22.05.2013 11:51 Merkliste 0

Ednan Aslan: "Muslime brauchen gewisse Impulse"

01.07.2012 | 18:07 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Rund um die Feierlichkeiten zu "100 Jahre Islamgesetz" zieht Religionspädagoge Ednan Aslan kritische Bilanz. Er vermisst vor allem eine österreichische Prägung des Islam.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Presse: 100 Jahre Islam in Österreich – ist das ein Grund zum Feiern, oder sehen Sie dafür keinen Grund?

Ednan Aslan: Wir sollten uns freuen, dass wir so ein Gesetz haben, das ist eine Chance, ein Vorbild für Europa. Auf der anderen Seite müssen wir uns aber kritisch damit auseinandersetzen, was die Muslime in diesen 100 Jahren, oder eigentlich seit der Gründung der Islamischen Glaubensgemeinschaft 1979, geleistet haben.

 

Und was haben die Muslime erreicht?

Es gibt islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und Ausbildungsstätten für die Lehrer, das ist teilweise auch eine Leistung der Glaubensgemeinschaft. Aber was ist inhaltlich gelungen? Konnte man den Islam europäisch, österreichisch prägen? Die Muslime müssen in diesen Bereich noch hineinwachsen und sich dieser Anforderung stellen.

Aber es gibt doch islamische Einrichtungen, an denen auch Inhalte gelehrt und entwickelt werden.

Wir haben zwar einen privaten Studiengang für die Lehrerausbildung, aber eine kontextorientierte Religionspädagogik und eine Korandidaktik haben sich noch nicht entwickelt. Wir unterrichten den Koran sehr traditionsorientiert, ohne ihn in unserem europäischen Kontext neu zu reflektieren.

 

Das heißt, dass der Religionsunterricht nach traditionellen Mustern abläuft.

Wenn ich Koranunterricht sage, meine ich eher die Moscheen. An den öffentlichen Schulen haben wir auch das Problem, dass wir immer noch nicht genug qualifiziertes Lehrpersonal haben.

 

Wer genau ist da gefordert?

Die Islamische Glaubensgemeinschaft muss ihre Führungsrolle wahrnehmen und Akzente setzen, wie man eine Gemeinde im europäischen Kontext gestalten kann. Das ist auch eine Chance, dass wir islamische Verbände, die sehr heimat- und herkunftslandorientiert arbeiten, etwas beheimaten.

 

Haben Sie das Gefühl, dass die IGGiÖ da etwas unternimmt?

Ich sehe Bemühungen, dass man etwas erneuern möchte. Diese Reform hängt aber davon ab, wie weit die IGGiÖ sich vom Einfluss der Verbände befreien kann.

 

Macht das Präsident Fuat Sanac?

Er versucht es. Man sieht ja, dass viele Organisationen diesen Wandel zu spüren bekommen, deshalb versucht man, ihn auch in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Auf jeden Fall braucht Sanac seine Zeit, seine Chance. Es hängt sehr davon ab, ob er reformorientierte Kräfte gewinnen kann.

 

Vertritt die IGGiÖ einen modernen Islam?

Eine Religion kann natürlich den modernen Erwartungen einer säkularen Gesellschaft nicht entsprechen. Reformen können von Menschen getragen und gemacht werden, die IGGiÖ kann nur eine Infrastruktur schaffen, die fehlt noch. Wenn die IGGiÖ diese Ziele in dieser Periode nicht erreichen kann, wird man sich fragen, wozu man sie überhaupt braucht. Ist sie nur Handlanger für Verbände und Vereine? Eine Organisation, die nur Bescheinigungen ausstellt? Oder eine, die man wirklich für die Gemeindearbeit braucht?

 

Gerade in den einzelnen Moscheen hat die Glaubensgemeinschaft ja nicht besonders viel Einfluss.

Das ist die entscheidende Frage: Wer bestimmt die Inhalte? Es gibt keine Evaluation über Erfolge der Moscheen, wir wissen nicht, wie viele Kinder sie besuchen. Auch die Voraussetzungen für Gründungen fehlen – über Nacht können Sie eine Moschee gründen. Die Qualität einer solchen Einrichtung muss überprüft werden können. Wir haben auch jede Menge muslimische Kindergärten – wer evaluiert, was dort unterrichtet wird? Wer evaluiert die Privatschulen? Das ist nicht nur eine Aufgabe für den Stadtschulrat, sondern auch für die Glaubensgemeinschaft.

 

Gerade in der Ausbildung wird ja recht viel Hoffnung in die Frauen gesetzt, die Reformen bewirken können.

Es geht darum, dass die Frauen den Koran und Aussagen des Propheten aus ihrer Lebenswelt interpretieren. Wenn das einer Frau nicht gelingt, wird sie nur ihre traditionelle Rolle weitergeben. Das ist nicht Sinn und Zweck der weiblichen Prägung der islamischen Theologie.

 

In der IGGiÖ gibt es ja mittlerweile einige Frauen in wichtigen Positionen.

Die Erhöhung der Frauenanteile ist nicht unbedingt ein Zeichen für die Befreiung der Frau. Es sind auch Frauen, die ihre traditionelle Position verteidigen. Wenn sie die gleiche Theologie vertreten wie Männer aus dem 7.Jahrhundert, haben Sie von diesen Frauen nicht viel. Manchmal sehe ich auch bei Jugendorganisationen junge Frauen, die sehr traditionelle Verhältnisse verteidigen. Es gibt viele Männer, die sich mehr als Frauen selbst für Frauenrechte einsetzen.

 

Auch in die Jugend wird viel Hoffnung gesetzt.

Viele junge Leute, die hier aufgewachsen sind, leisten gute Arbeit. Aber auch bei Jugendorganisationen werden Sie Personen begegnen, die nach außen hin ein Scheinbild abgeben, intern aber eine andere Theologie vertreten.

 

Ist es nicht demütigend, dass beim Dialogforum Islam nur mit einer einzigen Religionsgemeinschaft über Integration diskutiert werden muss?

Wenn wir einen lebendigen innerislamischen Diskurs hätten, brauchten wir das Dialogforum nicht. Der Diskurs im Bagdad des 9. und 10. Jahrhunderts war vielfältiger und liberaler als in der Gegenwart in Wien. Dementsprechend brauchen die Muslime gewisse Impulse von außen. Weil wir sie von innen noch nicht entwickeln können.

Zu Person
Der 1959 im türkischen Bayburt geborene Ednan Aslan promovierte 1996 über die „Religiöse Erziehung der muslimischen Kinder in Österreich und Deutschland“ und setzt sich heute als Universitätsprofessor am Institut für Bildungswissenschaft für einen Islam europäischer Prägung ein. Mehr ...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

29 Kommentare
 
12
Gast: Kurz gesagt
02.07.2012 14:39
13 1

"Muslime brauchen vor allem einen Teppich''

Wären diese Zuwanderer aufgeklärte Atheisten,
hätte unser Österreich sicherlich weniger Probleme mit ihnen.

Gast: nina blum
02.07.2012 13:10
2 14

Einfach das Thema "Islam" und schon wird die Postergemeinschaft in der Freiheitlichen Bildungsakademie hysterisch.

Hat das mit dem Alkoholverbot im Islam zu tun?
Hmmmm?

Antworten Gast: gulululu
02.07.2012 23:31
6 2

Re: Einfach das Thema "Islam" und schon wird die Postergemeinschaft in der Freiheitlichen Bildungsakademie hysterisch.

wenn religion das hirn vernebelt,braucht man gar keinen alkohol.auch so ist man denkresistent.

Gast: Gasoline Alley
02.07.2012 11:53
17 2

Islam bedeutet Stillstand,Rückschritt und Untergang Europas.

Mit dem neverending Zuzug von Menschen aus den Islamischen Kulturkreis,
beginnen die Aufgaben und Probleme jeden Tag wieder von vorne.
Das einzige was überbleibt ist eine wachsende Parallelgesellschaft,
mit der wir uns immer schneller auf konfrontationskurs zubewegen.

13 2

Der Islam in Europa ist eine politische Bewegung und keine Religion.

Und sollte deshalb auch als solche behandelt werden!

Re: Der Islam in Europa ist eine politische Bewegung und keine Religion.

... er bildet einen Staat im Staat und ist deshalb verfassungsfeindlich.

Gast: inri
02.07.2012 10:42
8 3

Es gibt

keinen moderaten Islam, Moderate Muslime, ja, aber einen moderaten Islam? Nein.
(Adonis, der größte arabische Dichter der Gegenwart)
in Profil, Nr. 7., 13. Februar 2012)

aber wer ist schon der größte dichter arabiens im gegensatz zu den aufgeklärten friedens-religionsverstehern österreichs.

Gast: gastschreiber
02.07.2012 10:34
17 1

sollte der moslem-anteil in österreich weiter steigen

muß sich der islam gar nicht mehr ändern, dann wird einfach auf österreichische kultur gepfiffen.
diese zustände wünsche ich mir nicht herbei.

euro-islam. so ein schwachsinn. träume sind schäume.

Logik der Macht
Die dahinterstehende Logik ergibt sich aus dem Verhältnis von Liebe und Macht. Während die im Christentum gepredigte Liebe unbedingt auch Liebe zu Wahrheit, zur Gerechtigkeit, und zur Gewährung von Freiraum und Entfaltung für den "Nächsten" impliziert, herrscht im Islam durchweg die Logik der Macht vor. Macht aber will sich selbst erhalten - und alle anderen Größen weghaben, denn Freiheit, Gerechtigkeit usw stellen grundsätzliche Beschränkungen der Macht dar.

Der Islam ist die Religion der Macht. Wehret den Anfängen.

20 3

Islam

Der Islam ist eben nicht mit dem Christentum gleich zu setzen, da er eine agressive Gesellschaftsform mit einem religiösen Deckmantel darstellt.

Was passiert wenn die Anhänger des Islams einen gewissen prozentualen Anteil an der Bevölkerung erreichen, kann man in vielen Ländern dieser Erde erleben.......

Antworten Gast: nina blum
02.07.2012 13:07
3 15

Herzlichen Dank

für Ihren kompetenten Beitrag zur Polarisierung der Gesellschaft.
Hat der Stadtparkteich keinen Schatten?

Antworten Antworten Gast: gastschreiber
03.07.2012 07:49
10 2

Re: Herzlichen Dank

@ nina blum

sie haben ja so recht. lieber kuschen und die wahrheit ja nicht thematisieren. könnt ja die zuckerwattenharmonie beeinträchtigen, gelle

Re: Herzlichen Dank

Worin soll die Polarisierung bestehen, wenn er auf Krisenregionen hinweist?

Alle nicht Fußballinteressierten...

hatten gestern die Möglichkeit die Wiederholung eines der besten Tatorte im ORF zu sehen ("Baum der Erlösung").
Dort ging es genau um die angesprochenen Themen.
Felix Mitterer hat nur zu treffend die Ängste, Sorgen und Nöte der Einheimischen beschrieben, genauso wie deren Engstirnigkeit.
Andererseit gab es auch auf der Seite der muslimischen Bevölkerung wenig Einsicht und Intoleranz, aber trotzdem auch immer wieder positive Begegnungen.
Kurz gesagt: Der größte Fehler, dann man machen kann ist alle Menschen über einen Kamm zu scheren und zu pauschalieren - hüben wie drüben...

Re: Alle nicht Fußballinteressierten...

Sie haben schon Recht, man kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Aber vergleichen Sie einfach einmal die Inhalte der heiligen Bücher Quran und Evangelium, die die Basis zweier Religionen bilden. Da liegen Welten dazwischen! Ganz unabhängig von den Menschen, die sich mehr oder weniger zu den entsprechenden Religionen bekennen.

Oje

Wieder mal eine menge "freiheitlicher" Kampfposter unterwegs.
Wenn nur einer sich die Mühe gemacht hätte, das Interview ganz durchzulesen, dann hätte er bemerkt, dass die Ansichten des Interviewten sehr "liberal" sind - sicher liberaler, als die katholische Kirche noch vor 50 Jahren bei uns war!

Nur 16!

noch nicht vom WE erholt?

Wir sollten uns nicht selbst von einer Illusion überzeugen!

Das Islamgesetz entstand als Österreich noch ein Imperium war. Und zwar um eine Bevölkerungsschicht zufriedenzustellen die es in einem kuriosen Reichsteil gab: Die Bosniaken in Bosnien. Auf Grund einer Übereinkunft mit Ungarn wurde das eroberte Bosnien, samt Sarajevo als "Dominion beider Reichsteile" angesehen unter direkter Verwaltung des Kaisers. Unter diesen Vorzeichen wurde ein Islamgesetz vorbereitet welches es den Truppenteilen des neu eroberten Landes gestattete in der k. u. k. Armee zu dienen. Inklusive Imamen (Hoxas) die als Armeegeistliche dienten! Das war der alleinige Hintergrund des jetzt so viel gefeierten Gesetzes!

Gast: joseph
02.07.2012 00:29
23 1

aber auch bei jugendorganisationen

werden sie personen begegnen, die nach aussen hin ein scheinbild abgeben, intern aber eine andere theologie vertreten.

dieser satz sagt alles !!!!

Gast: Nix mit Scharia
01.07.2012 22:25
13 2

Solange sich die Muslime von verrückten Religiösen Fanatikern manipulieren und leiten lassen,

werden sie auf der ganzen Welt auf immer mehr Widerstand und Feindschaft stoßen.

Sie haben es selbst in der Hand.

Entweder sie wollen mit dem Rest der Welt einen gemeinsamen Weg in die Zukunft gehen,oder sie wollen weiter ihren rückwärtsgewandten Blutgetränkten Irrweg gehen.


Gast: bloß zitate
01.07.2012 20:07
33 1

Feierstunde?

"Wir unterrichten den Koran sehr traditionsorientiert, ohne ihn in unserem europäischen Kontext neu zu reflektieren.
Ist sie nur Handlanger für Verbände und Vereine?
Wenn wir einen lebendigen innerislamischen Diskurs hätten, brauchten wir das Dialogforum nicht. Der Diskurs im Bagdad des 9. und 10. Jahrhunderts war vielfältiger und liberaler als in der Gegenwart in Wien."
Wird Hr. Ednan Aslan nach diesem Interview Drohungen erhalten? ÖVP-SPÖ-GrünInnen, bitte ganz genau lesen, dann nachdenken, und nicht wieder neue Fördertöpfe einrichten. Die Muslime sind einmal gefordert!
Zensurtauglich?

42 5

Ein Impuls von außen

könnte das Abstellen jeglicher Extra-Zuwendungen sein.

Erfahrungsgemäß lernt der Mensch dann plötzlich schneller.

Antworten Gast: Ganser T
01.07.2012 20:10
28 1

Re: Ein Impuls von außen

Genauso ist es!
Und eine "Aufklärung" wie es das Christentum durchgemacht hat, täte auch nicht schaden, damit nicht sinnlos UNESCO Kulturdenkmäler zerstört werden, wie jüngst in Mali.

3 3

Wie viel Aufklärung verträgt eine Religion?

Im Grunde genommen verträgt keine Religion Aufklärung, denn am Ende der Aufklärung steht immer Atheismus. Was logisch ist, denn Gott ist wenig wahrscheinlich. Zwar kann die Nichtexisitenz Gottes genau so wenig bewiesen werden wie die Existenz, aber ersteres ist wahrscheinlicher als letzteres.
Nicht nur seit der Aufklärung sondern schon seit Anbeginn kämpfte das Christentum gegen die Demontage seines "Lehrgebäudes" und seiner "Erklärungen", wie die Welt "funktioniert! Stück für Stück werden die glaubensbestimmenden Wunder demontiert!

Antworten Antworten Antworten Gast: fixe
02.07.2012 08:15
3 6

Re: Wie viel Aufklärung verträgt eine Religion?

Schon interessant, was Atheisten - eigentlich antitheisten - so alles glauben müssen, um an die Nichtexistenz Gottes zu glauben!!?? Wie viel Hass und Un-Verstand und Un-Vernunft stehen da entgegen, um allein aus der Natur eine den Menschen gegenüber höheres Wesen erkennen zu können. Laß Deine abstrusen Äußerungen dort, wo sie hingehören ... Deine Brüder und Dein "Affe Gottes" werden Dir das vielleicht - nein, sogar sicher abkaufen!

Michael

Gast: goforce
01.07.2012 19:19
30 3

Kulturschock

Ihr braucht eher hier in Europa einen neue Entwicklungsphase den die meisten von euch leben noch mit eurer Religion/Kultur in der Steinzeit oder im Kindesalter dort wo noch das Faustrecht/Dummheit herrscht.

Antworten Gast: Gesichtschirurg
01.07.2012 22:25
1 13

Re: Kulturschock

Pardon,..."die Meisten...Steinzeit...Faustrecht"? Zum Glück sind religiöse Fanatiker und gewaltsame Spinner in der Minderheit, so wie Leute Ihresgleichen.


 
12