Fall F.: „Amtsgeheimnis verletzt“

03.07.2008 | 19:06 |   (Die Presse)

Anwältin kritisiert Veröffentlichung von Polizeiprotokollen.

Schwere Vorwürfe hat am Donnerstag Eva Plaz, Anwältin von Elisabeth F., in Zusammenhang mit der Berichterstattung im Fall Amstetten erhoben. Sämtliche Fakten, die Elisabeth F. Polizei und Ärzten im Vertrauen erzählt habe, seien an die Öffentlichkeit gelangt. Etliche Personen hätten die Familie benutzt, „um sich wichtigzumachen“, so Plaz. Elisabeth F. erwäge rechtliche Schritte wegen Verletzung von Amtsgeheimnissen.

Nach ihrer Befreiung aus der Amstettner Gefangenschaft wurde Familie F. von der Öffentlichkeit abgeschirmt und hatte keinen Zugang zu Medien. Mittlerweile habe Elisabeth F. aber erkennen müssen, dass beinahe das vollständige Polizeiprotokoll in den Medien veröffentlicht wurde, berichtet die Opferanwältin. Nur ein Satz sei der Öffentlichkeit vorenthalten worden. Den las die Anwältin mit Einverständnis von Elisabeth F. bei der parlamentarischen Medienenquete vor: „Ich verlange, dass keine Daten oder Gesprächsinhalte an irgendwelche Medien weitergegeben werden.“

Geschehen sei das Gegenteil: „Personen haben sich mit Informationen wichtiggemacht, die sie nur aufgrund ihrer beruflichen Position haben konnten“, so Plaz. Diese Bloßstellung habe nicht nur psychische Auswirkungen auf die betroffene Familie F., sondern schüre auch die Angst von Opfern anderer Gewalttaten, bloßgestellt zu werden. „Was sich seit April in den Medien abgespielt hat, hilft den Opfern nicht, es stärkt und schützt vielmehr alle Täter“, klagte Plaz.

Es müsse Aufgabe des Staates sein, diese Bloßstellung zu verhindern, findet die Anwältin. Die Familie müsse vor Paparazzi und Sensationsgier geschützt werden. Auch dies geschehe nicht. Die Familie F. sei bis vor zwei Wochen von gerade einmal einem Polizisten bewacht worden, der dann aber wegen der Personalknappheit durch die Fußball-EM abgezogen wurde, kritisierte Plaz.


Elisabeth F. will „in Freiheit leben“

Sorge bereite der Familie F. auch Josef F.s Plan, seine Geschichte zu vermarkten: Elisabeth F. will das Geschehene unter keinen Umständen „verwerten“, um sich und ihre Kinder nicht zur Schau zu stellen. Elisabeth F. wolle mit ihren Kindern, falls möglich, „in Freiheit leben, frei von Gewalt und ohne benutzt zu werden“. Bei der Enquete warnten Vertreter von Kinderschutzzentren vor unsensibler Berichterstattung. Diese kann bei Verbrechensopfern schwerwiegende psychische Folgeerscheinungen auslösen. apa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2008)


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