Wien. In fast schöner Regelmäßigkeit taucht sie auf, die Aufregung rund um das österreichische Tabakgesetz. Diesmal betrifft es die Einkaufszentren – selbst wenn deren Lokale über abgetrennte Raucherbereiche verfügen, drohen Strafen, klagte laut Austria Presse Agentur (APA) der Betreiber der Wiener Lugner-City, Richard Lugner, am Dienstag. Grund ist, dass die betroffenen Lokale zum Shoppingcenter hin offen sind.
Denn laut dem Bescheid des Verwaltungsgerichtshofs (Jänner 2012) sind alle Bereiche, die nicht klar vom Einkaufszentrum abgetrennt sind, Teil desselben. Und laut Tabakgesetz darf in öffentlichen Räumen – daher auch in Einkaufszentren – nicht geraucht werden. Der Ärger bei den Lokalbetreibern sei groß, so Lugner, da sie Geld investiert und abgetrennte Raucherbereiche geschaffen hätten; einige Gastronomen seien trotz Umbauarbeiten gestraft worden.
Tatsächlich sind Lokale in Einkaufszentren nicht ihren Pendants auf der Straße gleichgestellt, da sie – wie erwähnt – von einem Nichtraucherbereich umgeben sind. „Im Einkaufscenter können die Gastronomen nicht selbst entscheiden, ob sie ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führen“, sagt Sonja Gimplinger, Geschäftsführerin des Shopping Center Nord in Wien. Von rund einem Dutzend Gastrobetrieben hätten drei bis vier einen (komplett) abgetrennten Raucherraum eingerichtet. Wobei: „Es ist eine Benachteiligung für jene, die die Baumaßnamen nicht durchgeführt haben.“
Auch die Auflagen seien streng – zum Beispiel müssten die Raucherräume eine eigene Lüftung haben, die nicht mit der Zentrallüftung zusammenhängen dürfe. Ein allgemeines Rauchverbot „hätte uns einiges erspart“, so Gimplinger. Aus dem Einkaufszentrum im Gasometer heißt es indessen, dass die Raucherbereiche für die Wirte vor allem während der warmen Jahreszeit überlebensnotwendig sind, „da in keine Freiluft-Schanigärten ausgewichen werden kann.“
In der Shopping City Süd gibt es eine Raucherkabine. Ein paar Lokale haben zudem auch Raucherbereiche. Laut Center-Manager Anton Cech hat es nach Einführung des neuen Tabakgesetzes sehr wohl Anzeigen gegeben, mittlerweile aber habe man sich mit dem Gesetz arrangiert: „Bei uns ist das Thema seit Längerem eingeschlafen.“ Laut Lugner verhandelt das Gesundheitsministerium derzeit mit dem Einkaufszentrenverband über eine Adaptierung des Tabakgesetzes. Aber: Ein Jahr vor der Nationalratswahl bestünden wenig Chancen, eine Gesetzesänderung durchzubringen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)
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