Ermüdung im Cockpit ist ein reales Problem, zeigt eine aktuelle Studie der österreichischen Piloten-Vereinigung "Austrian Cockpit Association" (ACA). Zwei Drittel aller Piloten fühlten sich an Board hin und wieder zu müde für den Dienst im Cockpit. Ein Drittel aller österreichischen Piloten ist laut der Studie sogar schon einmal im Cockpit eingeschlafen, ohne dass es vorher abgesprochen worden wäre. Der Pilotenverband forderte daher die Politik bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien auf, bei den Dienstzeiten aktiv zu werden.
In der Umfrage unter 422 Piloten zeigt sich, dass Müdigkeit im Cockpit ein großes Problem darstellt. Grund dafür seien unregelmäßige und zu lange Dienstzeiten, so der Piloten-Verband. Die derzeitige "Luftverkehrsbetreiberzeugnis-Verordnung" erlaube eine von der Tageszeit abhängige maximale Flugdienstzeit von 14 Stunden. 44 Prozent der Piloten halten die bestehenden Regeln für ein mittelmäßiges oder schwerer Sicherheitsrisiko. Ermüdung im Dienst (35 Prozent) und zu lange Dienstzeiten (23 Prozent) waren die Top-Antworten bei der Frage nach den größten Problemen mit der aktuellen Regelung. Nur zwölf Prozent der Piloten sehen dabei aktuell keine größeren Probleme.
Die Frage, ob Übermüdung schon einmal der Grund eines sicherheitsgefährdenden Fehlers war, bejahten 23 Prozent der Befragten, erklärte der für die Studie verantwortliche Luftfahrtpsychologe Alois Farthofer.
Enormer Leistungsabfall
Mit zunehmender Müdigkeit treten Symptome und Leistungsabfälle auf, die mit den Effekten von Alkoholisierung vergleichbar sind. Nur unter optimalen Bedingungen mit Dienstbeginn am Vormittag gelten 12 bis 14-Stunden-Dienste als sicher. Laut ACA erhöht sich schon bei einem Flugeinsatz über 13 Stunden das Unfallrisiko um mehr als das Fünffache verglichen mit einer neunstündigen Schicht. Pausen würden das Problem nur teilweise entschärfen. Denn fehlende Schlafmöglichkeiten würden die erforderliche Erholung verhindern.
“Wir erwarten, dass Frau Ministerin (Doris, Anm.) Bures auf EU-Ebene und im Verkehrsministerrat sichere Regeln einfordert. Jetzt zu schweigen, und sich dann auf 'die EU' auszureden, wäre der falsche Weg”, forderte ACA-Vizepräsident Siegfried Lenz mit Blick auf eine geplante EU-weite Regelung. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) soll bis Ende des Jahres einen endgültigen Entwurf für eine EU-weite Neuregelung der Flug-, Dienst- und Ruhezeiten entwerfen. Die bisherigen Pläne seien aus Sicht von Experten nicht befriedigend. 81 Prozent der österreichischen Piloten erwarten eine weitere Verschlechterung. 44 Prozent halten bereits die bestehenden Regelungen für ein mittelmäßiges oder schweres Sicherheitsrisiko.
Unterschiedlichen Verträge der Piloten mit ihren Airlines innerhalb der EU würden aber zu vermehrtem Druck auf die Piloten führen. “Es darf keinen Wettbewerb auf Kosten der Sicherheit geben – sichere Dienstzeiten müssen für alle Airlines gelten und sind wettbewerbsneutral”, unterstützte Philip von Schöppenthau, Generalsekretär der European Cockpit Association, die Anliegen seiner österreichischen Kollegen.
(Red./APA)
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