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Vatikan: Deutscher wird oberster Glaubenshüter

02.07.2012 | 15:13 |   (DiePresse.com)

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wurde zum neuen Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation ernannt. Kritiker nennen Müller hingegen einen "bornierten Scharfmacher".

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Papst Benedikt XVI. hat den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation ernannt. Das teilte der Vatikan am Montag mit. Der 64 Jahre alte Geistliche wird damit zum obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche. Benedikt erhob Müller gleichzeitig mit dem Ruf nach Rom zum Erzbischof.

Der 64-Jährige löst auf diesem wichtigen Posten in der römischen Kurie den amerikanischen Kardinal William Joseph Levada ab, der im Alter von 76 Jahren in den Ruhestand tritt. Levada war als Präfekt der Kongregation Nachfolger von Joseph Ratzinger. Ratzinger hatte das Amt bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 mehr als zwei Jahrzehnte lang inne.

Müller - ein gebürtiger Mainzer - war seit 2002 Oberhirte im Bistum Regensburg. Der 64-Jährige ist unter Theologen hochangesehen.  Kirchenkritiker hat er oft mit scharfen Worten angegriffen. "Ich bin nicht konfliktsüchtig - aber auch nicht harmoniesüchtig", sagte er einmal. "Ich gehe einfach den Weg, den man gehen muss."

Deutsche Bischofskonferenz ist stolz

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) reagierte "mit großer Freude" auf die Entscheidung des Papstes. "Die Deutsche Bischofskonferenz ist stolz, dass einer ihrer Mitbrüder künftig diese wichtige Aufgabe an der römischen Kurie wahrnehmen wird", erklärte der DBK-Vorsitzende und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Müller sei einer der "profiliertesten Theologen der Gegenwart". Er habe als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte die zeitgemäße Darstellung des kirchlichen Glaubens weltweit geprägt.

Müller sei für das Leitungsamt "hervorragend geeignet und vorbereitet", urteilte Kardinal Christoph Schönborn. Dass der Papst "einen für seine Rechtgläubigkeit bekannten Theologen für dieses Amt ernennt, sollte nicht verwundern", sagte der Wiener Erzbischof gegenüber "Kathpress". Kardinal Schönborn kennt Bischof Müller seit über dreißig Jahren aus dem Kreis der theologischen Fachkollegen und vom gemeinsamen Wirken in der Glaubenskongregation und in der Internationalen Theologenkommission des Vatikan.

Weites theologisches Spektrum

Für Bischof Müller spreche vor allem sein "weites theologisches Spektrum". Kardinal Schönborn verwies darauf, dass Müller "Lateinamerika sehr gut kennt". Seine Sprachkenntnisse würden ihn "für das Gespräch mit dem größten katholischen Kontinent" sehr befähigen. Weiters bringe der neue Leiter der Glaubenskongregation eine "große Vertrautheit der evangelischen Theologie und mit der Ökumene" mit.

Der katholische Theologe Hans Küng in Tübingen nannte dagegen Müllers Berufung eine "katastrophale Fehlbesetzung". "Als Präfekt der Glaubenskongregation ist dieser bornierte Scharfmacher fehl am Platz", sagte Küng am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Wem an einer zeitgemäßen Verkündigung des christlichen Botschaft gelegen sei, der könne an einer solchen Entscheidung verzweifeln. "Konflikte in der von Skandalen geschüttelten Kurie und römischen Kirche sind mit Müllers Ernennung vorprogrammiert." Küng war 1979 auf Initiative der Glaubenskongregation in Rom die kirchliche Lehrbefugnis entzogen worden.

(APA/dpa)

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17 Kommentare
Gast: richard28
03.07.2012 11:18
2 1

Nur Qualität zählt...


Der Tübinger Theologe Hans Küng hat unter der Glaubenskongregation zunächst sehr gelitten, dann aber erfahren, dass diese nur jene Macht besitzt, die ihr von den an Theologie interessierten Menschen eingeräumt wird...

Hans Küng gehört trotz des verhängten Lehrverbotes heute zu den meistgelesenen Theologen. Auch der Papst weiss das und studiert seine Publikationen. Das wird auch Bischof Müller nicht ändern können. Wieviel Beachtung die Glaubenskongregation in Zukunft noch finden wird, wird allein von der Qualität ihrer Arbeit und von der Demut ihres Auftretens abhängen. Vom Rot und Purpur der Kleidung der Funktionsträger lässt sich heute niemand mehr aus den Socken reissen.


Antworten Gast: Schweiger H.
03.07.2012 12:08
1 1

Re: Nur Qualität zählt...

Die Qualität dürfte mit Müller wohl gegeben sein. Und die Aufgabe der Kongregation ist ziemlich klar definiert.

Gast: Mundschenk
03.07.2012 08:43
1 1

Klare Sache

Im Gegensatz zu den österreichischen Bischöfen, wissen die "Initiativen" welchen Platz sie bei Müller einnehmen. Insoweit werden nun wohl auch ihre Forderungen nach klaren Worten erfüllt.

Gast: Kohlegger
03.07.2012 08:40
0 1

Dann doch lieber...

Angesichts der Art von einigen Kommentaren in diesem Forum scheint der Papst wohl genau die richtige Wahl getroffen zu haben.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wurde zum neuen Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation ernannt (I)


„Vor ein paar Jahren hieß das oberste Laiengremium noch Diözesanrat, und sein damaliger Vorsitzender Fritz Wallner verbindet ein völlig anderes Bild mit Müller: von einem Bischof, der nicht dialogfähig sei; der frustrierte Priester und gedemütigte Laien hinterlasse; der Entscheidungen nur schriftlich durchsetzen könne.

Als Müller 2005 zum Gespräch geladen habe, sei er nicht in der Lage gewesen, die Änderung der Pfarrgemeinderatssatzung offen anzusprechen. Dabei hatte er sie bereits in Kraft setzen lassen.“

„Die Zahl der Regensburger Katholiken ist in den vergangenen Jahren um mehr als 100.000 auf 1,24 Millionen gesunken“

http://www.sueddeutsche.de/bayern/bischof-mueller-nach-rom-berufen-abschied-eines-polarisierers-1.1399771-2


„Reformgruppen in der katholischen Kirche bezeichnete er kürzlich als "parasitäre Existenzform", die selbst nichts zustande bringe.“

http://derstandard.at/1339639579663/Deutscher-Bischof-wird-Nummer-zwei-im-Vatikan



Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wurde zum neuen Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation ernannt (II)


„Im vergangenen Jahr sorgte er mit einer Provokation der evangelischen Kirche für Aufsehen. Er forderte die evangelische Seite damals auf, sich "ganz offiziell" von der Behauptung des Reformators Martin Luther zu distanzieren, dass der Papst der Antichrist sei. Das brachte ihm auch in der katholischen Kirche Ärger ein. Ihm wurde vorgeworfen, mit der Attacke von Missbrauchsskandalen ablenken zu wollen.“

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/vatikan-gerhard-ludwig-mueller-wird-chef-der-glaubenskongregation-a-842083.html


„…ein kleines Dorf, das sich von Müller verraten und im Stich gelassen fühlte. Alle Reformen, jede zerstörte Kommunikation mit mündigen Laien sei nichts im Vergleich zu dem, was in Riekofen geschah, sagen Kritiker: als das Bistum einen Priester einsetzte, der sich Jahre zuvor an einem Ministranten vergangen hatte - und sich erneut des Missbrauchs schuldig machte.

Müller schimpfte auf die Justiz und die Medien, eine Entschuldigung brachte er bis heute nicht über die Lippen. "Viele hier sind froh, dass er geht", sagt Riekofens Bürgermeister Armin Gerl. "Aber jetzt hat er noch mehr Einfluss." Überhaupt müsse man sehen, was da nachkomme.“

http://www.sueddeutsche.de/bayern/bischof-mueller-nach-rom-berufen-abschied-eines-polarisierers-1.1399771-2



Gast: Kirchenfeind
02.07.2012 20:30
5 1

Bitte mehr von diesem Schlag!


Antworten Gast: _gast_
02.07.2012 22:48
2 0

Re: Bitte mehr von diesem Schlag!


keine Angst, in Österreich stehen wieder einige Bischofsernennungen an :o(


Gast: Supermännlein
02.07.2012 19:32
3 0

Es gibt eine Alternative

Wer sich beschwert kann gerne der Altkatholischen Kirche beitreten. Die haben vor langer Zeit die richtigen Schritte gesetzt ...

Frag mich schon länger, warum man sich die römisch-katholischen noch antut.

14 0

@ „Er [Bischof Müller] habe als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte die zeitgemäße Darstellung des kirchlichen Glaubens weltweit geprägt“






na dann prost…






14 0

@ Latainamerika, der „größte katholische Kontinent“






nach dem Wirken von Wojtyła & Ratzinger nicht mehr lange…






14 0

@ „Als Präfekt der Glaubenskongregation ist dieser bornierte Scharfmacher fehl am Platz“






gibt es denn überhaupt noch Alternativen im hohen Klerus…?






Gast: Harald K., 1040 Wien
02.07.2012 18:51
7 0

bornierten Scharfmacher

und wieder ein Fundamentalist

Antworten Gast: _gast_
02.07.2012 22:49
3 0

Re: bornierten Scharfmacher


was sonst :o(


Gast: justerix
02.07.2012 15:56
10 1

Neuer "Chef" der glaubenskongregation

0bwohl ich Küng gegenüber eher kritisch eingestellt bin - hier liegt er richtig. Diejenigen, die im Vatikan die Zeit hinter das II.Vatikanum zurückdrehen wollen werden leider immer stärker.
Alleine schon das Getue um die Pius-Brüder ist ärgerlich.
Ein Konzil übt zusammen mit dem jeweiligen Papst höchste Lehrgewalt in der r.k. Kirche aus. Wer die Beschlüsse dieses Konzils nicht anerkennt oder sie ständig "auszuhebeln" versucht, ist auch ungehorsam! Nur seltsamer Weise bemüht man sich um diese Brüder....

Antworten Gast: Harald K., 1040 Wien
02.07.2012 18:57
7 0

Re: Neuer "Chef" der glaubenskongregation

den weltweit gerade mal 300 Piusbrüdern biedert sich die Kirche an, mit den allein in Österreich über 300 Priestern der Pfarrerinitiative verweigert die Kirche das Gespräch

Antworten Antworten Gast: _gast_
02.07.2012 22:50
2 0

Re: Re: Neuer "Chef" der glaubenskongregation


gelebter Katholizismus :o(