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Lachen über Amstetten? Sightseeing und Kellerwitze

05.06.2008 | 18:25 |  ERICH KOCINA UND GEORG RENNER (Die Presse)

Ein Cover des Satiremagazins „Titanic“ sorgt für Empörung. Der erste Witz über den Inzestfall war es nicht. Amstetten könnte zur Pilgerstätte für Katastrophen-Touristen werden.

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AMSTETTEN/Wien. Josef F. als EM-Maskottchen mit „Trix und Flix“-Frisur – ein Titelblatt des deutschen Satiremagazins „Titanic“ sorgte in den vergangenen Tagen für Aufregung. Hinter der Empörung steht die Frage: Darf man über den Inzestfall in Amstetten lachen?

Ob moralisch verwerflich oder nur schützender Reflex, um das Unvorstellbare zu verarbeiten: neu ist das Phänomen nicht. Denn kurz nachdem der Fall Amstetten publik geworden war, tauchten bereits erste Scherze darüber auf. Da wurde etwa in deutschen Medien über eine Abwandlung der österreichischen Bundeshymne berichtet, die auf den Straßen kursieren sollte – „Land der Keller, zukunftsreich“. Auf der Satire-Website „raketa.at“ taucht bald danach die passende Flagge mit dem Bundesadler im Keller (s. unten) auf.

Während Witze weit jenseits der Schmerzgrenze nur hinter vorgehaltener Hand zu hören sind, sind derlei Kombinationen gerade im Internet einem großen Publikum zugänglich. Per Massensendung werden Texte und Bilder auf Knopfdruck weiter versandt. Und schließlich landen Redewendungen wie „Leichen im Keller“ oder „in den Keller lachen gehen“ als vermeintlich gelungene Scherze im Sprachgebrauch.


Professionelle Respektlosigkeit

Sind Tabus in den anonymisierten Foren des Internet einmal gebrochen, dauert es oft nicht lange, bis auch in Mainstream-Medien damit gespielt wird. Ein Gradmesser dafür ist das Magazin „Titanic“, das nicht nur den Fall Amstetten mit professioneller Respektlosigkeit behandelt. So warnte man etwa Natascha Kampusch in einem fiktiven Brief, dass sie bei einem Flop mit ihrer TV-Show im „Quotenkeller“ landen würde, aus dem man „jahrelang nicht mehr rauskommt“.

Mit Grenzüberschreitungen wie diesen lässt sich aber auch ein Geschäft machen. So veröffentlichten etwa die „Swiss Tenors“ ein Remake von Falcos „Jeanny“ – abgewandelt auf Natascha Kampusch. Auch die Ybbsstraße in Amstetten wurde schon als Pilgerstätte für Katastrophentourismus gehandelt: So titelte die auflagenstärkste britische Tageszeitung, der Daily Telegraph: „Touristen strömen zu dem Horror-Haus“.

In dem Bericht war von deutschen und ungarischen Touristen die Rede, die eigens angereist waren, um das Haus zu sehen; von Sightseeing-Bussen, die in der Ybbsstraße einen Halt eingeplant hatten. Tourismusfachleute mutmaßten, Amstetten könnte eine tragische Pilgerstätte werden, ähnlich dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam oder dem Ground Zero in New York. In Amstetten schüttelt man über derartige Gerüchte den Kopf. Und kann nur bedingt lachen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2008)

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34 Kommentare
 
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Gast: Chilimann
06.06.2008 19:37
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Anstatt...

über Titanic zu jammern, solltet ihr lieber mal auf /b/ bei 4chan.org vorbeischaun.

DORT werden Amstetten-Scherze hart an der Schmerzgrenze gemacht.

Oder zB hier:
http://neispinnsch.blogspot.com/2008/05/metal-gear-fritzl.html

Ändert aber wenig an den Tatsachen und ich hab kein Problem, mich an sowas zu amüsieren.

Antworten POLEMIKER
07.06.2008 16:25
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Re: Anstatt...

Sie sind halt leicht zu unterhalten ...

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Dazu gehört auf der "Titanic" wenig Mut!

Die eigentliche Aufgabe von Satire besteht für mich darin, die "Oberen" durch den Kakao zu ziehen, wenn diese korrupt, machtgierig oder einfach nur blöd sind; kurzum: GEGEN das Volk arbeiten!

Genau DAS ist auch der Grund, warum ich mit deutschen Karnevals-Büttenrednern so meine Probleme habe, wenn sie verbal eher nach unten treten als nach oben ätzen!

Die Causa Fritzl "satirisch auzuarbeiten"; dazu gehört nur wenig Mut. Gegen Politiker und andere Mächtige im EIGENEN Land in ähnlicher Weise vorzugehen, indes schon. Vermutlich gebricht es den "Titanic"-Redakteuren aber an einem solchen und deshalb suchen sie sich Opfer, die ihnen nicht gefährlich werden können.


Antworten Gast: gast0815
08.06.2008 12:04
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Re: Dazu gehört auf der

das macht titanic permanent. nur wenn eine solche tragödie von der boulevardpresse schamlos ausgeschlachtet wird, kann man als gutes satiremagazin garnicht anders als das zu überspitzen.

wie mit dem "skandal" um die madelein mc cann "angebots"-fotos vor ein paar wochen.

geschlagene hunde bellen. die boulevardpresse schreit nur skandal, um ihre eigene, geschmack- und verantwortungslose berichterstattung zu übertünchen.

Antworten Gast: N
06.06.2008 21:23
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Re: Dazu gehört auf der

Sehr treffend formuliert!

Antworten Gast: Weinreisender
06.06.2008 17:46
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Re: Dazu gehört auf der

Sie kennen Titanic einfach nicht

individual
06.06.2008 16:23
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weit bedenklicher als satirische nachbearbeitung von "titanic"

ist der traurige tatbestand wenn einzelne mitglieder der internationalen _journaille_ als voyeure der familie f. hinterher hetzen und diese damit erneut in die isolation drängen:
denn damit erweisen sie sich als "würdige" nachfolger der täters.

die wortwahl fall-amstetten ist absurd. ebenso pauschal einer ganzen stadt oder auch nur der nachbarschaft _danach_ mittäterschaft anzulasten dass sie nicht _vorher_ schon aus der kristallkugel weissagen konnten. denn [mit]schuld ergibt sich ausschliesslich 1. aus der kenntnis um kriminelles tun und 2. es aus dem tatbestand des "mit-wissens" daher nicht verhindert zu haben.

Gast: Weinreisender
06.06.2008 11:19
0 0

Kellerfest in der Kellergasse

Der letzte Besuch in langenlois könnte somanchem übel aufstossen. Eine namhafte Bank sponsert das Kellerfest in der Kellergasse.

Ist dies jetzt verwerflich oder Teil des Alltags? Eine Frage fürs Aufmerksame Forum.

panda82
06.06.2008 11:02
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Wetten, dass...

Österreicher sind kreative Menschen. Fürs Geld tun sie einiges.
Das Haus von Josef F. in Amstetten wird bestimmt bald eine Besichtigungsort sein.
Sie verkaufen ja seit vielen Jahren Sisi & Co.

Antworten Gast: Pandajäger
06.06.2008 13:14
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Re: Wetten, dass...

Liebes Pandabärli,

schreibe deine wirren Kommentare im rosa Blatt - danke !

Gast: Olum C
06.06.2008 10:50
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Die Titanic

beschäftigt wirklich lustige Leute - publiziert aber traditionell auf einem sehr niederen geistigen Niveau. Das Magazin hat Geldsorgen und schafft an - mit allen Mitteln.

Mich ärgert, dass auf diese Weise vielen jungen Lesern die Fähigkeit zum Mitgefühl für die Opfer abhanden kommt.

Mich würde interessieren, wo die "Titanic" oder der "Eulenspiegel" Grenzen setzt? KZ-Witze? Mohammed?

Antworten Gast: dardar
07.06.2008 12:34
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Re: Die Titanic

Josef F. ist doch kein Opfer!

Antworten Gast: egal
06.06.2008 16:56
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Re: Die Titanic

täglich sterben tausende von menschen und tausende werden jeden tag gequält! nur weil das auch in unserer nachbarschaft statt findet soll mich das irgendwie kümmern???
diese scheinheilige, geheuchelte betroffenheit nimmt euch doch eh keiner ab!
und die medien tun nun mal alles für die quote oder auflage, das wird sich nicht ändern!
also erfreut euch weiter an der menschlichen sensationsgeilheit!

Antworten Gast: titanicabonnent
06.06.2008 14:44
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Betreff: Grenzen von Titanic

Bei Mohammed oder KZ-Witzen jedenfalls nicht. Beides schon da gewesen, jeweils lustig gewesen.

Das einem "auf diese Weise" das Mitgefühl abhanden kommen könne ist mir im übrigen neu.

Antworten Gast: Gast
06.06.2008 13:39
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Re: Die Titanic

Mitgefühl für die Opfer ist natürlich etwas gutes aber es passieren täglich viele schlimme bzw. noch schlimmere Dinge, die jedem am A**** vorbeigehen. Deswegen finde ich deine gespielte Besorgnis noch übelerregender als ein Satiremagazin, das nun mal auf SATIRE aus ist.
Nur leider wissen die meisten nicht mal was Satire ist und finden das nur empörend.

Dennoch kann man sehr wohl über solchen Schwarzen Humor lachen und Anteilnahme zeigen. Ich wage es sogar zu behaupten, dass einem das helfen kann darüber hinwegzukommen. Bzw hat jeder seine eigene Methode über solche Dinge hinwegzukommen und sie zu verarbeiten und solange eine gewisse Menschlichkeit und Mitgefühl noch gegeben ist sehe ich keinen Grund, das zu verurteilen.

Merlin
06.06.2008 09:52
0 0

Cool bleiben

Die Kellergeschichten sind zwar furchtbar, ich empfehle dennoch cool zu bleiben. Nüchtern betrachtet hat die Welt tatsächlich leider noch viel existentiellere Probleme. Wer sich vor der Vogelgrippe nicht gefürchtet hat, der muss sich auch vor Österreichs Kellern nicht fürchten.

Gast: Fritz
06.06.2008 09:38
0 0

Locker bleiben

Ich empfehle im Umgang mit der "Titanic" Lockerheit. Die Jungs sind oftmals hart an der Grenze, allerdings geht es meist (wie auch hier) um den Umgang der Gesellschaft, Medien etc. mit solchen Fällen.

Und der war zumindest in Deutschland geradezu widerlich voyeristisch. Insbesondere der Boulevard hat sich mal wieder überschlagen vor lauter Geilheit auf das Skandalöse.

Darüber darf man sehr wohl Witze machen.

harbard
06.06.2008 09:32
0 0

„Titanic“ sorgt für Empörung.

...davon (empörung der anderen medien) leben die ja!

Gast: www.wahlinfo-bayern.de
06.06.2008 09:27
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Haben die Österreicher die Bayern auch nicht mehr lieb?

Die Antwort auf:
www.wahlinfo-bayern.de

Gast: sabina
06.06.2008 08:48
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KEIN Fall Amstetten!!

Nicht nur weil ich aus Amstetten bin finde ich die Bezeichnung "Fall Amstetten" nicht richtig. Es gibt den Fall F. aber nicht den Fall Amstetten!
Kein anderer Amstettner kann etwas dafür, auch wenn es noch so schrecklich und schockierend für uns zu erfahren war. Es sind nicht alle gleich! Wir haben nicht alle ein Verlies im Keller! Wir haben niemanden eingesperrt und missbraucht!
Es war immerhin auch der Fall Kampusch/Priklopil und nicht der Fall Strasshof.
In diesem Sinne möchte ich alle bitten etwas nachzudenken über das, was gesagt wird...
Bitte nicht verallgemeinern!!
Liebe Grüße,
Sabina

Antworten the_fryish
06.06.2008 09:50
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Re: KEIN Fall Amstetten!!

DAS kannst du deinem Keller-Kind erzählen...!!!

Rappelkopf
06.06.2008 08:09
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Natürlich ist das erlaubt. Allerdings ist das Humorziel richtig zu wählen...

Auch der Eulenspiegel, Nebelspalter und Rappelkopf haben den Amstettener Fall als Satiren bearbeitet, nicht nur Titanic.

USA geben Reisewarnung für Österreich aus
http://www.rappelkopf.at/index.php?option=com_content&task=view&id=372&Itemid=1&ed=1

Antworten Gast: dardar
06.06.2008 13:58
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Re: Natürlich ist das erlaubt. Allerdings ist das Humorziel richtig zu wählen...

Es muss doch nicht jedes Magazin erwähnt werden, dass sich um diesen Fall angenommen haben. Vielleicht hätte man den Eulenspiegel oder Nebelspalter erwähnen können, aber Rappelkopf?

Das kennt ja keiner und wie man auf den prominent platzierten Counter sieht hat dieses "Satiremagazin" kaum Besucher

Gast: Novak
05.06.2008 23:13
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Was wirklich zum Lachen ist

Was wirklich nicht zum Lachen ist, ist der Fall in Amstetten, es ist ein trauriger Fall, was wirklich zum Lachen ist, ist das Rauchengesetz, nirgendwo sind die Kinder und schwangere sowie nichtraucher derart den passivrauch ausgeliefert wie in Österreich dank der Ministerin.

Gast: deutscher
05.06.2008 20:57
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schande

wie man an meinem namen recht unschwer erkennen kann, schreibe ich aus dem schönen deutschland! ich möchte mich im namen meiner landsleute für die absolut beschränkten schriftzüge der zeitschrift "titanic" entschuldigen. irgendwann sollte auch die pressefreiheit in deutschland ein ende haben! wegen solcher absolut hirnloser medien werden wir deutschen in ein schlechtes licht gerückt! und wenn man vom thema kindesmissbrauch spricht, möchte ich zu meinen landsmännern sagen: wer im glashaus sitzt, soll nicht mit steinen werfen. also, im namen meiner schönen heimat deutschland möchte ich mich für die hirnlosen schriftzüge dieser zeitschrift entschuldigen. und natürlich (um auch die deutsche arroganz etwas vorzuzeigen): warum macht ihr ösis eigentlich so n wirbel um die EM? weiß doch jeder das wir am ende feiern;)

Antworten Gast: Tucholskeeeee
06.06.2008 23:17
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Äh?!

"irgendwann sollte auch die pressefreiheit in deutschland ein ende haben!"

----Hast du sie noch alle? Hatten wir schon Mal.

Satire darf alles.

 
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