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Ungehorsam: Karrierestopp für Initiativen-Mitglieder?

28.06.2012 | 12:55 |   (DiePresse.com)

Kardinal Schönborn will bei Ernennungen von Mitgliedern der Pfarrer-Initiative auf einer Distanzierung vom Ungehorsamsaufruf bestehen.

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Der abgesetzte niederösterreichische Dechant ist bis jetzt der einzige bekannte Fall, bei dem ein bekennender Anhänger der Pfarrer-Initative berufliche Konsequenzen zu spüren bekam. Kardinal Christoph Schönborn behält es sich aber vor, weiter so zu handeln: "Wenn künftig ein Mitglied der Pfarrer-Initiative zur Ernennung vorgeschlagen wird, wird der Erzbischof daher auf einer Distanzierung vom Ungehorsamsaufruf bestehen", hieß es nach Aufkommen des Falls in einer Aussendung.

Nach innen versuchte die Erzdiözese Wien die Wogen zu glätten. In einem E-Mail wandte sich der Schönborns Sprecher, Michael Prüller, an alle Mitarbeiter: "In der Kirche gibt es kein Redeverbot", heißt es darin. Der Wiener Erzbischof habe immer gesagt, "dass er im Klerus keinen Kadavergehorsam möchte, sondern kritische Loyalität".

Zur Causa um den nicht verlängerten Dechanten Peter Meidinger meint er in seinem Schreiben: "Ich verstehe sehr gut, dass der Erzbischof, nachdem es in der Teambeziehung zum Klerus mit der Wortwahl 'Aufruf zum Ungehorsam' eine starke Irritation gegeben hat, ein Zeichen der Loyalität möchte, bevor er jemanden in die Vertrauensstellung eines Dechanten beruft. Das hat für mich nichts mit Strafe zu tun."

Prüller kritisiert in dem Schreiben auch die Berichterstattung zur Causa. "Leider entstellen viele Medienberichte diesmal die Wirklichkeit in besonderem Ausmaß." Es sei weder ein "Priester gefeuert" worden, noch ein Pfarrer "abgesetzt". Der Kardinal führe auch keinen "Kreuzzug". In seinem Mail ist Prüller um Objektivität bemüht und veröffentlichte nicht nur die Stellungnahme der Erzdiözese, sondern auch jene Meidingers.

Karrierestopp für Initiativen-Mitglieder?

In der Erzdiözese Salzburg gab es ebenfalls einen Fall, bei dem ein Pfarrer wegen seiner Mitgliedschaft bei der Pfarrer-Initiative nicht zum Dechanten ernannt wurde. Bei dieser Entscheidung hätten aber auch andere Gründe mitgespielt, weil aus mehreren Pfarren des Dekanates der Wunsch nach einem anderen Dechant gekommen sei, erklärte der Sprecher der Erzdiözese, Wolfgang Kumpfmüller.

Ob es für Mitglieder der Initiative in Salzburg einen generellen Karrierestopp gebe, wollte Kumpfmüller nicht eindeutig beantworten. Auf jeden Fall werde jeder Kandidat für eine Führungsposition sehr genau angesehen, wie das auch in jedem Betrieb üblich sei. Und auf jeden Fall sei Loyalität zum Erzbischof eine Voraussetzung.

Erzbischof Alois Kothgasser selbst hatte vor rund einem halben Jahr auf die Frage des Karriere-Stopps so geantwortet: "Überhaupt nicht. Allerdings, wer diesen Aufruf als Priester unterstützt, der muss mit einem Gespräch mit dem Erzbischof rechnen - mit offenem Ausgang.

Bischöfe sprechen mit "Ungehorsamen"

Im Priesterrat der Erzdiözese Wien - ihm gehört auch der Gründer der Pfarrer-Initiative, Helmut Schüller, an - ist es zu einer Diskussion über den Begriff "Ungehorsam" gekommen. Ein Mitglied des Gremiums, Dechant Josef Grünwidl von Kirchberg am Wechsel, sei von Kardinal Schönborn wegen seiner Mitgliedschaft bei der Initiative zur Rede gestellt worden, bestätigte Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese einen Bericht "Kurier". Um eine Bestellung oder gar Konsequenzen sei es dabei allerdings nicht gegangen. Der Erzbischof sei schließlich mit Grünwidls eigener Definition von "Ungehorsam" zufrieden gewesen.

Personelle Maßnahmen stehen derzeit auch in der Diözese St. Pölten nicht im Raum: Bischof Klaus Küng habe immer gesagt, solange sich alle Priester an die diözesanen und weltkirchlichen Richtlinien halten, gebe es keine Probleme. Das sei der Fall, hieß es am Donnerstag aus seiner Pressestelle. Küngs im Mai geäußerte Position gelte weiterhin. Darin hatte er seine Sorge über die Pfarrerinitiative geäußert und vor schweren Regelverstößen gewarnt: "Ich hoffe sehr, dass ich nicht genötigt sein werde, gegen Mitbrüder vorzugehen, die in ihren Haltungen beharren. Das würde mir sehr leidtun."

Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz werde mit allen, die bei der Pfarrerinitiative unterschrieben haben, Gespräche führen, erklärte das Kommunikationsbüro der Diözese auf Anfrage. Für eine Stellungnahme war Schwarz vorerst nicht erreichbar, da er sich im Ausland befinde.

Loyalität ist Voraussetzung

In der Diözese Eisenstadt werden traditionell zum Fest Peter und Paul, das am Freitag begangen wird, personelle Umbesetzungen in den Pfarren bekanntgegeben. Dadurch komme es auch zu Änderungen, was die Dechanten betreffe, hieß es vom Bischöflichen Ordinariat auf APA-Anfrage. Der morgigen Bekanntgabe wolle man nicht vorgreifen. Ein Zusammenhang mit der Pfarrer-Initiative bestehe jedoch nicht: "Das Problem stellt sich gar nicht", da im Burgenland "eine verschwindend kleine" Anzahl Priester die Initiative unterstütze, so eine Sprecherin, aber: "Grundsätzlich ist es so, dass Loyalität mit der Kirche Voraussetzung für ein kirchliches Amt ist. Das gilt bei uns wie in anderen Diözesen der Kirche."

In der Steiermark stünden keine Dechanten zur Nachbesetzung an, außerdem seien derzeit disziplinäre Maßnahmen kein Thema, weil es ein Bekenntnis zu einem gemeinsamen Weg gebe. "Ungehorsam" sei, wie von den Mitgliedern der Pfarrer-Initiative versichert wurde, als "Aufmerksammachen auf pastorale Themen" verstanden worden, Kapellari habe wiederholt gesagt, dass man über alles reden müsse, ohne jedoch falsche Hoffnung zu wecken. Als "Kampfwort" sei "Ungehorsam" nicht tragbar, der Bischof stehe für eine offene Kirche, "aber es gibt auch Schwellen".

Auch in Kärnten gibt es keinen ähnlichen Fall wie den Meidingers. Die Frage stelle sich auch nicht, weil derzeit kein Dechant der Diözese Gurk-Klagenfurt Mitglied der Pfarrer-Initiative sei, sagte ein Sprecher von Bischof Alois Schwarz. Auch sonst seien im Zusammenhang mit der Initiative keine personellen Veränderungen erfolgt oder auch nur angedacht. Den Fall Meidinger will man in Kärnten nicht kommentieren: "Das ist Angelegenheit der Erzdiözese."

In der Diözese Innsbruck gebe es noch keine derartigen Konsequenzen für "Ungehorsame", hieß es dort, ebenso in Vorarlberg: "Aktuell stellt sich uns die Frage nicht", so die Stellungnahme von Feldkirchs Diözesanadministrator Benno Elbs laut Pressestelle.

(APA/Red.)

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19 Kommentare
Gast: rainbow1
09.07.2012 15:00
0 0

Nicht nur Ordensschwestern

...und nicht nur Ordensschwestern könnten zusätzliche Aufgaben übernehmen. Es gibt so viele verheiratete Theologen und auch Theologinnen, die im Rahmen einer bezahlten oder auch unbezahlten Arbeit diese Aufgabe übernehmen würden. Wir haben genug Leute mit einem abgeschlossenen Theologiestudium - an diesem Mangel scheitert es bestimmt nicht. Viel eher an der Unbeweglichkeit einer Institution, die vergessen hat, wie wichtig für ihre Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit Reformen sind... Immer noch hoffe ich, dass sie sich bewegt.

Gast: grüngrün
01.07.2012 14:48
0 0

Priestermangel könnte rasch gemildert werden


Ich kenne mehrere Ordensschwestern, die über ein abgeschlossenes Theologiestudium verfügen. Wenn die Katholische Kirche ihre Vorschriften ändern würde, könnte ihnen auf Wunsch das Sakrament der Priesterweihe gespendet werden.

Freilich, würden sie nun als Seelsorgerinnen tätig werden, würde man sie damit auch zum Teil dem gemeinsamen Leben im Kloster entfremden. Angesichts des Priestermangels würden aber wohl die meisten von ihnen diese zusätzliche Aufgabe gerne wahrnehmen.

Gast: richard28
01.07.2012 14:13
0 0

Es geht um kritischen Gehorsam!


Es wäre eine Führungsaufgabe des "Chefs", sprich des Kardinals, hier eine sprachliche Klarstellung gegenüber Rom vorzunehmen. Ein Ungehorsam, der Ausdruck eines kritischen Gewissens ist, ist ein kritischer Gehorsam und kein Ungehorsam. Auch wenn die Pfarrerinitiative, durch einen langen und einseitig gelebten "Gehorsamskult" traumatisiert, dies anders sehen mag...

Gerade für Österreich wäre eine solche Klarstellung sehr befreiend gewesen. Auch die Nichtbefolgung der im Jahre 1938 gegebenen Empfehlung der österreichischen Bischöfe, für den Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland zu stimmen, wäre Ausdruck eines kritischen Gehorsams und keines Ungehorsams gewesen...

Gast: bluescreen
01.07.2012 12:11
0 0

Veränderung - Erneuerung

Soll es vielleicht eine Reformation geben, mit Helmut Schüller als neuem Martin Luther?

JA - JA -JA

Gast: gläubiger Christ
29.06.2012 10:52
3 0

Auch Schönborn hat bereits einen Platz in der Hölle reserviert!



Der "hohe Klerus" hat absolut nichts mit Christentum und Jesus zu tun!

Gast: an Objektivität interessierter Zeitungs-Leser
28.06.2012 18:46
8 0

„In seinem Mail ist Prüller um Objektivität bemüht und veröffentlichte nicht nur die Stellungnahme der Erzdiözese, sondern auch jene Meidingers.“


Soll das eigentlich ein Bericht oder eine Meinung sein ???


Re: „In seinem Mail ist Prüller um Objektivität bemüht und veröffentlichte nicht nur die Stellungnahme der Erzdiözese, sondern auch jene Meidingers.“


Die Presse ist im Besitz der römisch-katholischen Kirche:

„98,33 % der Anteile sind im Besitz der Katholischer Medien Verein Privatstiftung (vormals Katholischer Preßverein Privatstiftung) und zu 1,67 % im Besitz des Katholischen Medien Vereins (vormals Katholischer Preßverein)“

„…Meilensteine der Unternehmensentwicklung waren … die schrittweise Übernahme der österreichischen Traditionszeitung Die Presse ab 1991.“

vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Styria-Verlag

vgl. http://diepresse.com/unternehmen/sales/online/532662/Offenlegung-fuer-Die-Presse-Digital



Gast: Kibietz
28.06.2012 16:05
0 0

Die Kirche...

ist sooooooooooooo gemein!

Gast: no na!
28.06.2012 15:43
1 0

so gehts halt amal zu

in zentralistischen Gebilden.
Zu höheren Ämtern werden ja ohnehin nur Rom
Loyale ernannt; schon bei der Ausbildung eventuell Geeigneter wird darauf geachtet, daß sie eine Phase römischer Sozialisierung (Studienaufenthalt, Freundschaften) erleben.


Re: so gehts halt amal zu

So gehts überall zu. Sie werden nicht viele Leute auf dieser großen weiten Welt finden, die Sie anstellen oder gar befördern, wenn Sie von Anfang an ankündigen ungehorsam sein zu wollen.

Sogar mit Kritik werden Sie sich in den meisten Fällen schon ziemlich schwer tun, gegen die allein hat der Kardinal aber nicht einmal etwas gesagt.

Antworten Antworten Gast: nebstbei
28.06.2012 21:37
0 0

Re: Re: so gehts halt amal zu

schon, schon, aber nennt sich dieses Gebilde nicht "Heilige Kirche" was doch a bisserl was andres ist als eine Firma oder ein Ministerium ?
.
Oder sind Wahlen zu protestantisch ?
Allerdings erinnere ich mich an Abtwahlen in manchen Konventen und im übrigen empfinde ich Mitleid für Schönborn, der hat sich dieses Amt aufbürden lassen und ist nicht so geerdet und in der gesellschaftlichen Wirklichkeit orientiert, wie sein Vorgänger es war.

Antworten Antworten Antworten Gast: smilodon
28.06.2012 23:00
0 0

Schönborn, der ... nicht so geerdet und in der gesellschaftlichen Wirklichkeit orientiert, wie sein Vorgänger es war

Erst Bescheid wissen, dann mitreden.
Weil ganz ernst können Sie das doch nicht meinen. Der Vorgänger von Schönborn war Groer!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: nebstbei
29.06.2012 17:09
0 0

Re: Schönborn, der ... nicht so geerdet und in der gesellschaftlichen Wirklichkeit orientiert, wie sein Vorgänger es war

danke für die Korrektur; den Groer hab ich doch glatt verdrängt

Re: Re: Re: so gehts halt amal zu

Schon, aber die Kirche hat nun einmal zwei Seiten.
Die eine ist die Verkündigung der Lehre. Da kann man Demokratie nun wirklich nicht brauchen, weil es gerade nicht darum geht sich an dem zu orientieren was die Leute haben wollen.
Das zweite ist die Administration. Da kann man mit Demokratie schon mehr anfangen, weshalb es ja etwa auch die Pfarrgemeinderäte gibt, die insbesondere hinsichtlich der Verwendung von Geldern einiges mitzureden haben. Wäre ausbaufähig, ist hier aber nicht wirklich das Thema.
Komplizierter wird es, wenn sich beides mischt, und das ist nunmal bei der Administration der Verkündigung der Fall.
Ist zwar was deutlich anderes als eine Firma oder ein Ministerium, aber ein paar Gemeinsamkeiten gibts trotzdem. Das Ziel einer funktionierenden Administration teilen alle, wenn auch mit unterschiedlichem Hintergrund.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: nebstbei
29.06.2012 17:06
0 0

Re: Re: Re: Re: so gehts halt amal zu

Danke für Ihre ausführliche Antwort!
Ihr nick ist mir auch aus anderen Diskussionen in positiver Erinnerung geblieben.

Gast: CEO
28.06.2012 15:24
2 0

Sollte wohl klar sein, oder?

Loyalität gegenüber seinem Chef ist wohl überall und seit jeher eine Grundvoraussetzung für eine Beförderung, in diesem Fall vertritt man den Chef gegenüber anderen Mitarbeitern sogar. Sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein.

Gast: Observer100
28.06.2012 14:50
5 0

Wenn interessiert´s

Hätte die Kirche leider nicht noch immer eine gewisse Machtfülle, würde dieses Geschätz ohnehin niemanden mehr interessieren.

So manche wünschten sich, es wäre noch wie vor hundert, oder mehr Jahren.

Da hat man noch so richtig ehrführchtig gebuckelt.

Nur kein Missverständnis. Es geht nicht um den Kern des Glaubens, sondern um das Bodenpersonal.

Gast: Würstel mit Senf
28.06.2012 14:12
7 0

Super

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück...Sehr konsequent, Herr Kardinal. Vielleicht wäre es einmal von Vorteil, zumindest die Diözese würde nicht zu jeder Pressemeldung ihren Senf abgeben. Der von Schüller reicht schon.

Gast: k.u.k Feldmarschall
28.06.2012 13:20
3 3

Ich bin über die Offenheit, die Wahrhaftigkeit und die Kollegialität der Diözöse und deren Aussagen sehr überrascht.

Was gesagt wurde, darf ich kurz zusammenfassen:

"Blablablablabla....laberlaberlaber......weihrauchschwangerweihrauchschwangerweihrauchschwanger......"