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Deutschland: Beschneidung als "Körperverletzung"

26.06.2012 | 16:14 |   (DiePresse.com)

Das Kölner Landgericht stuft die Beschneidung von Buben aus religiösen Gründen als "rechtswidrige Körperverletzung" ein.

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  • Zum ''Financial Times''-Artikel

Die Beschneidung von Buben aus religiösen Gründen ist nach Auffassung des Kölner Landgerichts grundsätzlich strafbar. In einem am Dienstag veröffentlichten Urteil sprach das Gericht einen Arzt, der einen Buben beschnitten hatte, zwar frei. Dies jedoch nur mit der Begründung, dass der Arzt von der Strafbarkeit nichts gewusst habe und deshalb einem "Verbotsirrtum" unterlegen sei. Tatsächlich müssten Beschneidungen als "rechtswidrige Körperverletzung" betrachtet werden, urteilte das Landgericht. Über das Urteil hatte als erstes die "Financial Times Deutschland" berichtet.

In dem Kölner Fall hatte ein Arzt einen Vierjährigen auf Wunsch der muslimischen Eltern beschnitten. Zwei Tage später kam es zu Nachblutungen, die Mutter brachte den Buben in die Notaufnahme. Davon erfuhr die Kölner Staatsanwaltschaft und erhob Anklage gegen den Arzt. Das Amtsgericht Köln sprach den Mediziner in erster Instanz frei, weil eine Einwilligung der Eltern vorgelegen sei. Außerdem sei die Beschneidung eine "traditionell-rituelle Handlungsweise zur Dokumentation der kulturellen und religiösen Zugehörigkeit zur muslimischen Lebensgemeinschaft".

Das Landgericht bestätigte den Freispruch, doch aus ganz anderen Gründen. Es verwies darauf, dass der Arzt geglaubt habe, er würde rechtmäßig handeln. Dies sei aufgrund der bisher unklaren Rechtssituation auch glaubhaft. Tatsächlich aber müssten Beschneidungen in einem solchen Fall als illegal betrachtet werden, da sie die körperliche Unversehrtheit des Kindes beeinträchtigten. Das Landgericht bestätigte, dass die Beschneidung in dem vorliegenden Fall medizinisch fachgerecht vorgenommen worden sei. Es wies außerdem darauf hin, dass Beschneidungen weiterhin legal seien, sofern sie medizinisch geboten seien, etwa aufgrund einer Vorhautverengung.

(APA)

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119 Kommentare
 
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Der Betroffene sollte selbst entscheiden können!

Meiner Meinung nach könnte man das Thema der religiös motivierten Beschneidung folgendermaßen lösen:

Ein Gesetz sollte festschreiben, dass eine nicht medizinisch notwendige Beschneidung bei noch nicht Volljährigen verboten ist. Ab 18 kann der jetzt Volljährige SELBSTÄNDIG und FREIWILLIG entscheiden, ob er beschnitten werden will oder nicht.

Gast: hallohallo
04.07.2012 15:42
0 1

Beschneidung von Frauen mit der von Männern gleichzusetzen

ist schlichtweg unzulässig. Es ist ein Fetzen Haut, ein meist sonderlich unästhetischer, um es einmal klar zu umreißen.

Also wenn man Kindern körperlich verändert kritisieren sie es, aber dass sie Kinder jederzeit mit Ihrem Gedankengut verändern lassen sie liebevoll unter den Tisch fallen..

Gesellschaftspolitisch hat die Beschneidung den Vorteil, mit dem nicht rechtzufertigendem Stolz auf die Vorhaut auch übertriebene sexuelle Vorstellungen von Männlichkeit zu entfernen.

Religionsfreiheit?

Ich würde Religionsfreiheit so interpretieren dass jeder das Recht hat frei von jeder Religion zu sein! Nur davon spüre ich nicht viel! Somit ist Religionsfreiheit nur eine leere Floskel, die vor allem von religiösen Eiferern als Killerfloskel verwendet wird!

Gast: HolyMother
28.06.2012 03:03
0 0

...

Das wird ein schwieriger Spagat zwischen Rechtsstaat und Religionsfreiheit. Leider hat Europa hiermit evtl. einen problematischen Präzedenzfall.
Prinzipiell bin ich der Meinung, daß Eltern unter ALLEN Umständen das Recht haben, ihre Kinder nach bestem Wissen und Gewissen religiös oder in anderer Art "moralisch" zu erziehen. Das ist vielleicht DAS bisschen "Freiheit", die frau/man noch hat in einer messbaren und medienüberschwemmten Gesellschaft.
@doubleg: Beim Eltern-Kind-Verhältniss mit "Eigentumsbegriffen" kommen, ist vielleicht ein bisschen banal, hm? Ist ein bisschen mehr als das. Wahrscheinlich hast du noch keine Kinder.
Ich finde es absolut legitim als Elternteil, das Beste für mein Kind zu wollen. Und wenn ich befinde, daß mein Kind getauft, beschnitten oder sonstig spirituell beglückt werden soll, will ich keinem Richter Rechenschaft darüber ablegen müssen, wie ich meinen Nachwuchs "auf die Welt vorbereite". Dieser "Freiheitsgedanke" hat nur den Haken, daß ich Klitoris-Verstümmelung als Barbarei bezeichne und somit nicht 100&ig GEGEN Regelungen in diesem sensiblen Bereich sein kann. Ich hab allerdings noch nie "Beschwerden" von beschnittenen Freunden gehört. Selbstverständlich wird frau/man gespannt sein dürfen, ob Österreich in nächster Zeit ein ähnliches juristisches Szenario hervorbringt. Und letztendlich, ob die Justiz so schlau ist, einen Unterschied zwischen Mann und Frau zu machen.
Und die Medien werden wie üblich das Ihrige tun...


Antworten Gast: __
28.06.2012 13:19
0 0

Re: ...

"Und wenn ich befinde, daß mein Kind getauft, beschnitten oder sonstig spirituell beglückt werden soll, will ich keinem Richter Rechenschaft darüber ablegen müssen, wie ich meinen Nachwuchs "auf die Welt vorbereite". "

(Ich formuliere es mal bewusst etwas provokant:)

Gilt das auch, wenn du meinst, das beste wäre für den Kind, regelmäßig verdroschen zu werden und im Kellerverlies leben zu müssen?
Oder den Cousin heiraten zu müssen, weil ihr Eltern das schon vor zig jahren vereinbart habt?
Ab 10 im Bergwerk arbeiten soll?
Und so weiter...

Kinder sind nicht elterlicher Privatbesitz, sondern haben ebenfalls Rechte, manche davon schützen sie eben auch vor den eigenen Eltern. Und das ist gut so.

Gast: Pro Beschneidung
28.06.2012 01:02
0 3

Worum geht es euch eigentlich?

Die Argumentationen in diesen Foren sind erschreckend!

Buben, bei denen das Beschneidungsritual durchgeführt wird,...

1. erleben es NICHT als Trauma und tragen auch KEINE posttraumatische Belasungsstörungen davon
2. haben KEINE Nachteile während des Geschlechtverkehrs - im Gegenteil - sind laut vielen Frauen sogar bessere Liebhaber
3. tragen KEINE Gesundheitsrisiken davon (absolut minimale, und nur sehr selten)
4. haben längerfristig gesehen, viele GESUNDHEITLICHE VORTEILE - weniger Peniskarzinome, weniger Eichelentzündungen, keine Vorhautverengungen...
5. haben längerfristig gesehen, deren Partner auch nur Vorteile davon - HPV Infektionen seltener, HIV Infektionen seltener, Gebärmutterhalskrebs seltener...

Was interessiert es euch plötzlich ob moslemische oder jüdische Eltern ihre Söhne beschneiden lassen oder nicht? Liegt es euch wirklich an das Wohlergehen dieser Kinder? Ich hab noch nie jemanden gehört, dass sich darüber beschwert hat dass er beschnitten ist?

Und bitte keine Vergleiche mit Genitalverstümmelung bei Frauen, weil das hat andere sowohl medizinische und als auch emotionelle Konsequenzen für eine Frau.

Gast: nixnixnix
27.06.2012 20:13
0 1

gspir nix

Im Judentum wird am achten Tag beschnitten - mit einem Tropfen Wein am Schuller. Das Baby spürt nichts - dafür um so mehr, wenn es geschlechtsreif wird.

Re: Das Baby spürt nichts

Deswegen schreit es ja auch so!

(Sie Troll!)

Re: gspir nix

Klar, dort hat ein Baby keine Nerven, drum spürt es nix. Ist ja sowieso nur ein kleiner Mensch, der hat natürlich keine Rechte wie ein großer.
Wie kommt ein Mensch dazu, dass ihm andere einfach was wegschneiden? Wer das will soll es sich als Erwachsener machen lassen. Es ist eine Frechheit wie Eltern über ihre Kinder verfügen, als wären sie deren Eigentum.

Re: gspir nix

Klar, dort hat ein Baby keine Nerven, drum spürt es nix. Ist ja sowieso nur ein kleiner Mensch, der hat natürlich keine Rechte wie ein großer.
Wie kommt ein Mensch dazu, dass ihm andere einfach was wegschneiden? Wer das will soll es sich als Erwachsener machen lassen. Es ist eine Frechheit wie Eltern über ihre Kinder verfügen, als wären sie deren Eigentum.

Antworten Gast: L.M.
27.06.2012 21:55
1 0

Re: gspir nix

"Das Baby spürt nichts..."
Über so viel Naivität kann man ja nicht mal mehr den Kopf schütteln.

Gast: selberlehrer
27.06.2012 19:32
0 3

Folgen?

Man könnte natürlich auch so argumentieren, dass die Beschneidung bei Buben deren Lebensqualität auf Dauer nicht mindert (es wird die Vorhaut entfernt). Die Lebensqualität bleibt durchaus erhalten. Bei Mädchen wird bei der Genitalverstümmelung die Klitoris entfernt, was auch auf Dauer zu massiven Beeinträchtigungen führt. Das ist aus meiner Sicht schon ein wichtiger Unterschied.
Man sollte Eltern umgekehrt das Recht lassen, gewisse Dinge für ihre Kinder entscheiden zu können, und ihnen ein Maß an Verantwortung und Verstand zugestehen.

Man sollte Eltern umgekehrt das Recht lassen, gewisse Dinge für ihre Kinder entscheiden zu können

Richtig.

Aber ein derartiger körperlicher Eingriff für immer gehöert sicher nicht zu diesen "gewissen Dingen".

Gast: DFVB
27.06.2012 17:47
8 0

Wenns um Körperverletzung bei Kindern geht, hat auch die Religionsfreiheit ein Ende.


Dieses Urteil wird an den Tatsachen wenig ändern-

es wird zu "einem Beschneidungstourismus" in die Türkei(und nach Israel)führen, da sich Strenggläubige und Traditionalisten nicht von Kinderschmerzen und -ängsten vom rechten Glauben abbringen lassen werden.

Antworten Gast: OCD
27.06.2012 17:19
6 0

Re: Dieses Urteil wird an den Tatsachen wenig ändern-

Einfache Lösung: Gesundheitsuntersuchungen für Kinder, wie sie in anderen Ländern üblich sind an Schulen, im Kindergarten etc. wo der ganze Körper untersucht wird (also auch Penis und Hoden). Wenn eine Beschneidung festgestellt wird muss nachgewiesen werden dass diese von Ärzten aus medizinischen Gründen durchgeführt wurde. Wenn das nicht der Fall war, dann Anzeige und die Eltern mit aller Härte bestrafen (und zwar wirklich Strafen die einen Abhalten - Gefängnis und Co.).

Und bevor jetzt einer mit "dann werden halt medizinische Gründe erfunden" kommt. Wenn die Ärzte Verlust der Zulassung und Gefängnis riskieren wird es kaum einen geben der sich darauf einlässt.
Zusätzlich: Verbot für in Österreich lebende eine Beschneidung im Ausland durchführen zu lassen wenn nicht auch von österreichischen Ärzten bestätigt wird dass eine medizinische Indikation vorliegt. Und keine Einreisegenehmigung/Asyl für Personen/Familien die innerhalb der letzten Jahre eine Beschneidung im Ausland durchführen haben lassen um die Kontrollen zu umgehen (es sei denn man kann einwandfrei nachweisen dass es aus medizinischen Gründen war).

Antworten Antworten Gast: dannmuessteman
27.06.2012 20:15
0 1

Re: Re: Dieses Urteil wird an den Tatsachen wenig ändern-

dann müßte man mich ausweisen - oder in Häfen stecken. Versuchen Sie es.

Re: Re: Re: Dieses Urteil wird an den Tatsachen wenig ändern-

Ändert nichts an der Tatsache dass es Körperverletzung ist! Viel schlimmer ist aber noch die Bevormundung!

Gast: Chrematistikus
27.06.2012 16:07
0 0

Mißbrauch der Religionsfreiheit


Erst am Montag veröffentlichte die Presse einen Beitrag von Peter Singer. Seine Schlußfolgerung:

"... dass die Berufung auf die Religionsfreiheit missbraucht wird."

Im Hinblick auf die Stellungnahme der Juden in Deutschland zu diesem Urteil will ich mich aber keinesfalls mit dieser Aussage Singers identifizieren - Verbotsgesetz und so ...

Gast: kritischer Leser
27.06.2012 15:41
1 2

Beschneidung

Seit dem Altertum ist bei Völkern, die im nahen 0sten lebten, die Beschneidung von Buben - aus hygienischen Gründen - üblich. Im Judentum soll sie am 8. Tag nach der Geburt erfolgen; davon ist jedoch die Beschneidung von Mädchen (FGM) zu unterscheiden, die oft wirklich zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann.

Re: Beschneidung

Das Märchen mit den hygienischen Gründen ist alt aber deshalb nicht richtig. Sie sollten sich mal überlegen warum die Natur eine Vorhaut "erfindet", wenn die eh nur im Weg sein soll.

Gast: Kühlkopf
27.06.2012 15:39
2 1

EU Gesetz

Ein einheitliches EU Gesetz, dass Beschneidung in allen EU Ländern verbietet, würde ich begrüßen.
Mal sehen, ob dann bestimmte Länder noch der EU beitreten wollen.

Gast: Kern Karl
27.06.2012 15:29
5 0

pseudoreligiöser tradierter Unsinn

Genitalverstümmelung, ob an Buben oder Mädchen ausgeführt ist ein Verbrechen und als solches zu bestrafen! Auch die österreichische Justiz muss auf diesen pseudoreligiösen tradierten Unsinn reagieren!

Antworten Gast: kmdnw
27.06.2012 20:18
0 0

Re: pseudoreligiöser tradierter Unsinn

Es ist alles so lang her - was ist noch Religion und was schon bloß Tradition? Kann man das noch wissen?

Re: Re: pseudoreligiöser tradierter Unsinn

Religion spielt sich im Kopf ab, die sichtbaren Riten sind im Prinzip nicht die Religion selbst sondern Zeichen. Allerdings hört sich für mich die Freiheit da auf wo irgendjemand Schaden erleidet. Und die Entfernung von Körperteilen ist wohl ein Schaden. Was wäre wenn eine Religion verlangt, dass ein Finger abgeschnitten wird. Sollte das dann legal sein? Jedes Kind hat das Recht so zu sein wie es ist. Eltern haben kein Recht an dem Kind irgendwie herzumanipulieren.

Beschneidung als hygienische Maßnahme?

Könnte man das nicht auch mit Waschen erreichen?

 
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