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Sturm im Wiener Glas: Aus für Gratis-Leitungswasser?

20.06.2012 | 18:35 |  GERHARD BITZAN (Die Presse)

Zum Kaffee gibt es Wasser weiterhin gratis. Ein Testprojekt versucht aber auszuloten, ob Kunden bereit sind, für Soziales Geld zu geben. Auslöser ist die Aktion eines neuen Vereins namens „Besseres Wasser“.

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Wien. Ist es ein Sturm im Wasserglas, oder wird man in der Gastronomie für Leitungswasser künftig vermehrt zahlen müssen? Seit Jahren gibt es angesichts zunehmender Wasserbestellungen durch die Kunden die Debatte, ob man nicht für Leitungswasser auch etwas verlangen könne. Einige Gastronomen sagen Ja. Bisher gab es immer wieder Proteste gegen solche Pläne, jetzt aber dürfte die Diskussion wieder in Gang kommen.

Der Auslöser ist die geplante Aktion eines neuen Vereins namens „Besseres Wasser“, der den Rohstoff Wasser nach eigenen Angaben in den Mittelpunkt stellen und die Wertschätzung dafür erhöhen will. Geschehen soll dies durch das Projekt „Wasserspende“. Dieses sieht vor, dass während eines definierten Aktionszeitraumes in den Gastronomiebetreiben, die an der Aktion teilnehmen, Leitungswasser nicht gratis ist, sondern mit einer Spende von einem Euro pro halbem Liter abgegolten wird. Dem Gast wird mitgeteilt, dass ihn das Wasser etwas kostet – und er kann entscheiden, ob er es dennoch nimmt. Allerdings, und das ist der Unterschied zu früheren Aktionen, gehen die Einkünfte an den Verein, der dies für internationale Wassserschutzprojekte, etwa Brunnenbau in Sierra Leone, ausgeben will. Motto: Wasser trinken, Geld spenden und damit wiederum Trinkwasser spenden.

 

Vorbild Schweiz

Ob wieder ein Aufschrei erfolgt, bleibt abzuwarten. Bernd Querfeld, Chef einer Kaffeehausgruppe in Wien mit dem Galions-Café Landtmann, sieht schon Diskussionen herandräuen und ist bemüht, ein Missverständnis auszuräumen. „Das Glas Wasser zum Kaffee ist Wiener Tradition und Teil der Gastfreundschaft – und wird selbstverständlich nicht verrechnet.“ Was die Spendenaktion betrifft, ist sich Querfeld nicht sicher, wie sie bei den Kunden ankäme. Jedenfalls nehmen seine größeren Betriebe – das Landtmann, Mozart, Museum etc. – nicht an der Aktion teil, sondern nur das Café Hofburg im inneren Burghof. Das Vorbild für die Aktion stammt aus der Schweiz. Dort gibt es das „drink and donate“ schon länger. Für einen halben Liter „Züriwasser“ werden drei Franken bezahlt. Details über teilnehmende Betriebe wollen die Organisatoren heute bekannt geben.

Querfeld spricht von einer „interessanten Aktion“, die auch ein Test sei, ob Menschen zu zahlen bereit wären, wenn es um eine soziale Sache geht. Für die Gastronomie ist kostenloses Wasser oft ein Ärgernis. Denn es bedeutet nicht nur Aufwand, sondern auch Einnahmenentgang durch Nichtkonsumation anderer Getränke.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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191 Kommentare
 
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Ich finde es gut

dass auf der Seite http://www.wasserspende.at jene Lokale veröffentlicht werden, welche die "Zwangsspende" einheben. Ein Tipp: Einfach nicht hingehen!

Die Liste (Stand heute):

Café Hofburg1010 Wien, Hofburg - Innerer Burghof
Cafe-Konditorei Mayer 1180 Wien, Wallrißstraße 94
Demmer Teehaus 1130 Wien, Hietzinger Hauptstraße 22 (Ekazent)
Demmer Teehaus am Naschmarkt1060 Wien, Linke Wienzeile 4/2
Die Wäscherei1080 Wien, Albertgasse 49
Lavanderia Pizzeria -Trattoria1080 Wien, Albertgasse 51
Neni am Naschmarkt1060 Wien, Naschmarkt 510
Neni im Zweiten1020 Wien, Praterstraße 1
TEL AVIV BEACH1020 Wien, Obere Donaustraße 65
Zanoni & Zanoni1150 Wien, Gablenzgasse 1-3

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Re: Ich finde es gut

Ach ja, ziemlich versteckt, aber doch, findet man im Internet, dass die Hälfte der Spende dem Wirt für seine Mühe verbleibt ....

Gast: gast 09
27.06.2012 15:48
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schnorrer

vielen Dank Carthesian fürs dran bleiben. Offen gestanden, haben es schon Viele satt da noch herumzudiskutieren. Im Gastgewerbe ist nicht viel Gewinn zu machen und es lebt vom Service. Wenn nun die Gäste beginnen Gratisservice als verfassungsrechtlich selbstverständlich zu erachten, und ihre Agressionen am Kellner abladen, läuft etwas schief. Selbstverständlich soll es Wasser gratis dazu geben. Der Ton und das Benehmen und die weitere Konsumation der Gäste spielen dabei aber eine wesentliche Rolle. Und Gäste, die von vornherein schnorrend unangenehm auftreten und dem Gastwirt seinen Umsatz nicht vergönnen, sollten zu Hause bleiben und dort ihr heißgeliebtes Wasser trinken.

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Fair use wäre wünschenswert.

in meinem Heurigen, den ich seit 1994 übernommen habe. Mineral- und Sodawasser ist massiv zurückgegangen. Umsatzverlust bei sieben Öffnungsterminen pro Jahr ca. 15.000 Euro, denn 1Liter Soda- oder Mineralwasser war damals Standard zu jeder Bestellung pro Tisch und das gibt's heute nicht mehr.

Schwangeren, zum Tabletten einnehmen überhaupt kein Problem. Zu einer Flasche Wein - sehr gerne.

Wenn aber die einzige Konsumation von 4 Erwachsene mit 4 Kindern eine Flasche Almdudler (0,35l) und 2 Liter Leitungswasser ist, dann würde ich sehr sehr gerne etwas fürs Leitungswasser verlangen bei einem Rechnungsbetrag von 1,80 Euro und einem verwüsteten Tisch.

Dazu kommt noch in 80% der Leitungswasserbestellungen doppelt laufen zu müssen, weil "haben wir ganz vergessen, bringens uns noch ein Leitungswasser" - das passiert beim Mineralwasser oder Sodawasser nie.

Dann noch die Spezialisten, die ein groooßes Glas Leitungswasser möchten, und beim Abservieren fehlt gerade mal ein Nip - kost ja nix.

Und die Schlauen, die zu einer Flasche Frizzante einen Liter Leitungswasser möchten, mit der Begründung "wissen sie, wir wollen keine Kohlensäure".

Ich kann jeden Gastronomen sehr sehr gut verstehen, der für die Dienstleistung Leitungswasser etwas verlangt, ich trau mich noch nicht, weil ich meinem Personal die Diskussionen bei Tisch ersparen möchte.

Ich gehe selbst gerne weg, und da möchte ich auch Umsatz machen.

Re: Fair use wäre wünschenswert.

"wissen Sie wir wollen keine Kohlensäure" - Antwort: Dann eine 0,7l Stilles Mineral - Sehr gerne :)

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Re: Re: Fair use wäre wünschenswert.

"Nein, Leitungswasser, Mineralwasser ist ja ungesund" ....schon mal als Antwort bekommen :-(

Ein Rechenbeispiel - für alle die sich mit Betriebswirtschaft nicht so gut auskennen:


Grundsätzlich ist zu sagen dass 1€/Wasserglas wirklich übertrieben wäre. € 0,50/0,5L ist jedoch sehr Realistisch für die Manipulation (nennt man einen Konsumationsdurchlauf von Geschirr) eines einzelnen Glases!

Sehen wir uns allein den Personalaufwand des Serviervorgangs an:
• Die Wasserbestellung wird entgegengenommen, (gegebenenfalls gebucht), das Glas wird auf Sauberkeit geprüft, mit Wasser gefüllt und zum Gast gebracht: 1Minute.
• Das Glas wird abserviert (muss gegebenenfalls bei Lippenstiftbefall vor-gereinigt +0,5 Minuten) und in den Geschirrspüler Gestellt. 0,5 Minuten
(Der Geschirrspüler wäscht natürlich nicht gratis. Er leistet im Schnitt 1500Watt (Gläserspüler) und kostet ca. € 6.000 in der Anschaffung)
• Danach wird das Glas poliert und ins Regal geräumt - nochmals 0,5 Minuten/Glas.
• Macht gesamt 2 Minuten Aufwand für ein Glas Wasser.
• Ein "GÜNSTIGER" Kellner kostet dem Gastronom aufs Jahr gerechnet, Pi*Daumen € 20/h sprich €0,33/Minute. Macht einen Wirtschaftlichen Aufwand von € 0,66/Pro serviertem Wasserglas (Miete, Strom, Gas, WASSER, Versicherung, Investitionen, Instandhaltung... nicht mit eingerechnet!)

Wer also findet das €0,50/0,5L Wasser unverschämt sind, hat schlicht keine Ahnung von Betriebswirtschaft. (wie gesagt ist nicht böse gemeint!)

Jeder bekommt sein Wasser

Jeder der in einem Caféhaus oder Restaurant einen Café, Wein o.ä. bestellt wird ein Wasser dazu bekommen. Dies sollte in Österreich zum guten Ton eines Hauses gehören. Und jeder der höflich fragt wird bestimmt gerne ein weiteres Glas zum nachspülen serviert bekommen!

Doch leider gibt es den unverschämten Homo Sapiens. Dieser setzt sich in der Regel hin und pocht auf sein Recht auf einen halben Liter Leitungswasser. Mit etwas Glück bestellt diese Spezies sogar einen Spritzer oder Espresso und natürlich einen weiteren Liter Leitungswasser an dem er/sie dann die nächsten zwei Stunden sitzt.
Vor einigen Jahren waren solche Menschen glücklicher Weise die Ausnahme und wurden schlicht ignoriert. Doch leider haben sich solche präpotenten Schnorrer radikal vermehrt (zumindest in Salzburg) weshalb ich die Überlegung einen kleinen Betrag für das Wasser zu verlangen durchaus nachvollziehen kann.

Wenn Sie nun ein Lokalbesitzer sind und in der Innenstadt €10.000 Miete für ein kleines Altstadtcafé hinblättern und das halbe Café ist gefüllt mit nicht konsumierenden Langzeitsitzern die vielleicht sogar noch ihr eigenes Essen auspacken (!), können Sie Sich soviel Nächstenliebe schlicht nicht mehr leisten!

Gast: 2Cent
22.06.2012 06:11
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Wenn ich etwas spenden möchte,

dann fülle ich einen Erlagschein aus. Das Einheben von "Zwangsspenden" würde ich mir auf's entschiedenste verbitten.

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es geht auch anders

es geht auch anders- es gibt Cafés in Wien. die auf die Bitte "um ein großes Glas Wasser zum Kaffee" eine Karaffe Wasser servieren-dafür gibt es dann auch ein anständiges Trinkgeld

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es geht auch anders

es geht auch anders- es gibt Cafés in Wien. die auf die Bitte "um ein großes Glas Wasser zum Kaffee" eine Karaffe Wasser servieren-dafür gibt es dann auch ein anständiges Trinkgeld

Missbrauch der Rechte eines Cafetiers?


Glaub nicht, dass Herr Querfeld das "Spendengeld" irgendwann für sich selbst einsacken würde. Als zahlender Gast könnte man sich aber zu dieser "Spende" genötigt sehen.

Wenn im Beisl für das Wasser etwas verlangt wird, geht das imho in Ordnung. Wenn man aber nach dem Spießrutenlauf durch die Menge der professionellen Bettler aus dem früheren Ostblock seine Ruhe sucht, um ausgerechnet im Kaffeehaus, einem Hort der friedlichen Beschaulichkeit, erst wieder zur Spendenkasse getreten zu werden, dann schaut's schon sehr traurig aus.

Wenn es möglich ist, gibt wohl jeder von uns gern. Aber andauernd quasi überfallen, oder zu etwas genötigt zu werden, kann nicht der Sinn der Sache sein.

Trotzdem: Abzocke ist's keine. Die betreibt unsere Stadtverwesung mit nicht nachvollziehbaren Gebührenerhöhungen für Ab(Wasser), obwohl die Wasserwerke hoch in den schwarzen Zahlen bilanzieren.

gratis? nix Wert?

wem- und vorallem bei uns in Österreich- ein gutes Glas Wasser nix Wert ist- der möge auf den nächsten Regen warten und au'sn Rinnsall saufen (solche Lebewesen verdienen sich nicht einmal eine gereinigte Klomuschel)!

Zwangsbeglückung!

"Dem Gast wird mitgeteilt, dass ihn das Wasser etwas kostet – und er kann entscheiden, ob er es dennoch nimmt.". Was soll das? Ich bin zwar absoluter Nicht-Wassertrinker, aber hier geht es ums Prinzip. Hier soll unter einem "Spendenmantel" abgezockt werden.
Ich empfehle jeden mündigen Gast Lokale zu meiden, die sich an dieser "Aktion" beteiligen.
Sonst fällt unseren Freunden auch noch ein für den Milchschaum auf der Melange eine extra Pflichtspende zu leisten.

Gast: Adr
21.06.2012 16:33
8 4

Okay,

aber dann gibt es kein Trinkgeld. Halte ich schon jetzt in jenen Lokalen so, die sich das Glas Wasser zumn Kaffee überhaupt ersparen!

Der Narren-Umkehrschluss

Das ist ja so als würde man den Sklaven dafür bestrafen dass er Sklave ist.
Wenn Sie so ein großes Problem damit haben, dann sollten Sie soviel Rückrad aufbringen und sich bei der Geschäftsleitung persönlich beschweren und nicht die Hand bestrafen die Sie Füttert!
Trinkgeldentzug ist durchaus legitim, jedoch ausschließlich aufgrund von schlechtem oder unhöflichem Service. Menschen die jedoch notorisch den Kellner für Fehler der Geschäftsleitung bestrafen und damit lediglich ihr schlechtes Benehmen bzw. ihre Dummheit zum Ausdruck bringen, warten in der Regel wesentlich länger als andere Gäste...

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Re: Der Narren-Umkehrschluss

sehe ich nicht so. der kellner hat die pflicht (auch im eigenen interesse um den arbeitsplatz), den unmut der gäste dem lokalbetreiber vozutragen und ihn damit zu veranlassen, für das wohlbefinden der gäste sorge zu tragen. dies würde neben dem zuwachs an gästen auch mehr konsumation und trinkgeld für den kellner bedeuten.

Re: Okay,

Die Kellner zu bestrafen scheint mir der falsche Weg zu sein.

Re: Re: Okay,

Wieso? Ein guter Kellner bringt anstandslos und UNAUFGEFORDERT das Gratis-Glas Wasser zum Kaffee mit. So habe ich zumindest die "Wiener Kaffeehauskultur" verstanden.

Re: Re: Re: Okay,

Ein guter Kellner hat sich auch an Richtlinien des Chef zu richten. Glauben Sie mir, nicht Kellner machen die Preise, sondern immer noch der Wirt.

Re: Re: Re: Re: Okay,

I bin a Kniera ..... Drum ko da Kellner ned de Goschn gegenüber dem Chef afmochn???

(Hey Oida, seid deina Idee ho i ka Trinkgeld mehr???)

Re: Re: Re: Re: Re: Okay,

Also soll es erst der Kellner ausbaden? Sehe ich anders.

Re: Re: Re: Re: Okay,

Ja geanu, und deswegen empfehle ich derartige Nepp-Lokale zu meiden.

Re: Re: Re: Re: Re: Okay,

Also bestrafen Sie Angestellte dafür dass sie ihrer (harten!) Arbeit nachgehen? Welch Logik... Zeigen Sie Rückrad und adressieren Sie ihren Zorn an der Richtigen Stellen - der Geschäftsleitung. Alles andere wäre einfach nur feige.

Schnorrerei aufhören

Sollens halt beim Kaffee 10ct oder 20 ct drauflegen, wenns schon müssen, und dieser Betrag ist dann dieses alberne Wassergeld. Dieses kleinkarierte extra das noch ein bisschen, und für das auch noch, vielleicht sollte man den Toilettengang im Cafe auch noch extra was zahlen ... ist einfach nur peinlich und ärgerlich.

Re: Schnorrerei aufhören

Wasser zum Café ist Standard, falls Sie das nicht bemerkt haben. Es geht um die exzessiven Wassertanker die Stundenlang einen Tisch blockieren ohne zu konsumieren. Jeder der einen Hauch Ahnung von Betriebswirtschaft hat wird das verstehen.

Es gibt natürlich auch Betriebe die Gar kein Wasser servieren, weil Sie sich mehr Umsatz durch Mineralwasser erhoffen - was ein Trugschluss ist. Solche (zum Glück seltenen) Fälle kann man ja meiden.

 
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