Studie: Jeder Vierte erlebt Gewalt in Schule

20.06.2012 | 18:35 |  IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Nicht nur Mitschüler zeigen aggressives Verhalten, auch Lehrer. In der AHS ist der Umgang friedlicher als in polytechnischen Schulen. Schüler mit Migrationshintergrund sind öfters Opfer der Gewalt.

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Salzburg/Wien. Schubsen, stoßen treten – immer wieder werden Schüler in Österreichs Schulen handgreiflich oder sind selbst das Opfer von Gewalt. Erst am Dienstag hatte ein zwölfjähriger Schüler aus Wels eine Drahtspule aus dem Physiksaal gestohlen – um sie einem Kollegen als Schlinge um den Hals zu legen und leicht zu spannen. Als sein ein Jahr älterer Mitschüler über Schmerzen am Hals und Taubheit in den Armen klagte, drehte ihm der Jüngere noch den Kopf ruckartig zur Seite. Der 13-Jährige wurde am Schulhof erstversorgt und in eine Klinik gebracht. Er dürfte eine Zerrung der Halswirbelsäule erlitten haben.

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Jeder vierte männliche 15-Jährige wird innerhalb eines halben Jahres zweimal Opfer von Gewalt durch seine Mitschüler. Und jeder Dritte ist in diesem Zeitraum mindestens zweimal Täter. Das besagt eine Zusatzanalyse zur PISA-Studie vom Jahr 2009, die nun in Salzburg präsentiert wurde. 1500 Schüler sind dafür befragt worden.

Allgemein machen Schüler öfter Erfahrung mit Gewalt als ihre Kolleginnen: Zwölf Prozent der Mädchen und 29 Prozent der Burschen sind akut davon betroffen – sei es als Täter oder Opfer. Kinder, die in Streitereien unbeteiligt waren, schnitten beim PISA-Test auch besser ab. Allerdings: Bei Schülerinnen mindert Gewalterfahrung die schulischen Leistungen – bei Schülern konnte man hingegen keinen solchen direkten Zusammenhang feststellen.

Aggressives Verhalten zeigen allerdings nicht nur Mitschüler – auch einige Lehrer würden immer noch Gewalt anwenden: 40 Prozent der Burschen haben laut Studie nach eigenen Angaben zumindest einmal in sechs Monaten derartige Gewalterfahrungen gemacht. Außerdem schauten Lehrer oft weg: Die Schüler gaben jedenfalls an, dass 40 Prozent der Lehrer bei Gewalthandlungen nicht eingriffen.

 

Migranten sind öfter Opfer

Ein für die Autoren der Studie überraschendes Ergebnis: 15-Jährigen mit Migrationshintergrund widerfuhr überdurchschnittlich oft Gewalt. Allerdings sei dieses Ergebnis aufgrund der Stichprobenziehung „mit Vorsicht zu interpretieren“. Eine zweite Zusatzanalyse zur selben PISA-Studie zeigt einen weiteren Trend auf: An Schulen mit strengeren Zugangsvoraussetzungen (wie etwa einer AHS) wird weniger Gewalt ausgeübt als an Schulen, für die keine Zugangsvorausetzungen existieren (Hauptschulen oder polytechnische Schulen).

Dass schlechte Schüler automatisch aggressiver seien, bedeutet dies allerdings nicht: „Es gibt zwar einen Zusammenhang, aber einen derartigen Rückschluss kann man nicht ziehen“, meint Silvia Bergmüller, Co-Autorin der Studie. Eine mögliche Erklärung wäre, dass ein Lehrer in einer Klasse mit hoher Gewaltbereitschaft viel Zeit für die Disziplinierung aufbringen muss, die sonst in den Unterricht investiert werden könnte. Eine mögliche Lösung sei etwa, die Selektion im österreichischen Schulsystem nach hinten zu rücken. „Dann könnten Schüler länger als durchmischte Gruppe unterrichtet werden.“

Allerdings: Das aggressive Verhalten der Schüler hat im Laufe der Zeit nicht zugenommen. Den Teilnehmern der Studie wurden nämlich dieselben Fragen wie in einer TIMSS-Studie aus dem Jahre 1995 gestellt – mit ähnlichen Ergebnissen. Und auch knapp 60 Prozent der befragten Schulleiter gaben an, dass physische Aggression nicht zugenommen habe – was aber keinesfalls Anlass zur Entwarnung geben dürfe.

 

26 Polizeieinsätze im Vorjahr

Die Polizei musste im vergangenen Jahr in Österreich übrigens 26-mal in Schulen einschreiten. Dabei handelte es sich um Amokdrohungen oder um bedrohliches Verhalten einzelner Schüler (siehe auch unten stehenden Bericht).Von den 26 Einsätzen betrafen zwei steirische Schulen, zu den restlichen 24 rückte die Polizei in Wien aus. Die meisten Einsätze – nämlich je drei – gab es in den Bezirken Wieden, Favoriten, Döbling und Floridsdorf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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  • Polizei setzt auf Prävention

    Bild: (c) Dapd (Ronald Zak) Exekutive arbeitet bei Gewaltandrohungen an Schulen eng mit Psychologen und Jugendamt zusammen. In der Wiener Polizei beschäftigen sich speziell geschulte Beamte des Landeskriminalamtes mit dem Problembereich.

  • Wo beginnt Gewalt?

    Laut Studie wird ein Viertel der Kinder in der Schule Opfer von Gewalt.

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42 Kommentare
 
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wo fängt Gewalt an?

Das vorher erwähnte Schicksal ist natürlich tragisch, aber ich denke man sollte ein Gerangel unter den Kindern nicht überbewerten. Solange keine ernsthaften Verletzungen entstehen ist es ja nicht schlimm.

Wie ich jung war hab ich auch mit meinen Mitschülern gerauft. Manchmal zum Spaß und manchmal im Ernst. Solange es nicht ausartet ist es meiner Meinung nach vollkommen normal.

wie bitte?

"Die Schüler gaben jedenfalls an, dass 40 Prozent der Lehrer bei Gewalthandlungen nicht eingriffen."

das kann ich mir beim besten willen nicht vorstellen, oder ist die situation in manchen hauptschulen wiens tatsächlich schon so schlimm! ich hoffe es nicht.

Gast: max567
21.06.2012 19:50
6 0

Gender

Wo ist jetzt die Fraktion, die alles mit der Gender-Brille anschaut. Wie warten auf konstruktive Lösungen!

unvollständige Studie

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass diese Studie entweder unvollständig oder gar nur halbherzig durchgeführt wurde.

Wenn die Studienmacher schon selbst ihre Stichprobe in Zweifel ziehen.. naja... was soll man dann davon halten?

Interessant wären z.B. auch Angaben, wie viele Schüler auch zu Hause Gewalt erleben.
Was für Art von Gewalt? Sollte psychische Gewalt (Mobbing) nicht auch zählen? - Wer ist dann Täter bzw. Opfer?
Wo treten die Übergriffe auf? Tatsächlich im Schulgebäude, oder eher irgendwo davor, wo man sich der Zuständigkeit der Lehrer entzieht?

Welche Art von Gewalt üben die erwähnten Lehrer aus? (Gehören meiner Ansicht nach auch entlassen)
Aber zum Ausgleich: Wie viele Lehrer wurden schon von Schülern angegriffen?
(Ich persönlich musste in diesem Jahr schon 2x fliegenden Flaschen und Sesseln ausweichen)

Die in anderen Posts bereits erwähnte Differenzierung nach kulturellem Hintergrund wäre auch nicht unwichtig...

Fragen über Fragen...

Antworten Gast: Gast in Ö
22.06.2012 09:31
0 1

Re: unvollständige Studie

Weder die Gewalt zu Hause, noch die Gewalt welche Kinder gegen Lehrer ausüben, noch die Gewalt die außerhalb der Reichweite der Lehrer stattfindet ist eine Entschuldigung für die Gewalt die in der Schule passiert.
Warum wird nur darüber geschrieben? Es müssten alle Alarmglocken schrillen.
Warum glaubt man, in den Schulen einfach alles sich selbst überlassen zu müssen und sich damit zu begnügen dass man ab und zu einen Zeitungsartikel loslässt?


Re: Re: unvollständige Studie

Ich hab auch nie gemeint, dass man Gewalt an Schulen in irgendeiner Form entschuldigen sollte.

Man sollte aber vorher alle Fakten zu einem Problem kennen, bevor man a) nach Schuldigen sucht und b) Lösungen präsentieren kann.

Ich persönlich glaube nämlich, dass das Thema Gewalt eher ein sozio-kulturelles ist unc weniger ein schulisches. Dort, wo viele Menschen zusammen kommen (Schule), zeigen sich Probleme eben schneller, die Ursache liegt aber woanders.

Es herrscht auf jeden Fall Handlungsbedarf.
Man könnte z.B. alle "Rowdies" von der Schule entfernen. Nur hören die dann nicht auf zu existieren und treiben woanders ihr Unwesen.


1 0

Re: Re: Re: unvollständige Studie

man steckt die rowdies in eine klasse mit den politiker- , künstler- , promikinder und schon wird das problem gelöst sein.

Gast: schlÄchter
21.06.2012 14:25
7 0

sg studienautoren, sg presseredakteurin bonavida!

"Ein für die Autoren der Studie überraschendes Ergebnis: 15-Jährigen mit Migrationshintergrund widerfuhr überdurchschnittlich oft Gewalt. Allerdings sei dieses Ergebnis aufgrund der Stichprobenziehung „mit Vorsicht zu interpretieren“."

und wie siehts auf täterseite aus?

m fragenden g
s.

Gewalt

"15-Jährigen mit Migrationshintergrund widerfuhr überdurchschnittlich oft Gewalt. "

Das lässt darauf schließen, dass sie überdurchschnittlich oft unter sich bleiben....

Gast: 1. Parteiloser
21.06.2012 13:30
0 7

Per Gesetz in die staatliche Obhut und damit per Gesetz der Gewalt ausgesetzt!

Die Masse an Gewalt, auch von Lehrpersonen!, in einem Bildungssystem, welches die Kinder per Gesetz aufsuchen müssen, diese Gewalt zeigt nur das Totalversagen des pragmatisierten Misthaufens.

Wenn 40% der Lehrpersonen Gewalt beobachten, also etwa 50.000 Lehrpersonen!, und nicht einschreiten, dann müssen die Lehrpersonen ethisch vollkommen am Ende sein.

Wenn es so massive Gewalt zwischen den Kindern gibt, dann muss es allgemein ein Riesenproblem bei der Aufsichtspflicht geben.

Wenn man sich klar macht, dass es bei mehr als Mio. Schülern und über 50.000 Schulklassen, nur 26 Polizeieinsätze pro Jahr gegeben hat, dann versagen auch die 30.000 Polizisten vollkommen. Da ist auch nichts von Präventionsarbeit erkennbar, von einer Aufklärung der Gewaltübergriffe (teilweise Straftaten, besonders von Lehrpersonen!) schon gar nichts mehr!

Die Österreicher brennen schon für 125.000 aktive Lehrpersonen bekommen als Gegenleistung aber nur Gewalt und Absolventen, welche immer weniger Fähigkeiten haben.

Die Österreicher brennen auch für knapp 30.000 aktive Polizisten, bekommen aber keinen Schutz von der Polizei. Zwischen 500.000 und 600.000 angezeigte Straftaten sprechen genauso eine deutliche Sprache wir die lächerliche Aufklärungsquote von 40%.

Die Österreicher brennen auch für die Justiz. Diese Totalversager kommen aber nur noch zu 7% an Verurteilung in % der angez. Straftaten. Bei den Korrupten werden nicht einmal 1% überhaupt vor Gericht gestellt!

Zum Kotzen!

1 3

Gewalt an Schulen

gab es schon immer. Nur dass man früher nichts dagegen machen konnte. Heute könnte man. Mit der zur Verfügung stehenden Technologie wäre es denkbar den Unterricht der Kinder wieder in die Familie zu verlagern, wie das natürlich und vernünftig wäre. Dazu gehörte allerdings dass die Familie wieder eine Aufwertung erfährt und die Wirtschaft aufhört die Frauen für den Arbeitsmarkt einzufordern.

Ich weiß, es ist eine revolutionäre Idee, die nur schrittweise umgesetzt werden könnte, vieles müsste im Vorfeld geklärt werden, aber der positive Effekt auf die Gesellschaft würde nicht ausbleiben. Im übrigen würden Lehrer nicht überflüssig werden. Sie würden nur anders arbeiten, ebenfalls zur Verbesserung ihrer Situation.

6 0

Re: Gewalt an Schulen

So revolutionär wie "Die Piraten".
Mütter sollen Schulunterricht geben? Wirklich?
Väter 8 Jahre in Karenz gehen? Wirklich?
Fatima übt gerade Deutsch, und soll ihre 8 Kinder unterrichten? Wirklich?


es feht an härte

heut zu tage haben die Schüler nichts drauf. Sie lernen Gedichte aufsagen und sind nur goschert...

4 0

Re: es feht an härte

es kommt auf die Gedichte an

gewalt in der schule

bei dem, was von oben kommt, müssen auvh die schüler langsam durchdrehen

Gast: Meinhart G
21.06.2012 07:28
8 1

Migranten sind öfter Opfer

Die Überraschung des Tages!!

Zusatz: Sie sind die Ärmsten
die Benachteiligtsten
die am wenigsten Gefördertsten
die ......

0 1

Re: Migranten sind öfter Opfer

man kann auch sagen: " die am Meisten Benachteiligten."

Antworten Antworten Gast: Meinhart G
21.06.2012 10:22
2 0

Re: Re: Migranten sind öfter Opfer

"Yes, Sir"

na das die polizei

in wien am häufigsten anrücken musste wundert mich jetzt aber nicht wirklich !

Die "Studie"

beruft sich auf Befragungen von Schülern...

0 0

Re: Die "Studie"

irgendwo haben sie das ja gelernt.

Re: Die "Studie"

hoffentlich tut sie das!
wen sollte man sonst befragen, wenn es um gewalt gegen schüler geht?

Re: Re: Die "Studie"

Na und de Watschn vom Lehrer gegenüber vom Botschafter is scho vagessn, Gefreiter Falaffel????

Najo, sind auch 90 Prozent Ausländern in den Schulen beheimatet!

Was erwartet man sich da?

ihrem posting nach zu urteilen, kennen sie das problem nur aus weiter ferne...


ein paar jahre mehr hätten ihnen auch nicht schlecht getan.


 
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