Benedikt XVI.: Ein Papst im Porträt

Von Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger stammt aus der kleinen bayrischen Ortschaft Marktl am Inn. Bis 28. Februar 2013 war er Oberhaupt der Katholischen Kirche und kümmerte sich um Millionen Gläubige von seinem Sitz im Vatikan aus.(c) AP (JASPER JUINEN)

Doch wer ist dieser Mann mit dem durchdringenden Blick? Dem am 16. April als Sohn eines Gendarmeriemeisters geborenen Ratzinger eilte der Ruf voraus, ein "Oberhirte der strengen Hand" zu sein. Doch seit seiner Wahl scharte er eine große Fangemeinde um sich. Weiter: Eine steile Karriere(c) EPA ( )

Ratzinger wurde in Marktl am Inn geboren, seine Kindheit verbrachte er aber hauptsächlich in Traunstein. Bekannte erzählen, dass er bereits als Kind Kardinal werden wollte.
Bild: Die Familie Ratzinger: Joseph, Bruder Georg, Mutter Maria, die Schwester Maria und Vater Josef in Marktl am Inn.(c) AP

Nach der Matura im Gymnasium Traunstein, wo er außer im Fach "Turnen" ein Einser-Schüler war, studierte er an der Theologischen Hochschule in Freising und an der Universität München Katholische Theologie und Philosophie.
Bild: Ratzingers Geburtshaus.(c) EPA (Matthias Schrader)

1951 wurde er zum Priester geweiht.
Bild: Mit Bruder Georg bei der Priesterweihe 1951(c) EPA (Erzbistum)

Mit nur 30 Jahren habilitierte er sich und wurde Dogmatik-Professor an der Freisinger Hochschule, später lehrte er in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg.(c) AP

1977 berief ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising, wenig später zum Kardinal.(c) AP (DIETHER ENDLICHER)

Papst Johannes Paul II. holte Ratzinger nach nur vier Jahren in der bayrischen Metropole zu sich nach Rom. "München ist wichtig", sagte der Papst - aber "die Weltkirche ist wichtiger".(c) EPA (Ludwig Hamberger)

Als Präfekt der Glaubenskongregation pflegte er ein sehr enges und gutes Verhältnis zu Johannes Paul II.: Jeden Freitag besprach er sich mit dem Pontifex maximus, bald wurde er von Vatikan-Insidern als dessen rechte Hand bezeichnet.(c) EPA (Frank Leonhardt)

Am "Chefideologen" des Katholizismus kam im Vatikan schon lange niemand mehr vorbei. Seit dem Jahr 2002 bekleidete Ratzinger auch das Amt des Dekans des Kardinalskollegiums - und leitete als solcher das Konklave, das ihn 2005 zum Papst kürte.(c) AP

Schon zu Ostern 2005 hatte der Deutsche den schwer kranken Papst bei liturgischen Feiern vertreten und war immer mehr zur zentralen Figur avanciert. Und mit seiner Predigt bei der Trauermesse für Johannes Paul II. steigerte er sein Ansehen beträchtlich: Der als kühler Taktiker apostrophierte Ratzinger fand plötzlich herzliche Worte - und wurde von den Gläubigen auf dem Petersplatz mit Applaus bedacht.(c) EPA (Maurizio Brambatti)

Eigentlich wollte er schon drei Jahre zuvor in Pension gehen. Doch Papst Johannes Paul II. ließ den damals 75-jährigen Kardinal nicht ziehen.(c) AP

Zum Bedauern von Joseph Ratzinger, der seit 1981 als Präfekt der Glaubenskongregation einen der arbeitsintensivsten - und wichtigsten - Posten der katholischen Kirche bekleidete und offen bekannte: "Dieses Leben ist sehr hart."(c) Die Presse (FABRY Clemens)

Als Papst Benedikt XVI. hat er den wichtigsten - und wohl aufreibendsten - kirchlichen Posten inne. Mit seinen 80 Jahren galt er allerdings immer als päpstliche Übergangslösung.(c) EPA (Claudio Onorati)

Ein theologisch versierter Kenner der vatikanischen Verhältnisse meinte bereits vor Jahren, dass seit Martin Luther "kein Deutscher Gestalt und Gehalt der katholischen Kirche so stark geprägt" habe wie Ratzinger.(c) EPA (GREGORIO BORGIA POOL)

Dabei war der Chef der Nachfolgebehörde der "Heiligen Inquisition" alles andere als ein Kirchenrebell - er wurde als Hüter der reinen katholischen Lehre sogar als "scharfer Hund" bezeichnet.(c) EPA (Danilo Schiavella)

Seine prominentesten "Opfer" waren die Theologen Hans Küng, Eugen Drewermann und Leonardo Boff, die aus der Sicht Ratzingers von der offiziellen Lehre der Kirche sträflich abwichen - er strafte sie mit einem lehramtlichen "Maulkorb".(c) AP (PETER DEJONG)

Kompromisslos konservativ äußerte sich der Papst auch bei Themen wie Frauenpriestertum, Sexualmoral und Abtreibung.(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)

Unter anderem wegen seiner streng-konservativen Haltung gab ihm sein Bruder Georg, lange Jahre Domkapellmeister zu Regensburg, kaum Chancen auf den Papstthron. Außerdem konnte sich der Kirchenmusiker nicht vorstellen, "dass man einen Deutschen zum Papst wählt". Auch Joseph Ratzinger selbst sprach sich schon vor Jahren dafür aus, dass das nächste Kirchenoberhaupt aus Afrika stammen sollte.(c) Dpa Armin Weigel (Armin Weigel)

Und mit dem Schreiben "Dominus Iesus", das eine Überlegenheit der katholischen Kirche gegenüber allen anderen Weltreligionen behauptete, setzte er sich im Jahr 2000 vollends in die Nesseln. Ratzingers Antwort auf die scharfen Reaktionen: Früher wäre sein "bayrisches Temperament" mit ihm durchgegangen, nun sei er gegenüber Kritikern "milder".(c) Robert Jaeger (pool

Seine Abkehr vom harten Kritiker hin zu einem Papst des Volkes spiegelte sich auch in seiner Geburtstagsfeier am 16. April 2007 wider. Im Vatikan wird traditionell der Geburtstag nicht begangen. Die Katholiken feiern Namenstag, die Evangelischen Geburtstag und damit basta, hieß es jahrzehntelang im Vatikan. Das hat sich mit Benedikt XVI. geändert. Er feierte seinen 80er mit einem großen Essen und einem Konzert. Und am nächsten Tag wurde eine Messe am Petersplatz gelesen.(c) APA (Herbert P. Oczeret)

Am 11. Februar 2013 verkündete Benedikt XVI., er wolle sich vom Papstamt zurückziehen. Für die katholische Kirche ein Schock. Aus eigener Entscheidung war "zuletzt" Papst Coelestin V. im Jahr 1294 von seinem Amt zurückgetreten.(c) Reuters (OSSERVATORE ROMANO)

ITALY VATICAN RELIGION POPE

Am 28. Februar 2013 endete schließlich das Pontifikat. Benedikt XVI. flog mit dem Helikopter aus dem Vatikan in seinen Sommersitz, Castell Gandolfo, wo sich die Pforte hinter ihm dramaturgisch gut inszeniert am Abend schloss. Dort wartete er ab, wer als sein Nachfolger aus dem Konklave hervorgehen würde.(c) EPA (ETTORE FERRARI)

Nachdem Papst Franziskus die Amtsgeschäfte übernommen hatte, hielt sich Benedikt als Papa Emeritus stets aus der Öffentlichkeit fern. Am 2. Mai 2013 kehre er zurück in den Vatikan und bezog seinen Alterswohnsitz in einem renovierten Kolster. Benedikt gelobte seinem Nachfolger bedingungslosen Gehorsam.(c) Reuters (OSSERVATORE ROMANO)
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