Die teuren Raucher

511,4 Millionen Euro pro Jahr beträgt der volkswirtschaftliche Verlust, der durch Raucher verursacht wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die staatliche Einnahmen mit den Ausgaben verglichen hat.

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(c) Clemens Fabry

Für Nichtraucheraktivisten ist es ein weiteres, starkes Argument gegen ihr Feindbild, die Raucher: Diese kommen den Staat ziemlich teuer. Konkret verursachen Österreichs Raucher jedes Jahr einen volkswirtschaftlichen Verlust von 511,4 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine noch unveröffentlichte Studie des Instituts für Höhere Studien und der Medizinischen Universität Wien.

Dabei haben die Studienautoren die Kosten, die dem Staat durch den rauchenden Teil der Bevölkerung entstehen, dem volkswirtschaftlichen „Nutzen“ des Rauchens gegenübergestellt. Das Ergebnis: Zwar nimmt Österreich durch die Tabaksteuer jährlich eine Milliardensumme (2008: 1,4 Mrd. Euro) ein. Pensionsversicherungen sparen sich durch die geringere Lebenserwartung von Rauchern – diese sterben zwischen 4,5 und 6,1 Jahren früher als Nichtraucher – Pensionsauszahlungen.

„Aber“, so Ko-Autor und Mediziner Manfred Neuberger (Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Uni Wien), „die Kosten, die dem Staat durch Raucher entstehen, überwiegen deutlich“. Dazu zählen die Behandlung von Folgeschäden (Asthma, Herzinfarkt, Lungenkrebs etc.) sowie die laut Studie „signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für Pflegebedürftigkeit unter Aktiv- und Exrauchern“. Miteinberechnet wurden auch Krankenstände und Invalidität von Rauchern. Der errechnete Verlust von 511,4 Mio. Euro sei aber „eine sehr konservative Rechnung“, sagt Neuberger. Denn andere Aspekte, etwa die geringere Produktivität von Rauchern (durch Rauchpausen während der Arbeitszeit), wurden gar nicht mitgerechnet.

Die teuren Raucher also. Ein Argument, mit dem Neuberger, der auch Vizepräsident der Initiative „Ärzte gegen Raucherschäden“ ist, seine Forderung nach einem strikten Rauchverbot in der Gastronomie unterstreicht. „Das wäre die billigste Lösung für alle Beteiligten.“ Die außerdem dazu führen würde, dass die Herzinfarktrate in der Bevölkerung um zehn bis 20 Prozent sinkt. In Schottland ist die Zahl der Herzinfarkte einer Studie zufolge ein Jahr nach Einführung des Rauchverbots in Lokalen um 17Prozent zurückgegangen. Untersuchungen aus anderen Ländern kämen zu ähnlichen Ergebnissen. „Mit keiner anderen Maßnahme“ als komplett rauchfreien Lokalen, sagt Neuberger, könnte man einen derartigen Rückgang an Herzinfarkten erreichen.

 

Feinstaubbelastung in Lokalen

Rauchfrei – davon ist man in Österreich trotz des (theoretischen) Rauchverbots in der Gastronomie seit Anfang 2009 weit entfernt. Wegen vieler Ausnahmen und mangels Überprüfung – eine behördliche Kontrolle gibt es nicht, Gäste müssen Verstöße beim Magistrat melden – wird vielerorts weitergeraucht. Mindestens 60 Prozent der Wirte würden sich nicht an das Gesetz halten, sagte Robert Rockenbauer von der Schutzgemeinschaft für Nichtraucher am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit der Ärzteinitiative. Im ländlichen Bereich sei der Anteil sogar noch höher, da hier die Hemmschwelle vieler Gäste, den Wirt, den sie persönlich kennen, anzuzeigen, höher sei als in Städten. Rockenbauer fordert „endlich Kontrollen nach Schweizer Vorbild“: Im Kanton Zürich wird die Polizei ab Mai 2010 bei Verstößen direkt Geldstrafen einheben. In Österreich sind Kontrollen durch die Polizei im Tabakgesetz allerdings explizit nicht vorgesehen.Doch selbst in Lokalen, die getrennte Raucher- und Nichtraucherräume geschaffen haben, ist der Schutz vor Nikotin nicht garantiert. Wie eine Schweizer Studie zeigt, ist die Belastung durch den Feinstaub (PM 2,5 oder kleiner), der durch Nikotin entsteht, auch in Nichtraucherbereichen beträchtlich. So ist die Belastung in Nichtraucherbereichen (110,4 ?/m) gleich hoch wie in reinen Raucherlokalen (110,3 ?). Und selbst, wenn der Nichtraucherbereich durch eine Tür abgetrennt ist, liegt die Feinstaubbelastung mit 43,9 ?/m immer noch deutlich über dem „akzeptablen“ Wert von 35 ?. „Diese Werte sind so hoch, dass sie für Asthmapatienten oder Herzkranke eine akute Gefahr darstellen.“ Messungen der Ärzteinitiative in Wiener Lokalen seien zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

AUF EINEN BLICK

511,4 Millionen Euro pro Jahr beträgt der volkswirtschaftliche Verlust, der durch Raucher verursacht wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Höhere Studien und der Med-Uni Wien, die die staatliche Einnahmen (Tabaksteuer) mit den Ausgaben (medizinische Kosten etc.) verglichen hat.

www.aerzteinitiative.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2010)

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