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Auch in Holland hat es sich ausgeraucht

30.06.2008 | 18:56 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Am 1. Juli tritt ein strenges Anti-Rauchergesetz in Kraft. 200 Polizisten in Zivil kontrollieren das Rauchverbot in Lokalen. Für Coffee-Shops gibt es jedoch Schlupflöcher.

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Den Haag. Bart drückt seine Zigarette im Aschenbecher aus. Dann gibt er in seiner Haager Stammkneipe eine Runde aus und wirft seine noch halbvolle Zigarettenpackung mit großer Geste auf den Tresen. „Das war die letzte“, kündigt er öffentlich an. „Nach 38 Jahren rauchen ist jetzt Schluss.“

Draußen wartet ein Taxi. Bart verabschiedet sich von den Freunden in seiner Stammkneipe, geht nach draußen und steigt ein. Der Taxifahrer ist instruiert. Es weiß genau, wohin er mit Bart jetzt fahren muss. Das Ziel ist eine Raucherentzugsklinik.

Bart ist nicht der einzige, der sich jetzt von der Nikotinsucht befreien will. Rund 1,5 Millionen Niederländer wollen in den kommenden Tagen und Wochen versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Grund: Am 1. Juli tritt in den Niederlanden das neue Anti-Rauchergesetz in Kraft. Es verbietet das Rauchen dann in allen öffentlichen Räumen vom Bahnhof, dem Rathaus bis zum Krankenhaus und auch in der Gastronomie. Eine eigens gegründete „Raucherpolizei“, der 200 Beamte angehören, wird in Zivil Kneipen, Cafés und Restaurants durchstreifen und kontrollieren, ob das neue Gesetz auch eingehalten wird. Wirten, die das Rauchen in ihren Lokalen weiterhin erlauben, drohen hohe Geldstrafen. Das neue Gesetz gilt landesweit.


Eigene „Kiffkammern“

Es untersagt nicht den Gebrauch von Haschisch oder Marihuana, sondern gilt allein für den Tabakkonsum in öffentlichen Räumen. Üblicherweise wird Cannabis nicht pur geraucht, sondern meist mit Tabak vermischt. Reine Cannabis-Joints können allerdings in rund 700 Coffee-Shops weiterhin geraucht werden. Manche Lokalbesitzer haben auch eigene „Kiffkammern“ eingerichtet, in denen geraucht werden darf, die Kunden aber nicht bedient werden.

Tabak rauchen in Holland nur rund 28% der Bevölkerung. Und es könnten weniger werden: „Wir haben uns auf den 1. Juli gut vorbereitet“, sagt Lies van Gennip, Direktionsmitglied der Anti-Raucher-Organisation Stivoro. Zusammen mit den Gesundheitsämtern lanciert die Stivoro am 1. Juli eine landesweite Anti-Raucher-Kampagne. Titel: „Ergreife deine Chance – jeder Raucher kann aufhören.“ Es wurde eigens eine Website eingerichtet, auf der Raucher, die aufhören wollen zu qualmen, Selbsthilfegruppen bilden können. Auch viele Unternehmen machen mit. Sie wollen ihre Mitarbeiter dazu bewegen, mit dem Rauchen aufzuhören.


Hilfe beim Nikotin-Entzug

Viele Städte und Gemeinden planen Programme. Am weitesten geht bisher die Gemeinde Vlagtwedde. Sie will die Hälfte aller Behandlungskosten für Entzugsprogramme ihrer Beamten finanzieren. Denn ab 1. September werden Raucher und Nichtraucher in der Gemeinde Vlagtwedde gleichgestellt. Dann kann der noch immer rauchende Beamte nicht mehr x-beliebig oft nach draußen laufen, um sich eine anzustecken. „Es wird zwei offizielle Raucherpausen geben, eine morgens, eine Mittags, von je fünf Minuten. Nichtraucher können sich in diesen beiden Pausen einen Kaffee holen“, erklärt Gemeindesprecherin Marianne Hofstra die neue Regelung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2008)

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5 Kommentare
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Kiffer bevorzugt

Haschisch erlaubt, Tabak verboten - Kapitulation vor jenen, die sich sowieso an keine Regeln halten und Schikane gegen die sogenannten "rechtstreuen Bürger", sprich jene Dummen, die durch harte Arbeit mit ihren Steuergeldern den ganzen Zirkus finanzieren. Gottseidank gibts sowas ja nur in Holland...

Antworten Gast: narua
01.07.2008 12:18
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Re: Kiffer bevorzugt

Haschisch ist in Holland nicht verboten. Auch rechtstreue Bürger, die sich an Regeln halten, dürfen es dort konsumieren. Zum Essen oder Kaffeetrinken wird man in Zukunft aber auch in Holland gehen können, ohne als Passivraucher vollgenebelt zu werden - Gott sei Dank.

Antworten Antworten Gast: logikus
18.08.2008 15:58
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Re: Re: Kiffer bevorzugt

Hmmm. Ob das Passivkiffen gesünder ist?

Re: Re: Kiffer bevorzugt

wissen sie überhaupt woher die parole "passivrauchen" kommt?

der richtige terminus (juristisch) heißt tabakrauchexposition.

Und nein: die niederländer werden auch vor gericht gewinnen.

alle organsationen für raucherInnerechte und ihre anwälte arbeiten seit monaten emsig an ihrer klagen.

die nieländischen organisationen gehören zu den öltesten europas: sie sind äusserst kompetent, routiniert, organisiert und informiert.

Re: Kiffer bevorzugt

nein machen sie sich keine sorgen.

die niederländer lassen sich das nicht gefallen.

es läuft auch in NL eine beschwerde vor dem Verfassungsricht.

Es gibt in den NL 10 Organsationen für BürgerInnen- und RaucherInnenrechte, und die älteste Raucherpartei Europas.

Forces Nteherlands hat letztes jahr eine Hausboot tour druch die ganzen Niederlanden gehalten und tausende von wirten vernetzt, über 100.000 unterschriften gesammlt: machen sie sich keine sorge: die kriegen das schon hin.

wir schicken ihnen auch regelmäßig alle urteile die wir beriets kennen, und das tun auch die Iren, die briten, die franzosen.

heute sind wir noch besser vernetzt durch die International Coalition Against Prohibition. (ICAP). UNd die wurde eh in im Mai in Amsterdam gegründet!

Natürlich ist es vollkommen absurd hasch zu erlauben undtabak nicht: nur es sind sind nicht die selben wirtschaftlichen kanäle. Pfizer hat noch kein Haschorette oder Cannabix am markt.