch fragen?

Antworten Gast: lofton
17.06.2012 16:23
57 26

Re: Worauf sind die Teilnehmer

Im Gegensatz zu ihnen haben sich diese Leute über Jahre hinweg Akzeptanz in der zivilisierten Gesellschafft "erstritten".

Im Gegensatz dazu wurden im selben Zeitraum, für Leute wie Sie,anonyme Foren geschaffen, wo Sie herumbrüllen können und keinen interessiert es.

Keine Parade,keine Party,keine öffentliche Resonanz kein gar nichts für anonyme Forenbrüller in der zivilisierten Welt.

Denken Sie mal darüber nach,kleiner Mann.

48 14

Re: Worauf sind die Teilnehmer

auf die in den vergangenen 20 jahren erkämpften rechte.

diese information kann man - die fähigkeit zu sinnerfasstem lesen vorausgesetzt - schon aus dem text rausbekommen...