Wien. Ist es ein Sturm im Wasserglas, oder wird man in der Gastronomie für Leitungswasser künftig vermehrt zahlen müssen? Seit Jahren gibt es angesichts zunehmender Wasserbestellungen durch die Kunden die Debatte, ob man nicht für Leitungswasser auch etwas verlangen könne. Einige Gastronomen sagen Ja. Bisher gab es immer wieder Proteste gegen solche Pläne, jetzt aber dürfte die Diskussion wieder in Gang kommen.
Der Auslöser ist die geplante Aktion eines neuen Vereins namens „Besseres Wasser“, der den Rohstoff Wasser nach eigenen Angaben in den Mittelpunkt stellen und die Wertschätzung dafür erhöhen will. Geschehen soll dies durch das Projekt „Wasserspende“. Dieses sieht vor, dass während eines definierten Aktionszeitraumes in den Gastronomiebetreiben, die an der Aktion teilnehmen, Leitungswasser nicht gratis ist, sondern mit einer Spende von einem Euro pro halbem Liter abgegolten wird. Dem Gast wird mitgeteilt, dass ihn das Wasser etwas kostet – und er kann entscheiden, ob er es dennoch nimmt. Allerdings, und das ist der Unterschied zu früheren Aktionen, gehen die Einkünfte an den Verein, der dies für internationale Wassserschutzprojekte, etwa Brunnenbau in Sierra Leone, ausgeben will. Motto: Wasser trinken, Geld spenden und damit wiederum Trinkwasser spenden.
Vorbild Schweiz
Ob wieder ein Aufschrei erfolgt, bleibt abzuwarten. Bernd Querfeld, Chef einer Kaffeehausgruppe in Wien mit dem Galions-Café Landtmann, sieht schon Diskussionen herandräuen und ist bemüht, ein Missverständnis auszuräumen. „Das Glas Wasser zum Kaffee ist Wiener Tradition und Teil der Gastfreundschaft – und wird selbstverständlich nicht verrechnet.“ Was die Spendenaktion betrifft, ist sich Querfeld nicht sicher, wie sie bei den Kunden ankäme. Jedenfalls nehmen seine größeren Betriebe – das Landtmann, Mozart, Museum etc. – nicht an der Aktion teil, sondern nur das Café Hofburg im inneren Burghof. Das Vorbild für die Aktion stammt aus der Schweiz. Dort gibt es das „drink and donate“ schon länger. Für einen halben Liter „Züriwasser“ werden drei Franken bezahlt. Details über teilnehmende Betriebe wollen die Organisatoren heute bekannt geben.
Querfeld spricht von einer „interessanten Aktion“, die auch ein Test sei, ob Menschen zu zahlen bereit wären, wenn es um eine soziale Sache geht. Für die Gastronomie ist kostenloses Wasser oft ein Ärgernis. Denn es bedeutet nicht nur Aufwand, sondern auch Einnahmenentgang durch Nichtkonsumation anderer Getränke.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)
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