„Mir fällt beim besten Willen nichts ein, was wir am CERN über das frühe Universum gelernt hätten. Nichts, null.“ Erfrischend trocken äußerte sich Physiknobelpreisträger Jack Steinberger – der immerhin selbst lange am CERN geforscht hat – unlängst im Interview mit der „Süddeutschen“.
Tatsächlich: Auch aus den heftigsten Zusammenstößen von Teilchen lässt sich seriöserweise nicht ablesen, wie das Weltall „am Anfang“ (seien es nun Attosekunden, Sekunden oder Jahre nach dem Urknall) „wirklich“ ausgesehen hat. Und auch die besten Fernrohre können längst nicht so weit zurückblicken. Nur bis zu einer Zeit, als das Universum schon 380.000 Jahre alt war. Davor war es dunkel, die Photonen konnten sich (noch) nicht frei bewegen. So ist das älteste Licht, das wir detektieren können, aus dieser Zeit: Es ist die kosmische Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich, die in den Vierzigerjahren erstmals vorausgesagt und 1964 entdeckt wurde – nachdem die Physiker geklärt hatten, dass die entsprechenden Signale nicht von Taubenmist auf der Antenne herrührten.
Seither wird diese älteste Strahlung – die heute eine Temperatur von nur circa drei Kelvin hat, weil auch sie durch die Ausdehnung des Universums „gestreckt“ worden ist und damit an Energie verloren hat – immer genauer kartiert. Interessant sind die minimalen regionalen Temperaturschwankungen, denn sie entsprechen den Dichteschwankungen im frühen (also 380.000 Jahre alten) Universum. Diese Dichteschwankungen sind sozusagen die Keime der heutigen Strukturen des Universums, der Galaxienhaufen und Galaxien.
Nun präsentiert die Europäische Weltraumorganisation ESA die bisher genaueste Karte der Mikrowellenstrahlung, erstellt mit ihrem „Planck“-Teleskop (seit 2009 im All): Auf dem Bild symbolisieren rote Flecken „wärmere“ Regionen, blaue stehen für „kältere“. Überrascht sind die Astronomen davon, dass die Schwankungen asymmetrischer sind, als sie dachten.
Sie leiten aus den neuen Daten eine neue Schätzung für das Alter des Universums ab: nicht mehr 13,74, sondern 13,82 Milliarden Jahre. Und sie korrigieren ihre Angaben über die Zusammensetzung des Universums: auf 4,9 Prozent „normale Materie“, 26,8 Prozent dunkle Materie (die unsichtbar ist) und 68,3 Prozent dunkle Energie (die auch den Physikern völlig rätselhaft ist). Bisher wurde die prozentuelle Zusammensetzung mit 4,5 + 22,7 + 72,8 angegeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)
Der American Dream platzt an der Grenze


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