Neue Warnbilder auf Zigarettenpackungen

19.12.2012 | 21:28 |  ANNA GABRIEL UND OLIVER GRIMM (Die Presse)

Gesundheitskommissar Tonio Borg präsentierte Vorschläge für Tabakwaren. Ein wichtiges Ziel der neuen Richtlinie ist insbesondere der Schutz junger Menschen.

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Brüssel/Wien. Das Bild einer Lunge, übersät mit schwarzen Flecken, geschädigt vom jahrelangen Tabakkonsum. Darunter in großen, fett gedruckten Buchstaben die bereits bekannte Warnung: „Rauchen verursacht tödlichen Lungenkrebs.“ Auf der Rückseite die Telefonnummer einer Hotline, die Raucher wählen sollen, um das ungesunde Laster endlich loszuwerden.

75 Prozent der Oberfläche jeder Zigarettenpackung – statt wie bisher 30 bis 50 Prozent – sollen nach einem neuen Vorschlag der Kommission künftig mit Warnhinweisen und Bildern erkrankter Organe gekennzeichnet sein. „Manchmal muss man die Leute schockieren, damit sie zu rauchen aufhören“, erklärte Gesundheitskommissar Tonio Borg gestern bei der Präsentation der lange erwarteten Tabakrichtlinie. Eine seitlich auf der Packung angebrachte Botschaft soll daher statt der derzeitigen Informationen über Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid darüber informieren, dass Tabakrauch über 70 krebserregende Stoffe enthält.

Ein wichtiges Ziel der neuen Richtlinie ist insbesondere der Schutz junger Menschen. Sie sollen gar nicht erst dazu verleitet werden, zur Zigarette zu greifen. 94 Prozent aller Raucher beginnen schon mit unter 25 Jahren. Neben den groß angebrachten Gesundheitswarnungen auf der Packungsoberfläche soll es daher künftig ein Verbot aller Produkte geben, die starke und charakterisierende Aromen beinhalten. „Wir wollen zwar nicht wie Kanada oder Brasilien die Beigabe sämtlicher Aromastoffe untersagen“, so Borg. „Aber Zigaretten, die wie Schokolade oder Vanille schmecken und den intensiven Geschmack des Tabaks überdecken, machen es für Jugendliche leichter, mit dem Rauchen zu beginnen.“

 

Elektronische Zigaretten erlaubt

Auch Schnupf- und Kautabak müssen künftig frei von Aromastoffen sein. Ein allgemeines Verbot hat für die Kommission keine Priorität. „Diese Produkte füllen nur eine kleine Nische aus und sind für junge Leute nicht besonders attraktiv“, so Borg. Aufrechterhalten bleibt hingegen das Verbot für den schwedischen Lutschtabak Snus. Lediglich Schweden selbst ist von der Regelung ausgenommen, da Stockholm bei seinem Beitritt eine Ausnahmeregelung erwirkt hat.

Elektronische Zigaretten dürfen dagegen auf den Markt kommen, müssen aber Gesundheitswarnungen tragen. Produkte, deren Nikotingehalt oberhalb einer Schwelle liegt, sind nur erlaubt, wenn sie als Arzneimittel für Nikotinersatz zugelassen sind.

Geht es nach Borg, sollen die neuen Vorschriften europaweit bereits in drei bis vier Jahren in Kraft treten. Davor müssen der Richtlinie aber noch das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten zustimmen.

 

Grüne für strengere Vorschriften

Besonders im Abgeordnetenhaus gehen manchen die Vorschläge aber nicht weit genug. Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen, bezeichnete sie zwar als wichtigen ersten Schritt in die richtige Richtung. Jedoch müssten „sowohl die Regeln für Zigarettenpackungen als auch für Zusatzstoffe in Zigaretten während des Gesetzgebungsprozesses noch weiter verbessert werden“, so Harms. Für Richard Seeber, Europaabgeordneter der ÖVP, ist die Richtlinie dagegen ein „ausgewogener Vorschlag, der auf übertriebene Ideen verzichtet“.

Die nackten Zahlen sprechen jedenfalls für ein strengeres Reglement. Jährlich sterben etwa 700.000 Menschen durch den Tabakkonsum. Die Hälfte aller Raucher lebt im Schnitt vierzehn Jahre kürzer als Nichtraucher, und durch das Rauchen verursachte Krankheiten kosten die Gesundheitssysteme 25 Milliarden Euro jährlich.

„Wir behandeln die Leute nicht als dumm, sondern wollen ihnen mit den Gesundheitshinweisen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, so Borg. Ziel des Vorschlags sei es, den Anteil der Raucher in Europa in den nächsten fünf Jahren um zwei Prozent zu reduzieren. „Ich selbst bin ein toleranter Exraucher.“

In Zahlen

700.000 Menschen in der Europäischen Union sterben jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums. Krankheiten, die durch das Rauchen verursacht werden, kosten die europäischen Gesundheitssysteme jährlich 25 Milliarden Euro, 8,3 Milliarden entgehen der Wirtschaft durch die frühzeitige Pensionierung erkrankter Raucher.

Europaweit rauchen 28 Prozent der Bevölkerung, 21 Prozent haben damit aufgehört und 51 Prozent haben nie geraucht. 44 Prozent der Raucher sind Frauen, 56 Prozent sind Männer. 94 Prozent aller Raucher haben schon mit unter 25 Jahren damit begonnen, 70 Prozent gar mit unter 18 Jahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

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12 Kommentare

Wozu das Ganze?

Nach einem Bericht in der ARD gestern rechnen die EU-Hohlköpfe durch die Bilder mit einer Verringerung der Raucher innerhalb von 5 Jahren um ganze 2% ! Somit könnte man das viele Geld, das für die Kampagne ausgegeben wird, gleich zum Fenster hinauswerfen.

gute Raucher gute Staatsbürger sind

geben Geld und früher sterben

gut ist so

Re: gute Raucher gute Staatsbürger sind

und für die pflegekosten vor dem sterben darf der steuerzahler aufkommen. unter anderem dürfen jene nichtraucher für die kosten aufkommen, auf die seitens der raucher keine rücksicht genommen wird.

Re: gute Raucher gute Staatsbürger sind

Tja wenn da nicht eine bezahlte Behandlung bis zum eintreten des Todes wäre wûrd ich ihnen recht gebn

Ganz einfach!

Die Schockbilder sind gar nicht notwendig. Das ganze Gesundheitssystem gehört einfach beinhart privatisiert. Dann wird sich auch ein österreichischer Raucher, der glaubt, dass die Allgemeinheit später für seine gesundheitlichen Schäden aufkommen wird, in Zukunft genauer überlegen, ob er weiterraucht. Und wenn nicht - Pech!

Re: Ganz einfach!

ganz meine rede! zusätzlich gehort ein bonus-malus system das nach dem verursacherprinzip arbeitet eingeführt.
dann darf sich jeder sein selbst verschuldetes gebrechen auch selbst bezahlen.
aber das geht ja alles nicht, weil dann sind die wähler wieder bös und irgendwo mitschneiden ist dann auch nimmer so leicht!

Re: Ganz einfach!

Ausgezeichnet. Dann gehe ich davon aus, daß die zahlreichen Brüche beim Schifahren und auch die Opfer selbstausgelöster Lawinen ihre Rettungs- und Behandlungskosten selbst bestreiten. Selbstverständlich auch die demolierten Sehen und Knie bei den Marathonfetischisten, was ja gerade besonders in ist.

tolle packungen

Ich werd sie sammeln. Für meine urenkelchen.
damit die sehen welche leute uns regiert haben.

In Österreich funktioniert das sicher nicht.

Selbst das Gesicht Faymanns hat viele Österreicher, Pardon, viele Wähler in Österreich, nicht genug abgeschreckt. Sie haben ihn trotzdem gewählt. Dieselben werden trotz abschreckender Bilder auf den Zigarettenpackungen auch rauchen, bis der Arzt kommt.

Ein Glück nur,

daß dieser Entsorgungsverein für politischen Giftmüll sich bald selbst in Rauch auflösen wird.

gute idee

die nix bringen wird. jeder raucher weiss, wie seine lunge aussieht. fast jeder weiss, wie er einmal enden wird und dass die letzte zeit kein spass wird.

und nur ein winziger bruchteil hört tatsächlich auf.

Re: gute idee

Sie simplifizieren guter Mann! So ist es nun denn wirklich nicht, daß alle Raucher dreckig verrecken. Und eines muß auch einmal klar gestellt werden: der EU geht es nicht um die Gesundheit, sondern um die Bevormundung der Menschen.

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