Wien/Kb. Sie müssen von einem Vorort Wiens zu einem Termin in einem der inneren Bezirke. Bis an den Stadtrand fahren Sie mit dem Auto. Dort zeigt Ihnen eine App auf Ihrem Smartphone, auf welcher Route Sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am schnellsten zur gewünschten Adresse gelangen und in welchem nahe gelegenen Parkhaus Sie Ihren Wagen zurücklassen können.
Mit einem Knopfdruck reservieren Sie den Abstellplatz – vom Eingang des Parkhauses aus steuert das Auto selbst seinen Platz an – und bezahlen gleichzeitig das Ticket für die U-Bahn-, Straßenbahn- oder Busverbindung, die Sie benutzen. An der Endstation angelangt, leitet Sie das Navigationssystem auf Ihrem Smartphone die letzten paar Meter zu Fuß an Ihr Ziel. Nach demselben Prinzip fahren Sie zurück und haben die Strecke am günstigsten, schnellsten und umweltfreundlichsten zurückgelegt.
„Dieses Szenario dürfte in Großstädten in fünf Jahren Realität sein“, prophezeit Pim van der Jagt, Geschäftsführer des Ford-Forschungszentrums Aachen, am Rande des ÖAMTC-Forums „Mobilität in der Zukunft“ an der TU Wien. Intelligentere Systeme und ein optimales Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln, um Zeit und Treibstoff zu sparen, sind für ihn in der Zukunft die größten Herausforderungen in Sachen Mobilität – insbesondere in immer größer werdenden Mega-Citys.
Auto als Statussymbol
„Als Automobilindustrie stehen wir natürlich gut da, in den Boom-Regionen Asiens und Südamerikas könnte es schon bald bis zu 400 Autos pro 1000 Einwohner geben“, sagt van der Jagt. Außerhalb Europas und den USA stelle das Auto immer noch ein enormes Statussymbol dar.
Für junge Leute in China und Indien sei es enorm wichtig, einen ausländischen Wagen zu fahren. Und durch den wachsenden Wohlstand könnten sich auch immer mehr einen leisten. „Aber es muss auch sichergestellt sein, dass diese Autos rasch und effizient durch die Stadt kommen.“ Daher brauche es langfristige Konzepte, die den Menschen attraktive Wahlmöglichkeiten bieten und den Umstieg zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln einfach und bequem gestalten. Ein Patentrezept für alle Verkehrsprobleme gebe es freilich nicht.
Eine Stadt voll mit Elektromobilen? Bei Preisen von bis zu 50.000 Euro pro Stromtankstelle eine finanzielle Belastung für Kommunen, die selbst vor der Eurokrise nicht zu stemmen gewesen wäre. In der Innenstadt selbst, etwa in Metropolen, die aufgrund ihrer topografischen Lage besonders unter Feinstaub leiden, vielleicht, so van der Jagt.
Mit Hybridfahrzeugen könnten weitere Wege in die Städte mit konventionellem Antrieb bewältigt werden, wo dann auf Strom umgestellt wird. Doch auch dies sei keine Universallösung, wird doch in derartige Fahrzeuge – ökologisch betrachtet – mehr hineingesteckt, als sie wirklich einsparen. Hier sähe die Bilanz sehr kleiner, leichter Fahrzeuge mit hubraumschwachen Motoren viel besser aus. Allerdings sind auch diese Antriebe technisch sehr aufwendig und nur teuer herzustellen.
„Attraktive Alternativen“
Auch Gabriele Gerhardter von der Abteilung Innovation und Mobilität des ÖAMTC bekräftigt die Notwendigkeit, dass der Umstieg und die Verbindung zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln „einfach und komfortabel“ sein müsse. Ein Park-and-ride-Parkhaus würde nicht angenommen, wenn es dunkel und zu weit von der U-Bahn-Station entfernt sei.
Zudem würden die Menschen nicht gleich auf ihr Auto verzichten, auch wenn sie damit in den Städten immer weniger fahren. Mit Verboten oder hohen Gebühren lasse sich nichts bewirken – dies hätte nur eine soziale Selektion zur Folge. Man müsse attraktive Alternativen bieten und sie den Menschen schmackhaft machen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2012)
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