Rauchverbot: Das Arrangement der Kaffeehäuser

Seit Juli gilt das neue Tabakgesetz, Umsatzeinbußen verzeichnen die Cafés dadurch nicht. In Cafés muss ab einer Größe von 50 Quadratmetern ein abgetrennter Nichtraucherbereich vorhanden sein.

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(c) APA (HERBERT P. OCZERET)

Wien. „Wunderbar“, sagt Günter Hawelka, „die Leute nehmen das wunderbar an“. Seit rund vier Monaten gilt in Österreich das neue Tabakgesetz – und damit herrscht im legendären Café Hawelka im ersten Wiener Gemeindebezirk Rauchverbot. Günter Hawelka ist zufrieden damit – und das, obwohl er sich zunächst gegen das neue Tabakgesetz ausgesprochen hat. Ein Kaffeehaus ohne Rauchen sei ein Kaffeehaus ohne Kaffee, befürchtete Hawelka im Vorfeld der neuen Regelung einen Kulturverlust. „Es wird weitergeraucht“, hat Hawelka noch im April in einem Interview mit der „Presse am Sonntag“ angekündigt. Aber jetzt: klare Luft im Kaffeehaus.

Seit dem ersten Juli gilt das neue Tabakgesetz. In Cafés und Gasthäusern muss ab einer Größe von 50 Quadratmetern ein abgetrennter Nichtraucherbereich vorhanden sein. In kleineren Lokalen darf der Wirt selbst entscheiden, ob er ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führen will. Diese Kompromisslösung statt eines totalen Rauchverbots stieß nicht überall auf Gegenliebe – vor allem die Kaffeehausbetreiber stiegen auf die Barrikaden. Die Zigarette gehört zur Melange einfach dazu, lautete der Tenor; zudem wurden massive Umsatzeinbußen befürchtet. Genau diese Befürchtungen scheinen sich nicht bestätigt zu haben, wie ein Rundruf in den Wiener Kaffeehäusern beweist.

 

„Raucher beschimpfen mich“

Von Geld- und Gästeschwund kann Robert Kollmann vom Café Drechsler nicht berichten – gerade das Gegenteil sei der Fall. „Man muss im Kaffeehaus nicht rauchen“, sagt Kollmann; im Nichtraucherbereich würden stets mehr Gäste sitzen als im Raucherraum. Und: Seit der Einführung des neuen Tabakgesetz habe es keine einzige Beanstandung gegeben. „Das Rauchverbot“, sagt Kollmann, „ist in den Medien aufgebauscht worden.“

Auch in den opulenten Räumen des Café Central, wo Rauchverbot herrscht, sitzen durchwegs zufriedene Gäste, wie Kellner Andreas Pollak erzählt. „Die Raucher kommen trotzdem – nur rauchen sie hier halt nicht.“

Noch im Sommer war die Umsetzung des neuen Tabakgesetzes für viele Wirte recht problemlos: Sie hatten das Rauchen in den Gast- und Schanigärten erlaubt, während drinnen Rauchverbot herrschte – so auch im Café Sperlin Wien-Mariahilf. Wie die Lage im Winter sein wird, vermag Besitzer Manfred Staub noch nicht zu beurteilen. Noch stehen ein paar Stühle draußen, und Staub hat „ein paar warme Decken gekauft“.

Allerdings stünden die Zeichen bei manchen Gästen auf Protest: Bisher seien auch im Café Sperl die Kunden nicht ausgeblieben; aber „manche Raucher beschimpfen mich und drehen sofort um“. Verlorener Umsatz, wie Staub verärgert meint.

 

Zu wenig Platz für Raucher

Über weniger Umsatz kann indessen der Betreiber des Café Tirolerhof nicht klagen, sehr wohl aber über wenig Platz. „Unser Raucherbereich ist zu klein“, sagt Christian Hofmeister, „baulich ist ein größerer Raum nicht möglich gewesen“. Daher säßen im Tirolerhof auch Raucher im Nichtraucherraum – und gingen nur zum Rauchen in das hintere Zimmer. Die Stammkundschaft habe sich mit dieser Situation allerdings abgefunden und komme auch weiterhin auf eine Melange vorbei.

Im Gegensatz zum Tirolerhof sitzen die meisten Gäste im Café Korb in der Innenstadt im Raucherbereich, erzählt Kellner Stefan. Weniger ist die Kundschaft deswegen auch nicht geworden: „Gesund und vital“ – so beschreibt der Kellner das Geschäft in den vergangenen Monaten.

Dass es keine nennenswerten Einbußen durch den vermeintlichen Kulturschock gebe, bestätigt auch auch Norbert Lux von der Fachgruppe Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer: „Es scheint unauffällig zu sein“, Beschwerden habe er bisher nicht erhalten.

Trotz anfänglichen Gegenwinds scheinen sich die Kaffeehausbetreiber und die Gäste mit dem neuen Tabakgesetz arrangiert zu haben. Bestes Beispiel dafür ist Günter Hawelka. Zwar haben seine Söhne Denkmalschutz für das Café beantragt – in diesem besonderen Fall dürfte der Wirt das Rauchen weiterhin erlauben, weil ein Umbau den historischen Charakter des Lokals zerstören würde. Aber selbst dann würde Hawelka das Rauchverbot weiterhin in Kraft lassen, „wenn die Leute sich daran gewöhnen können“.

Auf einen Blick

Tabakgesetz Neu. Seit 1. Juli gilt das neue Tabakgesetz. Demnach müssen Bars und Restaurants über einen abgetrennten Nichtraucherraum verfügen. Bei Lokalen unter 50 Quadratmetern darf der Wirt selbst entscheiden, ob er ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führt.

Kaffeehäuser in Wien. Vor allem die Kaffeehausbetreiber haben im Vorfeld gegen das neue Gesetz protestiert: Sie haben Umsatzeinbußen und Gästeschwund befürchtet. In den alteingesessenen Wiener Cafés scheinen sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet zu haben.

International geht der Trend in Richtung strengerer Rauchverbote. So stimmt der Senat heute in Spanien darüber ab, das bestehende Rauchverbot noch zu verschärfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2010)

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