Parlaments-Debatte zum Inzest-Fall: "Brauchen beinharte Strafen"

07.05.2008 | 14:48 |   (DiePresse.com)

Die Regierung hat sich im Ministerrat auf Verschärfungen im Sexualstrafrecht geeinigt. Im Nationalrat werden indes noch weitergehende Maßnahmen diskutiert.

Die Debatte um das Inzest-Drama von Amstetten hat am Mittwoch den Nationalrat erreicht. Die Abgeordneten diskutierten über Maßnahmen, mit denen derartige Fälle künftig besser verhindert werden könnten. Im Zentrum stand dabei eine Verschärfung des Sexualstrafrechts.

Einige derartige Änderungen hatte die Regierung zuvor im Ministerrat beschlossen. Nach der Grundsatzeinigung der Koalition sollen die Tilgungsfristen verdoppelt werden - von 15 auf 30 Jahre. In besonders schweren Fällen soll die Tilgung überhaupt ausgeschlossen werden. Zudem sollen Richter Sexualstraftätern künftig die Ausübung bestimmter Berufe verbieten können.

Das ebenfalls im Jänner in der Koalition vereinbarte Projekt Sexualstraftäterdatei wurde im Ministerratsvortrag nochmals umrissen. Demnach wird es künftig eine zweitgeteilte Datei geben: Im gelben Teil für nicht gefährliche Täter werden alle verurteilten oder untergebrachten Straftäter gespeichert; die Einträge wieder gelöscht, wenn z.B. die Strafe getilgt ist. Im roten Teil (der regelmäßig von Amts wegen überprüft wird, ob ein Eintrag gelöscht werden kann) werden die gefährlichen Täter erfasst. Die Beurteilung, ob ein Täter als gefährlich einzustufen ist, obliegt der BEST. Die Datei wird nicht öffentlich zugänglich sein. Bewährungshilfe und Jugendwohlfahrt sollen online angebunden werden. Auch Schulbehörden und die Jugendanwaltschaften sollen Informationen bekommen können.

Eine Erhöhung der Strafdrohungen wurde noch nicht beschlossen. Darüber wolle man diskutieren, sagte VP-Vizekanzler Wilhelm Molterer. VP-Innenminister Günther Platter und SP-Justizministerin Maria Berger stimmten bei der Debatte im Nationalrat grundsätzlich überein, dass härtere Strafen kommen sollen. Platter forderte "beinharte Strafen". Im Vergleich zu Vermögensdelikten seien die Strafdrohungen für Sexualdelikte teils deutlich zu niedrig.

Strache: Anzeigepflicht im Familienkreis

Der Opposition reichen die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen jedenfalls nicht aus. FP-Chef Heinz-Christian Strache forderte im Nationalrat einmal mehr lebenslang für "solche Menschen". Außerdem sei es "natürlich sinnvoll, bei Triebtätern den Trieb medizinisch abzustellen". Bei höheren Strafen gehe es nicht um eine präventive Wirkung, sondern um Gerechtigkeit, so Strache.

Er forderte außerdem eine Anzeigepflicht auch innerhalb der Familie. Und Experten, die in Bezug auf Sexualstraftäter "Fehlprognosen" gestellt hätten, müssten von der Liste der gerichtlichen Sachverständigen gestrichen werden.

Auch BZÖ-Chef Peter Westenthaler forderte höhere Strafen. Er beharrte auch weiterhin auf seiner Idee einer verpflichtenden Untersuchung von Vorschulkindern auf Anzeichen von sexuellem Missbrauch. Das BZÖ brachte - wie angekündigt - einen Misstrauensantrag gegen Berger ein.

Die Grünen setzen indes vor allem auf Prävention. Obmann Alexander Van der Bellen sprach sich zwar für die Verlängerung von Verjährungsfristen aus. Grundsätzlich sei das Strafrecht allein aber nicht ausreichend - auch mehr Zivilcourage müsse sein. Außerdem brauche man mehr und besser geschulte Kindergärtner und Lehrer. "Es ist nicht so einfach zu erkennen: Was ist los?", so Van der Bellen. Bisher gebe es kaum dahingehende Ausbildung.

Maßnahmen in Begutachtung

Die nach dem Ministerrat bekanntgegebenen Verschärfungen des Sexualstrafrechts sind zu einem guten Teil im Rahmen des Zweiten Gewaltschutzgesetzes schon in Begutachtung. Neu ist nur der Ausschluss der Tilgung in besonders schweren Fällen. Das Maßnahmenpaket soll gemeinsam mit der Sexualstraftäterdatei mit 1. Jänner 2009 in Kraft treten. Die Begutachtung für das Zweite Gewaltschutzgesetz läuft bis 15. Juni.

(Ag/Red.)


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9 Kommentare
 
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Von Gast: adler am 07.05.2008 um 19:42

Von wegen wegsehen

Siehe:
Tirol: Ein Drittel der türkischen Mädchen "verschwindet"
08.11.2007 | 12:49 | (DiePresse.com)

Ein Drittel der türkischen Mädchen in Tirol "verschwindet" laut einer Studie des Arbeitsmarktservice (AMS) Tirol in den zugewanderten Familien. Nur 67 Prozent der 16-jährigen türkischen Mädchen seien in Arbeitsmarkt und Bildung integriert. "Ein Drittel fehlt also, wo sind sie?" fragte die stellvertretende Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice (AMS)

Von Prolet am 07.05.2008 um 18:05
Von MS Deutschland am 07.05.2008 um 16:55

Inzest und Volksglaube

Zitiere den Spiegel zum Thema Inzest: "Selbst die im Volksglauben wurzelnde Furcht vor genetisch-biologischer Schädigung der Nachkommenschaft hat die naturwissenschaftliche Forschung schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts relativiert. Einen Beweis dafür, dass Inzest-Kinder von Eltern, deren Erbanlagen gesund sind, kränker seien oder eher geistig behindert als Kinder Nicht-Verwandter, gibt es nicht."

Nun selbst wenn es zu Erbschäden durch Inzest nach Meinung des Gesetzgebers käme - was offensichtlich nicht stimmt - wäre eine Verschärfung im Strafrecht nur dann sinnvoll, wenn auch die Nichtverhinderung der Vererbung von Erbkrankheiten allgemein ein strafrechtliches Delikt wäre.

Meiner Meinung nach lenkt die Regierung momentan nur absichtlich das Augenmerk weg von der enormen Souveränitätsbeschränkung zum Schaden der Österreicher durch den EU-Vertrag.

Die Aussage Inzest würde Familien zerstören, ist nicht logisch, solange Seitensprünge strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Von phuter am 07.05.2008 um 16:54

Willkommen ...

Im Land der Anlassgesetzgebung, die niemanden etwas bringt aber den Dummerln im Lande die Befriedigung gibt, es würde etwas getan.
Fand z.b. das anti Pumpgun gesetz super. Nachdem man es erlasssen hatte, war es zwar verboten eine Pumpgun die man händisch durchladen muss legal zu erstehen, ein automatisches Schrotgewehr marke Beretta war aber nach wie vor jederzeit legal zu erwerben.

Von Gast: drachir am 07.05.2008 um 15:14

Todesstrafe

Ich sprechs, pardon, ich schreibs einfach her:
Es gehört wieder die Todesstrafe her!
In der USA z.B., wo es bekanntlich die Todesstrafe gibt, gibt es keine Verbrechen mehr!
Daher Todesstrafe auch in Österreich, damit wir genausowenig Verbrechen wie die USA´ler haben!
Des gehört her, gehört es!

Von Alien am 07.05.2008 um 12:51

Ungern gebe ich dem Strache recht.

Ich bin eigentlich der Meinung, daß es bei derartig excessiven Tätern, Mehrfachtätern oder Wiederholungstätern nicht um bestrafen oder bessern geht, sondern einfach darum, diese Verbrecher ein für alle mal von der Straße wegzusperren.
Alternativ kann man dem Täter auch eine freiwillige Kastration vorschlagen.
Es darf einfach nicht sein, daß jemand aus dem Gefängnis entlassen wird und gleich wieder kleine Mädchen vergewaltigt und umbringt.

Antworten Von Gast: violet am 07.05.2008 um 13:47

Freiwillige Kastration?

Und wer schützt dann Mädchen und Frauen vor den herumlaufenden frustrierten "Männern", die ihren Frust und Zorn sowie überschüssige Energien in gewalttätiger Form loszuwerden trachten?

Wünsche mir auch endlich ein verschärftes Sexualstrafrecht. Allerdings auch Maßnahmen zur Prävention. Manche Täter sind eben noch nicht vorbestraft.

Von CONAN THE BARBARIAN am 07.05.2008 um 12:44
Antworten Von Justin am 07.05.2008 um 14:20

Re: na endlich!

Jo, gö?

Hoffentlich gibts noch ein paar Mehr Fälle "Marke Amstetten", damit wir irgendwann, beim 100. anlassbezogenen Gesetz bei Lebenslänglich sind!

 
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