Wien. Mit Suchtmitteln lässt sich viel Geld verdienen. Das beweist nicht zuletzt der Reichtum südamerikanischer Drogenbarone. Denn wer süchtig ist kann nicht mehr frei entscheiden, ob er kaufen will – er muss es tun. Von diesem Verhalten profitieren naturgemäß die Produzenten und Händler der Suchtmittel.
Am ausgeprägtesten ist dies bei den illegalen Drogen wie Heroin oder Kokain. Sie machen rasch abhängig und haben einen äußerst hohen Preis. Zwei Faktoren, die Konsumenten oft nicht nur physisch sondern auch finanziell ruinieren. Über das Volumen des illegalen Drogenhandels in Österreich gibt es keine Zahlen. Anhand der Aufgriffe durch die Polizei lässt sich die „Lukrativität“ erahnen. So wurden im Jahr 2005 knapp 530 Kilogramm Heroin und Kokain beschlagnahmt. Am Schwarzmarkt wäre damit ein Erlös von rund 42Mio. Euro erzielt worden.
Bei legalen Produkten gibt es zwar genauere Umsatzzahlen. Allerdings kann hier nicht unterschieden werden, ob die Konsumation im Rahmen einer Suchterkrankung erfolgt ist. Am ehesten trifft dies noch bei Tabakwaren zu. 14 Mrd. Stück Zigaretten gehen pro Jahr über die Tresen der heimischen Trafiken. Weitere zwei Mrd. dürften geschmuggelt und illegal verkauft werden. Im Durchschnitt raucht jeder Österreicher somit rund 2000 Zigaretten pro Jahr. Die Tabakbranche macht damit einen Jahresumsatz von etwa 2,45Mrd. Euro. Seit dem EU-Beitritt sind das Erzeugungs- und das Großhandelsmonopol gefallen. Mit etwa 43 Prozent Marktanteil ist die zum britischen Gallaher-Konzern gehörende Austria Tabak immer noch Marktführer.
Bei alkoholischen Getränken lässt sich natürlich nicht sagen, ob sie von einem Alkoholiker gekauft wurden. Insgesamt werden pro Jahr hierzulande etwa 8,9 Mio Hektoliter Bier und 2,4 Mio. Hektoliter Wein getrunken. Der Lebensmitteleinzelhandel setzt damit 711 Mio. Euro um. Hinzu kommen 174 Mio. Euro, die von den Österreichern für Spirituosen ausgeben werden. Diese Zahlen sind jedoch ohne Einbeziehung der Diskonter Hofer und Lidl, da von diesen Geschäften keine Zahlen bekannt gegeben werden.
2,4 Mio. Spieler in den Casinos
Ein besonders gutes Geschäft ist auch das Glücksspiel. Der heimische Monopolist – die Casinos Austria und die dazugehörenden Österreichischen Lotterien – erzielten 2006 in Österreich einen Umsatz von 2,3 Mrd. Euro. Die zwölf heimischen Spielcasinos wurden dabei von 2,4 Mio. Gästen besucht. Hinzu kommt das in vier Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Steiermark und Kärnten) liberalisierte „Kleine Glücksspiel“ mit Einsätzen von bis zu 50 Cent. 6800 Automaten stehen in den privaten Casinos und Gasthäusern. Zudem erfreut sich auch das Glücksspiel im Internet immer größerer Beliebtheit. Genaue Umsatzzahlen für Österreich werden von den privaten Anbietern in beiden Fällen jedoch nicht bekannt gegeben.
Beim Glücksspiel ist die Suchtbekämpfung durch den Anbieter noch am einfachsten, da sich bei den Casinos die Gäste ausweisen müssen. Sind die Häufigkeit der Besuche oder die Höhe der Verluste auffällig, kann es zu einer Sperrung kommen. 83.000 Österreicher dürfen aufgrund von Sperren nicht mehr ins Casino. Trotzdem gibt es immer wieder Klagen von Spielsüchtigen. Die Casinos zahlen dafür pro Jahr ein bis zwei Mio. Euro an Schadenersatz.
Staat erhält 1,9 Mrd. Steuern
Von Tabak, Alkohol und Glücksspiel profitieren jedoch nicht nur die Unternehmen, sondern auch der Fiskus. Dieser hat alle drei mit zusätzlichen Steuern belegt. Deren Höhe ist sehr unterschiedlich. So macht die Biersteuer bei einem Krügel im Schnitt zwölf Cent aus. Bei einem Päckchen Zigaretten um 3,50 gehen indes allein für die Tabaksteuer zwei Euro an den Finanzminister. Hinzu kommt in beiden Fällen noch die Mehrwertsteuer. Insgesamt erhält der Staat pro Jahr 1,3 Mrd. aus der Tabaksteuer, 320 Mio. Euro aus den Steuern auf alkoholische Getränke und etwa 300 Mio. Euro aus den Glücksspielabgaben.
Mit 2,45 Mrd. Euro Umsatz ist der Verkauf von Tabakwaren der größte Umsatzbringer unter den legalen Produkten, die eine Suchtgefahr bergen.
Der Verkauf alkoholischer Getränke bringt dem Lebensmittelhandel pro Jahr knapp 900 Mio. Euro. Für Roulette und Rubbellose werden 2,3 Mrd. Euro ausgegeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2007)
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